virtuelle hat geschrieben:Wie kann man Newbies, die erstmals ins Forum kommen und vielleicht noch ein Foto von ihrem Rücken einstellen, die Standard-Antwort geben, für eine richtige Diagnose müssen sie am besten nach Stuttgart fahren und sich zur Therapie ein Korsett machen lassen und eine mehrwöchige Reha machen (davon abgesehen, dass im Erwachsenenalter eine vollkommene Genesung nicht möglich ist).
Man kann anhand eines Fotos entweder sehen, dass man so nichts erkennen kann (aber nichts ausschließen kann) oder aber man kann auch Gradzahlen auf +- 10-20 Grad genau abschätzen. Gradzahlen anhand von Fotos schätzen können viele von uns.
Wir haben aber hier doch zum Beispiel auch extra eine Anleitung zum ausmessen der Gradzahl:
skoliosimetrie.php
Was ist denn deiner Meinung nach die Intention davon?
Wie kommt man rein vom Betrachten von Fotos auf solch eine "Diagnose"?
Erfahrung! Außerdem ist es in den seltensten Fällen nur das Bild, dazu gehört ja auch eine Beschreibung der Beschwerden; das ist ja der Hauptgrund warum man überhaupt fragt.
Ich glaube es hat noch keiner nachfragen müssen, ob man was wegen der Optik unternehmen müsste/sollte. Das wird ja jeder selber wissen.
Man muss sich aber eben darauf einlassen, seine Haltung in allen alltäglichen Situationen aktiv zu verändern. Man muss erkennen, dass die aktuell als richtig empfundene Haltung falsch ist und sich beharrlich eine andere, bessere Haltung mit verändertem Körperschwerpunkt erarbeiten. Dass das vielleicht nicht ohne Hilfsmittel oder Rat von außen geht ist klar, aber die meiste Arbeit sollte doch von jedem Individuum selbst kommen.
So, jetzt hast du sehr schön Schroth beschrieben.
Und Rat von außen findet man sicher auch überall vor Ort.
Ne, eben gerade nicht. Es gibt eine ganze Reihe von physiotherapeutischen Methoden gegen Skoliose, von denen viele, obwohl sie gezielt zur Bekämpfung der Skoliose von Physiotherapeuten und Ärzten entwickelt wurden, sogar genau das Gegenteil bewirkt haben, nämlich eine Verschlechterung; ganz einfach weil Denkfehler in der Theorie waren. Die skoliotische Krümmung ist halt sehr komplex und es bedarf sehr viel (mitunter auch technischen) Sachverstand, um hierfür eine Lösung zu finden.
Etliche Ansätze der Skolioetherapie sind gescheitert und aus diesen Fehlern sollte man lernen und sie nicht noch einmal machen. Wer meint er könne mal so eben eine Behanldungsmethode aus dem Ärmel schütteln, der überschätzt sich und wird sehr wahrscheinlich im Endeffekt seinen Patienten mehr Schaden zufügen als ihm nutzen.
Man erfindet das Rad nicht neu auf Kosten von Patienten.
Und man sollte vielleicht auch bei den hier vorherrschenden Therapien nicht die Nachteile vergessen. Wenn man sich tagtäglich die meiste Zeit in ein Korsett zwängt, wo ist da die Aussicht auf eine gesunde Haltung, die man problemlos den ganzen Tag über selbstständig aufrecht erhaltend kann?
Und was ist jetzt genau die Begründung, warum man mit Korsett keine gesunde Haltung den ganzen Tag selbständig aufrechterhalten kann? Den Zusammenhang, wie man vom einen auf das andere schließt, kann ich nicht erkennen.
Man kann Menschen nicht mit Gewalt in eine bestimmte Haltung zwängen, auch wenn diese dann theoretisch korrekt wäre. Praktisch ist sie für den einzelnen aufgrund seiner individuellen Wirbelsäulenschäden vielleicht (noch) nicht selbst aktiv einnehmbar und vielleicht sogar eher schädlich als wirklich nützlich.
Auch hier, warum genau kann man Menschen nicht mit "Gewalt" (Krafteinwirkung) in eine bestimmte Haltung bringen?
In welcher Weise spricht es dagegen, dass man diese Haltung (noch) nicht selbst einnehmen kann?
Und wieso kann man / sollte man das Risiko von "vielleicht sogar eher schädlich als wirklich nützlich" nicht eingehen, wenn die Skoliose selbst zum Beispiel auch ein "100%iges Risiko" von Schmerzen mit sich bringt (sprich wenn sie da sind) oder vielleicht eine bis über 90%ige Verschlechterungswahrscheinlichkeit bestehen kann?
Meiner Meinung nach ist Bewegung die effektivste Therapie. Jeder mit aus dem Gleichgewicht geratener Haltung kompensiert doch irgendwo, hat Wirbelsäulenabschnitte, die sich nicht so bewegen (lassen), wie sie eigentlich sollten und andere, die sich mehr bewegen (lassen), als sie eigentlich sollten.
Hauptkrümmungen sind strukturell fixiert, Nebenkrümmungen sind es nicht oder weniger und kompensieren erstere. Soweit also richtig. Wie genau mobilisiert man nur die fixierten Teilabschnitte der WS ohne dies bei den anderen auch zu tun? Und welchen Anreiz zum Aufrichten gegen die Schwerkraft hätte der Körper, wenn es ihm gelingen würde, ausschließlich die fixierten Teile zu mobiliseren, wo der Körper sich doch bereits in einem Gleichgewicht befindet?
In der Praxis sieht es so aus, dass es garnicht möglich ist, nur die fixierten Teile zu mobiliseren und eine Mobilisation zu größerer Progredienz führt! Das sind die Schlüsse, die man aus den gescheiterten Skoliose-Therapien ziehen konnte.
Eine Therapie sollte für mich immer Verständnis für richtige Haltung und richtige Bewegung zum richtigen Zeitpunkt als Ziel haben. Und man sollte Hilfesuchenden doch eher das Ziel verdeutlichen und sie anspornen, sich den Weg selbst zu bahnen mit Therapien, mit denen sie vor allem langfristig glücklich sind und motiviert ans Werk gehen. Das bringt einen unheimlichen Optimismus, wenn man selbst etwas schafft, auch wenn es nur kleine Fortschritte sind. Und vor allem sind es dann eben mit größerer Wahrscheinlichkeit auch dauerhafte Fortschritte, weil es eine selbst erarbeitete Änderung ist.
Ja, das wäre dann Schroth!
Ich sehe keinen Sinn darin, eine über Jahre hinweg angelernte Fehlhaltung mit Korsett möglichst schnell gerade biegen zu wollen, wenn keine Schmerzen mehr vorhanden sind.
Dafür bräuchte man dann aber Ersatztherapien (wie Schroth), die dafür sorgen, dass der vorherige Zustand nicht wieder eintritt. Die sind aber unter Umständen aufwändiger und zeitintensiver.
Man kann zum Beispiel mit Schroth sicherlich genau den selben Korrektureffekt erreichen wie mit einem Korsett, dafür gibt es haufenweise Beispiele, insbesondere aus den Zeiten, wo es noch intensiver betrieben wurde. Der Aufwand ist halt größer.
Und ich habe gelernt, dass in erster Linie immer ich selbst schuld bin, wenn etwas nicht so klappt wie vorgehabt und dass ich die Dinge selbst am besten ändern kann, wenn sie mir wichtig genug sind und ich es auch wirklich will.
Dir sind aber Grenzen gesetzt, wie jedem anderen auch! Du kannst nicht alles erreichen, selbst wenn du dir noch so viel Mühe gibst.
Eigentlich dachte mein Physiotherapeut wohl schon vor 2 Jahren, dass ich meine Therapie nun beende, weil ich ziemlich beschwerdefrei war. Aber ich komme trotzdem noch regelmäßig zu ihm, weil ich mittlerweile perfektionistisch veranlagt bin, was meine Wirbelsäule betrifft.
Und da hälst du Korsett-Trägern vor, wenn sie ihr Korsett nicht beim Eintreten von Schmerzfreiheit sofort abschulen wollen?
mit denen man angeblich im Erwachsenenalter seine Körperstatik nicht mehr verändern kann?
Wer hat denn das geschrieben? Natürlich kann man im Erwachsenenalter seine Körperstatik ändern. Es gibt ja einen fixierten Anteil der Fehlhaltung und einen nichtfixierten. Die Prozentzahlen variieren von Person zu Person, beide Arten von Fehlhaltung sind aber praktisch bei jedem vorhanden.
Gab es nicht auch hier in diesem Forum schon Berichte über andere Länder in denen in der Wirbelsäulentherapie viel bessere Erfolge erzielt worden sind?
Ja, Wirbelsäulen-Operationen erzielen "bessere Erfolge" gemessen in Gradzahlreduktion etc. pp.! Aber ansonsten habe ich hier noch keinen solchen Bericht gelesen.