Anchetcheprure hat geschrieben:Abwarten ist das richtige Stichwort, denn es interessiert mich brennend, was die anderen eventuell noch dazu sagen werden
Also, Du wolltest noch Kommentare haben.
Ich weiß, daß wir früher sehr große Ausweichräume in den Rahmouni-Korsetten hatten, heute viel weniger.
Aus Sobernheim (in den Weißchen Büchern) kam Kritik an den Korsetten mit den hervorragenden radiologischen Ergebnissen aber schlechten kosmetischen Resultaten.
Das war für mich (uns) nicht ganz nachvollziehbar, weil im selben Atemzug immer nur von Flachrücken die Rede war, der zwar funktionell Probleme bereiten kann, aber ein kosmetisches Problem ja wirklich erst dann darstellt, wenn er ganz extrem ist, in der Regel also eher garnicht.
Ich habe bei meiner letzten Rahe in Sobernheim von einem Therapeuten erfahren, was damit eigentlich gemeint war. Es ging nicht um Flachrücken sondern um Rippenbuckelbildung und der Gleichen auf der jeweils anderen Seite.
Ich selbst hatte ja mit ca. 60° eine von den größten Skoliosen, die bis dato noch mit Korsett behandelbar sind. Wenn man meine Bilder nach einem Jahr anschaut (Bild ganz rechts)

sieht es bereits aus, als ob es leicht überkorrigiert wäre. Die Bilder von vorne (die ich hier natürlich nicht veröffentlichen werde

) sehen noch sehr viel mehr überkorrigiert aus, und das obwohl meine Wirbelsäule niemals ganz korrigiert und erstrecht nicht überkorrigiert war.
Geht man jetzt von der Mehrzahl der Korsett versorgten Patienten aus, dann haben die wesentlich geringere Krümmungen, dementsprechend auch viel bessere Korrekturen im Korsett und die optische Überkorrektur fällt noch stärker aus, so daß dann eben optisch eine Skoliose in die genau entgegengesetzte Richtung entsteht (mit Rippenbuckel, herausstehender Hüfte und allem was dazu gehört).
In gewisser Weise ist es auch logisch, schließlich ist der menschliche Körper flexibel und die Wirbelsäule nicht mit den Rippen verwachsen. Sprich, die Teile außenrum folgen der Korrektur sehr viel schneller als die Wirbelsäule selbst. Das geht nach Korsettabschulung zu einem Teil wieder zurück, aber allein schon bei mir mit meiner vergleichbar großen Skoliose ist es nicht ganz zurück gegangen. Teile von dieser optischen Überkorrektur habe ich bis heute, sind also irreversibel.
Das ist also die Kritik aus Sobernheim und ich schätze (ich weiß es nicht), daß das auch der Grund für die Reduktion der Ausweichräume in den Rahmouni-Korsetten sein könnte. Zur Vermeidung der kosmetisch unschönen Nebeneffekte.
Die Ausweichräume in meinem Korsett decken sich hundertprozentig mit den Atemstellen die mir die Sobernheimer Therapeuten vorschreiben. Was meine kleine verbleibende "schwache Seite" angeht, so habe ich dort keine Atemstelle mehr, obwohl sie natürlich immernoch vorhanden ist. Zwischen den Sobernheimer Therapeuten und dem Rahmouni-Korsett herrscht da also Konsens.
Nachteil davon ist, daß man öfters neue Pelotten braucht, weil man sie nicht ganz soweit abnutzen (plattdrücken) kann, wie man es machen könnte, wenn größere Ausweichräume (in meinem Fall an der Schwachen Seite; dort habe ich kein Fenster mehr im Korsett) zur verfügung stünden.
Das sind Dinge, die speziell bei einer Korsett-Versorgung im Erwachsenenalter eine Rolle spielen, weil ich da selbstverständlich nicht ganz so oft nach Stuttgart fahren möchte, um neue Pelotten zu bekommen.
Die Freiräume an der Hüfte könnten aber wirklich zu sehr unschönen Fettumverteilungen führen, weil Fett ist halt nunmal das einzige, was im Erwachsenenalter noch wächst!
Die genaue Antwort für die Reduktion der Ausweichräume in den Korsetten kann aber sicher nur Rahmouni selbst geben, ich kann hier nur vermuten.