Hallo zusammen,
zunächst einmal entschuldigt bitte mein schlechtes Deutsch. Dieser Text wurde übersetzt, da ich aus Flandern in Belgien komme.
Ich bin ein 48-jähriger Mann, 2,07 m groß und habe erst im vergangenen Jahr die Diagnose einer Hyperkyphose von 83 Grad und einer Lordose von 63 Grad erhalten. Außerdem besteht mit großer Wahrscheinlichkeit eine Bindegewebserkrankung (wie z. B. Marfan oder eine andere).
Meine Tochter (heute 21 Jahre alt) hat ebenfalls eine Skoliose.
Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich schon als Kind einen Rundrücken, denn meine Eltern haben mir immer gesagt, ich solle mich gerade halten.
Außerdem habe ich seit etwa 15 Jahren Probleme mit einer Spondylolyse-bedingten Anterolisthese Grad 1 (verschobener Wirbel) auf Höhe L5–S1.
Wegen des verschobenen Wirbels habe ich bereits sehr viel Physiotherapie, Osteopathie, Rückenschule, Schmerztherapie und Infiltrationen ausprobiert. Da nichts wirklich geholfen hat, musste ich irgendwann sogar meine Arbeit anpassen.
Da ich im Laufe der Jahre zunehmend auch Beschwerden im oberen Rücken und im Nacken bekam, bin ich im vergangenen Jahr zu einem Wirbelsäulenspezialisten in unserer weiteren Umgebung gegangen. Es wurden Röntgenaufnahmen gemacht und laut seiner Aussage ist die Hyperkyphose sehr ausgeprägt, allerdings bin ich noch flexibel genug. Daher wurde zunächst empfohlen, Physiotherapie und Krafttraining zu machen.
Aus eigener Initiative bin ich anschließend zu einer Schroth-Therapeutin gegangen (es gibt nur zwei davon in Belgien).
Was ich sehr auffällig fand: Der Wirbelsäulenspezialist hatte von der Schroth-Methode noch nie gehört und musste sie sogar googeln. Das fand ich für jemanden, der auf die Wirbelsäule spezialisiert ist, schon etwas ungewöhnlich.
Bei der Schroth-Therapeutin habe ich viele Übungen gelernt und hatte das Gefühl, dass meine Beschwerden und meine Situation wirklich ernst genommen wurden. Sie hat allerdings auch erwähnt, dass sie mehr Erfahrung mit Skoliose hat, vor allem bei jüngeren Patienten, die sich noch im Wachstum befinden. Mit einem Menschen mittleren Alters und einer derart ausgeprägten Kyphose hatte sie bisher nicht so viel Erfahrung. Ich war ungefähr 18 Sitzungen bei ihr und habe auf jeden Fall vor, noch einmal hinzugehen.
Zurzeit gehe ich alle paar Wochen zum Physiotherapeuten für Dry Needling im Nacken und oberen Rücken, um die durch die Fehlhaltung verspannten Muskeln zu lockern.
In den letzten Monaten habe ich zunehmend Beschwerden. Vor allem habe ich das Gefühl eines Drucks im Nacken, bekomme bei Belastung weniger Luft, habe Kribbeln neben der Schulter und sehr häufig Kopfschmerzen. Besonders schwierig ist es, wieder einzuschlafen, wenn ich nachts aufwache. Ich schlafe normalerweise auf dem Bauch, aber wegen der Schmerzen wechsle ich ständig die Position, und nichts scheint wirklich zu helfen. In den letzten zwei Jahren habe ich bereits mindestens vier verschiedene Kopfkissen gekauft, aber keines davon hat wirklich geholfen.
Gibt es hier im Forum noch andere Menschen mit einer ähnlichen Situation?
Ich würde hier im Forum gerne mitlesen und bin für alle Tipps und Erfahrungen sehr dankbar.
Entschuldigt bitte schon jetzt den langen Text.
Viele Grüße
Tom
Hyperkyphose 83 grad.
- Klaus
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Re: Hyperkyphose 83 grad.
Hallo Tommy,
Du hast wahrscheinlich schon gelernt, dass es hier um verkürzte Strukturen (übrigens im gesamten Körper) und damit um notwendige Dehnung geht.
Ein häufiges Problem bei Hyperkyphose kann nämlich sein, dass man beim Versuch den Oberkörper zu strecken (Korrektur der Hyperkyphose) automatisch das vorhandene Hohlkreuz (Hyperlordose) verstärkt. Auch wenn das bei Dir wenig ausgeprägt ist.
Insofern sind solche leider häufigen Empfehlungen wie Krafttraining oder "machen Sie einfach Muskelaufbau" und zumindest in Deutschland auch unspezifischer REHA Sport über 1 Jahr mit Vorsicht zu betrachten. In der Regel geht es eher um einen Muskelumbau.
Grundsätzlich gibt es ja symmetrische Schroth Übungen bei Hyperkyphose/Hyperlordose und asymmetrische Übungen bei Skoliose.
Deswegen empfiehlt sich eine stationäre spezielle Schroth REHA über 3-4 Wochen in Bad Salzungen oder Bad Sobernheim, wo man die meisten Erfahrungen mit den unterschiedlichen Patienten hat. Ich weiß nicht, wie das in Belgien mit der Kostenübernahme geregelt ist?
Das betrifft auch Ärzte bzw Spezialisten im Ausland, also in Deutschland. Hier gibt es aktuell für Erwachsene nur die Möglichkeit mit dem MVZ in Bad Sobernheim:
https://www.skoliose-info-forum.de/view ... =25&t=6472
Noch eine Anmerkung zur Diagnose Hyperkyphose 83° und Hyperlordose 63°:
Die Normalwerte sind
BWS Kyphose 25"-40° LWS Lordose 35°-55°
Damit bist Du bei der Kyphose 43°und bei der Lordose aber nur 8° darüber.
Da die Wirbelsäule insgesamt den Ausgleich versucht, kann möglicherweise in der HWS eine Hyperlordose vorliegen. Oder Du stehst nicht im Lot, oder beides.
Gruß
Klaus
Na ja, es geht hier eher um die praktischen Erfahrungen eines Orthopäden mit der konservativen Behandlung von Fehlstellungen der Wirbelsäule, insbesondere bei Erwachsenen. Das ist schon ein besonderes Thema, weil man hier nicht pauschal vorgehen kann und eben viele ganz unterschiedliche Fehlstellungs-Patienten braucht.Der Wirbelsäulenspezialist hatte von der Schroth-Methode noch nie gehört und musste sie sogar googeln. Das fand ich für jemanden, der auf die Wirbelsäule spezialisiert ist, schon etwas ungewöhnlich.
Das klappt nur, wenn man, wie Du auch in Eigeninitiative, Schroth Therapie macht, um das richtige ganz individuelle Körpergefühl zu lernen bzw. zu spüren, um damit richtig bzw. gezielt zu trainieren. Man kann da viel falsch machen.Daher wurde zunächst empfohlen, Physiotherapie und Krafttraining zu machen.
Du hast wahrscheinlich schon gelernt, dass es hier um verkürzte Strukturen (übrigens im gesamten Körper) und damit um notwendige Dehnung geht.
Ein häufiges Problem bei Hyperkyphose kann nämlich sein, dass man beim Versuch den Oberkörper zu strecken (Korrektur der Hyperkyphose) automatisch das vorhandene Hohlkreuz (Hyperlordose) verstärkt. Auch wenn das bei Dir wenig ausgeprägt ist.
Insofern sind solche leider häufigen Empfehlungen wie Krafttraining oder "machen Sie einfach Muskelaufbau" und zumindest in Deutschland auch unspezifischer REHA Sport über 1 Jahr mit Vorsicht zu betrachten. In der Regel geht es eher um einen Muskelumbau.
Das kommt in Deutschland leider auch oft vor, weil Ärzte hauptsächlich Kinder und Jugendliche mit Skoliose behandeln bzw. den Fokus auf eine Skoliose legen, selbst dann, wenn eine Hyperkyphose eigentlich das Hauptproblem ist. Den Therapeuten fehlt damit die Erfahrung, die sie nach der kurzen Ausbildung zum Schroth Therapeuten eigentlich ständig weiter entwickeln müssen.Sie hat allerdings auch erwähnt, dass sie mehr Erfahrung mit Skoliose hat, vor allem bei jüngeren Patienten, die sich noch im Wachstum befinden. Mit einem Menschen mittleren Alters und einer derart ausgeprägten Kyphose hatte sie bisher nicht so viel Erfahrung. Ich war ungefähr 18 Sitzungen bei ihr und habe auf jeden Fall vor, noch einmal hinzugehen.
Grundsätzlich gibt es ja symmetrische Schroth Übungen bei Hyperkyphose/Hyperlordose und asymmetrische Übungen bei Skoliose.
Deswegen empfiehlt sich eine stationäre spezielle Schroth REHA über 3-4 Wochen in Bad Salzungen oder Bad Sobernheim, wo man die meisten Erfahrungen mit den unterschiedlichen Patienten hat. Ich weiß nicht, wie das in Belgien mit der Kostenübernahme geregelt ist?
Das betrifft auch Ärzte bzw Spezialisten im Ausland, also in Deutschland. Hier gibt es aktuell für Erwachsene nur die Möglichkeit mit dem MVZ in Bad Sobernheim:
https://www.skoliose-info-forum.de/view ... =25&t=6472
Noch eine Anmerkung zur Diagnose Hyperkyphose 83° und Hyperlordose 63°:
Die Normalwerte sind
BWS Kyphose 25"-40° LWS Lordose 35°-55°
Damit bist Du bei der Kyphose 43°und bei der Lordose aber nur 8° darüber.
Da die Wirbelsäule insgesamt den Ausgleich versucht, kann möglicherweise in der HWS eine Hyperlordose vorliegen. Oder Du stehst nicht im Lot, oder beides.
Gruß
Klaus
-
Tommy05
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- Registriert: So, 13.09.2026 - 17:23
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- Diagnose: Hyperkyphose 83 grad
- Therapie: Schroth-Therapie
Re: Hyperkyphose 83 grad.
Hallo Klaus,
vielen Dank für diese klare und ausführliche Erklärung!
Was ich besonders schwierig finde, gerade bei der Schroth-Therapie, ist, die Übungen zu Hause richtig auszuführen. Zu Hause ist niemand da, der kontrollieren kann, ob die Haltung wirklich richtig ist.
Vor allem, weil mein letzter Termin bereits ein Jahr her ist. Aber nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall wieder hingehen. Schade, dass die Anfahrt so weit ist.
Ich gehe allerdings alle paar Wochen zu meinem „normalen“ Physiotherapeuten für Dry Needling und manuelle Therapie.
Die Übungen mache ich eigentlich nur nach den Anweisungen meiner Schroth-Therapeutin, weil ich diesen Übungen vertraue.
Manchmal probiere ich auch Übungen von YouTube aus, allerdings nur von offiziellen bzw. seriösen Kanälen.
So habe ich vor einigen Monaten eine Klimmzugstange gekauft, an der ich mich einfach aushänge, um den Wirbeln etwas mehr Raum zu geben. Das wurde mir bereits vor Jahren in der Rückenschule empfohlen.
Hier in Belgien bekommt man eine Kostenrückerstattung nur, wenn die Behandlung im eigenen Land stattfindet. In den Niederlanden soll es ebenfalls eine spezialisierte Klinik geben, aber das ist für mich leider keine Option.
Viele Grüße
Tom
vielen Dank für diese klare und ausführliche Erklärung!
Was ich besonders schwierig finde, gerade bei der Schroth-Therapie, ist, die Übungen zu Hause richtig auszuführen. Zu Hause ist niemand da, der kontrollieren kann, ob die Haltung wirklich richtig ist.
Vor allem, weil mein letzter Termin bereits ein Jahr her ist. Aber nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall wieder hingehen. Schade, dass die Anfahrt so weit ist.
Ich gehe allerdings alle paar Wochen zu meinem „normalen“ Physiotherapeuten für Dry Needling und manuelle Therapie.
Die Übungen mache ich eigentlich nur nach den Anweisungen meiner Schroth-Therapeutin, weil ich diesen Übungen vertraue.
Manchmal probiere ich auch Übungen von YouTube aus, allerdings nur von offiziellen bzw. seriösen Kanälen.
So habe ich vor einigen Monaten eine Klimmzugstange gekauft, an der ich mich einfach aushänge, um den Wirbeln etwas mehr Raum zu geben. Das wurde mir bereits vor Jahren in der Rückenschule empfohlen.
Hier in Belgien bekommt man eine Kostenrückerstattung nur, wenn die Behandlung im eigenen Land stattfindet. In den Niederlanden soll es ebenfalls eine spezialisierte Klinik geben, aber das ist für mich leider keine Option.
Viele Grüße
Tom