Hallo Markus
WILLKOMMEN bei UNS!
Ja, die Auswirkung einer Kyphose auf die Psyche oder den Charakter des Patienten..... ein altes Thema!
Die größte Frechheit erlaubt sich (in meinen Augen) der Verfasser des Buches KYPHO®-Training
Dr. med. Jürgen Zeiske.
http://www.kypho.de/
Er bezeichnet uns sinngemäß als "retardierte, schwache, in ständig kindlicher Erwartungshaltung verharrende Individuen, die ohne fremde Hilfe kaum noch lebensfähig sind und von Anderen nur noch fordern...."
Er versteigt sich soweit anzudeuten, daß wir KYPHO´s mitschuld am Niedergang und der Unfinanzierbarkeit des deutschen Gesundheitssystems sind!
Aus seiner (offensichtlich stark eingeschränkten) ärztlichen Sicht mag das ja sogar zutreffen.
Welche Haltung hat denn ein niedergedrückter, schmerzgebeugter Scheuermann-Patient? Klar erwartet der Patient, daß ihn der Arzt von Buckel und Schmerzen befreit! Dazu ist ein Arzt und speziell ein Orthopäde doch da? ODER?
Ich kenne sehr viele Kyphose- (und Skoliose-) Patienten und ich habe ein ganz anderes Bild: Menschen die wie von einer Last niedergedrückt leben, die sich aber aufopferungsvoll und meistens dienend ihrem Beruf und ihrer Familie aufopfern bis zum "geht nicht mehr". Menschen die nie oder zu selten NEIN sagen können, die ausgenutzt werden, die vor Ihren Chefs "buckeln müsen" weil sie gar nicht anders können, physisch wie psychisch.
Mein Vater ( ehem. Fallschirmjäger Unteroffizier, Kriegsteilnehmer) hat mich während meiner ganzen Kindheit immer wieder angebrüllt: " Toni, Du hängst in der Landschaft wie ein hingeschissenes Fragezeichen! Bauch rein, Brust raus, Schultern zurück, Kopf hoch!!!
Beim Barraß (synonym für Militär) werden sie auch Dir noch Haltung beibringen!" usw.....
Es war zum Kotzen. Je mehr er mich wegen meiner Haltung anbrüllte, um so buckliger wurde ich innerlich und tatsächlich. Es wäre mir damals Wurst gewesen, wenn mir ein Dromedarhöcker gewachsen wäre, Hauptsache ich muss nicht zum "Barraß".
Für meine kindliche Psyche und mein Haltungsbewusstsein war das ganz toll.
Ein Schularzt hatte mich im Alter von 11 bis etwa 13 in das "Sonderturnen" überwiesen, wo ich mit vielen anderen haltungsschwachen Kindern turnen musste. Das tat mir zwar gut, aber ich habe es damals zuerst gehasst. Ich war dafür nicht motiviert und wurde dazu gezwungen daran teilzunehmen.
Aber beim Sonderturnen lernte ich auch Kinder und Jugendliche kennen, die damals ein Milwaukee tragen mussten. Davon war ich einerseits sehr fasziniert und gleichzeitig fürchtete ich auch so ein Korsett zu bekommen.
Rückwirkend betrachtet muss ich ssagen, daß es aus heutiger Sicht besser gewesen wäre, ich hätte rechtzeitig eines bekommen!
Mit der Haltung verändert sich auch die Psyche!
Ich habe das am deutlichsten gespürt, als ich mein 1. Rahmouni -Korsett bekam und es konsequent getragen habe. Ich wurde auch psychisch konsequenter, gradliniger, aufrechter und zeigte plötzlich in Situationen "Rückrat" und Unnachgiebigkeit-Unbeugsamkeit wo ich vorher immer nur gebuckelt habe und "Ja& Amen" gesagt hätte.
Die Schroth-Reha tat das Übrige und ich wurde noch selbstbewusster und noch aufrechter. Das Haltungsbewusstsein und das Selbstbewusstsein des Menschen hängen unmittelbar zusammen.
Wenn Du etwas für Deine Psyche und gegen Deine Scheuermann-Kyphose erreichen willst, darfst Du nicht im Lamento verharren, sondern musst bewusst und konsequent anfangen Deine Krummheit und den Buckel systematisch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen!
Die Wirksamesten
konservativen Waffen sind Korsett & SCHROTH-KG.
Diese haben im Gegensatz zur OP den Vorteil, daß sich mit dem dabei zu führenden Kampf auch die Psyche mit aufrichtet.
Ich glabe nicht, daß die Psyche bei einer Reklinations-Spondylodese-OP mitoperiert wird.
Im Gegenteil, nach einer solchen schweren OP ist der Patient auch psychisch in einer noch dramatischeren und traumatisierten Opferrolle gefangen und "versteift".
Daher rate ich Dir dringend: Packs an!
Besorge Dir erstmal eine genaue Diagnose! Du musst genau wissen wieviel Grad Cobb Deine LWS-Lordose, Deine BWS-Kyphose, deine HWS-Lordose usw..haben, welche Restbeweglichkeit nach SCHOBER & OTT deine WS noch hat, ob eine Korsett-Therapie Dir eventuell noch helfen kann, auf jeden Fall eine Wirbelsäulen-Intensiv-Reha in einer Schroth-Klinik machen, usw.....
Du musst RAUS aus dem Schmerzkreis und der Opferrolle!
Kyphose ist kein unabwendbares und unveränderliches Schicksal.
Das muss man mit der richtigen Hilfe selbst aktiv in die Hand nehmen!
Gruß Toni