Wie wir Skoliose-Patienten wurden

Schreibe deinen Erfahrungsbericht zur Skoliose, Schmerzbekämpfung etc. oder tausche Erfahrungen mit Leidensgenossen aus
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Delle
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Wie wir Skoliose-Patienten wurden

Beitrag von Delle »

Hallo an alle,

seit gestern kenne ich dieses Forum und muß sagen, ich war total schockiert über das, was ich hier las. Bis gestern habe ich die Skoliose meiner Tochter eigentlich auf die leichte Schulter genommen, weil mir nicht klar war, wie schlimm es wirklich ist oder sein kann, da ich über Skoliose nie richtig aufgeklärt wurde.

Ich möchte euch mal berichten, wie wir Skoliose-Patienten wurden.

Mein jüngste Tochter (von 4 Kindern) hatte sich am Rücken verletzt. Daraufhin fuhren wir zu unseren Orthopäden. Er stellte bei der Untersuchung eine leichte Skoliose fest. Im Laufe des Gesprächs bat er mich, auch meine anderen Mädels vorzustellen. Das Ende vom Lied war, ich hatte auf einmal 3 Skoliose-Mädchen. Nachdem wir dann 2 1/2 Jahre KG nach Vojta bekamen, sind die beiden jüngsten jetzt in Ordnung. Bei Tochter Nr. 2 allerdings hatte sich die Sache so verschlechtert, dass sie Anfang 2002 ein Korsett bekam. Man könnte es damit vielleicht bis Ende des Wachstums ausgleichen, ansonsten könnte nur eine OP helfen. Das schlug mir doch auf den Magen. Gut, sie bekam ihr Korsett. Allerdings gehört Sinja zu den Menschen, die sehr schnell schwitzen, von daher hatte ich dann Mitleid mit ihr und erlaubte, dass sie es nur zum Schlafen trug.

Nachdem sie nach einem Jahr aus dem Korsett herausgewachsen war (da war sie 14) mußte ich um ein neues kämpfen. Das war für mich der Grund, den Arzt zu wechseln. Unser neuer Arzt riet mir direkt bei der ersten Behandlung zu einer Kur für Sinja, in der Schroth-Klinik. Erst lehnte ich ab, weil Sinja sehr schnell Heimweh hat und noch nie woanders geschlafen hat. Wir sahen uns die Internetseiten und das Gästebuch an und auf einmal wollte Sinja doch. Der Antrag wurde also gestellt. (Anfang dieses Monats).

Gestern bin ich durch dieses Gästebuch auf diese Seite hier gestoßen und seit dem mach ich mir richtig Vorwürfe, dass ich mich nicht eher richtig informiert habe. Ich hoffe, es ist nicht zu spät, und Sinja kann noch geholfen werden.

Hier noch ihre Diagnose (vielleicht kann mir noch jemand Tips geben, was ich vielleicht noch beachten soll und welchen Sport Sinja machen könnte. Sie ist eigentlich gar kein sportlicher Typ und hat wohl auch keine typische Skoliose-Figur. Sie ist ziemlich kräftig, obwohl sie sehr wenig ist.

S-formige, idiopathische Thoracolumbal-Skoliose mit Thoracalwinkel von 23 ° nach Cobb. Sinja trägt ein Cheneau-Korsett. Der Arzt beschreibt es als hochgradige Thoracolumbal-Skoliose.


Ich bin richtig froh, dass ich auf dieses Forum gestoßen bin, jetzt habe ich auch die Möglichkeit, Sinja selber erfahren zu lassen, wie andere Kinder mit dieser Krankheit umgehen und sie vielleicht besser damit umgehen kann.

Viele Grüße Delle
Soj_83
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Beitrag von Soj_83 »

Hallo Delle,

und willkommen im Forum. Gefühlsmäßig hab ich auch so was durch wie du. Aber seit dem ich hier im Forum bin und endlich den "Durchblick" hab, und die Ärzte sowie OT's gewechselt habe, fühle ich mich besser, da ich jetzt weiß, das Richtige für meine Tochter zu tun.
Josi war seit ihrem 5. Lebensjahr in orthopädischer Behandlung, da sie schon immer Senk-Spreizfuß hat. Irgendwann wurde dann mal eine leichte Skoliose diagnostiziert, also ab in die Physiotherapie. Wir haben irgendwann den Arzt gewechselt, da die Zusammenarbeit gleich null war. Der neue OT hat nicht lange rumgedoktert und uns in die Uniklinilk überwiesen, wegen fortschreitender Skoliose. So lautete die Diagnose vor 2 Jahren: progrediente S-förmige rechts-links-konvexe Skoliose; Skoliosewinkel n. COBB D5 bis D9 22° und D8 bis L4 23°
Therapie: CBW-Orthesenversorgung; Physiotherapie

2 Jahre hat Fine das Korsett getragen, leider ohne Erfolg, heute ist sie bei thorakal 57° und lumbal 60°. Zudem wollte sie die Uniklinik dieses Jahr operieren. Dank des Forums hier, habe ich wie schon geschrieben den Arzt und OT gewechselt. Und da hat bis jetzt noch keiner von OP gesprochen. Seit Juni hat Fine nun ein Rahmouni-Korsett und ist z. Zt. in Bad Salzungen zur Kur. Es gefällt ihr super, da ja in der Ferienzeit viele Jugendliche da sind. Deine Tochter ist dort jedenfalls gut aufgehoben, und Heimweh haben sie bestimmt alle ein wenig, aber ihr könnt sie doch besuchen fahren.

Auf jeden Fall solltest du schleunigst für Sinja einen Schroth-Therapeuten in eurer Gegend suchen, damit sie die richtige KG bekommt. (Schroth-Hotline in Sobernheim anrufen)
Wie korrigiert das Korsett, das wäre noch wichtig.

Fine schwitzt auch sehr schnell, so dass es im Sommer für sie eine Qual ist, das Korsett zu tragen. Aber zu Hause sind wir so verfahren: Dass sie sich abduscht, ein frisches Korsetthemd anzieht und dann wieder rein in den Panzer, und das des öfteren am Tag. In der Nacht schafft sie es dafür kaum zu tragen, ich weiß nicht woran das liegt, auch jetzt zu Kur ist es nicht besser.
Ach und übrigens meine Fine hat auch keine typische Skoliosefigur, sie ist klein (fast 14 Jahre und ca. 1,42m) und kräfig (nicht dick) gebaut. Wir mussten mit ihr sogar zum Hormonspezialisten, da sie nicht wächst. Dieser hätte ihr auch Hormone gespritzt, wenn die Skoliose nicht wäre, obwohl organisch alles O.K. ist.

Gruß, Letizia
Von anderen etwas fordern ist leicht.
Aber das ist das Allerschwerste:
Die Forderung an sich selbst.

A. S. Makarenko
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bluecat
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Beitrag von bluecat »

Hallo Delle,

Ich sollte mit 14 zum ersten Mal in Kur. Aber da auch ich noch nie wo anders geschlafen hatte und ich einfach nicht so lange von daheim wegwollte, habe ich es immer geschafft mich dagegen zu wehren. Dann bin ich mit 16 doch hin. 2 wichtige Jahre verschenkt. Mein Korsett habe ich auch nicht gescheit angezogen, es war auch schlecht und ich habe auch immer wieder zugenommen. Auch ich habe keine typische Skoliose Figur, war damals ziemlich mobbelig und bin auch heute noch nicht schlank!

Meine Mutter macht sich heute ziemlich Vorwürfe, wobei man sagen muß, dass wir auch zu viel Vertrauen zu Arzt und OT hatten. Wir haben uns zu wenig informiert.

Nutzt alle Möglichkeiten und informiert euch. Denn nur wenn man viel über Skoliose erfährt, beginnt man auch mehr zu machen!
Delle
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Beitrag von Delle »

Hallo,

erst mal danke ihr beiden, für eure Tips. Jetzt geht es mir doch ein wenig besser, zumal es bei Sinja vielleicht doch noch nicht zu spät ist. Da wir erst nach den Sommerferien wieder mit der KG anfangen wollen, kann ich mich in Ruhe nach eine Schrott-Therapeuten umsehen. Keine Ahnung, ob unser Doc in dieser Richtung Bescheid weiß. Wie gesagt, wir hatten den Orthopäden gewechselt noch während wir gerade ein Rezept "abtrainierten". Dann kann ich ihn ja direkt darauf ansprechen. Wenn dann wollen wir es ja jetzt auch richtig machen.

Seit zwei Tagen liegen ich jetzt mit Sinja im Dauerstress, weil ich jetzt eisern darauf achte, dass sie ihr Korsett trägt. Fällt ihr natürlich noch schwer einzusehen, warum auf einmal jetzt und nicht vorher. Aber vielleicht finde ich noch ein paar Erzählungen von anderen Mädchen, die ihr dabei helfen, einzusehen, warum sie es tragen muß.

Viele Grüße

Delle
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Toni
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Beitrag von Toni »

Liebe Delle
Seit 2 Tagen liegst Du mit Sinja im Dauerstress!!!!
Das finde ich pers. nicht so gut.
Sinja ist 14- also schon eine junge Dame und eine eigene Persöhnlichkeit!
Ich kenne diese Diskussionen von Müttern (seltener Väter) mit ihren Kindern wegen der Korsett-Tragezeiten von den Skolioserunden bei Rahmouni/Skoliose Aktiv e.V. sehr gut. Aber Stress erzeugt noch mehr Stress und Gegendruck. Irgendwann "kotzt" das Thema Skoliose und Korsett Sinja sooooo sehr an, daß sie sich innerlich sperrt. Wenn sie das Korsett nur trägt, weil Du sie ins Korsett "hineinnervst", dann passiert im Kopf das Gegenteil!
Nur wenn es im Kopf "KLICK" macht, kann eine Korsett-Therapie erfolgreich sein. Sinja ist klug genug um zu verstehen, daß sie sich SELBST entscheiden MUSS. Sie steht vor einer wichtigen Wegkreuzung und muss selbst entscheiden, wie sie weitergeht:
Weg Nr. 1 nichts tun oder nur halbherzig/inkonsequent. Dann aber die Skoliose/ den krummen Rücken akzeptieren und damit leben.
Weg Nr. 2 nichts tun oder nur halbherzig/inkonsequent. Dann aber operieren und die Folgen der OP akzeptieren und damit leben.
Weg Nr. 3 Mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten (Korsett und SCHROTH) konsequent gegen die Skoliose kämpfen und die konservative Therapie so durchziehen, daß ein Erfolg sicher ist!

Stell Sinja vor diese klare Entscheidung.
SIE SELBST soll ganz bewusst den Weg wählen, den sie gehen will.
Sie selbst soll die Verantwortung für IHRE EIGENE WS übernehmen.
Du kannst nur helfen sie zu motivieren und durchzuhalten. Mit Liebe und positiven Verstärkern (Belohnungen und Zuwendung).
Nervenkrieg zwischen Mutter und Tochter ist KEINE stabile und dauerhaft wirksamme Motivation, sich wirklich konsequent in so ein "Sch**ßding" einquetschen zu lassen! Die Begradigung der WS erfolgt im Kopf. Das Korsett ist nur ein (DAS WICHTIGSTE) Hilfsmittel dazu. Aber der Eigene Wille zur geraden WS entscheidet den Erfolg. Compliance ist hauptsächlich das Verständnis der Notwendigkeit einer Therapie und die Zuversicht auf den Erfolg. Compliance entsteht nur aus guter Information und dem eigenen Willen zur geraden WS!
Sorge lieber dafür, daß das Korsett, das Sinja trägt auch ein wirklich hervorragendes Korsett ist.
Es sollte so gut korrigieren, daß Sinjas WS im Korsett zwischen 5 -0° Cobb hat. Eine Überkorrektur sollte das Ziel sein!
Wieviel Grad hat sie denn im Korsett?

Gruß Toni
Dr. Steffan
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Beitrag von Dr. Steffan »

Zum Thema Korsetttragezeit und Motivation habe ich mir in letzter Zeit einige Gedanken gemacht und auf Anregung von Toni auch Ergebnisse erzielt. Nach Rücksprache mit unseren Psychologen bin ich nun zu einem Konzept gelangt das ich hier gerne mal vorstellen würde. Ich bitte dabei um rege Kritik und Mithilfe.
Ich habe mir vorgestellt, natürlich mit Einverständnis des Korsettträgers, die Korsette zu verplomben. Nach der vereinbarten Tragezeit (23h oder aber nur nachts) erhält der Korsettträger, vorausgesetzt die Plombe ist noch in Ordnung ein vorher vereinbartes Geschenk.
Was haltet Ihr davon????????? Würdet Ihr bei sowas mitmachen???
Dr. Steffan
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Beitrag von Delle »

Hallo hier antwortet Sinja
Ich finde das ist eine gute idee weil, man das korsett nicht ausziehen kann wann man will.
Andererseits kann man einen nicht da zu zwingen man muss es selber wollen. :respekt: Ich würde es wollen.

Die tipps von toni sind echt gut. Danke
Tschüss Sinja
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Toni
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Beitrag von Toni »

Hallo Sinja
Der Vorschlag von Dr. Steffan ist nur EIN Teil eines ganzen Motivationshilfeprogrammes!
Das versiegeln, plombieren usw.. des Korsettverschlusses erlaubt es jederzeit, das Ding trotzdem auszuziehen wenn notwendig. Der/die Korsett-trägerIn soll nicht "eingesperrt" werden!!! Es ist wie eine "Kuckucksmarke vom Gerichtsvollzieher" oder ein Preisschild an einem neuen Kleidungsstück im Laden. Man kann es jederzeit selbst öffnen. Aber es soll es den "Inneren Schweinehund" ein bischen schwerer machen, der Bequemlichkeit allzuleicht nachzugeben. Niemand darf und soll gegen seinen eigenen Willen in ein Korsett eingesperrt werden. Das wäre Freiheitsberaubung! Korsett-Träger sind FREIE Menschen, die sich FREIWILLIG für diese Therapieform entschieden haben. Aber sie wissen (sollten wissen), daß das Korsett nur dann wirkt, wenn man es lang genug und konsequent und so fest wie möglich zugeschnallt trägt.
Die Versiegelung/Plombierung ist nur gegen den faulen und arschbequemen "Inneren Sauhund" gerichtet! Man gibt ihm sonst zu leicht nach. Geht mir ja selber so.
Der Sauhund flüstert ständig so Zeug ins Ohr wie:
Es ist zu heiß!
Du kannst mit dem Ding nicht gut sitzen.
Beim Essen ist es unbequem.
Beim liegen schläft mir der untere Arm ein.
Der Pelottendruck ist nicht mehr auszuhalten (dabei hat man auf seiner pers. Schmerzaushalteskala erst die Unbequemlichkeitsstufe 3 von 10 -erst über 10 beginnt der richtige Schmerz- erreicht und noch nicht mal echten richtigen Schmerz!)

Schlieslich hat ein/eine gut aufgeklärte/r und motivierte/r Korsett-TrägerIn sowas wie einen "Geradewerdungs-Vertrag" mit seiner eigenen Wirbelsäule- MIT SICH SELBST- abgeschlossen!

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!

Daher ist das nur als Trainings-Hilfe für das "schwache Fleisch" zu verstehen, damit man nicht vorschnell und leichtfertig wegen jeder kleinen Unbequemlichkeit sich das Korsett vom Leib reißt.

Wenn man ECHTE Probleme hat, z.B. einen absolut nicht mehr auszuhaltenden Druckschmerz, Bauchweh, Durchfall usw.. dann darf und soll der Corset-user selbstverständlich das Siegel brechen. Aber dann muss das Wie und Warum in ein Korsett-Tragezeiten-Protokoll - oder Korsett-Tagbuch mit Begründung eingetragen werden!

Ich finde die Idee von Dr. Steffan sehr gut. Aber es sollten doch noch ein paar Dinge berücksichtigt werden.
Wenn jemand z.B. ein frisch aufpelottiertes Rahmouni trägt, das ihn von 50° auf 15° herunterkorrigiert, dann muss er die Möglichkeit haben mit der Korsettschnallenspannung zu "spielen"- zu öffnen- Druck ablassen- erholen- wieder festschnallen usw....sonst wirds Folter!
Der schnelle Wechsel eines nassgeschwitzten Korsetthemdes darf nicht als Tragzeitunterbrechung gelten.
Jemand der von 25° auf 10° korrigiert ist und das Korsett schon lange trägt und es gewohnt ist, dem fällt es total leicht sich versiegeln zu lassen und alle Preise und Belohnungen locker abzukassieren!

Aber es ist ohnehin nicht das verblomben das Wesentliche daran, sondern daß man kapiert hat, daß es den "Inneren Schweinehund" ins Korsett einzusperren gilt!

@ Sinja- DU bist auf dem RICHTIGEN WEG!!!! Gratuliere für Deine Bereitschaft! Das zeigt schon, daß DU verstanden hast um was es geht und was DEIN ZIEL ist: DEINE GERADE Wirbelsäule! DESWEGEN tust DU DIR das Korsett an. Nicht für Deine Mama- nur für DICH! Halts aus und halt DURCH!
Sei stolz auf jede Stunde, die du auch ohne Siegel aus eigenem Willen durchhältst!
Gruß Toni
Dr. Steffan
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Beitrag von Dr. Steffan »

Tonis Ausführungen ist kaum etwas zuzusetzen. Die Schwestern werden die Verplombung kontrollieren und bei Bedarf (Toilettengang etc.) kurzfristig öffnen. Gedacht ist die ganze Geschichte ja nicht als Nötigung sondern als Motivationshilfe natürlich nur mit Einverständnis des Korsettträgers.
Dr. Steffan
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Beitrag von netkitty »

...kann man nicht evtl. die Siegel an den festen Teilen des Korsetts befestigen und mit einem Gummiband oder ähnlichem versehen, das dann die
Toni hat geschrieben:Wenn jemand z.B. ein frisch aufpelottiertes Rahmouni trägt, das ihn von 50° auf 15° herunterkorrigiert, dann muss er die Möglichkeit haben mit der Korsettschnallenspannung zu "spielen"- zu öffnen- Druck ablassen- erholen- wieder festschnallen usw....sonst wirds Folter!
Situationen ermöglicht/verhindert?

Ein Korsett-Tagebuch zu führen finde ich persönlich auch ein gutes Mittel der Motivation. Wenn man sich erstmal eine ordentliche Begründung überlegen muß warum man es auszieht, dann lässt man es vieleicht zumindest so lange an, bis einem eine eingefallen ist (oder man lässt es gleich ganz an weil einem nix einfällt ;) )

Grüsse und viel Erfolg bei der
Compliance Verbesserung wärend der Reha
Nicole
[size=100][i]Ever tried. Ever failed.
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Try again. Fail again.
Fail better.[/i]
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Beitrag von Faultier B. »

Wenn man ECHTE Probleme hat, z.B. einen absolut nicht mehr auszuhaltenden Druckschmerz ...
Wenn jemand z.B. ein frisch aufpelottiertes Rahmouni trägt, das ihn von 50° auf 15° herunterkorrigiert, dann muss er die Möglichkeit haben mit der Korsettschnallenspannung zu "spielen"- zu öffnen- Druck ablassen- erholen- wieder festschnallen usw....sonst wirds Folter!
Selbst wenn mir Herr Dr. Steffan zur Motivation als Geschenk ein nagelneues Auto hinstellen würde: Für mich wäre es derzeit leider noch unmöglich, mich in meinem Korsett einplomben zu lassen. Ohne eine Öffnungsmöglichkeit wäre das wahrscheinlich mein Todesurteil (sehr dramatisch dieser Gedanke). Es hilft mir auch nicht lange, mit der Korsettschnallenspannung zu spielen, nach ca. 1,5 Stunden muss ich mein Korsett ganz ausziehen (nachdem es auch noch beim letzten Termin gleich wieder aufgepolstert wurde) und kann es erst nach einer erholsamen Pause wieder anziehen. Obwohl ich jahrelang Schmerzen gewohnt bin, überbietet mein Rahmouni alles bisher Dagewesene. Mein Geist ist sehr willig und ich bin hochmotiviert, daher bringt es mich auch ein bisschen zur Verzweiflung, dass meine Tragezeiten ziemlich zu wünschen übrig lassen. Es ist nicht so, dass es meinem inneren Schweinehund nur zu heiß oder zu unbequem ist. Der Druck der Hammerpelotte wird nach einer gewissen Zeit einfach unerträglich, es brennt, wird feuerrot, irgendwann werde ich dann kurzatmig und fange an vor mich hinzujammern… :motz: obwohl ich normalerweise nicht zimperlich bin.
Für unsere jugendlichen Korsettträger ist es vom Physischen her wahrscheinlich erträglicher, als für mich mit den alten, unelastischen Knochen, aber schwieriger von der psychischen Motivation her. Die Verplombung mit kleinen Geschenken als Anreiz wäre für den Anfang einer Korsettbehandlung nicht nur in der Klinik, sondern auch daheim bei den Eltern sicher nicht schlecht, aber irgendwann später sollte dann doch die notwendige Einsicht zum Korsetttragen dasein, auch ohne ein Geschenk zu erwarten. Das ist dann nämlich irgendwann so ähnlich wie bei den Kindern, die von ihren Eltern mit Geld für gute Noten geködert werden, was ich persönlich nicht so gut finde. Viele Kinder haben ja heutzutage eh fast alles und lassen sich mit nichts mehr locken.

Ich schreibe mir auch meine (spärlichen) Tragezeiten auf. Ich freue mich dann über jedes Minütchen mehr und versuche das beim nächsten Tragen zu überbieten. Einfach ist das Ganze nicht – es kann nur besser werden.
Spila
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Beitrag von Spila »

Ein Korsett-Tagebuch fände ich auch ganz sinnvoll (mitreden kann ich ja eigentlich in diesem Topic nicht, da ich ja kein Korsett habe...).

Bei meiner Maturarbeit habe ich in einem Heft immer vor Beginn der Arbeit (konnte mir das frei einteilen) die Ziele aufgeschrieben. Neben dem Datum habe ich dann auch die Zeit eingetragen (Anfangs- und Endzeit), so wusste ich dann immer, wieviel ich an der Arbeit gearbeitet hatte und ob ich die Ziele erreicht habe.

Ich denke in so einem Korsett-Tagebuch könnte man das z.B. so machen:

-Datum
-das Ziel, wie lange man es tragen möchte
-Anfangszeit, eventuelle Unterbrüche, Endzeit
- am Schluss des Tages kann man dann schauen, ob man das Ziel erreicht hat und man setzt das Ziel für den nächsten Tag fest!
... that's life, but we've got only one, so let's make the best out of it!
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Beitrag von Dr. Steffan »

In der Eingewöhnungsphase muß man das Korsett ja auch nicht 23h tragen, daß verlangt ja keiner. Aber wenn es nach 1,5 Stunden schon was gibt hast Du sicher auch nichts dagegen. Allerdings Autos gibts nicht. Sonst würde ich mir auch ein Korsett machen lassen. :D
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Beitrag von Daniela »

Wenn ich das richtig verstanden habe: Jetzt will man in Salzungen sowas einführen, dass die Korsetttragezeiten erhöht werden? Hab ich das richtig gelesen?
Irgendwie ist das keine schlechte Idee, aber ich finde soviel Zeit um das Korsett anzuziehen bleibt da eh nicht. Zwischen den Therapiepausen mal schnell das Korsett anziehen ist doch Schwachsinn.
Ich schildere mal kurz wie das bei mir so war. Meistens hatte ich noch von 15.00 Uhr bis 15.30 Uhr freies Üben.
Danach war ich so fertig, dass ich schnell Duschen gegangen bin und dann hab ich meistens bis 17.30 Uhr fern geschaut und bin dann eh oft eingeschlafen.
Um 17.30 Uhr ging es dann zum Abendessen und danach hatte ich ehrlich gesagt meistens keine Lust mehr mein Korsett anzuziehen.
Klar, ich hab`s manchmal zum Schlafen angezogen, aber schon nach kurzer Zeit hab ich mir gedacht: Super, iatz kannsch wieder nit einschlafen und i ziachs besser aus, dass i dann wenigschtens am nächsten Tag wieder fit bin.
Aber mit Geschenken, ich weiß nicht so recht. Das mit dem Tagebuch ist vielleicht eine bessere Idee.
Schlussendlich sollte aber jeder selber wissen, wann das Korsett getragen wird, oder nicht.

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Sabi
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Beitrag von Sabi »

DrSteffan hat geschrieben:Sonst würde ich mir auch ein Korsett machen lassen. :D
Für ein Auto??Aber wenn dann ja wohl schon eines von Rahmouni mit richtig superviel Druck,damit das Geschenk auch gerechfertigt ist ;) ;)
Zuletzt geändert von Sabi am Fr, 01.08.2003 - 23:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Delle »

Eure Tips und Zusprüche haben Sinja echt zu denken gegeben. (Das wichtigste habe ich ihr zeigen müssen, was sie lesen soll, da sie auch noch eine ausgesprägte Lese-Rechtschreibschwäche hat). Heute war der erste Abend, wo ich sie nicht drauf aufmerksam machen musste, dass sie ihr Korsett tragen soll. Eigentlich hat sie Nachts damit auch keine Probleme (sie schläft sogar auf dem Bauch mit dem Ding). Nur tagsüber ist es ihr lästig. Aber ich denke, dank eurer Zusprüche wird sich dass jetzt ändern.

Ich habe die Klinik auch schon wegen einer Liste von Schroth-Therapeuten angeschrieben und ich hoffe doch sehr, dass wir hier in Solingen oder Umgebung einen finden.

Vielleicht findet Sinja in diesem Forum noch andere Mädels, mit denen sie sich etwas austauschen kann, denn auch darin tut sie sich sehr schwer, Freundschaften zu schließen.

Kann es denn sein, dass sie trotz ihrer Skoliose keine Schmerzen hat? Wenn ich mich hier so umsehe, haben eigentlich recht viele mit Skoliose Schmerzen, Atembeschwerden oder anderes. Sie hat nichts von alldem. Doch gelegentlich Ohrenschmerzen, aber die können sicher nicht davon kommen.

Jetzt möchte ich euch nochmals danken, dass ihr Sinja soviel Mut zugesprochen hat. Mittlerweile fragt sie mich schon, ob neue Antworten erfolgt sind.

Delle
Tomma
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Beitrag von Tomma »

Delle hat geschrieben: Kann es denn sein, dass sie trotz ihrer Skoliose keine Schmerzen hat? Wenn ich mich hier so umsehe, haben eigentlich recht viele mit Skoliose Schmerzen, Atembeschwerden oder anderes. Sie hat nichts von alldem. Doch gelegentlich Ohrenschmerzen, aber die können sicher nicht davon kommen.
Bei den Gradzahlen (waren doch 23° nach Cobb oder?) ist es eigentlich normal, dass man keine Beschwerden in dem Alter hat.

Atembeschwerden setzen erst bei hochgradigen Skoliosen (ab ca. 60°) im Thoraxbereich ein und nehmen mit dem Alter zu.
Oftmal gehen die Schmerzen von Spätfolgen der Skoliose aus. Dazu gehören z. B. Verschleiß, BSV. Bei nichtoperierten Skoliosen fallen die leicht aus und treten auch erst später auf als bei den operierten.
ajk

Beitrag von ajk »

ich hoffe deine Tochter trägt es. Ich an ihrer Stelle würde es gerne noch mals tun und auch ausdauernd. Leider hat sich meine Skoliose von damals 32 auf die 40 verschlechtert. (Sie kann froh sein das sie ein Chenau Korstett hat. Ich habe leider am Anfag ein super-neu-modisch bekommen, das die reinste tortour war, nicht nur, das es schwerer, dicker und unförmiger war, auch der Schmerz und die Druckstellen waren enorm.)
Schmerzen habe ich bis heute kaum, auser eben ich sitze falsch oder trae etwas falsch, aber das kann man umgehen. Ich bin übrigens bereist 17 jahre alt, wenn sich deine Tochert mal melden möchte, kann sie das gerne tun, ach ja, und für die Lese- und Rechtschreibschwäche, werden bei Kolbing gute Kurse angeboten, die es fast beheben können, habe damit selbst gute Erfahrungen gemacht

Das mit dem Tagebuch finde ich eien gute Sache. Aber ich denke bereits wenn man dies macht muss man sich schon mal im klaren sien warum man es trägt, und auch selsbt dahinter stehen.


(
Soj_83
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Beitrag von Soj_83 »

Hallo,

ich finde auch, dass irgendein Anreiz für die Kids in der Kurklinik geschaffen werden muss, um das sie ihr Korsett tragen. Den Vorschlag von Dr. Steffan finde ich nicht schlecht, nur muss dann für jedes Kind/Jugenlichen wiederum individuell Buch geführt werden und auch die evtl. noch Eingewöhnungsphasen und Therapiezeiten müssen beachtet werden.
Wir waren jetzt ein paar Tage in Bad Salzungen, entweder fallen die Korsetts unter den T-Shirts nicht auf oder die Jugend findet die Korsettmode unmodern. :lupe:
Na, jedenfalls konnte man kaum jemand mit dem Plastepanzer sehen. Gut, während des Tages ist es schlecht möglich, aber früh und nachmittag?
Selbst unsere Tochter war nicht dazu zu bewegen bei dieser Hitze das Ding umzumachen, irgendwie kann ich sie sogar verstehen. Aber wenn die Klinik das durchziehen will, muss sie sich gute Argumente einfallen lassen, zumindest im Sommer.

Gruß Letizia
Von anderen etwas fordern ist leicht.
Aber das ist das Allerschwerste:
Die Forderung an sich selbst.

A. S. Makarenko
Gast

Beitrag von Gast »

Hallo,

die Idee, Kinder mit Geschenken für das Tragen ihres Korsettes zu belohnen, finde ich nicht gut. Das mag vielleicht in Einzelfällen bei sehr kleinen Kindern funktionieren, ich finde aber, vor allem bei älteren, sollte die Motivation zum Tragen des Korsettes aus der Person selbst kommen und sich daraus ergeben, dass man SELBST etwas gegen seine Skoliose tun kann. Ich war bereits 16 Jahre alt als ich mein Korsett bekam und hatte (vielleicht deshalb ?) die nötige Einsicht es konsequent zu tragen, obwohl man mir sagte, dass das bei meinem Alter und meiner Verkrümmung sowieso keine Besserung mehr bringen könne und allenfalls eine Verschlechterung aufhielte. Ich hatte (LWS) 56° und (BWS) 48° nach Cobb. Mein Korsett korrigierte zwar nicht (wie ich hier so oft als Forderung lese) auf 0-5°, sondern "nur" auf 25° (LWS) und 30° (BWS), war dafür aber, was die Schmerzen betrifft, aushaltbar. Jetzt, eineinhalb Jahre später, habe ich mit dem Abschulen angefangen. Um zu sehen, wie sich die Wirbelsäule entwickelt hat wurde ich - nach drei Tagen ohne Korsett- nocheinmal geröngt. Das Ergebnis: im Hauptbogen habe ich jetzt nur noch 48° !!!! Das ist vielleicht kein überwältigendes Ergebnis was die Gradzahlen betrifft, aber für mcih trotzdem eine riesige Motivation, weil ich - durch das Korsett- noch etwas an meiner Wrbelsäule verbessern konnte, obwohl es keiner mehr erwartet hat... :o)))) Was das Tragen des Korsetts betrifft, habe ich von meinen Eltern wirklich KEIN EINZIGES Mal gehört, ich solle mein Korsett anziehen, vielmehr haben sie mcih darin unterstützt, das ganze eigenverantwortlich durchzuziehen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar, denn andernfalls hätte ich das als ein "Einmischen in meine Angelegenheiten" betrachtet und mich völlig dagegen gesperrt. Weil das bei mir mit der Eigenverantwortung so gut geklappt hat, finde ich das Korsett-Tagebuch eine sehr gute Idee, weil so die Eltern - trotz selbstständigem Entscheiden des Kindes über das Tragen des Korsetts- einen Überblick über die Tragezeiten haben...
Wenn Sinja mag, kann sie mir ja mal mailen: 211finchen085@web.de
Nach Bad Sobernheim sollte sie auf jeden Fall mal gehen. Ich habe dort Skoliose und Korsett als etwas völlig normals erlebt, was mir mit sicherheit geholfen hat, das Ganze zu akzeptieren....

Gruß, Verena
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