Hallo Nicole,
Frage an Volkmar:
habe auch Hartspann im LWS-Bereich seit einien
Wochen. Mache seit ca. 2 Wochen die Behandlung mit Tennisball.
Einen TST-Schlüssel habe ich nicht, nirgendswo erhältlich.
Icz mache die Behandlung meistensvormittags für ca. eine halbe Stunde.
Danach variiert der Muskeltonus immer und abends habe ich immer
das Gefühl, ich habe nichts erreicht. Bin ich zu ungeduldig?
Sollte man nach der Behandlung gleich dehnen? Welchen Sport kann man überhaupt noch machen? Und sollte man danach auch zusätzlich nochmal
eine Druchbehandlung machen
Deine Fragen berühren einige grundsätzliche Probleme:
Bereiche der Muskulatur verhärten dann, wenn sie längerfristig nicht oder zu schwach genutzt werden. Die heutigen Lebensbedingungen haben im allgemeinen eine chronische Unterauslaustung zur Folge, so daß große Teile unserer Muskulatur davon betroffen sind.
Die hier besprochenen Drucktechniken, aber auch alle anderen Therapieformen (z.B. Stoßwellentherapie, Entspanungstechniken, Osteopathie usw.) bewirken eine mehr oder wenige kurzfristige Enspannung und Milderung/Beseitigung der Schmerzen. Das sich selbst regulierende System unseres Bewegungsapparates funktioniert wieder.
Wenn man die Ursache -die chronische Unterauslastung des Körpers- nicht in Angriff nimmt, entstehen die Probleme allerdings immer wieder neu.
Konkret auf deine Frage bezogen heißt das: Du mußt deine Rückenmuskulatur bewegen und belasten, wenn Du sie durch die Drucktechnik mobilisiert/gelockert hast. Jedes kleine Stück Freiheit der Beweglichkeit muß man nutzen, sonst geht sie wieder verloren. Nicht (kurzfristige) Schmerzfreiheit muß das Ziel sein, sondern Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit.
Zur Frage der Ungeduld: dieser Prozeß dauert sehr lange. An meiner ehemals brettharten Rückenmuskulatur mit ständiger Gefährdung durch Hexenschschuss und Bandscheibenvorfall arbeite ich jetzt über 3 Jahre. Die akuten Probleme sind beseitigt, aber bei besonderen Bewegungen und Belastungen schmerzt der Becken-und Lendenwirbelbereich immer noch. Das sind die tiefer liegenden Teile der Muskulatur, an die man mit dem relativ weichen Tennisball auch nicht herankommt.
Thema TST-Schlüssel: der ist nicht besonders hilfreich und liegt bei mir nur noch in der Schublade.
Zum Thema Dehnen: das normale Dehnen ist m.E. überholt. In den Dehnpositionen werden die Teile der Mukulatur angesprochen, die nicht zum normalen Bewegungsumfang gehören. Diese sind verhärtet und schmerzen deshalb. Das klassische Dehnen ist passiv und führt nicht zur Aktivierung der betroffen Teile der Muskeln.
Ein Link dazu:
http://www.nostretch.de/
Meine Technik ist: die in den Dehnpositionen schmerzenden Muskelteile abwechselnd mit der Drucktechnik bearbeiten und mit Übungen belasten.
Dazu ein sehr treffendes Zitat von Lilarot van Almsick (sie hatte in ihrer aktiven Zeit massive Rückenprobleme): "Während der akuten, schmerzhaften Phase hat man nur einen Gedanken: Bloß nicht bewegen, nicht belasten, nur entlasten. Doch das ist nicht richtig! Mein Geheimrezept: Hineintrainieren! Dann hilft man dem Körper, sich selbst zu heilen."
Belasten alleine geht aber auch nicht! Dann können die Probleme sich rasant verschärfen.
Welcher Sport ist richtig? Je vielseitiger, desto besser! Ungeeignete Sportarten gibt es m. E. nicht. Es gibt nur viele ungeeignete Methoden, den Sport zu betreiben. Mit 61 Jahren spiele ich jetzt wieder Handball, allerdings mit ganz anderen Trainingsmethoden als in den Zeiten, in denen ich in Unkenntnis der Zusammenhänge Raubbau mit meinem Körper getrieben habe. Leider sind die Kenntnisse, über die der Spitzensport heute verfügt, im Allgemeinsport kaum vorhanden. Aber auch in vielen Bereichen des Leistungssports geht heute noch oft Quantität vor Qualität!
herzliche Grüße
Volkmar