Skoliose und panische Angst

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Schnucktier84
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Skoliose und panische Angst

Beitrag von Schnucktier84 »

Hallo liebe Forenmitglieder!
Ich bin 23 Jahre alt, weiblich und habe schon seit meinem 15. Lebensjahr ab und zu (2 - 3 pro Jahr) Rückenschmerzen.
Seit Juni diesen Jahres habe ich permanent Schmerzen und jetzt wurde Skoliose diagnostiziert.
Ich habe total Angst, dass die Schmerzen nicht mehr weggehen, weil ich hier im Forum gelesen haben, dass die Skoliose sich nicht mehr zurückbildet und sogar noch schlimmer werden kann. Zur Zeit habe ich immer schon mittags auf der Arbeit Rückenschmerzen im Lendenbereich, Ausstrahlung in den rechen Unterschenkel und fühle mich irgendwie schief und steif :-(
Habe auch Angst, dass ich irgendwann meinen Job nicht mehr ausüben kann oder querschnittsgelähmt werde.
Ich hab mir zu Weihnachen das Buch "Ich habe Skoliose" gewünscht und hoffe, dass es mich aufklärt und mir damit die Angst etwas nehmen kann.
Ich mach auch jeden Tag meine Krankengymnastik, aber es wird nicht besser :-(
Sorry, dass ich mich jetzt hier ausheule
Gruß
Schnucktier :( :(
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Toni
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Re: Skoliose und panische Angst

Beitrag von Toni »

Schnucktier84 hat geschrieben: Seit Juni diesen Jahres habe ich permanent Schmerzen und jetzt wurde Skoliose diagnostiziert.
Hallo Schnucktier84
Erst mal ganz cool bleiben.
Du schreibst, es wurde Skoliose diagnostiziert.
TOLL!
Also wo, in welchem Bereich der Wirbelsäule sitzt die Hauptkrümmung?
In der LWS? In der BWS? oder im lumbothorakialen Übergang?
Wieviel Grad nach Cobb?
Welche Rotation?
Wie wurde denn diese Skoliose diagnostiziert?
Mit einem Röntgenbild der GANZEN Wirbelsäule? Im Stehen/Liegen?
Wurdest Du nach SCHOBER/OTT vermessen?
Hast Du eventuell eine Beinlängendifferenz?
Wenn Du diese Fragen nicht beantworten kannst, dann hast Du noch gar keine vernünftige Diagnose einer Skoliose.
Skoliose hat erst mal mit Rückenschmerzen direkt gar nichts zu tun.
Ich kenne 100° Skoliose-Patienten die Rückenschmerzen gar nicht kennen und totale "Geradewirbelsäuler" die heulen vor Rückenschmerzen.
Beschreibe doch erstmal möglichst präzise die Art und Typ Deiner Schmerzen. Z.B. Bandscheiben-Vorwölbung/Vorfall kann wo ganz woanders wehtun als dort wo er stattfindet und ganz andere Symptome auslösen. Ist es das "Kreuz" (ISG)? Hast Du ein starkes Hohlkreuz?
Werden Deine Schmerzen durch fehlstatische Verspannung/Verkrampfung ausgelöst?
Wie sind Deine Lebensumstände?
Was hast Du für Stress/innere Anspannungen?
Was drückt Dich nieder?
Wie sitzt Du?
Wie lange sitzt Du?
Normal- oder Übergewicht?
Wieviel trinkst Du am Tag?
Sport? Welcher? Trainings- und Muskelstatus?
Was hast Du schon versucht gegen die Schmerzen?
Wärme?
Extension (Stufenlagerung-Beine Hoch- Zug am Becken)?
Hast Du schon mal nichtsteriodale Entzündungshemmer ( Wirkstoffe: Diclophenac oder/und Ibuprophen) eingenommen?
Wie hat der Schmerz und Du darauf reagiert?
Hast Du schon mal Muskelrelaxanthien eingenommen?
Was machst Du für eine Krankengymnastik?
Welche Qualifikation hat Deine Physiother. (Schroth, Vojita, Brügger, oder........)
Ist der Schmerz am Morgen schlimmer oder besser?
Wie schläfst Du? Bauch-Rücken-Seite- wie.....?
Matratze?

Nach Auslöser und Ursache von Rückenschmerz muss dedektivisch und beharrlich gefahndet werden.
Vor einer wirksamen Therapie steht immer zuerst eine gute Diagnose.
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Schnucktier84
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Beitrag von Schnucktier84 »

Hallo!

erstmal Danke für die Antwort.

Die Hauptkrümmung ist in der LWS, Krümmungsgrade kann ich im Moment nicht sagen (stand auf der Überweisung zur Krankengymnastik, hab ich aber vorerst nicht für wichtig erhalten).

Die Skoliose wurde durch ein Ganzkörperröntgen im Stehen diagnostieziert.
Beinlängendifferenz hab ich nicht, das eine Bein war nur mal ein paar Wochen "länger" bzw. hat sich so angefüllt, da der Hüftknochen verschoben war. Sind aber jetzt wieder "gleichlang" bzw. in gleicher Stellung.

Meine Rückenschmerzen sind ein Stechen im LWS-Bereich und danach so drückende Schmerzen, die bei hektischen Bewegungen stärker werden.
Wenn es ganz schlimm ist, strahlt es ins Bein aus, dann tut nämlich auch die rechte Wade weh. Abends sind sie stärker wie morgens bzw. morgens habe ich oft keine.

Meine Lebensumstände: Bürojob, der mir großen Spaß macht, nebenberufliches Studium, das mir auch viel Spaß macht. Ich bekomm zwar oft gesagt, das sei viel zu stressig, aber ich empfinde es nicht als Stress.

Ich fühle mich sehr ausgelichen, gehe oft zum Sport, 2 - 3 mal Werktags und am Wochenende meistens täglich. Sport ist Fitnessstudio (extra ein Studio für "Rückenkranke"), Schwimmen, Inlinerfahren und am Wochenende viel mit dem Hund meiner Eltern wandern, oft mehrere Stunden.
Zusätzlich täglich die 30 min Rückengymnastik, die mir die Krankengymnastin beigebracht hat.

Innere Anspannung hab ich nur vor Prüfungen bei meinem Studium, aber die schlagen mir eher auf den Magen, also die Rückenschmerzen sind davon unabhängig.

Sitzen tue ich trotzdem viel, 8,5 h täglich auf der Arbeit, 1 h im Auto und zu Hause beim Lernen bzw. noch ca. 10 h in den Vorlesungen. Nach langem Sitzen sind die Schmerzen größer.

Ich habe Normalgewicht, trinke ca. 0,5 ltr. Sprudel und 1 - 1,5 Ltr. Tee (Kräutertee) am Tag, im Sommer eher umgekehrt.

Gegen die Schmerzen habe ich bisher nur warme Körnerkissen probiert, aber das hilft nicht.
Medikamente lehne ich ab, da hab ich nur im Sommer mal 2 Wochen Ibuprofen eingenommen, weil mein Arzt mir das plausibel gemacht hat, aber ich hatte das Gefühl, dass es kaum was bringt.
Nach dem Sport oder morgens nach dem aufwachen sind die Schmerzen meistens weniger oder weg.

Bei der Krankengymnastik mache ich fast nur Übungen, die ich aus dem Pilates-Buch meiner Mutter schon kenne, aber die helfen. Welche Qualifikationen die dort haben weiß ich nicht genau.

Meine Schlafstellung ist entweder auf dem Rücken oder seitlich (abwechslend rechts und links) und ich habe eine Federtaschenkernmatratze Härtegrad 2 seit letztem Jahr Weihnachten.

So, die meisten Fragen habe ich jetzt beantwortet, morgen kann ich hoffentlich den Krümmungsgrad und die Rotation nennen, die Krankengymnastin müsste das wissen.

Freue mich auf eure Antworten.

Gruß
Schnucktier
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Beitrag von Schnucktier84 »

Hallo!
Komme gerade von der KG, leider konnte die mir auch nicht sagen, wie der Winkel bei mir ist, der Arzt hat es nicht aufs Rezept geschrieben.

Im Nachhinein bin ich auch nicht so zufrieden mit meinem Orthopäden, der hat mir noch nicht mal erklärt, was Skoliose ist. Er hat nur gesagt: "Sie haben Skoliose, ich schreib Krankengymnastik auf." Da dachte ich natürlich, dass die Skoliose davon weggeht.
Erst dieses Forum und meine Krankengymnastin hat mich aufgeklärt :/
kimch
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Beitrag von kimch »

Hallo!

Zunächst möchte ich einmal sagen, dass Orthopäden oft erstaunlich wenig Ahnung haben, bzw. nur über eine Behandlungsmöglichkeit aufklären und Alternativen ignorieren. Ich würde mir auf jeden Fall eine zweite Meinung einholen! Der Orthopäde, der bei mir Skoliose diagnostiziert hat, meinte sofort: "Das operier ma, freunden Sie sich mit dem Gedanken an". Ein zweiter hat mir dann zu KG geraten und gemeint, eine Operation sei nur nötig, wenn ich über lange Zeit starke Schmerzen habe. Also soviel dazu...

Ich mache nun jeden Tag KG, was meine Rückenschmerzen stark reduziert hat.
Auch ich sitze jeden Tag sehr viel und nach langem Sitzen treten manchmal Schmerzen auf. Ich mache dann zwischendurch ein paar Übungen, dann sind die Schmerzen meist sofort weg. Vielleicht hast du diese Möglichkeit ja auch an deinem Arbeitsplatz?!
Positiv ausgewirkt haben sich bei mir auch Fitnessstudio und Klettern, weil die Rumpfmuskulatur dadurch gestärkt wird und so der Wirbelsäule viel Last abnehmen kann.

Ich wünsch dir noch viel Glück,
LG kimch
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo kimch,

willkommen im Forum.

Wenn Du hier im Forum mal intensiver liest, dann wirst Du feststellen, dass Deine Erfahrung mit den Orthopäden leider mit fast allen anderen Berichten seit Jahren übereinstimmen.
Und es sind oft weit mehr als 2 Orthopäden, bei denen viele erfolglos waren! In Großstädten kann man durchaus alle durchprobieren und ist nicht ein Schritt weiter.

Zur KG und den weiteren Übungen incl. Fitness Studio muss man aber sagen, dass man diese nur mit dem richtigen individuellen Körpergefühl machen sollte.
Die Schroth KG ist da optimal, insbesondere, wenn man sie in einer 3-4 wöchigen REHA gelernt hat.

Da jeder Rücken anders und auch das Körpergefühl unterschiedlich gut ausgeprägt ist, kann man mit "normaler" KG und Fitness-Training durchaus Glück haben, aber die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit für alle steigt durch Schroth enorm an.
Immerhin geht es da nicht nur um Muskelaufbau, sondern auch um den wichtigen Faktor Korrektur!

Gruss
Klaus
Tina5
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Korrektur mit 23 nur mit Schroth?

Beitrag von Tina5 »

Hallo,
Klaus hat geschrieben:Immerhin geht es da nicht nur um Muskelaufbau, sondern auch um den wichtigen Faktor Korrektur!
Kann man mit 23 tatsächlich noch eine Korrektur nur mit Schroth-KG erwarten?
Wo kann ich das nachlesen?

VG Tina
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Beitrag von Klaus »

Kann man mit 23 tatsächlich noch eine Korrektur nur mit Schroth-KG erwarten?
Wo kann ich das nachlesen?
Hallo Tina,

das kannst Du aus den zahlreichen Erfahrungsberichten hier im Forum entnehmen.
Der Faktor Korrektur muss allerdings in 2 unterschiedliche Bereiche eingeteilt werden, wobei der Erfolg ganz individuell ist:

1. Die tatsächliche Wirbelkörper Korrektur in Form einer Aufrichtung
Das ist allein durch Schroth schon etwas schwierig, ein Korsett könnte das optimieren, auch mit 23.
Die Diskussion darüber ist allerdings kontrovers, weil hier sicherlich auch das Probieren eine Rolle spielt und die Akzeptanz eines Korsetts etwas mit Lebensqualität zu tun hat, die nur individuell entschieden werden kann.

2. Die Korrektur der Rückenstruktur, also der Muskeln, Bänder und Sehnen.
Es ist Tatsache, dass zwischen der Optik eines Rückens und der Wirbelkörper Struktur ein grosser Unterschied bestehen kann.
Wenn der Grad der Skoliose im Röbi kleiner ist, als in der 3 D Aufnahme, dann besteht durch Schroth schon die Möglichkeit einer grösseren Korrektur der Optik.

Gruss
Klaus
Tina5
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Danke Klaus!

Beitrag von Tina5 »

Klaus,
d.h. also, mit Schroth-KG alleine kann ich im günstigen Fall (2.) die Optik korrigieren. Für eine echte Korrektur bräuchte ich aber ein Korsett. So habe ich das hier auch immer gelesen, deshalb erschien mir Dein vorletzter Beitrag zu pauschal und ich hab' dann lieber nachgefragt.
Danke für die Klarstellung!
VG Tina
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