Tipps zum Umgang mit Skoliose?

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animaviva

Tipps zum Umgang mit Skoliose?

Beitrag von animaviva »

hallo

bei mir wurde skoliose mit 13 jahren festgestellt, inzwischen bin ich 23 jahre alt. ich habe eine relativ starke krümmung (ca.70*), lasse mich aber nicht unterkriegen.. obwohl ich mir schon oft sorgen um meine zukunft mache.
ich erzähl euch mal meine geschichte: mir hat eines tages eine sehr unsensible physiotherapeutin erzählt, ich würde eines tages im rollstuhl landen, ließe ich mich nicht operieren. dies hat mich leider noch viel weiter von der medizinischen betreuung weggeführt. habe vor neun jahren eine 5-wöchige kur in bad-sobernheim gemacht, ergebnis dürftig, aber zumindest hatte ich bewegung. von einer op haben mir die ärzte abgeraten, hätte mich einer solchen sowieso nur sehr ungern unterzogen. krankengymnastik mache ich seit ein paar jahren nur noch alleine und etwas unregelemäßig, doch relativ effektiv, was beweglichkeit und schmerzvermeidung angeht. meine ich zumindest.
etwas sorgen mache ich mir um meine berufliche zukunft. nicht wegen meines sprach- und philosophiestudiums, das mir unheimlich viel freude bereitet. es geht vielmehr um die körperliche belastbarkeit, die nicht allzu hoch ist, wie ich bei meinem job in der uni, wo ich oft schwere bücher tragen muss, leider feststelle. ein bürojob wäre wahrscheinlich auch nicht das beste für mich... hm. in welchen bereichen seid ihr denn tätig? könnt ihr mir tipps geben?
und was, wenn ich doch im rollstuhl lande? das will ich auf alle weisen zu vermeiden suchen!! endlich will ich nicht mehr fliehen, sondern mich konfrontieren und aktiv werden!
was sport angeht, was haltet ihr von schwimmen oder klettern?

so, das wars erstmal von mir. freu mich auf zuschriften von anderen menschen mit skoliose, dieser eigenartigen deformation, zu der ich in einem verhältinis der hass-liebe stehe- hass wegen der problematiken und der komplexe, die sie mit sich bringt, liebe, weil ich ihr meine geistige entwicklung verdanke!

Animaviva
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Wiebi
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Beitrag von Wiebi »

Hallo!
Manche Ärzte und in diesem Fall Physiotherapeuten sollte man einfach nur auf den Mond schießen. Mit einer Skoliose landet man NICHT im Rollstuhl!! Lass dir von solchen unqualifizierten Äußerungen keine Angst machen... Deine 70° sind keine Kleinigkeit, aber hast du sehr starke Beschwerden oder geht es noch? Wenn du keine Beschwerden hast, dann würde ich auch nicht operieren lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du dann hinterher erst Recht Probleme hast, ist nicht gering. In deinem Alter verschlechtert sich die Skoliose aber in der Regel auch nicht mehr bzw. nur minimal. Du brauchst keine Angst haben, dass es noch mehr wird!
Berufsmäßig ist immer etwas zu empfehlen, wo nicht nur Körperposition gefordert wird. D.h. du solltest am besten abwechselnd gehen, stehen und sitzen können. Ein Bürojob wäre nicht unbedingt ganz schlecht, dort könntest du dir 1. einen rückengerechten Stuhl, der nebenbei vllt sogar etwas die Muskeln trainiert, hinstellen, 2. könntest du dir vllt ein Stehpult kaufen oder selber bauen, so dass du zwischendurch mal im Stehen arbeiten kannst und 3. sind ja auch oft kleine Botengänge zu unternehmen...
Aber was hattest du dir denn so gedacht, was du später machen könntest? Vllt auch irgendwie als Lehrer arbeiten? Das wäre denke ich auch relativ optimal, denn da kannst du dir ja aussuchen, ob du sitzt, stehst oder gehst. :)
Klettern und Schwimmen sind ziemlich optimal. Schwimmen ist sehr rückenschonend und es werden gleichzeitig viele Muskeln aufgebaut, Klettern ist natürlich schon ein ziemlicher Kraftakt, aber wenn du das schaffst, dann ist das auch ziemlich gut und baut sehr viele (Rücken-)Muskeln auf. Du könntest dabei darauf achten, dass du die meiste Arbeit beim Hochziehen nicht nur mit einer Seite machst. Bei mir ist das so, dass ich bei vielen kraftaufwändigen Sachen vorwiegend meine rechte Seite, also die Paketseite benutze. Wenn ich daran denke, versuche ich gezielt auch mal die linke Seite zu benutzen, damit ich nicht immer nur einseitig trainiere.
LG Wiebke

[i]Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.[/i]
animaviv

Beitrag von animaviv »

Hab mich wirklich darüber gefreut, dass du so schnell geantwortet hast! Und du hast Recht, das waren einfach unqualifizierte Aussagen auf die man nicht allzuviel geben sollte! Und doch verfolgen sie einen... Ich hab mir jetzt aber das Buch "Dreidimensionale Skoliosebehandlung" gekauft und bin dabei, es zu studieren. Wie gut es tut, dieses so lange zur Seite geschobene Thema endlich mal wieder zu behandeln!
Zum Beruflichen: Ja, kann mir schon gut vostellen, Lehrerin zu werden, aber nicht an ner normalen Schule... Vielleicht an ner Uni oder privaten Sprachschule in Italien oder Spanien. Am Meer. *träum*
Wisst ihr zufällig noch andere Sportarten, die die Rückenmuskulatur stärken? Fürs Klettern muss ich glaub ich noch bissl mehr Muskeln aufbauen... Das Problem ist eben, dass die Übungen oft die sowieso schon "zu starke" Muskulatur noch mehr stärken / Schmerzen verursachen. Weitere Gymnastiktipps neben Schroth?

Übrigens freu ich mich auch sehr darüber, Beiträge von (etwas) älteren Skoliotikern zu lesen und festzustellen, dass man selbst bei starker Skoliose bei konstantem Beweglichkeitstraining schmerzfrei leben kann!! Hoffnung!
;D

Schön, dass es dieses Forum zum Austausch mit Mit-betroffenen gibt! Danke!
loren
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Re: Tipps zum Umgang mit Skoliose?

Beitrag von loren »

Hallo Animaviva!


Auch ich gehöre schon zu den etwas "älteren Skoliosebetroffenen"
Bin jetzt 38 Jahre alt und habe mittlerweile wieder eine Skoliose von ca 44 Grad.
Meine Skoliose wurde bereits mit 7 Jahren festgestellt und trotz damaliger früher Erkennung, Krankengymnastik und regelmäßigen Arztbesuchen wurde meine Verkrümmung im Teenager-Alter erheblich schlimmer und mit 16 Jahren mit einer Verkrümmung von 50 Grad wurde zusätzlich ein Lendenkleiden festgestellt, so dass ich mich dort daran operieren ließ und die Verkrümmung auf ca 30 Grad stabilisiert hatte. Hatte die ganzen Jahre mal regelmäßiger oder oder unregelmäßiger Sport wie Krankengymnastik, Fitness und Schwimmen gemacht und hatte eigentlich gedacht das ich mittlerweile gut damit leben würde. Vor ca.2 Jahren wurde jedoch durch eine Routineuntersuchung festgestellt, dass die Verkrümmung sich halt wieder erheblich verschlechtert hatte und ich war schon nahe davor mich damit abzufinden das ich mich noch einmal operieren lassen müßte. Durch das Forum wurde ich auf die Schroth-Behandlung aufmerksam, so dass ich in Kürze eine Reha in Sobernheim wahrnehmen werde. Solange die Verkrümmung von 44 Grad die ich seit ca. 1 1/2 Jahren halten konnte nicht wesentlich verschlimmern sollte werde ich mich auf gar keinen Fall unters Messer begeben, schließe es aber nicht 100 % aus.

Viele Grüße

Loren
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mausiii
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Beitrag von mausiii »

also dass sich eine skoliose von 70 grad mit 23 jahren nicht mehr verschlechtert, glaube ich nicht. ist das nicht so, dass jedes jahr circa 1 grad hinzukommt (so wurde mir das zumindest erklärt). aber ich kann mich auch täuschen, beschäftige mich nämlich noch nicht so lang damit.
ich mein, dass wäre ja auch wichtig dagegen etwas zu unternehmen, da animaviva sonst mit 43 eine verkrümmung von 90 grad hätte (vorausgesetzt sie tut nichts dagegen).
lg lea
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Dalia
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Therapie: 1983-1994 Korsetts verschiedener OTs, zuletzt bei Rahmouni, dann Korsettabschulung im Jahr 1994, seit 05/2005 bis etwa 2018 Nachtkorsett von Rahmouni, Therapieziel: Halten der Skoliose, seit 2018 keine Therapie mehr
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Beitrag von Dalia »

mausiii hat geschrieben:also dass sich eine skoliose von 70 grad mit 23 jahren nicht mehr verschlechtert, glaube ich nicht. ist das nicht so, dass jedes jahr circa 1 grad hinzukommt (so wurde mir das zumindest erklärt).
Das ist nur, wenn man nichts tut. Aber es muss auch nicht passieren (also bei Nichtstun).
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
Happylissy

Beitrag von Happylissy »

hallo leute :)
also bei mir wurde die skoliose mit etwa 7 jahren festgestellt un mittlerweile bin ich 13 jahre alt. ich habe schon seid einigen jahren physotherapie...bis jetzt schon 3 verschiedene doch durch den hersteller meines korsetts sind wir auf die physotherapeuten der athem-technik gekommen. diese mach ich jetzt schon seid letztem jahr...naja 2mal 6 therapien...2mal die woche. mein 2. mal habe ich jetzt erst letzten montag abgeschlossen! alle sagen mir das wenn ich mich nicht immer dran halte die Übungen zu machen und das korsett zu tragen (was mich seeeeehr nervt aber ja leider notwendig ist) wird meine zukunft nicht so toll assen. da ich ja jetzt schon nicht viel im sportunterricht mitmachen darf und auch nicht meine lieblingssportart volleyball spielen darf, haben alle gesagt das ich dann auch nicht mal den beruf ausüben darf, den ich sehr gerne machen würde. ich habe vorletztes jahr auch mal kurz mit dem handball begonnen doch als wir meine tante (Ärztin bei meinem arzt sd) gefragt haben ob ich das überhaupt machen darf, hat sie gesagt das es schädlich ist weil es meine wirbelsäule staucht...genauso wie basketball, tischtennis, tennis, volleyball, u.s.w....das hat mich echt traurig gemacht weil es mir doch so eine große freude bereitet hat zu spielen :nein: aber da kann man ja leider nix machen außer was zu machen. doch ich finde es lästig und nervig wenn mir alle immer sagen das ich später mal keine richtige arbeit finden werde. aber das stimmt ja nicht richtig oder? wie ihr es schon gesagt habt!
mir sagen auch alle das ich die chance nutzen muss das korsett zu tragen bis ich 18 bin, den ab 18 soll es dann keine richtige wirkung mehr haben (hat mein arzt dr. schindler gesagt).
es tut mir auch wirklich leid das ich euch/dir nicht helfen kann da ich ja auch selber seeehr unerfahren bin und auch noch nicht richtig weiß was mich alles erwartet oder was man bei mir noch machen kann.
achja: meine wirbelsäule hat eine s förmige form...die sich ber zum glück schon mal ein bißchen verbessert hat. leider haben sie bei mir noch nicht die "gradzahl" gemessen.
ich hoffe ihr könnt mir auch ein wenig helfen was ich in meinem alter machen kann und welche sportart für mich geeignet wäre...achja: mein großer traum ist es e-gitarre oder schlagzeug zu spielen! darf ich das???
ach und xD : bei uns soll diese jahr noch ein hallenbad gebaut werden (meine straße ein stück weiter, also zum glück nicht so weit) und da soll ich auch jede woche mit meinem stivvater (der auch lieber schwimmt als i-welchen andren sport zu machen) hin gehen um meine bahnen zu schwimmen. xD
ist das schwimmen gesund für mich? un hilft es meiner wirbelsäule sehr oder nur wenig?
es wär toll wenn ihr mir auch meine fragen beantworten würdet!!!
LG und VG
Tschüss, eure lisa
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Schnecke007
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Beitrag von Schnecke007 »

Hallo Lisa!

Um Deine Situation richtig einschätzen zu können, wäre es schon wichtig, Deine Gradzahlen zu erfahren. Ich verstehe nicht, warum die nicht ausgemessen wurden, wo Du doch ein Korsett hast - wie will man dann wissen, wie gut es Dich korrigiert? Von wem ist das Korsett und wer ist Dein Orthopäde? Machst Du Krankengymnastik (nach Schroth)?

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Du tatsächlich kein Volleyball, Basketball, Tischtennis (! :eek: ) usw. spielen darfst. So sehr wird doch dabei die Wirbelsäule nicht gestaucht, oder? (Man widerspreche mir!)
Sowas gilt denke ich eher für Sportarten wie Trampolinspringen o.ä.. Schwimmen ist auf jeden Fall gut, allerdings ist auch hier eine gute Technik wichtig - nicht wie eine Ente mit dem Gesicht aus dem Wasser. :ertrink:

Viele Grüße,
Schnecke
schneeflocke
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Diagnose: Kyphoskoliose, th. ca. 85°, lu. ca. 45°, Asthma/COPD
Therapie: Reha in Sobi 1998, 2000, 2003, 2005 und 2009,
Krankengymnastik nach Schroth
Wohnort: Kempten

Hallo Animaviva,

Beitrag von schneeflocke »

Ich gehöre schon zu den "Gruftis", habe eine Skoliose von ca. 80 Grad, war in den letzten Jahren meines beruflichen Lebens im Büro beschäftigt, also ganztags sitzende Arbeit (war zeitweise mit Schmerzen verbunden). Habe dann endlich einen Orthopäden gefunden, der mich nach Sobi geschickt hat, ich war bis jetzt viermal dort. Ich halte mich jetzt weitestgehend schmerzfrei durch tägliches Turnen, einmal die Woche Krankengymnastik nach Schroth bei einem Therapeuten habe und ich gehe viel Schwimmen.

Im Oktober habe ich einen Termin bei Dr. Hoffmann in Leonberg, einfach deswegen, weil ich wissen möchte, ob sich meine Skoliose evtl. verschlechtert hat. Eine OP werde ich nicht machen lassen, ich habe da Bedenken in meinem Alter.....

Grüße
Schneeflocke
:)
Oliver76
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Beitrag von Oliver76 »

Was du über die "geistige Entwicklung" geschrieben hast, finde ich sehr gut. Lass uns darüber mal sprechen. Wenn du Lust hast, schreib mir mal ne PN.

Gruß
Oliver
Sabona
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Diagnose: Skoliose, 89 und 87 Grad
Therapie: Schroth
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Beitrag von Sabona »

Hallo,

also ich gehöre auch schon zu den Omas. Bin 50 Jahre und meine 90 Grad Skoliose behindert mich kaum. Ich gehe bergsteigen, fahre Mountainbike, schifahren, mache viel Gymnastik, aber auch jeden Tag "Schrothen". Sicher schmerzt auch mein Rücken immer wieder mal. Aber wer hat das nicht? Dazu braucht man nicht eine Skoliose. Ich glaube das wichtigste ist regelmäßiges Ausdauertraining um Lunge und Herz zu stärken. Meine Werte sind alle im Normalbereich, trotz der starken Skoliose. Und im Rollstuhl kann man auch ohne Skoliose landen. Davor ist niemand sicher.
Meine Skoliose hat sich aber mit den Jahren schon verschlechtert. Ich hatte mit 20 Jahren ca. 70°. Da kannte ich aber auch noch nicht "Schroth". Habe erst vor 5 Jahren damit angefangen.
Ich kann dir nur den einen Rat geben. Mach einfach das, worauf du Lust hast. Aber mache etwas. Und sage n i e ich kann das nicht wegen meiner Skoliose tun. Dein Körper sagt dir schon, wenn es nicht das Richtige ist.

Liebe Grüße
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