Also zur Allgemeinen Frage "Erwachsenen-Korsett trotz Beschwerdefreiheit?":
Ja, bei nachgewiesener Progredienz bzw. hoher Progredienzwahrscheinlichkeit, wenn man nicht das notwendige tägliche Schroth-Pensum machen will oder kann (was je nach Schwere zeitlich schon einiges ist), wobei zum Beipiel bei sehr hohen Gradzahlen dann auch wieder kaum noch Progredienzrisiko besteht.
Siehe hier
http://skoliose-info-forum.de/viewtopic.php?t=1854 (einmal auf die Grafik klicken für Großansicht). Ab 80, 90 Grad fällt die Progressionsgeschwindigkeit dann massiv ab. Da passiert im Erwachsenenalter in der Regel nicht mehr viel. Wer also mit den Gradzahlen zurecht kommt, die schon länger hält, keine Verbesserung mit einer Operation erreichen will oder braucht und keine Beschwerden hat, wozu dann Korsett? Dann wäre sowieso Schroth zum fitt halten, gerade für die Lunge, besser.
Antje hat geschrieben:Aber mal ganz ehrlich: wie läuft es denn bei Dr. Hoffmann? Sicherlich kann ich als Erwachsene selbst entscheiden, ob ich ein Korsett haben möchte oder nicht. Aber man liest ja hier sehr viel, dass Dr. Hoffmann häufig mit Korsetten therapiert. Habt ihr da den Eindruck, dass er vielleicht zu voreilig ein Korsett empfiehlt?
Ich weiß nicht, wie oft er ein Korsett bei Erwachsenen unaufgefordert empfiehlt, du musst aber eines bedenken, dass viele von uns an überhaupt keiner Empfehlung irgendeines Arztes mehr interessiert sind weil wir, was unseren eigenen Fall betrifft, besser bescheid wissen und uns Gedanken gemacht haben was wir wollen und was nicht. Bei Skoliose oder Kyphose ist es ja nicht so, dass einem jemand erst Sagen muss, was man hat.
Eine Abschätzung, eine Prognose, eine Zweitmeinung, das ja, ist immer besser wenn man jemanden einigermaßen gleichwertigen und kompetenten finden kann, aber ansonsten geht es bei vielen nicht nach dem, was Dr. Hoffmann empfiehlt, sondern was sie wollen.
Und ich finde auch genauso sollte es bei einem Korsett im Erwachsenen-Alter laufen. Nicht weil andere es tun als Mode sozusagend, man sollte selbst vorher abgewägen, ob man das für sich selbst möchte oder nicht, damit das Korsett dann am Ende nicht in der Ecke steht. Es gibt ja immerhin noch die Option der Nichtbehandlung einer Skoliose (mit den eventuellen Konsequenzen) oder Schroth.
Was schon passiert ist (und was nicht sein sollte) ist, dass Leute von Dr. Hoffmann ein Korsett verschrieben bekommen haben und dann hier aufgetaucht sind, mit der Frage, wie lange sie das Korsett denn dann noch tragen
müssten, und nach Erfahrungswerten und Studien für nach Korsettabschulung gefragt haben und meinten, dass es die ja wohl geben müsse.
Wenn das Korsett nur den Sinn einer momentären Schmerzreduktion oder Progressionsverhinderung hat, dann sollte eineim eigentlich klar sein, dass das bedeutet, dass diese Effekte dann, sobald das Korsett nicht mehr getragen wird, sehr wahrscheinlich wieder eintreten. Es gibt keine Heilung im Erwachsenenalter mehr. Ein Korsett ist dann ein "Dauertherapiegerät" genau wie Schroth auch und eine Operation auch (die Stäbe kommen ja auch nicht wieder raus und die Bandscheiben wieder rein).