Ich bin auch neu hier und brauche Rat :-)

Infos zu weiteren WS-Deformitäten, die mit Skoliose zusammen oder alleine auftreten
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Gast

Ich bin auch neu hier und brauche Rat :-)

Beitrag von Gast »

Hallo an alle Forumler,

ich bin schon lange eine stille Mitleserin und habe mich heute endlich mal selbst angemeldet um auch schreiben zu können.

Mit etwa 11 Jahren wurde bei mir Scheuermann diagnostiziert der aber ausser etwas Krankengymnastik nie richtig behandelt wurde. Nicht zuletzte weil ich mich damals standhaft gegen ein Korsett gewehrt habe und meine Mutter mich irgendwann zufriedenliess. Da ich nie Schmerzen hatte habe ich mich auch jahrelang garnicht mehr darum gekümmert.

Heute mit 31 Jahren leide ich mehr und mehr unter meiner Hyper-Kyphose und Lordose. Natürlich schon allein aus optischen Gründen aber auch weil nach und nach Rückenschmerzen hinzu kommen. Bisher nur selten aber ich habe Angst das sich die Schmerzen irgenwann verschärfen könnten.
Ich bin sehr sehr oft ziemlich verspannt im Nacken und bemerke auch manchmal einen leichten Druckschmerz im unteren Teil des Brustkorbes, also bei den unteren Rippen vorne. Vielleicht weil ich manchmal wieder nach vorne sinke beim Sitzen :rolleyes:
Ausserdem fühle ich mich insgesamt so steif und unbeweglich aber Dehungsübungen bringen mir irgendwie auch keinen Erfolg.

Ich war bei mehreren Orthopäden und bekam Krankengymnastik, Physiotherapie und Rehasport verschrieben.
Momentan mache ich zuhause regelmässig Übungen die mir bei der Krankengymnastik gezeigt wurden kombiniert mit einer Übung die ich mir selbst erdacht habe und die mir guttut.
Vor zwei Jahren habe ich es mal mit Rolfing versucht und die 10 Sitzungen haben mir damals sehr gut getan obwohl es optisch keine Wunder vollbracht hat.
Aber dadurch bekam ich eine bessere Haltungswahrnehmung und habe gelernt mich lockerer, weniger verkrampft und trotzdem (relativ) gerade zu halten.

Trotz eines meist schmerzfreien Rückens will ich jetzt aber wieder etwas mehr tun und daher meine Frage:
Wo kann ich jetzt am besten ansetzen?
War schonmal jemand bei Dr. Calemont in Bochum?
Kann er eine WS-Vermessung machen damit der Verkrümmungsgrad festgestellt werden kann?
Bevor ich zu Dr. Hoffmann nach Leonberg fahre würde ich gerne noch mal einen Orthopäden in der Nähe aufsuchen.
Gibt es Schroth-Anleitungen im Internet oder Buchhandel?
Welchen Sport macht Ihr alternativ? (Ich reite und schwimme gerne und gehe oft walken)
Was macht man bei akuten Schmerzen oder Verspannungen?
Wie geht Ihr mit dem optischen Gesichtspunkt um?
Wie wurdet Ihr insgesamt beweglicher? Reiner Muskelaufbau bringt ja auch nicht viel wenn man sich immer so steif fühlt.

Fragen über Fragen :) Kann mir jemand helfen?

Toni, Du hast scheinbar sehr viel Besserung erreicht. Kann man Deinen "Erfolgsweg" irgendwo nachlesen?

Viele liebe Grüsse und im Voraus vielen Dank
Gesarina
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Toni
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Beiträge: 4388
Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
Geschlecht: männlich
Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup
Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen!
Wohnort: Allgäu

ACHTUNG: ist sehr lang geworden!

Beitrag von Toni »

Anonymous hat geschrieben:Hallo an alle Forumler,

ich bin schon lange eine stille Mitleserin und habe mich heute endlich mal selbst angemeldet um auch schreiben zu können.
Liebe Gesarina, herzlich willkommen bei den Wirbelsäulen-Geplagten!
Irgendwas scheint mit Deiner Anmeldung nicht geklappt zu haben, da Du als Gast schreibst.
Anonymous hat geschrieben: Mit etwa 11 Jahren wurde bei mir Scheuermann diagnostiziert der aber ausser etwas Krankengymnastik nie richtig behandelt wurde. Nicht zuletzte weil ich mich damals standhaft gegen ein Korsett gewehrt habe und meine Mutter mich irgendwann zufriedenliess. Da ich nie Schmerzen hatte habe ich mich auch jahrelang garnicht mehr darum gekümmert.
TYPISCH !!! So geht’s sehr vielen. Da bist Du nicht allein.
Anonymous hat geschrieben: Heute mit 31 Jahren leide ich mehr und mehr unter meiner Hyper-Kyphose und Lordose. Natürlich schon allein aus optischen Gründen aber auch weil nach und nach Rückenschmerzen hinzu kommen. Bisher nur selten aber ich habe Angst das sich die Schmerzen irgenwann verschärfen könnten.
Da eine Kyphose nicht stehen bleibt sondern sich bei Männlein und Weiblein mit den Jahren weiter verschlechtert, sollte man/frau das schon rechtzeitig „in Angriff“ nehmen. Insbesondere wenn auch noch die Gefahr von Osteoporose hinzu kommt. Es ist auch eine Tatsache, dass sich abgenutzte Bandscheiben besonders im Bereich der Keilwirbel verschmälern und es dann, wenn nur noch wenige Millimeter übrig sind, zu Entzündungen und Verhärtungen des Gewebes kommt. Entlang dieser Verhärtungen können sich verkalkende knochenähnliche „Spangen“ bilden, die dann von Wirbelkörper (WK) zu WK zusammenwachsen und so die Wirbelsäule in der Kyphose- Stellung echt fixieren. Wenn es soweit ist, dann ist jede konservative Therapie, KG (auch SCHROTH!) und aufrichtendes Korsett mit brutalen Schmerzen verbunden, da dann solche knöchernen Verbindungen zwischen den WK brechen bezw. „geknackt“ werden müssen, dass es noch zu einer Aufrichtung kommt. Doch das wird unerträglich, wie wir am Beispiel von Lurchi/Petra gesehen haben.
Anonymous hat geschrieben: Ich bin sehr sehr oft ziemlich verspannt im Nacken und bemerke auch manchmal einen leichten Druckschmerz im unteren Teil des Brustkorbes, also bei den unteren Rippen vorne. Vielleicht weil ich manchmal wieder nach vorne sinke beim Sitzen :rolleyes:
Ausserdem fühle ich mich insgesamt so steif und unbeweglich aber Dehungsübungen bringen mir irgendwie auch keinen Erfolg.
Das ist ganz typisch für das „Post-Scheuermann-Syndrom“. Dein Körper hat eine Fehlstatik und daraus entsteht irgendwann ein Schmerzkreis:

Fehlstatik > Verspannung > Verkrampfung > Schmerzen > Schonhaltung > Bewegungsmangel > noch mehr Fehlstatik > noch mehr Schmerzen > usw.....

Dieser „Teufelskreis“ muss konsequent und systematisch durchbrochen werden. Schmerzmittel durchbrechen den „Teufelskreis“ nicht sondern halten ihn nur auf. Sie können sogar den Schmerzkreis verstärken, in dem der Patient sich doch mehr in die Fehlhaltung hineinsinken lässt, da er mit Schmerzmittel die Warn-Signale seines Körpers noch weniger spürt.

Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es nur zielführend, die Ursache, also die Fehlstatik zu bekämpfen. Die stärksten Waffen gegen die Fehlstatik der WS sind SCHROTH und ein GUTES Korsett. Eventuell Osteopathie kann die Voraussetzungen schaffen um überhaupt Therapiefähig zu werden! Alles weitere ( Schmerzmittel, Entzündungshemmer, manuelle Therapie, Wärme, Fango, Extension, Schlingentisch, MBT-Spezialschuhe, und weitere Alternativmethoden) sind additiv, das heißt ZUSÄTZLICH hilfreich , helfen aber für sich allein nicht wirklich. Wer glaubt mit ein paar Akupunktur-Nadeln und ein paar mal 0-8-15-KG eine über 60° Kyphose aufbiegen und entschmerzen zu können, erliegt einer gigantischen Täuschung und Quacksalberei!

Anonymous hat geschrieben:Ich war bei mehreren Orthopäden und bekam Krankengymnastik, Physiotherapie und Rehasport verschrieben.
Momentan mache ich zuhause regelmässig Übungen die mir bei der Krankengymnastik gezeigt wurden kombiniert mit einer Übung die ich mir selbst erdacht habe und die mir guttut.
Vor zwei Jahren habe ich es mal mit Rolfing versucht und die 10 Sitzungen haben mir damals sehr gut getan obwohl es optisch keine Wunder vollbracht hat.
Rolfing tut sicher gut, ist aber nicht annähernd so effektiv und gezielt wie SCHROTH.
Anonymous hat geschrieben:Aber dadurch bekam ich eine bessere Haltungswahrnehmung und habe gelernt mich lockerer, weniger verkrampft und trotzdem (relativ) gerade zu halten.

Trotz eines meist schmerzfreien Rückens will ich jetzt aber wieder etwas mehr tun und daher meine Frage:
Wo kann ich jetzt am besten ansetzen?
In keiner mir bekannten Methode der Krankengymnastik und Physiotherapie ( Ich hab schon BRÜGGER, BOBATH, DORN, AOK-Rückenschule, AOK-gefördertes Wirbelsäulen-KRAFTTRAINING in einem med. Sportstudio, div. Manuelle Therapieen) wird so systematisch, klar, befundgerecht und zielgerichtet auf die Aufrichtung und Begradigung der WS und des ganzen Körpers hingearbeitet wie bei SCHROTH!
Am effizientesten lernt man Schroth bei einer REHA entweder in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen. Dazu kann ich nur JEDER/JEDEM dringend raten, der krumm, verdreht, bucklig oder sonst wie in der WS deformiert und fehlstatisch ist.
Das Ziel sollte sein so bald wie möglich eine REHA in einer der beiden ASKLEPIOS –Kliniken genehmigt zu bekommen!
Anonymous hat geschrieben: War schonmal jemand bei Dr. Colemont in Bochum?
Kann er eine WS-Vermessung machen damit der Verkrümmungsgrad festgestellt werden kann?
Da er im ärztlichen Fachbeirat des Bundesverbandes Skoliose-Selbsthilfe e.V. ist, kann man relativ sicher davon ausgehen, dass er die Krümmungswinkel der Kyphosen, Skoliosen und Lordosen nach Cobb anhand eines RöBi´s vermessen können sollte.
Wir haben leider kaum Berichte in diesem Forum über Dr. Colemont. Er wurde mir aber mehrfach von älteren Mitgliedern des Bundesverbandes Skoliose e.V. empfohlen, aber ohne konkrete Therapieberichte. XxlChristian war kürzlich bei ihm und er wurde OHNE jeglichen konservativen Therapieversuch sofort zur OP zur Uniklinik Münster weitergeschickt. Wir wissen bisher nicht mal, ob Dr. Colemont ein Ganz-WS-Röntgen hat. Es ist mir leider auch bekannt, dass der Orthopädietechniker, mit dem Dr. Colemont bei Korsettversorgungen eng zusammenarbeitet, erbärmlich wenige Korsette pro Jahr herstellt ( verglichen mit Rahmouni!) und so gut wie gar keine Korsette für Erwachsene. Also kann er mit konservativer Therapie an Erwachsenen nicht besonders viel praktische Erfahrung haben. Das ist auch für einen Skoliosearzt überhaupt ein schlechtes Indiz, wenn „sein“ OT oder OMM unter 20 Korsettversorgungen im Jahr macht. Soviel machen Dr. Hoffmann und Rahmouni mindestens pro Woche!
Es ist leider typisch für die absolute Mehrheit der Orthopädiefachärzte, dass sie kaum Therapiemöglichkeiten kennen und verordnen, die zwischen einem Päckchen RATIO DICLO und einer großen OP liegen.

Beim Fall von xxlChristian gibt es bisher keinen Bericht ob eine niedergehaltene Aufnahme (sagittales Röntgenbild mit Rolle unter der Kyphose, runtergedrücktem oberen Thorax und angezogenen Knien) oder eine SCHOBER/OTT-Vermessung stattgefunden hat. Das sind Punkte die bisher bei mir persönlich für „wohlwollend-kritisches Misstrauen“ gegenüber Dr. Colemont sorgen, was konservative Kyphosen-Therapie angeht. Aber Dr. Colemont scheint zumindest in NRW der einzige niedergelassene Orthopäde zu sein der sich wenigstens ein bischen Zeit für „Wirbelsäulen“ nimmt.
Anonymous hat geschrieben: Bevor ich zu Dr. Hoffmann nach Leonberg fahre würde ich gerne noch mal einen Orthopäden in der Nähe aufsuchen.
Das kannst Du gerne machen.
Ich halte das für Zeitverschwendung und unnötiges „Doctor-hopping“ Ich hatte in meiner „Scheuermann-Karriere“ ein gutes Dutzend „Feld-Wald-Wiesen-Orthopädieärzte“ durch. Dr. Hoffmann war der erste und einzige der Engagement UND Kompetenz in sich vereinigte!
Anonymous hat geschrieben:Gibt es Schroth-Anleitungen im Internet oder Buchhandel?
VERGISS ES! Schroth kann man definitiv NICHT aus Büchern erlernen!
1. Es ist befundspezifisch, es muss sehr genau auf DEINE Form der WS eingegangen werden,
2. brauchst Du Berührungen und Atemreize von erfahrenen Therapeuten an den genau für DICH richtigen Stellen und eine Einführung die z.B. in den Kliniken eine ganze Woche dauert!
Ich hatte auch das Buch von Frau Lehnert-Schroth lange bevor ich nach Bad Salzungen gegangen bin. Es hat mir gar nichts genutzt, war aber sehr interessant.
Eher noch könnte ein erfahrener Patient, der eine gleiche oder ähnliche Deformation der WS wie Du hat, Dir einige wichtige Übungen beibringen.
Anonymous hat geschrieben: Welchen Sport macht Ihr alternativ? (Ich reite und schwimme gerne und gehe oft walken)
Sport kann man additiv machen aber nicht alternativ. Nach meiner Meinung und Erfahrung gibt es keine echte Alternative zu Schroth. Schroth ist kein Sport. Eher hat es was mit Yoga gemeinsam. Aber Schwimmen mach ich auch sehr gerne, Krafttraining im Sportstudio (nur mit Schroth-Kenntnissen! Oder mit Korsett !SEHR WICHTIG!!!! Sonst kannst Du auch gravierende Fehler machen, verlass Dich nicht auf die Trainer dort selbst bei FPZ oder KIESER haben sie oft keine wirkliche Ahnung bei WS-Deformationen und trainieren so als Hättest Du einen BSV gehabt). Bei Reiten (außer der Hippotherapie in Bad Salzungen) wäre ich sehr vorsichtig. Beinseren Wirbelsäulen dürfen KEINE Erschütterungen und Stauchungen auf die Bandscheiben durchschlagen! Walken ist wunderbar! Aber am besten NORDIC und mit MBT-Schuhen! Auch Wandern , am besten Bergwandern mit gutem Rucksack, der über einstellbare Schultergurte sogar orthopädisch richtig rekliniert tut mir sehr gut.
Anonymous hat geschrieben: Was macht man bei akuten Schmerzen oder Verspannungen?
Mein persönliche Rezept: Ich gehe wenn möglich in eines der vielen Thermalbäder in unserer Gegend. Am liebsten nach Bad Waldsee oder nach Bad Wörishofen. Dort versuche ich mich mit den starken warmen Unterwassermassagestrahlen zu lockern. Das hilft auch sehr gut gegen Verspanntheit aller Art. Durch Dampfsauna, Thermalbecken (Rückenschwimmen im Fersenhang) und Entspannung in Wärme, verbunden mit kurzen intensiven Kältereizen (Anwendungen nach Pfarrer KNEIPP) hilft meistens sehr gut.
Wenn ich keine Zeit für Thermalbad habe, aber Gelegenheit für Sauna ( auf Reisen, in den meisten Hotels) dann geh ich in die Sauna, liege aber dabei in „geordneter Rückenlage“ (Spezielle Schroth-Haltung) auf den warmen bis heißen( ACHTUNG-nicht zu heiß!) Reis- oder Kirschkernsäckchen, die ich mit in die Sauna nehme.
Zuhause hilft oft ein heißes Wannenbad mit anschließendem Aushängen an der Sprossenwand und abliegen in „Geordneter Rückenlage“ oder im fest zugeschnalltem Korsett.
Meine beiden Rahmounis wirken bei mir wie „Osteopathie zum Umschnallen“ aber jedes etwas anders.
Auch eine Massage der verspannten oder schmerzenden Bereiche mit Aconitum-Schmerzöl von WELEDA tut sehr gut.
Hast Du schon mal Progressive Muskelentspannung nach JAKOBSEN erlernt? Das ist auch hervorragend gegen Verspannungen und zum durchbrechen des „Schmerzkreises“. Das und einige sehr gute Tricks gegen weitere Rückenschmerzen aus der KINESIOLOGIE bekommt man auch in der Reha in Bad Salzungen beigebracht, z.B. die Anwendung der „Kastanienschlange“ oder „Stäbe zum draufliegen“ bei Rückenschmerzen und Verspannungen.
Anonymous hat geschrieben:Wie geht Ihr mit dem optischen Gesichtspunkt um?
Der optische Gesichtspunkt ist bei mir erledigt. Mir sieht tatsächlich niemand mehr die Kyphose an. Ich habe inzwischen eine Haltung eines „Königl. Preussischen Gardegrenadier-Major´s“ , selbst wenn ich das Korsett NICHT anhabe. Die ehemalige 65°-Kyphose ist nahezu weg. Ich bin fast mein ganzes Leben mit einer zum Boden gerichteten „Demuts-Haltung„ herumgelaufen wie ein Lakai herumgelaufen, das ist VORBEI, was auch meiner Psyche guttut. Ich bin sehr stolz darauf das geschafft zu haben!
Anonymous hat geschrieben:Wie wurdet Ihr insgesamt beweglicher? Reiner Muskelaufbau bringt ja auch nicht viel wenn man sich immer so steif fühlt.
Steif sein und sich steif fühlen sind 2 verschiedene Dinge die sorgfältig unterschieden werden müssen!
Unser Ziel darf gar nicht die Beweglichkeit = MOBILITÄT sein, sondern unser Ziel muss die STABILITÄT in der Aufrichtung und korrigierten Haltung sein. Ichhabe auch lang gebraucht, bis ich das begriffen habe! Auch einige vorbereitende Teile von SCHROTH zielen auf Mobilität und Gelenkigkeit, wie z.B. die vor jeder Schroth-Stunde stattfindende anmutig tänzerische ( in Sobi sogar MIT Musik!) Schwung-Gymnastik („Reissäckchen-Hoch- und Weitwurf“) aber alles Andere dient mehr der Stabilisierung der tiefliegenden autochtonen Muskulatur als der Förderung der Beweglichkeit. Die meisten und wirksamsten Schroth-Übungen sind sogar fast völlig bewegungslos und rein isometrisch. Und doch sind sie so anstrengend, dass Du dann schweißgebadet bist und am nächsten Tag Muskelkater hast (wenn Du es richtig gemacht hast!) Ich wurde vorher jahrelang von div. „Nicht-Schroth“-Physiotherapeuten traktiert, die ALLE in Richtung Mobilisierung trainiert und behandelt hatten. Heute weiß ich dass das meiste davon für uns Kyphosen und Skoliosen völlig falsch und verkehrt war!
Anonymous hat geschrieben:Fragen über Fragen :) Kann mir jemand helfen?

Toni, Du hast scheinbar sehr viel Besserung erreicht. Kann man Deinen "Erfolgsweg" irgendwo nachlesen?
Der „Erfolgsweg“ war ein LEIDENSWEG! Der erst durch DIESES FORUM (Danke Bzebra, Sloopy, Dr. Hoffmann und Dr. Steffan, dem Physioteam von Bad Salzungen Seeklinik, Meister Rahmouni und meiner wunderbareren Frau Sieglinde) im Alter von 48 Jahren zu einem Erfolgsweg geworden ist. Die Geschichte ist unter den älteren meiner fast 2000 Beiträgen dieses Forums schwer rauszufiltern und daher will ich sie hier mal zusammenfassend wiedergeben:
Zunächst zu meiner Person:
Ich bin Toni, 50 Jahre alt, Biologe und selbstständiger Fachberater.

Bei mir wurde im Alter von 11 Jahren wegen sogenannter „schlechter
Haltung“ ein mehrjähriges spezielles Haltungsturnen vom Schularzt
angeordnet. Dieses war mir damals eine Quälerei, die ich ungern und
unmotiviert machen musste, da mir nie jemand irgend etwas erklärte.

Lediglich von meinem Vater wurde ich häufig im Feldwebelton angebrüllt:
„ Du sitzt/stehst da wie ein hingeschissenes Fragezeichen! HALTUNG!
Brust raus, Bauch rein, Kopf hoch, Schultern zurück! Wart nur bis du
zum Barras kommst, dann werden sie Dir Haltung beibringen!“ Diesen Satz
musste ich als Heranwachsender so oft hören, bis er mir Brechreiz
verursachte. Auch drohte mir mein Vater oft mit einem Korsett, wenn ich
nicht sofort eine „anständige Haltung annehme“.

Zum Orthopäden geschickt und geröntgt wurde ich bis zum 16.Lebensjahr
nie.
Im Alter von 15 Jahren begann ich eine Lehre als Gärtner im Blumen- und
Zierpflanzenbau. Ich wollte mich einem Beruf zuwenden, der so weit wie
irgend möglich von den Berufsidealen meines militaristischen Vaters
entfernt lag und der meiner überwiegend vorgebeugten, gebückten Haltung
prinzipiell entgegen kam.

Im 2. Lehrjahr habe ich mich beim Auskippen eines mit schwerer Lehmerde
gefüllten Schubkarrens überhoben und mir einen ersten schweren
Bandscheibenvorfall im Bereich L4-L5 mit neurologischen Ausfällen in
den Beinen zugezogen.

Der Prolaps wurde in Augsburg Göggingen in der „Hofrat von Hessingschen
orthopädischen Heilanstalt“ (Hessing-Klinik) behandelt. Dabei wurden
erstmalig Röntgenaufnahmen meiner ganzen Wirbelsäule gemacht und neben
dem BSV der LWS auch M. Baastrup lumbal und hochgradig ausgeprägter M.
Scheuermann thorakal diagnostiziert.
Ich wurde damals 2 Wochen lang in Stufenlagerung mit Beckenextension
„gestreckt“ und erhielt anschließend ein Risser-Gipskorsett, welches
ich im Hochsommer volle 6 Wochen ertrug. (Ich sollte es eigentlich ca.
3 Monate tragen!)

Nach dem Gipskorsett wollten mir die Ärzte der Hessingklinik ein
Milwaukee-Korsett verpassen und empfahlen mir dringend meine
Berufsausbildung zum Gärtner abzubrechen und einen Bürojob (z.B. Versicherungskaufmann oder so etwas.....) zu erlernen,
den ich eher mit einem Milwaukee-Korsett hätte bewältigen können.

Ich liebte meinen Beruf als Gärtner und dachte nicht im Traum daran
diesen schönen aber anstrengenden und nicht gerade rückenfreundlichen
Beruf aufzugeben. Ich erhielt also nach langen Diskussionen mit den
Orthopädietechnikern der Hessing-Stiftung ein Aufrichtungskorsett ohne
Halsring. Es war etwa ein Vorläufer-Typ des Zielke-Nusser-Korsettes,
das als Tübinger-Kyphosen-Orthese bekannt ist.
Mit diesem Korsett konnte ich meine Ausbildung zum Gärtner
weiterführen. Das Korsett ertrug ich ca. 7 Monate lang fast
ununterbrochen. Als ich in München meine erste Freundin kennenlernte
und mit dem Motorradfahren begann, wollte ich das „Scheißding“ aber
sofort loswerden und lies mich von meinem Bruder aus dem mit
sogenannten Hessing-Schrauben verschlossenen Korsett durch aufbohren befreien.
Die Hessingklinik suchte ich nie wieder auf.

Ich machte den Abschluss als Gartenbau-Meister und begann ein
Aufbaustudium zum Betriebswirt Gartenbau an der Universität Hohenheim
bei Stuttgart. Mir war im Prinzip klar, dass ich als aktiv tätiger
Gärtner mit meiner desolaten Wirbelsäule keine reelle Chance hatte. Das
Studium gefiel mir sehr gut, und ich machte mit einem weiteren Abschluss
als Berufs- und Arbeitspädagoge den Fachkunde-Berufsschul-Lehrer im
Gartenbau.
Mit 25 Jahren hatte ich einen sehr schweren Motorrad-Unfall, bei dem
ich knapp mit dem Leben davon kam. In 7 Operationen wurden meine völlig
zertrümmerten Beine mit Metallimplantaten und Spongiosaplastiken
chirurgisch „repariert“.
Sepsis, mehrere Thrombosen und bis heute fortdauernde posttraumatische
Ödeme sind neben einer Beinlängen-Differenz von ca. 2 cm die
Langzeitschäden dieses Unfalls. Ich lag damals gegipst im
Becken-Beingips und später geschient fast 4 Monate im Zentralklinikum
Augsburg. In dieser Zeit war die mir einzige Bewegungsmöglichkeit die
Aufrichtung des Oberkörpers von der liegenden in die halb sitzende
Haltung mittels der Hydraulik des Krankenhausbettes. Diese Zeit
schwächte meine ohnehin desolate Rückenmuskulatur vollends, verstärkte
meine BWS-Kyphose massiv.

Zu Beginn der Reha war ich so schwach, dass ich mich nicht aufrecht
halten konnte, um mit Krücken das Gehen zu lernen. Um mich aufzurichten
erhielt ich damals auf ärztliche Verordnung mein 3. Korsett (nach dem
Risser-Gips und dem Plexiglas/Stahlstab-Korsett).

Es war ein amerikanisches Fertigteil- Taylor-brace von BASKO CAMP. Das
Korsett richtete zwar stark auf, schnitt aber schon nach kurzer Zeit
unerträglich schmerzhaft unter den Achseln ein, rutschte bei bestimmten
Bewegungen hoch und war ein ausgesprochener Mist, so dass ich mich fast
nach meinem alten zwischenzeitlich leider entsorgten Plexiglas-Korsett
sehnte.

Irgendwie regenerierten sich die Rückenmuskeln beim Gehen an Krücken
und Gehstützen einigermaßen und nach einer Reha-Zeit von fast 1 Jahr
kehrte ich zum Studium nach Hohenheim zurück.

Ich arbeitete dann als Ausbilder und Berufsschullehrer an verschiedenen
Berufsbildungswerken und an der Augsburger Berufschule.
Rückenschmerzen und Wirbelsäulenprobleme wurden ständige Begleiter
meines Lebens.
Insgesamt war ich seither bei mindestens 10 Orthopäden in Behandlung. Ich kam mir
entweder abgefertigt oder als „Versuchskarnikel“ vor. Jeder Orthopäde
tat so als ob er voll bei so einer maroden erwachsenen Scheuermann WS
durchblicke. Der eine empfahl mir Sport, der andere nur
Rückenschwimmen, einige spritzten Entzündungshemmer (Cortison und div.
Rheumamittel), nur einmal wurde mir Physiotherapie verordnet.

Im Alter von 34 Jahren waren die Rückenschmerzen phasenweise
unerträglich. Ein niedergelassener Orthopäde in Weingarten verordnete
mir eine Kombination aus Korsett und Aufbautraining. Das Korsett war
damals angeblich das „Beste und Modernste“ (wieder mal aus Amerika).
Ein Boston-overlap-Brace (B.O.B.-Modul).

Das Teil saß elend schlecht am Körper, nahm aber wenigstens vorübergehend
die Schmerzen.
Ich begann mich selbst über die M.Scheuermann Erkrankung zu
informieren, was in Zeiten vor Internet ausschließlich in den
Bibliotheken der Unikliniken und durch Kauf vieler sauteurer Fachbücher
möglich war. Ich wollte über meine Erkrankung möglichst viel wissen um
nicht mehr so hilflos den offensichtlich überforderten Ärzten und
meinen WS-Probleme ausgeliefert zu sein.

Aber alle medizinischen Fachbücher zu Deformationen und Erkrankungen
der Wirbelsäule behandelten vorrangig Skoliose und nur zu einem relativ
geringen Teil M. Scheuermann. So blieb es nicht aus, dass ich auch ein
gewisses Wissen im Bezug auf Skoliose anlesen konnte, ein Thema, das
mich faszinierte, seit ich als Kind im Haltungsturnen andere
Jugendliche kennenlernte, die damals das mir nur angedrohte Milwaukee
tatsächlich trugen.

Ich erfuhr auch durch das Studium der Fachbücher, was bei mir selbst in
der Jugend, in der die Scheuermann-Kyphose und Hyperlordose noch
behandelbar gewesen wäre, alles falsch und schief gelaufen ist,
beziehungsweise viel zu spät und dann zu kurz kam.

In einem Sportstudio lernte ich schonendes
Rückenmuskel-Aufbau-Training, zuerst mit,- dann ohne Korsett. Ziel war
der Aufbau eines eigenen Muskel-Korsettes.
Das gelang mir mit über 2 Jahren relativ intensivem Training. Ich hatte
die schmerzfreieste Phase meines Lebens.
Ein beruflicher Wechsel in die Abfallwirtschaft-Umweltschutz-Branche
verhinderte dann aber den regelmäßigen Besuch des Sportstudios und ein
Umzug in eine Gegend, in der das nächste mögliche Sportstudio 17 km
entfernt war, beendeten diese Phase, deren relative Schmerzfreiheit
aber noch einige Jahre anhielt.

Ab 44 Jahre verschlimmerten sich die Schmerzen und die Kyphose wurde
auch optisch-kosmetisch immer unakzeptabler. Selbst meine befreundete
Hausärztin grüßte mich nur noch mit: „Na du Buckliger, du musst was
tun!“ sagte aber nicht was.

Ich wusste aus meinen vielen Fachbüchern, dass eine Korsett-Therapie
mit einem Milwaukee (die ich damals verweigert hatte) eigentlich
zielführend und richtig gewesen wäre. Inzwischen hatte ich
Internetanschluss und ganz neue Möglichkeiten mich bei hochkompetenten
Spezialisten zu informieren: Z.B. bei Dr. Cheneau:


Zitat Dr. Cheneau:

Leider weiss ich, dass es aus finanziellen Gründen schwierig ist, ein
Korsett durch die Krankenkassen annehmen zu können. Das gilt auch in
Frankreich.
Sicherlich ist im erwachsenen Alter ein Korsett viel weniger wirksam
als im Jünglingsalter und vor dem zehnten Jahre des Alters. Vor 10
Jahren beträgt die Zeiteinheit ein Monat, vor 20 Jahren ein Jahr und im
erwachsenen Alter 10 Jahren.
Bei der Erkrankung von Scheuermann im Lendenbereich ist ein Korsett
während des ganzen Lebens wirksam, insbesondere auf die Schmerzen, aber
auch auf die Keilung der Wirbel. Bei der Scheuermanns Erkrankung im
Thorakalbereich ist oft die Behandlung weniger wirksam. Aber bei
biegsamen Wirbelsäulen kann sie ebenso wirksam sein, auf die Schmerzen
und auf die Keilung.

Bei Skoliotikern habe ich weniger Erfahrung, aber in den wenigen
Fällen, die ich gesehen habe wurden die Schmerzen sofort gestillt, egal
ob sie eine Folge der Skoliose waren oder nicht. Die Beziehungen
zwischen Schmerz und Skoliose sind noch immer sehr unklar.

Ich kenne im Moment einige Patientinnen, die mit 22 Jahren ihr Korsett
bei Nacht noch immer tragen. Sie wissen, dass ein Rückfall entstehen
könnte, wie es viele Skoliotikerin in dieser Site geschrieben haben.

Viele Grüsse und Wünsche
Chêneau cheneauj@wanadoo.fr



Oder hier die Aussage eines Orthopäden der Uniklinik Münster:

Frage des Patienten:
Ich leide unter einem hochsitzenden mobus scheuerman (55°).
schmerzbedingt war ich neulich beim orthopäden. er machte mir den
vorschlag neben intensiver krankengymnastik zusätzlich ein korsett zu
tragen. die behandlung könne zwar etwas länger dauern(bin 35j), doch
schlechter könne es ja nicht werden, eher besser. ich wäre auch bereit
dazu. jetzt meine frage: was gibt es für korsetttypen und wie lebt es
sich damit?

Antwort an diese Nachricht

Re: morbus scheuermann
Autor: OrthoForum (---.UNI-MUENSTER.DE)
Datum: 10.09.01 20:15

Sehr geehrter Herr xxxxxx,
zunächst sollte sicher nachgewiesen werden, daß Sie tatsächlich an
einem Morbus Scheurmann leiden. Gegenwärtig sollte ein Rundrücken oder
Hyperkyphose nur dann als Morbus
Scheuermann bezeichnet werden, wenn die folgenden Kriterien
erfüllt sind:
- in der seitlichen Röntgenaufnahme ein Hyperkyphose von mindestens 45
Grad und
- 3 angerenzende Wirbel die nach vorn mindestens 5 Grad keilförmig
auslaufen.

Alle anderen Krankheiten gelten nicht als Morbus Scheuermann.

In der Regel erfolgt die Therapie bereits im Jugendalter und die
meisten Studien haben sich auch primär nur mit der Korsetttherapie im
Jugenalter beschäftigt.
In Ihrem Alter ist sicherlich die Krankengymnastik der erste Schritt,
hier sollten vor allem Kräftigungs- und Dehnungsübungen der
Lendenwirbelsäule und der Oberschenkelmuskulatur
(Kniebeuger/Hüftstrecker) erfolgen. Eine Korsetttherapie kann
zusätzlich Anwendung finden.
Einige Autoren unterstellen, daß im Gegensatz zur Skoliose beim Morbus
Scheuermann auch beim Erwachsenen eine posititve Beinflußung der
Erkrankung möglich ist. Es ist nicht sicher erwiesen, daß ein Korsett
tatsächlich den ganzen Tag getragen werden müßte.
Einige Studien haben den selben Erfolg nach 16 Stunden Korsetttherapie
wie nach 23 Stunden Korsetttherapie nachweisen können. In der Regel
sollte bei einem hohen Scheuermann (ich gehe davon aus, daß der
Scheitel der Hyperkyphose oberhalb vom 7. brustwirbel liegt) ein
sogenanntes Milwaukee Korsett genutzt werden.
Dieses Korsett ist jedoch kosmetisch eher ungünstig, da bei hohen
Kyphosescheiteln eine Korrektur oft nur durch Einfassen der
Halswirbelsäule und Kopfes möglich ist.

Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie mit einer Korsetttherapie
beginnen wollen, da in der Regel die Anzahl der Patienten, die eine
Therapie abbrechen oder sich nicht daran halten hoch ist.

Mit freundlichen Grüßen.
Dr. Böttner
OrthoForum





Ein befreundeter Nachbar und niedergelassener Orthopäde verordnete mir
gegen die lumbalen Beschwerden eine BAUERFEIND LUMBOFLEX-Bandage, die
mit hohem Abdominaldruck eine einigermaßen wirksame Entlordoisierung
verursachte und so lumbal entlastete, aber weiter oben die BWS-Kyphose
massiv verstärkte. Ich machte fast 3 Jahre Physiotherapie bei seiner
Frau, die niedergelassene Physio-Therapeutin (aber ohne Schroth-Zusatzausbildung) ist.
Auch in dieser Phase baute ich zwar relativ viel Bauchmuskulatur auf
und konnte mich in der Lordose gut korrigieren, die Schmerzen in der
BWS-Kyphose wurden immer schlimmer und entsprachen manchmal einem
Messer, das mir zwischen den Schulterblättern steckte.

Ich hatte darüber hinaus massive gesundheitliche Probleme. Stark
verringerte körperliche Leistungsfähigkeit, Atemnot, „Herzschmerzen“,
stechende Schmerzen hinter dem Brustbein und Schmerzattacken durch
Blockaden, die von der BWS ausgingen.

Fachärztliche Untersuchungen beim Pneumologen, Cardiologen und
Oesophagoskopie blieben ohne Befund. Ich glaubte langsam durchzudrehen
und dachte schon zwischen Frühverrentung und Suizid hin und her. Ich fühlte
mich als körperliches Wrack und Elend. Ich musste einen Weg aus dem
Teufelskreis aus Schmerz und Niedergedrücktheit finden oder ich
verrecke dran. Das wurde mir immer bewusster.


Ich hielt damals das Milwaukee-Korsett für die aktiv wirksamste und
bewährteste Korsett-Konstruktion überhaupt und sah darin eine (meine)
große Chance auf Aufrichtung und Schmerzfreiheit. Jedoch wollte mir
(aus mir heute durchaus verständlichen Gründen) KEIN Orthopäde ein
Milwaukee oder überhaupt ein Korsett für Erwachsene verordnen.

Alle anderen Versuche mit AOK-Rückenschule und Rückentraining, der
Physiotherapie 2 mal wöchentlich, Einnahme immer größerer Mengen
Diclophenac, Ibuprophen und Vioxx, Thermalbäder, usw... haben mich
nicht schmerzfrei gemacht. Im Gegenteil!

In meiner Verzweiflung war ich bereit sogar ein Milwaukee zu tragen und
lies mir es von einem Sanitätshaus in St.Gallen in der benachbarten
Schweiz anfertigen. Das Milwaukee kostete 1800,-Sfr.

Tatsächlich machte das Milwaukee sofort schmerzfrei. Die Eingewöhnung
in das extrem rigide Korsett erwies sich trotz großer Kompromisse in
der eingestellten Länge der Superstruktur als äußerst schwierig. An
arbeiten, Auto fahren oder schlafen in diesem Korsett war nicht zu
denken. Immerhin führte es dazu, dass ich durch aktive Selbststreckung
meine autochtone Aufrichte- und Selbststreck-Muskulatur etwas aufbaute und immer längere
Tragezeiten (bis zu 6 Stunden am Stück) erreichen konnte. Zu Beginn des
Therapieversuches war ich nach 15 Minuten so erschöpft, dass ich dann
passiv und schmerzhaft im Halsring hing und an der Rückenmuskulatur nur
noch verkrampft zitterte.

Über das Internet fand ich das www.skoliose-info-forum.de

Damit begann mein Durchbruch.
Ich musste relativ lang überredet werden, bis ich endlich zu Dr. Hoffmann nach Leonberg ging.
Auch meine Frau hat eine starke Kyphose ( fast 70° OHNE Scheuermannzeichen!)
und häufige Rückenschmerzen.
Erstmalig wurden wir kompetent mit einer sagittalen Ganz-WS-Aufnahme
geröntgt, unsere WS wurden vermessen und endlich sorgfältig
diagnostiziert.

Ich hatte eine BWS-Kyphose von 65-70° und eine LWS-Lordose von 80° mit
M. Baastrup. Statische Skoliose wegen Beinlängendifferenz von 18° Cobb.

Meine Frau eine BWS-Kyphose von 60-65° ohne Scheuermann-Zeichen und
eine thorakale Skoliose von ca. 20°.

Dr. Hoffmann empfahl mir sofort ein aufrichtendes Erwachsenen-Korsett
von RAHMOUNI und meiner Frau ein Mieder BAUERFEIND Softec Dorso.
Für uns beide beantragte er eine Wirbelsäulen-Intensiv-Rehabilitation
in der Burgsee-Klinik Bad Salzungen.

Nach einigen Problemen genehmigte der MDK das Korsett und die ÖPK /BfA
die Reha.
Sowohl Korsett als auch die Schroth-Reha waren ein vorher nicht für
möglich gehaltener Erfolg. Ein Orthopäde hatte mir vorher dringend
abgeraten die fixierte Kyphose durch Korsett oder Schroth-Therapie
aufzubiegen. „das gibt Schmerzen ohne Ende!“
Das Gegenteil war der Fall!

Das handwerklich und therapeutisch hervorragend gearbeitete
Rahmouni-Korsett war vom ersten Augenblick an „Osteopathie zum
Umschnallen“ und machte SOFORT Schmerzfrei. Er korrigierte meine
angeblich fixierte Kyphose von 65° auf 35° Cobb, was dem
Kyphose-Normalwert eines Mannes meines Alters und damit ca. 100% Korrekturwirkung entspricht.

In der Reha in der ASKLEPIOS Seeklinik Bad Salzungen lernte ich endlich die wirksamste Form der Physiotherapie bei WS-Deformationen kennen SCHROTH!!!!
Der Schmerzkreis war endlich durchbrochen.

Ich könnte nun lange berichten wie das Rahmouni Korsett und Schroth-Therapie im
Einzelnen und in der Kombination wirken. Ich begriff sofort, daß alle Korsette und Bandagen
die ich bis dahin verordnet oder mir selbst besorgt hatte, im
Verhältnis zur Rahmouni-Kyphosen-Orthese eher dem Abfallrecht als dem
Medizin-Produkte-Gesetz zuzuordnen waren.

Der qualitative Unterschied war gelinde gesagt phänomenal.

Dazu kam als bisherige Erfahrung mit anderen Orthopädietechnikern eine meistens
herablassende mürrische Art in der Weise wie Kassenpatienten
abgefertigt wurden.
Ich könnte mir in meiner Branche nie erlauben so mit Kunden umzugehen.

Nach 25 Jahren und unglaublichen Fehlversorgungen im Bereich med.
Kompressionsstrümpfe könnte ich fast ein Buch schreiben. Ich wage zu
behaupten, dass 80 % aller deutschen Bandagisten und
Orthopädietechniker nicht mal in der Lage sind ein Bein professionell
zu vermessen und dann den geeigneten und passenden Kompressionsstrumpf
auszusuchen und dem Patienten auszuhändigen.

Geschweige denn ein großes orthopädisches Korrekturkorsett
herzustellen und anzupassen.
Zum ersten Mal in meiner langen Anamnese trug ich eine Rumpforthese die
ich als echte „Erlösung“ und nicht quälend als umgeschnallten
Fremdkörper empfand.
Seither trug ich das Korsett im ersten Jahr ca. 23 h täglich, selbst im Jahrhundertsommer 2003 hab ich meistens über 18 h geschafft. Meine Figur veräderte sich total. Rahmouni musste mir das Korsett 4 mal enger machen und alle paar Wochen nachstellen, aufpelottieren, die Reklinationspelotten nachbiegen usw... Ich verarbeitete jede Korrektur zwar wieder mit Schmerzen aber in wenigen Wochen. Ich schrothete fleißig und freute mich über meine Haltung, was sehr motivierend wirkte.
Irgendwann sagte Rahmouni dass er aus diesem nun schon zu oft umgebauten Korsett nun keinen weiteren Fortschritt für mich rausholen könne und ich neu gegipst werden müsste um mir ein 2. Korsett machen zu können. Diesmal hab ich mich aber in perfekter Schrothhaltung „zwischen 2 Stäben“ gipsen lassen und mich dabei mit völlig eingezogenem Bauch optimal vorkorrigiert. Dann hatte ich auch den „kosmetischen Wunsch“ auch den stark vorstehenden Brustkorb stärker zu korrigieren geäußert. Was dabei herauskam war ein brutaler „Schraubstock“, der zwar alle meine Wünsche erfüllte und sogar auf die Anfangs gehassten Reklinationspelotten verzichten konnte, aber mich wieder auf das Niveau eines Anfängers zurückkatapultierte. Doch zwischenzeitlich hab ich auch den Schraubstock wieder „verarbeitet“ und habe meine Tragzeiten reduziert. Dabei beobachte ich mich sehr sorgfältig selbst, wie lange ich meine Korrektur ohne Korsett halten kann. Das gelingt mir immer länger. Es tut dann aber auch gut sich wieder in die „Osteopathie zum Umschnallen“ hineinzwängen zu können.
Ichhabe mich mit 50 Jahren mit vollem Risiko selbstständig gemacht, weil ich endlich gelernt habe aufrecht zu bleiben und meinen ehemaligen Chefs in die Augen zu sehen und NEIN zu sagen! Die ganze Anti-Kyphose-Aufrichtungs-Therapie hat mich auch psychisch sehr positiv verändert und stark gemacht.
Zudem macht es mir viel Freude nun weiteren „Opfern“ helfen und beraten zu können!


Anonymous hat geschrieben: Viele liebe Grüsse und im Voraus vielen Dank
Gesarina
Dir ein herzliches Willkommen und einen ähnlichen Erfolg wie ich haben durfte.
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Gast

Re: ACHTUNG: ist sehr lang geworden!

Beitrag von Gast »

Lieber Toni und alle Anderen,

ich danke Dir von Herzen für den ausführlichen Bericht!!!! Ich kann mich den anderen Forumsteilnehmern nur anschliessen das es einfach unglaublich ist wie detailliert und ehrlich Du auf alle Beiträge antwortest. Dein Weg vom Fragezeichen bis zum Gardemass war vorallem sehr beeindruckend. Dazu braucht man mit Sicherheit auch viel Durchhaltevermögen und Ehrgeiz um das zu erreichen was Du erreicht hast. Gerade daran mangelt es Anderen sicherlich oft und ich will mich da nicht ausschliessen :rolleyes:
Trotzdem ist Deine Antwort sehr motivierend !!!!!

Ich sehe ein das es wohl am sinnvollsten ist mich direkt bei Dr. Hoffmann vorzustellen als noch Umwege über andere Orthopäden zu gehen.
Ich werde mich also mal um einen Termin nach meinem Urlaub bemühen.

Ich habe noch eine Frage zum Rahmouni-Korsett: Wie beweglich ist man damit? Kann man sich z. B. bücken oder vernünftig aus dem Auto steigen?
Sieht man das Korsett durch die Kleidung, z.B. durch ein T-Shirt?
Wie wird es geschlossen und wie schnell kann man ein- und aussteigen, aus dem Korsett meine ich :D
Klar, das könnte mir auch von Rahmouni direkt erklärt werden aber ich bin neugierig.....
Unter Korsett stelle ich mir halt immer noch so ein altes Gipsmonster vor.

Und dann frage ich mich ob Toni der Einzige ist der einen Erfolg verbuchen kann. Oder gibt es hier noch andere Glückliche die sich sichtbar aus der Kyphose aufrichten konnten?
Ich wäre toll noch andere positive Berichte zu hören!!!!

Vielen Dank für alles !!!!!!!!!
Gesarina
Norbert
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Registriert: Di, 07.12.2004 - 15:08
Wohnort: Wien

Beitrag von Norbert »

Hallo Gast

Ich habe eine endliche Geschichte wie Toni, meine Lordrose betrug vor einen 3/4 Jahr über 90° und die Kyphose lag bei 65°, zusätzlich habe ich eine Fehlstellung in der Halswirbelsäule(die zurzeit mein größtes, schmerzhaftes, Problem ist).
Ich trage seit August ein Rahmouni-Korsett und meine Fehlstellung hat sich derart gebessert das ich bald mein 2. Korsett bekomme.

Zu deinen Fragen ein Rahmouni-Korsett ist kein Gips- sonder ein Plastikmonster. Wie ich es zum ersten mal gesehen habe, war ich schon einigermasen erstaunt. Wenn es, so wie in meinen Fall, mit Reklinationsstützen ausgestattet ist, fixiert es fast den ganzen Rumpf und du kommst dir zu beginn schon sehr Eingeschränkt vor. Doch der Mensch ist sehr lernfähig und man lernt sehr schnell die fehlenden Bewegungen des Rumpfes anders auszugleichen(zuminderst ging es mir so). Ich Trage das Korsett fast rund um die Uhr. Da ich Buchhändler bin muß ich oft Kisten heben, auf die Leiter steigen, in die Auslage Steigen, .... . Oft vergesse ich im alltag das ich ein Korsett an habe. Auch glaube ich nicht das es je ein Kund gemerkt hat.

Ein Rahmouni_korsett wird vorne mit Riemen verschlossen, das An- und ausziehen gelingt mir in wenigen Minuten.

Norbert
Karlson vom Dach
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Registriert: Fr, 17.09.2004 - 22:08
Wohnort: München

Beitrag von Karlson vom Dach »

Hallo Toni,

danke für diese spannende und informative Geschichte! Hast Du eigentlich mal darüber nachgedacht, diese etwas ausführlicher und mit einigen Ratschlägen zu veröffentlichen? Ich könnte mir vorstellen, daß es durchaus Nachfrage geben könnte. Ein Bechterew-Patient hatte mal ein Buch mit dem Titel "Mein langer Weg aus dem Schmerz" geschrieben, das ich noch unbedingt lesen will.

Die Erfahrung "Messer zwischen den Rippen" kam mir richtig bekannt vor. Leider wurde meine Erinnerung daran wieder unfreiwillig "aufgefrischt": Da ich mich nicht an Deinen Ratschlag gehalten habe und übertreiben mußte, trage ich mit dem oben beschriebenen Effekt seit Samstag morgen meinen Panzer nicht mehr. ES IST DIE HÖLLE! Obwohl der Pellottendruck erhöht wurde, habe ich meinen Rücken nicht mehr ausreichend bzw. zu spät mit PC30V gepflegt, weil ich es so nach den letzten Aufpellotierungen auch gemacht hatte... Jetzt ist der Rücken über einem Dornfortsatz im Kyphosescheitel auf.
Folge: Morgen einen halben "Gleittag", 40 Euro für den Zug und ab nach Stuttgart, Pellotten bearbeiten! Hoffentlich kann ich es morgen wieder tragen, es wäre wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen.


Hallo Gesarina,

Du möchtest positive Berichte hören? Hier ist noch einer:

37Jahre alt, Bechterew, fixierte WS, ehemals Hyperkyphose von 65° und extremste Schmerzen (Konnte 10 min aufrecht stehen, dann mußte ich mich abstützen, aushängen, hinlegen...)

Besuch bei Dr. Hoffmann, wobei ein Korsett und eine Reha verordnet wurde. Tonis Redewendung "Osteopathie zum Umschnallen" trifft den Effekt eigentlich ziemlich genau: Der Panzer hat mir, von der Eingewöhnung mal abgesehen, sofort meine Schmerzen durch die Verspannungen genommen.

Da ich eine Krankheit des rheumatischen Formenkreises habe, die u. U. meine WS einsteifen/verknöchern läßt, ist mein Erfolg nicht so unglaublich wie bei Toni:
Ich bin seit dem 14.09.04 bei ca. 50° angelangt. Im Büro werde ich jetzt öfters auf meinen "geraderen" Rücken angesprochen :ja: Mal sehen, wie weit ich noch komme...
Trotz dieser Diagnose, bin ich unglaublich glücklich mit dem Ding, da ich wieder ein normales Leben führen kann. Wenn ich das Korsett nicht anhabe, fühle ich mich regelrecht unwohl, es fehlt etwas. Auch glaube ich mit Korsett inzwischen besser als ohne zu schlafen.

Zu Deinen Fragen:
Beweglich? Bücken und Schuhe zumachen ist schwierig, da Meister Rahmouni das Becken großflächig und fest einfaßt, so daß die untere Kante beim Bücken irgendwann auf die Oberschenkel drückt. Aus dem Auto kommt man heraus, man muß halt ein bischen "tricksen"...
Ja, das Korsett sieht man durch dünne T-Shirts. Bei mir mit weitem Hemd fällt es kaum auf, und mit dickerer Kleidung ist es nur noch schwer auszumachen. Geschlossen wird es vorne, 2 Schnallen und in Rastband. Ich kann es sehr schnell und im stehen aus und anziehen, fast wie einen Pullover ;)

Wenn Du es das erste Mal anhast, wird es ziemlich ungewohnt und Du wirst Dich ziemlich steif finden.

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dem "Kampfpanzer" und freue mich schon auf Deine Erfolgsstory!

Viele Grüße vom Dach,

Karlson
Gast99

Beitrag von Gast99 »

Leider klappt es bei mir mit dem Anmelden einfach nicht.
Ich fliege immer wieder raus. Daher schreibe ich jetzt nochmal als Gast bis sich das Problem vielleicht irgendwann mal erledigt hat.

Am 01.09.2005 habe ich einen Termin bei Dr. Hoffmann und bin schon total gespannt und aufgeregt deswegen.
Allerdings habe ich hier irgendwo gelesen das Dr. Rahmouni im Urlaub ist und daher meine Frage ob das stimmt? Weiss das jemand von Euch ??? Dann wäre die Fahrt ja total unsinnig und ich würde den Termin verschieben.

Dank Dalia´s tollem Korsetttagebuch und auch allen anderen kann ich der Vorstellung auch einen Panzer tragen zu müssen schon viel gelassener entgegensehen.

Ich berichte wie es bei mir weitergeht.

Liebe Grüsse
Gesarina
Lilie
aktives Mitglied
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Beiträge: 247
Registriert: Mi, 29.06.2005 - 20:57

Beitrag von Lilie »

Hallo Gesarina,

es stimmt, Rahmouni ist im August in Urlaub, aber am 1. September ist er da, denn da hab ich mittags einen Termin zum Gipsen bei ihm.
Von daher gehe ich jetzt mal davon aus, dass der Meister an diesem Tag anwesend ist.
Dank dem Forum sehe auch ich einem Korsett tendenziell gelassener entgegen als noch vor ein paar Monaten. Wobei mir schon mulmelig ist ...

Auf Dr. Hoffmann kannst du dich freuen, denn er ist ein sehr angenehmer und menschlicher Arzt. Ich bin mir sicher du wirst die weite Fahrt nicht bereuen.

Ich wünsche dir alles Gute und freue mich zu lesen wie es bei dir weitergeht.

Lieber Gruss,

Lilie
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