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Hallo, bei der OP war ich 13 Jahre (bin jetzt 18).
Ich war nicht in Bad Sobernheim, sondern in Augsburg.
Augsburg ist eigentlich auch eine sehr gute Klinik für Skoliose; auch sehr spezialisiert auf die Krankheit - und, kaum zu glauben, sogar das Krankenhausessen war mehr als nur gut. Echt: keine "Pampe", sondern wirklich normales Essen und man konnte aus diversen Gerichten wählen. (Das machen die wohl deshalb, dass es einem psychisch auch besser geht, wenn man schon so lange im Krankenhaus liegen muss; ich war damals zwei Monate im Krankenhaus...) Das Schlimme ist, nach der OP darf man ein halbes Jahr lang NICHT sitzen!!!
Also, nur stehen und liegen (liegen auch nur ganz flach und man kann sich selber kaum umdrehen, weil man ja dieses fiese Korsett tragen muss...) Ist anfangs ziemlich blöd, den ganzen Alltag so zu bewältigen; man braucht für ca. ein 3/4Jahr bei allem möglchen Hilfe (kommt man sich auch ziemlich blöde vor, mit 13 Jahren als "Pflegefall")...
Mit Schule war natürlich für ein 3/4 Jahr auch nix. Ganz einfach aus dem Grund, ich hätte ja überall körperliche Hilfe gebraucht und schon ein versehentliches Anrempeln im Schulhof hätte schlimme Folgen gehabt... Eigentlich hätte ich das Schuljahr (8. Klasse Realschule) damals wiederholen sollen; ich habe dann aber Hausunterricht (!) genehmigt bekommen (war ein ziemliches Hich-Hack, bis das genehmigt war... Schulamt ist waaahnsinnig bürokratisch!). Hab dann Hausunterricht in Mathe, Englisch und Rechnungswesen gehabt und mir den Rest selber beigebracht. Schulaufgaben auch zu Hause (natürlich unter Aufsicht
Ich kann jetzt dazu sagen, die Skoliose-OP hat mir wirklich etwas gebracht. Es sah ja nicht gerade rosig aus und es hieß, ohne OP würde ich nach 2 - 3 Jahren (von 12 Jahren weggerechnet - also schon mit 15...) bereits starke Beeinträchtigungen haben; weiß nicht ob ich jetzt dann diesen Job überhaupt hätte machen können... Ich kann jetzt eigentlich ein ganz normales Leben führen; bin eben nicht mehr so beweglich (kann mich von dem letzten Halswirbel bis zum letzten Lendenwirbel nimmer bewegen, weil das jetzt alles "verschraubt ist" -> dadurch muss ich eben manches anders machen, aber daran gewöhnt man sich auch!)
Die schlimmste Zeit war für mich eigentlich, als ich jahrelang ein Korsett tragen musste (von meinem 10. - 14. Lebensjahr). Erstens sieht man es durch jede Art von Klamotten deutlich durch, zweitens ist's im Sommer extrem heiß - und dann irgendwas akzeptables zum Anziehen finden, wo man zumindest reinpasst, is sehr schwierig (weil das Korsett ja bis über die Hüfte ging, ist das mit Hosen ein riesen Problem gewesen...)
Mir geht's jetzt recht gut, muss ich sagen; keine Schmerzen oder derartiges. Das einzige, was mich tierisch aufregt, sind "ergonomische Stühle": da kann ich mich nie anlehnen! Und Kopfstützen im Bus oder Auto sind auch grausam
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Desweiteren schrieb sie:
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Das mit der Wirbelsäulenversteifung ist erst mal sehr komisch; man spürt absolut nicht, dass man da jetzt Metallstäbe im Körper hat (auf den Röntgenbildern sieht's furchtbar aus; als hätte man mich nach einem schweren Unfall wieder zusammengeflickt -buaaah ). Wenn einem dann mal ein bisschen was weh tut (Verspannungen, hat man am Anfang desöfteren, weil eben der Körper mit der neuen Situation, dass da nix mehr bewegt werden kann, noch nicht so recht klarkommt) und wenn es dann auch mal piekt, dann ist das schon so ein mulmiges Gefühl...
Is sicherlich erst mal ne Umstellung, vieles im Alltag jetzt anders machen zu müssen (Schuhe binden einfach mit Runterbücken kannste vergessen ), auf manchen Sport muss man auch verzichten (Sachen, die zu Erschütterungen führen, wie Springen, Reiten und alles, was eben eine bewegliche / dehnbare Wirbelsäule erfordert - aber es gibt trotzdem jede Menge sportlicher Betätigungen, die man noch machen kann; ich bin aber ein Sportmuffel
Es gibt verschiedene Operationsmethoden; wie es jetzt aussieht, weiß ich nicht. Es soll aber auch schon Verfahren geben, bei denen man NICHT ein halbes Jahr komplett aufs Sitzen verzichten muss (ich durfte damals absolut nicht sitzen, nicht mal eine halbe Minute, auch auf der Toilette nicht - jaaa, das geht
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Auf die Frage, ob sie eine OP wieder machen lassen würde, wenn sie jetzt davorstehen würde, sagte sie:
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Ich würde sagen: ja. Weil ich weiß, dass sich meine Krankheit jetzt nicht mehr verschlimmern kann und weil ich jetzt ein ziemlich "normales" Leben leben kann (fühle mich nicht eingeschränkt) und mir das ohne die OP nicht möglich wäre. Bei starken Verkrümmungen kann es ja dazu kommen, dass die Wirbelsäule auf Herz, Lunge und andere Organe drückt, sodass man sehr stark eingeschränkt ist (kaum mehr belastungsfähig). Ich glaube nicht, dass ich so eine Ausbildung hätte anfangen können - wenn ich mit 12 Jahren schon 50 ° hatte, dann wären die schwereren Probleme spätestens mit 16 aufgetreten (war damals ja logischerweise auch noch in der Wachstumsphase, wo es sich schnell verschlimmern kann!!!).
Außerdem brauche ich jetzt kein Korsett mehr zu tragen. Korsett war für mich echt furchtbar; dazu musst du wissen, ich bin eher eine zierliche Persönlichkeit (160 cm/50 kg) und jetzt kann ich wieder alles anziehen was mir gefällt, was früher ja nicht der Fall war. (Hosen haben ja wegen dem Korsett kaum über die Hüfte drübergepasst und waren dann an der Taille, wo das Korsett nicht so dick war, wieder viel zu weit. Und ich fand es einfach furchtbar, immer diesen "Plastikpanzer" tragen zu müssen und die tolle Figur darunter zu verstecken. Und abgesehen vom optischen, es ist ja erstens auch nicht gerade sehr gesund - außer für den Rücken - immer Plastik auf der Haut zu haben; besonders im Sommer würde ich es nicht mehr als gesund bezeichnen! Zudem fühlt man sich ziemlich "behindert", wenn man immer mit so einem "Hilfsmittel" rumrennen muss! Eine Krücke oder einen Gipsverband vom gebrochenen Arm kennt jeder - aber was ist denn das für ein komisches Teil? Gerade im jugendlichen Alter wird man da schon sehr blöd angeguckt.
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Ich fand ihre Nachrichten sehr informativ und vielleicht hilft sie ja dem ein oder anderen von euch bei einer Entscheidung pro und contra Operation!
Liebe Grüsse, Sabine



