Tauchen mit M.Scheurmann/Skoliose/Kyphose etc.

Infos zu weiteren WS-Deformitäten, die mit Skoliose zusammen oder alleine auftreten
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Andi_K

Tauchen mit M.Scheurmann/Skoliose/Kyphose etc.

Beitrag von Andi_K »

Hallo Leidensgenossen,

gibt es jemand unter Euch, der auch M.Scheuermann mit Skoliose/Kyphose/Lordose hat und Gerätetaucher ist ?

Ich frage mich, ob das (und wenn ja ab welchem Schweregrad genau) eine Kontraindikation für das Tauchen darstellt.

Oder kann man mit "egal" welcher Deformität tauchen, abgesehen davon, daß man durch das schwere Gerödel ggf. Rückenschmerzen auslöst ?

Andi
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Toni
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Beitrag von Toni »

Hallo Andi K
ich weis von einer Scheuermann-Patientin, die die Permanenttrageversion der Tübinger-Kyphosen-Orthese von Nusser&Schaal trägt, die damit einen Tauchkurs gemacht hat und Gerätetauchen betreibt. IM KORSETT!!!!
Ich tauche und schwimme auch sehr gerne (wenn auch nur stundenlang schnorcheln und hatte im Wasser noch nie große Probleme wegen dem Scheuermann.
Ich gglaube kaum daß das Probleme macht, es sei denn die WS Deformität und Brustkorbdeformität ist so fortgeschritten, daß erhebliche Einschränkungen der Atemkapazität vorliegen.
Ansonsten finde ich kein Problem!
Soviel ich weiß muss vor dem Gerätetauchen/Tauchkurs grundsätzlich eine sportmedizinische Untersuchung stattfinden?
Gruß Toni
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andy
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Beitrag von andy »

hallo andi

also ich bin selber gerätetaucher und ich kann sagen dass ich keinerlei probleme UNTER wasser habe allerdings ist der weg von der basis zum wasser mit der schweren ausrüstung gift für deinen rücken.
du soltest aber nie alleine tauchen gehen denn wenn sich mal ein nerv einklemmt oder du einen banscheibenvorfall erleidest, dann kann das böse volgen haben. desshalb nie alleine und am bessten vorher ein zeichen abmachen falls es probleme geben sollte!
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Thomas
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Beitrag von Thomas »

Hallo Andy,

ich weiss nicht, ob Dir aufgefallen ist, dass die Anfrage Deines Fast-Namensvetters ziemlich genau 3 Jahre alt ist!

Entweder er hat es inzwischen schon zum Divemaster gebracht oder er hat das Tauchen gar nicht erst angefangen :D

Aber ich kann (als ehemaliger recht intensiver Taucher auch mit schwerem Gerät) bestätigen: Unter Wasser ist Tauchen sicher nicht schädlich, aber bis Du erst mal in der Brühe drin bist muss der Rücken schon Schwerstarbeit leisten. Sicher nicht unbedingt angesagt, wenn man eh schon Rückenprobleme hat!

Viele Grüße

Thomas
Gast

Beitrag von Gast »

hallo Thomas

ich hab wirklich nich auf das jahr geachtet sondern nur auf das datum sry.
aber ich denke es ist für die anderen user vill doch noch sinnvoll! :lach:
Barg

Gefahren beim Tauchen mit Skoliose

Beitrag von Barg »

Hi,

auch wenn die Diskussion hier bereits veraltet ist, bin ich über google als erstes auf diese Seite gestoßen. Daher möchte ich die Aussagen zum Thema Tauchen mit Skoliose um ein paar Infos ergänzen, die mir ein Taucharzt vor kurzem erzählt hat.

Das Tauchen mit Skoliose ist keinesfalls unbedenklich, vor allem wenn die Skoliose so weit ausgeprägt ist, dass die Wirbelsäule die Lunge beeinträchtigt. Auch bereits leichte Verformungen der Lunge können eine Gefahr darstellen.

Das Problem dabei ist, dass sich durch die nicht natürliche Form der Lunge leichter Luftbläschen bilden könnten. Unter Wasser wäre dies verheerend, da dort erhöhter Druck herrscht. Beim Auftauchen dehnen sich Luftbläschen aus, können in der Lunge platzen oder diese derart verschieben, dass die Durchblutung zum Herzen unterbrochen wird. Folge wäre ein unmittelbarer Tod.

Daher ist das Tauchen vor allem in größeren Tiefen (>5m) u.U. sehr gefährlich. Man sollte im Vorfeld am besten ein Lungen-CT machen lassen, um heraus zu finden wie stark die Lunge deformiert ist und ob sich dadurch bereits im Vorfeld Luftbläschen gebildet haben.

Und wie in einem vorherigen Kommentar bereits erwähnt wurde, ist auch die Ausrüstung ein großes Handicap, da diese gut und gerne 20kg wiegen kann. Auf einem Boot, mit dem ständigen Auf und Ab, kann man sich leicht vorstellen welche Stöße die Wirbelsäule dort aushalten muss. Mit Skoliose absolut bedenklich. Auch das Aus-dem-Wasser-Steigen geht mit der Ausrüstung stark auf den Rücken, sodass man darum bitte sollte die Ausrüstung im Wasser ablegen zu dürfen und diese von anderen an Boot gehoben werden sollte.

Schnorcheln hingegen stellt überhaupt kein Problem dar, so weit ich informiert bin.
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Toni
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Beitrag von Toni »

Einesw muss klar sein: Einem Tauchkurs zum Gerätetauchen MUSS eine Sport- und Lungenfachärztliche Untersuchung vorausgehen!
Alles andere wäre GROB FAHRLÄSSIG!
Jemand der wege einer 80- 100° Skoliose nur noch 40% Lungenvolumen und ein eingeengtes Herz hat, wird den für das Gerätetauchen erforderlichen Schein gar nicht erst bekommen.
Das gleiche gilt für Atemschutzträger bei freiwilligen Feuerwehren. Heutztage ist bei Bränden "Schwerer Atemschutz" (mit 16-18 kg schweren 250 bar-Pressluftflaschen auf dem Rücken) ein unbedingtes MUSS. Die Rauchgase sind soooo giftig, daß Feuerwehreinsätze in brennenden Häusern ohne Pressluftatemgeräte gar nicht mehr möglich sind.
Ich bin bei meinen Feuerwehrschulungen immer wieder erstaunt, wieviele Damen da als aktive Feuwehrfrauen mitmachen. Klasse! Sogar eine (stellvertr.) Kommandantin und eine Löschgruppenführerin habe ich schon kennengelernt. Leider sind in vielen Dörfern tagsüber oft ganze Ortschaften "entmannt". Fast alle männlichen Mitglieder freiwilliger Feuerwehren sind irgendwo z.T. weit weg zur Arbeit. Die Feuerwehr-Versorgung im Notfall ist dann so lückenhaft, daß diese ehemaligen reinen Männervereine in denen bisher Frauen höchstens die Abzeichen auf Uniformen nähen durften, plötzlich Damen und Mädchen aktiv bewerben.
Frauen sind Katastrophen...! (= ....gewachsen!)
Frauen gehören an den Herd...! (=....an den Brandherd!)
Aber mit Atemmaske, Helm und 20 kg Stahlflaschen auf dem Buckel in voller Montur im extremen Stress Schläuche rennend schleppen und ausrollen usw... ist dermaßen anstregend, daß ich das Skoliosen über 50 -60° die nicht gut trainiert sind keinesfalls zutrauen oder zumuten würde.
Andererseits gibt es bei der Feuerwehr auch genug Jobs, wo man nicht ständig in brennende Kinderzimmer einsteigen muss.
Aber auch in einigen Berufen wie z.B. Gärtner/Gärtnerin muss man Atemschutz-/gasmaskentauglich sein. Z.B. für die Ausbringung von Pflanzenschutzmittel. Gasmasken sind fast noch schlimmer als Pressluftatemgeräte, da man darin gegen einen Filterwiderstand atmen muss und das Atmen wesentlich anstrengender wird als mit Pressluft-Atemgerät.
Ich bin aber fest überzeugt, daß sich eine gut trainierte, Schroth-erfahrene Skoliose da wesentlich leichter tut als ein normal-gesunder Mensch, der noch nie eine so konzentrierte "Tief- und Ruhig-Atemtechnik" gelernt hat, wie die Schroth-Atmung z.B. ist.
Gute "Schrothianer" hecheln und hyperventilieren nicht gleich und fallen daher auch nicht so leicht in Atemnot-Panik.
Ich habe damals als ich Bad Salzungen war bei der Lungenvolumensmessung auf eigenen Wunsch 2 Messungen machen dürfen.
Ohne Korsett hatte ich 115 % Lungenvolumen für einen Mann meiner Größe und Gewicht. Dann habe ich mich so brutal eng in mein damaliges Rahmouni geschnallt und mich nochmals messen lassen: 95% Lungenvolumen war das Ergebnis. Das waren aber "gefühlte" 60% Atemnot!

In diesem Film geht es zwar nicht um orthopädische Korsetts, aber um durch klassische Schnürkorsetts verursachte angebliche Atemnot und die legende von der wegen Atemnot in Ohnmacht fallenden Korsett-Trägerin: Alles Quatsch:
Sauerstoffsättigung im Blut trotz eng geschnürzem Taillenkorsett: 100%
http://de.youtube.com/watch?v=AWSNski8RCU

Ich habe schon ein paarmal mit Feuerwehr-Atemschutzgeräten im Gasbereich gearbeitet. Die schweren Flaschen auf dem Rücken haben mir (meinem Scheuermann) überhaupt nicht geschadet. Wenn das Stahlflaschen-Rückentrage-Gestell richtig geschnallt ist, dann ersetzt sie fast das Reklinationskorsett und verhindert Rückenschmerzen.
Die selbe Erfahrung habe ich auch bei Bergwanderungen mit guten ergonomischen Rucksackkraxen gemacht, auch wenn diese mit schwerer Ausrüstung bis 18 kg bepackt waren
Gruß Toni.
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Beitrag von adele »

Hallo,
also dazu möchte ich auch etwas sagen. Ich denke wenn man eine stark deformierte Lunge von der Skoliose hat, würde man gar nicht durch die Tauchärztliche Untersuchung kommen. Dann würde man bei vernünftigen Tauchschulen keinen Kurs machen können. Ich selbst bin leidenschaftliche Taucherin wobei meine Rückenschmerzen mir auch manchmal einen Strich duch die Rechnung ziehen. Und alleine sollte man auch wenn man gesund ist erst gar nicht tauchen gehen. Tauchen ist ein Partnersport. Es kann immer zu Problemen führen. Und die ersten Meter sind auch die gefährlichsten. Ich tauche schon seid über 9 Jahren, mal mehr mal weniger. Viele Grüße
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Beitrag von Thomas »

Toni hat geschrieben:Einesw muss klar sein: Einem Tauchkurs zum Gerätetauchen MUSS eine Sport- und Lungenfachärztliche Untersuchung vorausgehen!
Alles andere wäre GROB FAHRLÄSSIG!
Hallo Toni,

im Prinzip hast Du recht, die Realität sieht aber anders aus. Wenn Du heute z.B. bei PADI, dem wohl nach wie vor größten Tauchschul-Verband weltweit, einen Tauchkurs machen willst, dann benötigst Du nur ein von Deinem Hausarzt ausgefülltes Formular, das mit einem Satz lapidarisch bestätigt, dass aus seiner Sicht bei Dir nichts gegen das Gerätetauchen spricht. Die meisten Taucher, die ich kenne, haben noch nie in ihrem Leben einen Lungen-Funktionstest gemacht, und auch ich hab das erste mal mit soetwas Kontakt gehabt, als ich mich mehr professionell ans Tauchen herangemacht habe.

Das bedeutet mal wieder, wie so oft, dass die Initiative von einem selbst ausgehen muss, wenn man wirklich sichergehen will. Aber gerade bei Skoliose, bei dem die Lungenfunktion ja doch oft beeinträchtigt ist, wäre ich sehr vorsichtig mit dem (Geräte-)Tauchen. Ein Panik-Anfall unter Wasser, weil man den Eindruck hat, nicht genügend Luft zu bekommen, kann ganz schnell gefährlich ausgehen.

Gruß Thomas
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