Hallo robinho,
robinho hat geschrieben: ↑Mo, 06.06.2022 - 16:39
Fakt ist, dass man im Korsett wesentlich eingeschränkter in seiner Bewegung ist als mit operierter Wirbelsäule. Hinzu können teils schwere Hautirritationen durch das starke Schwitzen im Sommer in Kombination mit den Druckstellen kommen, aber vor allem ist es für nicht wenige Betroffene ein kosmetisches Problem (oder warum gibt es hier Threads "wie kaschiere ich mein Korsett am besten?" und auf YouTube entsprechende Videos dazu?).
hier würde ich mal sagen:
Was mehr stört, hängt auch von der Tragezeit und von der geplanten Versteifungsstrecke ab.
Ich habe im Korsett stark geschwitzt, das Korsett war super auffällig (kein Vergleich zu heutigen z.B. cctec oder Rahmouni: darüber trug ich als schlanker Teenager Erwachsenengröße (Damen) 42 und mehr) - wäre für mich definitiv kein Dauerzustand gewesen. Für wenige Jahre, dann nur noch nachts: Hätte ich mir überlegt, statt einer langstreckigen OP.
Die langstreckige OP (Th3-L5) macht mich übrigens genauso unbeweglich wie das damalige Korsett. Obwohl es mir grundsätzlich meinem Empfinden nach super geht, kann ich mit der Versteifung einfach
nicht:
- niedrig sitzen (am Boden geht gar nicht; Stühle, bei denen die Knie höher als das Gesäß sind, gehen für einstellige Minutenanzahlen und strengen dabei bereits an)
- rennen, joggen: die Wirbelsäule lässt sich nicht mehr rotieren
- längere Zwangshaltungen
- heben, ziehen aus bestimmten Positionen
- Schlafen in anderen Positionen als Seitenlage
- andere Berufe/ regelmäßige Tätigkeiten über Stunden denn Büroarbeit (mache hobbymäßig gerne etwas Handwerkliches und muss mich da zurücknehmen)
- Schuhe binden ohne normal hohe Sitzmöglichkeit (Stuhl, Parkbank, Mauer in Stuhlhöhe)
- Camping, allgemein Nutzung unergonomischer Umgebungen (als Outdoor-Typ musste ich da schon häufiger bei von Freunden oder Vereinskollegen geplanten Unternehmungen Nein sagen wenn ich nicht so umplanen konnte in der Nähe ein Pensionszimmer etc. zu finden - ich schlafe jedenfalls weder auf einer Luftmatratze noch im Auto und ich mache auch keinen Abwasch kniend vor einer Schüssel...)
- mich bei Stürzen adäquat abfangen (falle dann "wie ein Brett"; bin erst letztens mit dem Fuß hängengeblieben und fiel dann frontal nach vorne, Brille kam nur knapp nicht auf dem Gehweg auf, Kinn sehr wohl)
Ist also bewegungstechnisch wie in einem Korsett (als schlanker Mensch Mitte 30 der sich grundsätzlich gerne bewegt, also kein "Couchpotatoe", und bei so gutem Gesundheitszustand, dass ich z.B. gar keine Schmerzmittel besitze und nicht bei einem Orthopäden in Behandlung bin und mir zugetraut habe, erst in die USA und dann nach Südamerika auszuwandern, was man eher nicht machen würde, wenn man sich auf "seinen Orthopäden", ein gewohntes Sozialsystem für Rehas, notfalls Erwerbsminderungsrente und dergleichen angewiesen fühlt). Grob abgeschätzt würde ich sagen, dass mein Gesundheitszustand ziemlich der beste ist, der bei langstreckiger Versteifung erreichbar ist. (Wofür ich mega dankbar bin

)
Vorteil zum Korsett ist: kein zusätzliches Schwitzen (bin beruflich auch häufig in sehr heißen Regionen unterwegs), man sieht von außen (außer der Narbe) nichts, und da der OP-Erfolg so gut ist, bin ich nirgendwo mehr in Behandlung (spart Zeit und Energie). Ob ich das gegen ein Nachtkorsett tauschen würde (Vorteil: tagsüber voll beweglich, kann auch ausnahmsweise mal eine Nacht weggelassen werden für z.B. Camping, kein OP-Risiko; Nachteil: Termine fürs Korsett, muss man auf Reisen mitnehmen, ist im Bett nicht so kuschelig)? Evl. schon.
Viele Grüße
Raven