Korsett lebenslang tragen?

Alles zur Korsett-Therapie für Jugendliche und Erwachsene bei Skoliose, Morbus Scheuermann, Kyphose ...
robinho
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Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von robinho »

abgespalten von http://skoliose-info-forum.de/viewtopic.php?f=1&t=22724

Mal eine allgemeine Frage: Seid ihr zufrieden damit, wahrscheinlich euer ganzes Leben auf das Korsett angewiesen zu sein? Denn darauf scheint es bei euch hinaus zu laufen?
Schalke-Andy
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Re: off topic

Beitrag von Schalke-Andy »

Hallo Robinho
Tja, das Thema Korsett beschäftigt mich auch. Zum Anfang sei gesagt, das ich ein Gegner vom Korsett bin.
Liegt eventuell darann, das ich von Fr. Lehnert-Schroth überzeugt bin. Als ich als Kind und als Jugendlicher noch in der alten Klinik in Sobi
ein und aus ging (70er-80er Jahre) war von Korsetts keine Rede. Uns wurde gelehrt GERADE zu gehen, GERADE zu leben. Der Spruch "Jedes Schaufenster ist ein
Spiegel um seine Haltung zu korregieren" prägt seitdem mein Leben. Es fällt natürlich schwerer sich ohne Hilfsmittel gerade zu halten. Dann kommt man auch nicht mit 30min Schroththeraphie am Tag aus, sondern 1-2 Std. (Also meine Skoli liegt bei 100°!)
Die Leute aus dem Forum, die bei der Jubiläumsfeier in Sobi waren und mich eventuell gesehen haben, werde gemerkt haben, das ich arg gerade bin für meine Gradzahl. Bei dieser Veranstaltung kann ich mich da an ein Gespräch mit Fr.Lehnert mit einem Mitglied des Forums erinnern, wo Sie fragte warum Er so ein Korsett mit Kinnhalter trägt. (Als Grund war Halswirbelsäule usw) Das wäre aber nicht nötig, meint Frau Lehnert, das kann man auch durch Räkeln erreichen! Das hat mich natürlich bestärkt.
Ich weiß, die Technik heute ist um einiges weiter. Aber manchmal habe ich das Gefühl es gibt heute nur 2 Möglichkeiten: Laaaaange ein Korsett tragen oder OP.
Ich hasse beide Alternativen. Stehe nunmal auf Krankengymnastik.
So, die Diskussion ist eröffnet.
Gruß Andy
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Thomas
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Re: off topic

Beitrag von Thomas »

Da ich auch so ein 'lebenslanger' Korsettträger bin (immerhin trage ich mein Korsett jetzt schon über fünf Jahre) und auch Im Beitrag von Schalke-Andy erwähnt bin, möchte ich hier mal antworten.

Als ich (als Erwachsener!) mein Korsett bekommen habe hat mir damals niemand gesagt, wie lange ich es werde tragen müssen. Ich hab auch nicht danach gefragt, wil ich zuerst mal wissen wolte, wie ich überhaupt mit dem Korsett zurecht komme, wie es sich anfühlt, den ganzen Tag 'eingesperrt' zu sein, und wie alltagstauglich das Ganze ist.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich insgeheim schon angenommen habe, dass die Korsettzeit eine vorübergehende Episode in meinem Leben sei, wobei ich mir nicht allzuviel Gedanken nach der möglichen Dauer dieser Episode gemacht habe.

Die Eingewöhnungszeit war natürlich hart. Aber irgendwann hab ich mich mit meinem Korsett arrangiert. Ich hatte das Glück, das Korsett relativ problemlos mit meinem Beruf vereinbaren zu können, und so kam ich auch durchweg auf gute Tragezeiten, ohne insgesamt zu sehr eingeschränkt zu sein. Das Korsett erfüllte dabei von Anfang an seinen Zweck, was bedeutet, dass ich, sobald ich das Korsett umgeschnallt habe, absolut schmerzfrei bin.

Ein Einschnitt ergab sich, als auf Grund der Neuroforamen-Stenose zum Korsett noch das Halsteil als ständiger Begleiter dazukam. Zu der Bewegungseinschränkung kam noch der kosmetische Effekt hinzu (ein Halsteil läßt sich nun mal beim besten Willen nicht mehr kaschieren, jedenfalls nicht meines), aber auch mit diesem Teil konnte ich mich irgendwann arrangieren, und es ist interessant, wie gelassen das Umfeld auf soetwas reagiert.

Heute mache ich mir überhaupt keine Gedanken mehr, wie lange ich mein Korsett noch tragen muss. Ich seh Korsett und Halsteil als das an, was sie sind: Hilfsmittel, die mir erlauben, mein Leben angenehmer zu gestalten, ohne Schmerzen, ohne Taubheitsgefühle, ohne Empfindungsstörungen. Solange das so ist, werde ich Korsett und Halsteil weiter tragen, und wenn ich beides aus irgend einem Grund irgendwann nicht mehr tragen kann, dann muss ich mir eben Gedanken machen, wie ich ohne Korsett und Halsteil irgendwie zurecht komme, aber darum werde ich mir erst Gedanken machen, wenn es soweit ist.

Gruß Thomas
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Silas
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Silas »

Ich bin auch ein Erwachsener Korsett-Träger und werde mein Korsett ganz sicher nicht lebenslang tragen.

Mittlerweile bin ich ein 3/4 Jahr ohne Korsett und es ist keine Verschlechterung feststellbar.

Momentan überlege ich, ob ich mir ein neues Korsett machen lassen soll, um noch mehr Korrektur zu erreichen oder ob ich meine Korsett-Therapie jetzt schon beende.

Die Rahmounis haben meine Skoliose halbiert, meine Hyperlordose in den physiologischen Bereich gebracht und meine lordosierte BWS kyphosiert. Lediglich die HWS ist noch kyphosiert, aber da kommt das Korsett eben nicht ran.
"Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig."
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SchwarzeSchnecke
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von SchwarzeSchnecke »

Hallo,

:rolleyes: Irgendwie bin ich diese ständigen Erwachsenenkorsett-sinnvoll-oder-nicht-/lebenslang-oder-nicht -Anspielungen und -Threads inzwischen leid.
Warum kann man uns ausgewachsene "Panzerträger" und unseren "Sonderweg" (der irgendwann vielleicht gar keiner mehr sein wird) und die entsprechenden Berichte und Threads nicht einfach nur interessiert (oder auch nicht) zur Kenntnis nehmen und uns ansonsten in Ruhe lassen?
:gruebel: Ich verstehe das nicht.
Wenn jemand dauerhaft auf eine Krücke, eine Kniebandage oder ein Schmerzmittel angewiesen ist und dies schreibt, wird doch auch kein derartiges Tam-Tam gemacht.
robinho hat geschrieben:Mal eine allgemeine Frage: Seid ihr zufrieden damit, wahrscheinlich euer ganzes Leben auf das Korsett angewiesen zu sein? Denn darauf scheint es bei euch hinaus zu laufen?
Ja, absolut!
Als ich 2007 in dieses Forum gekommen bin, habe ich vor lauter Schmerzen kein Land mehr gesehen. Trotz verschiedener Schmerzmittel in z.T. hohen Dosen war ich weit weg von Schmerzfreiheit, mußte mich z.T. mitten in der Stadt hinlegen... "Normale" KG half mir wenig, KG nach Schroth führte zwar zu einer Verbesserung meiner Haltung – aber nicht der Schmerzsymptomatik (egal ob ambulant oder während der Reha). In Bad Salzungen wollten sie mich davon abbringen, weiterhin mein Klemmi zu tragen. Aber sie hatten mir gegen die Schmerzen keine Alternative zu bieten.
Während ich mein erstes Korsett, das ich ca. 1 Jahr lang hatte, nach einer Eingewöhnungszeit die meiste Zeit des Tages und der Nacht über trug, war dies mit meinem zweiten Korsett nicht mehr möglich. Seitdem trage ich es nur noch nachts, und das geht jetzt auch. Inzwischen kann ich es sogar mal übers Wochenende weglassen – und das, obwohl ich lange kein Schroth gemacht habe.

:brace:

Die meisten Ausgewachsenen-Korsette werden wegen Schmerzen verordnet, und da haben die Betroffenen oft eine lange Leidensgeschichte und viele vergebliche Versuche mit KG und reine Symptombehandlung mit Schmerzmitteln hinter sich. Viele erfahren dann aber erst mit dem Korsett eine deutliche Linderung. Ich empfinde es als eine große Frechheit, wenn dann jemand kommt und sagt, das ließe sich auch alles ohne Korsett in den Griff bekommen.
Schalke-Andy hat geschrieben:Als ich als Kind und als Jugendlicher noch in der alten Klinik in Sobi
ein und aus ging (70er-80er Jahre) war von Korsetts keine Rede. Uns wurde gelehrt GERADE zu gehen, GERADE zu leben. Der Spruch "Jedes Schaufenster ist ein
Spiegel um seine Haltung zu korregieren" prägt seitdem mein Leben. Es fällt natürlich schwerer sich ohne Hilfsmittel gerade zu halten. Dann kommt man auch nicht mit 30min Schroththeraphie am Tag aus, sondern 1-2 Std. (Also meine Skoli liegt bei 100°!)
2 Stunden KG pro Tag wäre mir und wohl auch den meisten anderen Patienten mit WS-Deformitäten zu kraß. Man möchte in seiner Freizeit ja auch noch andere Dinge tun.
Die Leute aus dem Forum, die bei der Jubiläumsfeier in Sobi waren und mich eventuell gesehen haben, werde gemerkt haben, das ich arg gerade bin für meine Gradzahl. Bei dieser Veranstaltung kann ich mich da an ein Gespräch mit Fr.Lehnert mit einem Mitglied des Forums erinnern, wo Sie fragte warum Er so ein Korsett mit Kinnhalter trägt. (Als Grund war Halswirbelsäule usw) Das wäre aber nicht nötig, meint Frau Lehnert, das kann man auch durch Räkeln erreichen! Das hat mich natürlich bestärkt.
Da bin ich mir nicht so sicher. Schließlich kann ein normaler, berufstätiger Mensch nicht die ganze Zeit über daran denken, daß er sich strecken muß. Bei dem Halsteil muß er das nicht, denn das erinnert ihn unbewußt daran.

Damit das nun nicht falsch verstanden wird:
Ich finde KG nach Schroth toll, und für alle Menschen mit WS-Deformitäten, die das Prinzip verstehen und diese KG durchführen können, ist sie sicher als das Mittel der 1. Wahl zu betrachten. Aber wie alle anderen medizinischen Maßnahmen auch hilft Schroth eben nicht jedem gleichermaßen. Leider scheint das vielen überzeugten Schrothianern einfach nicht in den Kopf zu gehen. Warum eigentlich?
Schroth ist doch keine Religion!!
Ich weiß, die Technik heute ist um einiges weiter. Aber manchmal habe ich das Gefühl es gibt heute nur 2 Möglichkeiten: Laaaaange ein Korsett tragen oder OP.
Ich hasse beide Alternativen. Stehe nunmal auf Krankengymnastik.
Ich habe hier im Forum nicht den Eindruck, daß nur von Korsett und OP die Rede ist. Viele Forumsmitglieder machen KG nach Schroth, und Neulingen mit deformierter WS wird so gut wie immer dazu geraten.

Und wieso "Alternativen"? Gerade Korsett und KG kann man doch gut miteinander kombinieren!

:arrow: Aus meiner Sicht sollte bei der Behandlung von WS-Deformitäten viel mehr auf die individuelle Situation eingegangen werden, anstatt alles zu pauschalisieren. Jeder Rücken ist anders, jeder Mensch ist anders!

Anne
Ausgewachsen und trotzdem korrigierendes Korsett? - Na klar!

Letzter Korsett-Thread: viewtopic.php?t=20971 • Reha in Bad Salzungen: viewtopic.php?f=9&t=10543 • Hypermobilität: viewtopic.php?f=4&t=21414

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Schalke-Andy
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Schalke-Andy »

SchwarzeSchnecke hat geschrieben:2 Stunden KG pro Tag wäre mir und wohl auch den meisten anderen Patienten mit WS-Deformitäten zu kraß. Man möchte in seiner Freizeit ja auch noch andere Dinge tun
Sorry, bin ich anderer Meinung. Andere Leute gehen 2 Std. zum Training, Trimmen, lesen, gehen mit dem Hund raus, spielen mit den Kindern und arbeiten trotzdem und haben trotzdem Freizeit. Mein Arbeitstag liegt im Durschnitt bei 9,25 Std., als Konstrukteur, aber Zeit für KG nimm ich mir. O.K. kiddys sind 25 +27
und wollen nichtmehr spielen.... mit mir! Umkehrschluss Deiner Aussage: Ich trage ein Korsett, habe aber mehr Freizeit.
SchwarzeSchnecke hat geschrieben:Da bin ich mir nicht so sicher. Schließlich kann ein normaler, berufstätiger Mensch nicht die ganze Zeit über daran denken, daß er sich strecken muß. Bei dem Halsteil muß er das nicht, denn das erinnert ihn unbewußt daran.
Du hast nicht richtig gelesen. Dadurch das mir das damals eingetrichtert wurde kann man das!! Man hat doch den Willen gerade zu sein ohne Korsett.
SchwarzeSchnecke hat geschrieben:Schroth ist doch keine Religion!!

Zum Glück, bin jüdischer Mitbürger! Reicht mir an Religion.
SchwarzeSchnecke hat geschrieben:Und wieso "Alternativen"? Gerade Korsett und KG kann man doch gut miteinander kombinieren!
Schade, wieder nicht richtig durchgelesen. Habe nicht Korsett und KG als Alternative bezeichnet, sondern Korsett und OP.
Und zum Schluss: Schwarze Schnecke, einfach cool bleiben, Dir wollte doch Keiner was. Ich habe doch nur eine Antwort auf eine Frage gepostet.
Schönes weekend Andy
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Silas
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Silas »

Hallo Schalke-Andy,

ich hatte nicht den Eindruck, dass sich SchwarzeSchneckes Beitrag auf Dich bezog.

Vielleicht können wir jetzt auch wieder zur eigentlichen Thematik kommen - Korsett lebenslang tragen - ja oder nein.
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Schalke-Andy
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Schalke-Andy »

Silas hat geschrieben:Hallo Schalke-Andy,

ich hatte nicht den Eindruck, dass sich SchwarzeSchneckes Beitrag auf Dich bezog.

Vielleicht können wir jetzt auch wieder zur eigentlichen Thematik kommen - Korsett lebenslang tragen - ja oder nein
Warum darf man nicht wenigstens einmal seine Meinung sagen, ohne das Einer versucht mich zu erziehen.
Meine Antworten bezogen sich alle auf das Thema. Lesen, Silas, lesen!! Und Deinen Eindruck kannst Du mir unter PM
senden. Ist fairer.
Gruß Andy
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von München »

Nicht für jeden ist jede Therapie geeignet, somit ist die Korsettfrage individuell zu betrachten. Die ursächliche Problematik wird dadruch aber nicht geklärt. Ein Korsett ist ein Hilfsmittel aber nicht als Therapie oder Heilungsweg zu sehen. Das eigentliche Ziel ist, der Muskulatur und dem Gewebe einen Anreiz zu geben wieder ins Lot zu kommen. Denn dort liegt oftmals der Auslöser des eigentlichen Problems. Bei einer Patienten mit starker Skoliose konnte beobachtet werden, dass das Gewebe so "verklebt" war, dass eine Korrektur durch ein Korsett oder Schroth gar nicht mehr zum Erfolg führen konnte. Solche Sturkurtveränderungen können nur durch Manuelle Therapie und direkter Arbeit am Wirbel gelöst werden. Dabei hilt nur eine intensive Behandlung. Vergleichen wir es mal mit Leistungssport. Wer täglich trainiert wird Erfolge sehen...Vgl. 6 Wochen Sobernheim .... Nach Auflösung der Problematik hilft dann Kräftigung. Meiner Meinung nach wird die Skoliose Therapie noch zu methodisch angegangen ohne auf die individuellen Gegebenheiten zu achten. Dabei wird der Patient in ein Konzept gepresst. Alles was nicht wissenschafltich anerkannt ist, wird gerne abgelehnt. Was wir damit erreichen ist einen Fortschritt der Therapiemethoden zu verlangsamen. Das ist ein Erfahrungsbericht von meiner Seite.
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von sloopy »

robinho hat geschrieben:Mal eine allgemeine Frage: Seid ihr zufrieden damit, wahrscheinlich euer ganzes Leben auf das Korsett angewiesen zu sein? Denn darauf scheint es bei euch hinaus zu laufen?
Bei den erwachsenen Korsettträgern weiß niemand, worauf die Therapie hinausläuft, weil es noch keine (oder unzureichende) Langzeiterfahrungen gibt.

Ich trage mein Korsett jetzt, weil es mir jetzt hilft und ich bin jetzt sehr zufrieden damit. Wie lange ich es insgesamt tragen werde, weiß ich nicht und ich mache mir keine Gedanken darum. Warum sollte ich auch? Ich kann nicht in die Zukunft schauen und ich kann auch nicht wissen, wie sich meine persönliche Situation in den nächsten Jahren vielleicht verändert. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ich habe schonmal zwei Jahre ein Erwachsenenkorsett zur Schmerzreduzierung getragen, dann hat sich meine persönliche Situation in mehreren Bereichen stark verändert und ich kam sieben Jahre lang ohne Korsett aus. In der Zwischenzeit hat sich mein lumbaler Bogen deutlich aufgerichtet, wer sagt denn, dass das nicht bei der jetzigen Korsetttherapie auch mit dem thorakalen Bogen passieren kann?! Vielleicht hab ich in zwei Jahren eine geringere Gradzahl und dadurch vielleicht weniger Schmerzen. Vielleicht bin ich noch fünf Jahre zufrieden mit meinem Korsett. Vielleicht hab ich auch irgendwann keine Lust mehr es zu tragen. Vielleicht hab ich auch eine höhere Gradzahl und laß mich operieren. Whatever- ich kann es nicht planen und daher ist es in meinen Augen müßig, mir die Frage überhaupt zu stellen.

Gruß,
sloopy
Mein Thread: Mein CCtec (Erwachsenen)korsett und ich

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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von minimine »

Hallo,
Irgendwie bin ich diese ständigen Erwachsenenkorsett-sinnvoll-oder-nicht-/lebenslang-oder-nicht -Anspielungen und -Threads inzwischen leid.
jaa, ich auch!! Ich bin´s auch leid, wenn hier immer von "Abhängigkeit" gesprochen wird, denn kein Mensch kann voraus sagen, wie sich die Wirbelsäule weiter entwickeln wird.

Und nein, ich glaube nicht, dass ich mein Korsett lebenslang tragen werde. Mein hauptsächliches Ziel, das Korsett nur noch Nachts tragen zu müssen, habe ich zwar erreicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dies mein Leben lang mache. Momentan kann ich mir auch nicht vorstellen, es evtl. wieder tagsüber zu tragen. Da muss ich ganz ehrlich sagen, aus jetziger Sicht würde ich dann evtl. die OP bevorzugen. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Im Moment komme ich sehr gut mit meinem Korsett klar, mir und meinem Rücken geht es gut und falls es irgendwann anders sein sollte, dann werde ich eben nochmal neu überlegen. Grundsätzlich laufen einem die anderen Möglichkeiten ja nicht davon. ;) Und wer weiß, vielleicht trage ich es ja doch ein Leben lang, aber das kann ich ja jetzt noch nicht wissen.
2 Stunden KG pro Tag wäre mir und wohl auch den meisten anderen Patienten mit WS-Deformitäten zu kraß. Man möchte in seiner Freizeit ja auch noch andere Dinge tun.
Sehe ich genauso. Ich habe am Anfang nach der ersten Reha wirklich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde geschrothet - und es hat nichts gebracht. Die Skoliose hat sich weiter verschlechtert und die Schmerzen sind nach einiger Zeit auch wieder gekommen. Die größte Frechheit fand ich aber, dass man mir in einer Schroth-Klinik eingeredet hat, es läge ja an mir, dass es sich weiter verschlechtert. Ich fand es echt zum k***, dass man Schroth dort so als Religion sah/sieht.
Meine letzte Schroth-KG hatte ich letztes Jahr im März und ich fühle mich heute auch nicht anders, als zu der Zeit, als ich jeden Tag die Übungen gemacht habe.
Für mich schränken tägliche KG-Übungen einfach wesentlich mehr meine Lebensqualität ein, als mein Korsett. Das war schon so, als ich es den ganzen Tag getragen habe und ist nun mit reinem nächtlichen Tragen erst recht der Fall.
Leider scheint das vielen überzeugten Schrothianern einfach nicht in den Kopf zu gehen. Warum eigentlich?
Schroth ist doch keine Religion!!
Absolute Zustimmung. Ich denke, es liegt einfach daran, dass es in Sobernheim und auch in Salzungen einfach schön ist. Man kann sich mal nur mit sich selbst beschäftigen, die Skoliose steht im Mittelpunkt und man trifft sehr viele "Leidensgenossen". So bekommt man das Gefühl, dass nun gezielt etwas getan wird.
Ich habe mir selbst sehr lange eingeredet, dass Schroth das Nonplusultra wäre, es ja so vielen hilft und somit auch mir helfen muss. Es mag vielleicht bei einigen die Behandlung der Wahl sein, bei mir aber eben nicht.
Komischerweise gibt es ja auch Länder, in denen Schroth kaum bekannt oder angewendet wird und dennoch können mit Korsetts Erfolge erzielt werden. Andererseits kenne ich aber keinen einzigen, der rein mit Schroth im Kindes- und Jugendalter seine Skoliose stoppen oder reduzieren konnte. Das mag vielleicht bei kleinen Krümmungen gelingen, aber da bleibt immer noch die Frage, ob es ohne Therapie nicht auch so gekommen wäre.
Das soll nicht heißen, dass ich gegen Schroth bin. Ich bin weiterhin dafür, dass jeder, der die Möglichkeit dazu hat, eine Schroth-Reha zu machen, diese Chance auch bekommt. Aber man muss auch akzeptieren, dass es nicht jeden hilft und manche auch die Reha mit stärkeren Beschwerden verlassen.

@Schalke-Andy:
Dadurch das mir das damals eingetrichtert wurde kann man das!! Man hat doch den Willen gerade zu sein ohne Korsett.
Ohne dir jetzt zu nahe treten zu wollen. Aber 100° sehe ich nun als alles andere als "gerade" an. Nur weil man von einer Therapie sehr überzeugt ist, heißt das ja nicht, dass zusätzliche Therapien nicht vielleicht doch Sinn gemacht hätten. ;)

@München:
Das eigentliche Ziel ist, der Muskulatur und dem Gewebe einen Anreiz zu geben wieder ins Lot zu kommen.
Eine Skoliose ist aber keine muskuläre Erkrankung. Wenn dies so wäre, dann hätten Leistungssportler und Co. keine Skoliosen. Außerdem wäre dann wohl jeder nach einigen Wochen Intensiv-Schrothen gerade - ist aber keiner oder bleibt es zumindest nicht für immer. ;)

Letztendlich sehe ich es so wie SchwarzeSchnecke. Jeder Mensch ist individuell und braucht auch eine individuelle Behandlung!

LG
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von SchwarzeSchnecke »

Schalke-Andy hat geschrieben: Andere Leute gehen 2 Std. zum Training, Trimmen, lesen, gehen mit dem Hund raus, spielen mit den Kindern und arbeiten trotzdem und haben trotzdem Freizeit.
Lesen, mit dem Hund rausgehen und spielen sind Freizeitbeschäftigungen – ebenso Sport, den man als Hobby betreibt. KG ist (zumindest für mich) keine Freizeitbeschäftigung. Insofern kann ich Deine Argumentation nicht nachvollziehen.
Umkehrschluss Deiner Aussage: Ich trage ein Korsett, habe aber mehr Freizeit.
Richtig.
Du hast nicht richtig gelesen. Dadurch das mir das damals eingetrichtert wurde kann man das!! Man hat doch den Willen gerade zu sein ohne Korsett.
Doch, ich habe schon richtig gelesen. Ich will aber nicht ständig immer nur an meinen Rücken denken; es gibt auch noch andere Dinge im Leben.
SchwarzeSchnecke hat geschrieben:Schroth ist doch keine Religion!!

Zum Glück, bin jüdischer Mitbürger! Reicht mir an Religion.
Man könnte den Schroth-Glauben mancher Leute statt dessen auch mit "Purismus", "Bessessenheit" oder "Fanatismus" umschreiben.

Seit meiner Reha in Bad Salzungen (Januar 2008) habe ich manchmal überlegt, ob ich wieder eine Reha beantragen möchte. Dr. Hoffmann hat es mir bereits letztes Jahr angeboten. Ich habe dann gesagt, daß es aus beruflichen Gründen nicht geht. In diesem oder im nächsten Jahr wäre es jedoch möglich gewesen, und ich will trotzdem nicht: Erstens würde es sowohl die RV als auch mich eine Menge Geld kosten, zweitens würde ca. die Hälfte meines Urlaubs dafür draufgehen, drittens komme ich auch mit der ambulanten Behandlung klar (und finde, daß eher die Leute, die es wirklich nötig haben, und jene, die noch keine Reha hinter sich haben, schneller als bisher einen Platz bekommen sollten), viertens war mir das Sequenztraining absolut zuwider, und fünftens auch dieser o.g. Purismus. Deshalb bin ich zwar froh darüber, in Bad Salzungen gewesen zu sein (um Schroth richtig zu erlernen und neue Übungen kennenzulernen), möchte aber keine zweite solche Reha machen (bzw. wenn es sich vermeiden läßt, überhaupt keine Reha mehr).
Schade, wieder nicht richtig durchgelesen. Habe nicht Korsett und KG als Alternative bezeichnet, sondern Korsett und OP.
Wenn Du das anders gemeint hast, dann hättest Du es auch anders ausdrücken müssen. So, wie Du Dich ausgedrückt hast, bedeutet das, daß man sich zwischen KG und OP und Korsett entscheiden muß, und das ist ja nicht der Fall, weil jedes dieser Dinge mit einem oder beiden anderen kombiniert werden kann (es gibt sogar Operierte mit Korsett).
Und zum Schluss: Schwarze Schnecke, einfach cool bleiben, Dir wollte doch Keiner was. Ich habe doch nur eine Antwort auf eine Frage gepostet.
Es hat nichts mit Dir persönlich zu tun (da ich Dich gar nicht kenne); ich bin einfach nur genervt von diesem ständigen Infragestellen der Korsettherapie bei Ausgewachsenen.

Wer wirklich unter argen Schmerzen leidet und diese durch das Korsett loswird, für den ist die Frage "Lebenslang oder nicht?" zweitrangig – außer die KK bezahlt es nicht mehr und man selber hat nicht genügend Geld, oder man kann es wegen anderer gesundheitlicher Probleme nicht mehr tragen oder frau will schwanger werden.
Wer sich den Luxus leisten kann, ein Korsett trotz schmerzlindernder Wirkung allein wegen der Möglichkeit abzulehnen, daß er es ein Leben lang brauchen wird, der hat wohl einfach nicht den entsprechenden Leidensdruck.

Anne
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Thomas
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Thomas »

SchwarzeSchnecke hat geschrieben:Wer sich den Luxus leisten kann, ein Korsett trotz schmerzlindernder Wirkung allein wegen der Möglichkeit abzulehnen, daß er es ein Leben lang brauchen wird, der hat wohl einfach nicht den entsprechenden Leidensdruck.
Das würde ich persönlich so nicht sagen. Es ist einfach immer eine persönliche Abwägung, wie gut man als erwachsener Korsett-Träger mit dem Korsett klarkommt, wie man es in seinen Alltag einbinden kann, wieviel 'Unbequemlichkeit' man auf sich nehmen will.

Klar, ohne Schmerzen oder ohnr das klare Ziel einer weiteren Aufrichtung vor Augen wird man eine konsequente Korsett-Therapie nicht lange durchhalten. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es Personen gibt, die lieber Schmerzen ertragen, als sich langfristig in so ein Teil zu quetschen. Aber das muss jeder selbst wissen, und in diese Entscheidung möchte ich auch niemanden hineinreden. Korsett-Tragen ist (übrigens genauso wie Schroth) eben nicht jedermanns Sache.

Bezüglich Schroth und Korsett: Für mich ist das überhaupt kein Widerspruch. Ich hab mich in der Schroth-Reha letztes Jahr in Bad Sobernheim sehr wohl gefühlt, und ich glaube, dass die Reha auch meinem Körper sehr gut getan hat. Aber ich könnte mir - genauso wie SchawarzeSchnecke - nicht vorstellen, jeden Tag zwei Stunden Schroth zu machen. Da schnall ich mir dann doch lieber meinen Panzer um. :) Aber wie gesagt, das muss jeder selbst entscheiden.

Viele Grüße

Thomas
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Klaus »

SchwarzeSchnecke hat geschrieben:Irgendwie bin ich diese ständigen Erwachsenenkorsett-sinnvoll-oder-nicht-/lebenslang-oder-nicht -Anspielungen und -Threads inzwischen leid.
Warum kann man uns ausgewachsene "Panzerträger" und unseren "Sonderweg" (der irgendwann vielleicht gar keiner mehr sein wird) und die entsprechenden Berichte und Threads nicht einfach nur interessiert (oder auch nicht) zur Kenntnis nehmen und uns ansonsten in Ruhe lassen?
:gruebel: Ich verstehe das nicht.
Nachdem dieser Thread nun mit richtigem Titel in der richtigen Rubrik gelandet ist :) , möchte ich auch etwas dazu anmerken.

Für mich als Nicht-Korsett-Träger hat sich am Anfang meines Forumsleben auch die Situation ergeben, wie Thomas das gerade geschildert hat:
Ich muss allerdings zugeben, dass ich insgeheim schon angenommen habe, dass die Korsettzeit eine vorübergehende Episode in meinem Leben sei, wobei ich mir nicht allzuviel Gedanken nach der möglichen Dauer dieser Episode gemacht habe.
Gottseidank hat mich meine Zurückhaltung vor neuen Dingen auch davon abgehalten, vorschnell an eine Korsettversorgung zu denken. Einerseits hat sich bald herausgestellt, dass ich durch Fixierungen in einem bestimmten Bereich gar nicht so optimal vorwärts kommen kann, obwohl ein Korsett bei meiner Situation relativ klein ausfallen würde, andrerseits war ich schon einem gewissen Druck hier im Forum ausgesetzt, das damals noch bei bestimmten Leuten als Rahmouni Forum galt. :)
Ich habe bzw. hatte relativ geringe Beschwerden und konnte natürlich meine Bedenken gegenüber einem Korsett langfristig meinen eigenen kritischen Beurteilungen ausführlich unterwerfen.

Diese Diskussion zeigt ja nun recht deutlich, wie schwierig dieses Thema ist. Wer mit seinem Korsett zufrieden ist, sollte das doch in aller Ruhe beschreiben können. Warum eigentlich diese Kritik an dieser Diskussion?

Ich sehe hier in erster Linie die Leute, so wie ich es am Anfang war, die allerdings anders als ich, so schnell wie möglich auch die Schmerzbekämpfung in Angriff nehmen wollen und möglicherweise eben noch nicht so weit sind, die Tragweite dieser Entscheidung wirklich zu sehen! Und wenn dann "Dr. Hoffmanns 2 Jahre" dazu kommen, ist es schon wichtig, darauf hinzuweisen, dass man hier trotz aller Not sehr gut überlegen sollte.

Insofern stellt das hier keinen Angriff auf die bereits Korsett tragenden Leute dar, sondern fordert ehrliche Erfahrungsberichte gerade zu dem grundsätzlichen Punkt Abhängigkeit, die als Entscheidungshilfe dienen kann. Immerhin heisst der Thread nicht "Korsett Tragen ja oder nein?", sondern "Korsett lebenslang tragen?".

Gruss
Klaus
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Toni
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Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen!
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Toni »

Ich könnte mich eher damit abfinden für den Rest meines irdischen Daseins Korsett zu tragen, als Robinhos Geschreibsel noch länger ertragen zu können!
München: Ein Korsett ist ein Hilfsmittel aber nicht als Therapie oder Heilungsweg zu sehen.
Und warum denn nicht?
Ich war vor Beginn der Korsett-Therapie 2003 völlig am Ende. Ich hatte 9 Orthopäden verschlissen, tonnenweise Ibu, Diclo und Vioxx gefressen, die unsinnigsten KGs (Bobath, Klapp, Hanke, Yoga, 5-Tibeter, usw...) und manual-Therapien ( med Massagen, Dorn-Breuss, cranio-sacral, usw....) hunderte Stunden in angeblich therapeutischen Sportstudios tonneweise Gewichte gepumpt. Ichhatte Blockaden so schlimm wie Herzinfarkte. Hast Du eine Ahnung davon wie das ist wenn man sich vor Schmerzangst gar nicht mehr Atmen traut????
Dann kam mein erstes Rahmouni. Schon der Rohling bei der Anprobe hat mir den stechenden Scheuermann-Schmerz, den Dolch zwischen den Schulterblättern genommen. Das Korsett war für mich "Osteopathie zum umschnallen"
@München, Deine Muskelhypothese ist ein Schmarrn!
Wenn die ventralen Wirbelkörperkanten mit Höllenschmerzen aneinanderscheuern, sich dort die Knochenhaut entzündet und verkalken will, jede entstandene und abgeklungene lokale Entzündung im Reibungsbereich ein verkalktes Schlachtfeld hinterlässt und die Knorpelchen zwischen den Brustwirbeln fast nicht mehr existieren, dann hilft nur noch RUHIGSTELLEN und ENTLASTEN durch REKLINIEREN. Und genau das tut das Korsett ( wenn es gut ist!). Es dehnt verkürzte Strukturen auf und schwächt auch gezielt überforderte, verkrampfte und verhärtete Muskelgruppen. Dafür animiert es zur Selbstaufrichtungen und verhindert Kyphose- oder Hyperlordose-verstärkende Fehlbewegungen und schützt vor Überlastungen beim Heben und Tragen. Ganz nebenbei nimmt man noch ab.
Körper und Geist stellen sich bei einem Korsett-Träger um. Mit der Aufrichtung der äußeren körperlichen Haltung geht auch ein teilweise erstaunlicher innerer psychischer Prozess einher. Ich wurde durch das Korsett härter und unnachgiebiger. Zu mir selbst und auch Anderen gegenüber. Ich konnte nicht mehr als Angestellter arbeiten, weil ich im Korsett immer öfters NEIN zu meinen Chefs sagen musste. Ich wurde auch psychisch "unbeugsamer" und wesentlich selbstbewusster.
Die Unannehmlichkeiten, Unbequemlichkeiten und auch die Schmerzen die einem das Korsett zufügt machen einen gelassener, dultsamer, leidensfähiger und irgenwie erhabener über seinen eigenen Körper. Man wird im Korsett ein Stück weit "Fakir" und eine Art "hinduistischer Heiliger" der seinen "inneren Sauhund" im Korsett ein- und wegsperren kann.
Im Korsett war es mir plötzlich wieder möglich stundenlang entspannt Auto-zu fahren oder viele Stunden ohne Rückenschmerzen am Laptop zu arbeiten. Ich wurde beruflich wesentlich leistungsfähiger.
Auch ohne Korsett hat sich inzwischen meine Haltung wesentlich verbessert. Mein hochsitzender starker Rundrücken existiert nur noch auf alten Röntgenbildern. Ich bin wieder 3 cm gewachsen während andere Männer (und Frauen in meinem Alter eher kleiner werden.
Für MICH war und ist das Korsett ein echter "Heilsweg".
Ergänzt durch SCHROTH. Aber mit Schroth alleine hätte ich NIEMALS diesen Erfolg gehabt. Erst das Korsett hat mich 2003 so schmerzfrei gemacht, daß ich dann in Bad Salzungen eine "Kampfschroth-Reha" betreiben konnte.
Wer aber im Korsett nur ein quälendes Stück Plastik für einen möglichst kurzen Zeitraum x sieht, wird auch keinen Erfolg damit haben.
Egal ob als Jugendlicher oder Erwachsener.
Ein qualitativ sehr gutes Korsett ist bei jemand mit guter Compliance durchaus eine hervorragende Therapie, die nicht nur den Krankheitsverlauf hemmend sondern echt heilend wirken kann.
Daß Korsette bei den meisten Leuten und Orthopäden so ein schlechtes Image haben, liegt daran daß tatsächlich die allermeisten Korsette nur Plastikmüll sind.
Gruß Toni ( der sich mit großer Freude trotz Anfänger-Druckstellen in seinem neuen CCTEC "quält"- die stärkste Entlordoisierung und Reklinationsanimation die ich je hatte!)
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
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Silas
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Silas »

Off-Topic:

Ich denke, dass man Schroth und Korsett nicht als Alternativen ansehen kann. Oft ist es so, dass man mit Schroth allein die Skoliose nicht aufhalten kann, aber Schroth zusammen mit dem Korsett gute Effekte erzielt.

Bei mir war es so, dass man mit Schroth vorm Korsett der Krümmung überhaupt nicht bei kam. Erst als das Korsett die Strukturen vorgedehnt und andere stabilisiert hatte, zeigte auch das Schroth-Training seine Wirkung.
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von SchwarzeSchnecke »

Klaus hat geschrieben:Ich sehe hier in erster Linie die Leute, so wie ich es am Anfang war, die allerdings anders als ich, so schnell wie möglich auch die Schmerzbekämpfung in Angriff nehmen wollen und möglicherweise eben noch nicht so weit sind, die Tragweite dieser Entscheidung wirklich zu sehen! Und wenn dann "Dr. Hoffmanns 2 Jahre" dazu kommen, ist es schon wichtig, darauf hinzuweisen, dass man hier trotz aller Not sehr gut überlegen sollte.
"Tragweite dieser Entscheidung" usw., verstehe ich nicht.
Man kann doch auch sagen, daß man das jetzt eben mal probiert und jederzeit damit aufhören kann, wenn man nicht mehr möchte. Im schlimmsten Fall wird dann eben alles wieder so wie vor Beginn der Korsettherapie, aber nicht schlimmer, d.h. man hat eigentlich nichts zu verlieren.

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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Dolphingirl94 »

OT:
SchwarzeSchnecke hat geschrieben:Man kann doch auch sagen, daß man das jetzt eben mal probiert und jederzeit damit aufhören kann, wenn man nicht mehr möchte. Im schlimmsten Fall wird dann eben alles wieder so wie vor Beginn der Korsettherapie, aber nicht schlimmer, d.h. man hat eigentlich nichts zu verlieren.
Aber das so zu sagen finde ich wiederum den anderen Patienten gegenüber unfair. Wenn man nicht nur die reinen Kosten für das Korsett, sondern auch noch für die Kontrollen beim Arzt (inklusive RöBis) und beim OT reinnimmt, kommt da schon ein Batzen Geld zusammen. Den haben die Kassen aber eigentlich nicht und es gibt hier genug Fälle, wo ein Korsett zunächst abgelehnt wurde. Das ganze Geld auszugeben, nur um es "mal zu versuchen" finde ich nciht fair.
Natürlich, ich selbst habe ncihts zu verlieren, aber kein Wunder, wenn die KKs es sich dreimal überlegen, ob sie dem nächsten ein Korsett bezahlen, wenn es viele Abbrecher gibt!
Und außerdem ist mit der Tragweite der Entscheidung vllt. auch gemeint, dass ein Korsett nicht nur Schmerz lindert, sondern auch im Alltag einschränkt. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

@topic: Auch wenn ich jetzt bald abschule: Ich denke, ich würde jederzeit wieder ein Korsett tragen, wenn es meine Schmerzen lindert.
LG, Dolphingirl
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von robinho »

Das wird langsam eine richtig interessante Diskussion.
Du meinst also die Kassen haben das Geld nicht? Aber Rahmouni verdient es, und muss dann auch irgendwo mehr Steuern, also auch mehr Geld für die Krankenversicherung, zahlen. Es kommt also was zurück.
Geld muss in Bewegung sein, wenn die Wirtschaft gesund ist.
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Re: Korsett lebenslang tragen?

Beitrag von Silas »

Dass ist eben das Risiko in der Medizin... es ist (leider) häufig ein Probieren. Im einen Fall ist es ein Probieren, welches Medikament anschlägt, im anderen Fall, welche Therapieform, im nächsten sogar, welche OP - und wenn's ganz dicke kommt, hat gar nichts geholfen und es ist ein Haufen Geld ausgegeben worden.

In der Medizin gibt es nie die 100% Garantie.

Das ist eben unternehmerisches Risiko, welches die Kassen einkalkulieren.
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