Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Fragen zum Thema Wirbelsäulen OP's
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pfff
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(genauer geht's nicht, da keine Unterlagen mehr vorhanden)
Therapie: KG (hauptsächlich Schroth)
Korsett (aus dem Balgrist)
Kur in Sobernheim
OP 1992 (CD-Spondylodese)
total unzufrieden! wunschtraum: stäbe raus, lange reha in sobernheim, plus eventuell wieder korsett.

Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Beitrag von pfff »

liebe alle,
wer von euch ist auch nicht zufrieden mit der op?
ich mags allen herzlich gönnen, denen es geholfen hat und jetzt besser geht!!!
nur, ich selber bin so wütend, auch noch nach fünfzehn jahren, ich empfinde es nach wie vor als eine art vergewaltigung, als minderjährige kann man ja auch nicht mitbestimmen und kann die tragweite nicht erfassen. ich finde es auch echt ganz schlimm, dass versicherungen ops bezahlen, aber lange kuraufenthalte nicht! oh, hätten die ärzte in sobernheim doch insistiert, dass die op nicht gemacht wird, aber sie waren viel zu weich!! ja, ich bereue es total!! die werte sind mitlerweile schlechter als vorher. wenn es möglich wäre, würde ich am liebsten das metall und die zum verwachsen angebrachten knochenstücke entfernen lassen und ein jahr nach sobernheim!!! versteht mich hier jemand? ich fühle mich supereinsam mit meinen gefühlen :( ich würde mich gerne mit jemand austauschen, dem es ähnlich geht. obwohl ich natürlich für euch hoffe, dass es nicht so ist!!
gute nacht von der traurigen und wütenden pfff
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Dalia
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Therapie: 1983-1994 Korsetts verschiedener OTs, zuletzt bei Rahmouni, dann Korsettabschulung im Jahr 1994, seit 05/2005 bis etwa 2018 Nachtkorsett von Rahmouni, Therapieziel: Halten der Skoliose, seit 2018 keine Therapie mehr
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Re: Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Beitrag von Dalia »

Hallo pfff,

es tut mir sehr leid, dass du so unglücklich bist. Ich hoffe, du bekommst noch Antworten von ebenfalls unzufriedenen Operierten, aber die werden vielleicht nicht so gerne öffentlich schreiben, doch dir hoffentlich wenigstens per PN antworten.

Du schreibst, du warst bei der OP minderjährig. Darf ich fragen, ob du noch im Grundschulalter (also Primarschulalter in der Schweiz) warst oder bereits Jugendliche?

Wie viel Grad hattest du vor der OP, wie viel kurz danach und wie viel hast du jetzt? Du hast irgendwo was von 70 bis 80° vor der OP geschrieben?

Ist die Verschlechterung optisch erkennbar oder nur auf dem Röntgenbild? Eine kleine Verschlechterung viele Jahre nach der OP ist nicht ungewöhnlich, da gibt es eine gewisse Toleranzbreite. Daher sollte nach einer OP die Wirbelsäule auch weiterhin im Auge behalten werden.

Hast du Beschwerden?

Weißt du, ich bin nicht operiert, aber in einer ähnlichen Situation wie du. Vielleicht tröstet dich das ja ein wenig. Ich erzähle mal die Kurzform (Langform siehe Link in meiner Signatur):

Meine Skoliose wurde mit 6 Jahren erstmals festgestellt. Damals war sie noch sehr gering. Sie verschlechterte sich zunehmend und es begann ein jahrelanges Ärztehopping und eine ca. 11-jährige Korsetttherapie. Leider waren fast alle Korsetts Plastikmüll, erst im Alter von 16 Jahren kam ich mit ca. 70° zu Rahmouni, einem Experten in Sachen Korsettbau, doch da war es schon zu spät, die Verschlechterung war zu weit und zu schnell vorangeschritten, die Wirbelsäule zu starr, Verbesserung war nicht mehr möglich, sondern lediglich Schadenbegrenzung, so dass ich jetzt bei zweimal 95° bin.

Im Alter von ca. 20 Jahren hatte ich die Nase voll und schulte mit ärztlicher Erlaubnis das Korsett ab. Etwa 8 Jahre ignorierte ich die Skoliose und ich wollte nie wieder was damit zu tun haben - bis die Beschwerden kamen. Also recherchierte ich im Internet und fand das Forum hier. Ich wollte mich nicht operieren lassen, nie wieder ein Korsett tragen, und wie ich hier von lauter positiven Erfolgsberichten las, war ich kreuzunglücklich, dass bei mir so viel vermurkst wurde. Ich habe erst mal gejammert, bis ich mich zum Orthopäden Dr. Hoffmann aufraffte. Es dauerte aber noch etwa 2 Jahre, bis ich dann wirklich ein Korsett bekam (ein wesentlicher Punkt war meine Mutter; ich wohnte noch bei meinen Eltern und meine Mutter machte Stress, dass ich das Korsett eh nicht tragen würde, und ich hatte keine Lust auf einen Dauer-Streit).

Zuerst trug ich das Korsett nahezu ganztägig, aber ich schwächelte bald, bis ich es nur noch nachts trug und das ist jetzt die perfekte Lösung für mich. Solange ich das Korsett regelmäßig einstellen lasse, bin ich praktisch beschwerdefrei und habe eine bessere Haltung. Die Haltung verschlechtert sich rapide und die Beschwerden nehmen deutlich zu, wenn ich das Korsett ca. 3 Tage und Nächte nicht trage. Bereits das Tragen von wenigen Stunden hat bei mir einen sehr positiven Effekt, Bedingung ist aber, dass ich das Korsett alle paar Monate nachbessern lasse. Ich war seit August nicht mehr beim Nachbessern und merke schon, dass der Verbesserungseffekt sehr nachgelassen hat, ein neuer Termin ist seit heute ausgemacht.

Heute jammere ich nicht mehr, sondern sehe es positiv: Trotz verpfuschter Korsettherapie habe ich relativ kleine Rippenbuckel (allerdings einen sehr kurzen Oberkörper), die Korsetts bei Rahmouni ab dem Alter von 16 Jahren verhinderten Schlimmeres, mir wurde vor 3 Jahren ein relativ gutes Lungenvolumen bescheinigt und das Korsett hat meine Lebensqualität entscheidend verbessert und meine Haltung ist deutlich besser. Somit sage ich mir: Weine nicht über vergossene Milch, sondern sei froh über die, die du noch retten konntest.

Wir beide haben dasselbe Pech, zu früh geboren zu sein, du 20 Jahre zu früh für eine wirklich erfolgreiche OP und ich 10 Jahre zu früh für eine wirklich erfolgreiche Korsetttherapie. Eigentlich ist mir das lieber, wie wenn wir JETZT geboren wären und dennoch Opfer von schlechten Behandlungsmethoden geworden wären. So aber können wir uns damit trösten, dass wir einfach Pech hatten und dass zu unserer damailigen Zeit versucht wurde, das Optimum herauszuholen, was im Vergleich zu heute halt nicht so gelungen ist.

Ich an deiner Stelle würde für eine Fahrt zu Experten für eine konservative Behandlung und für eine OP sparen, evt. zu Dr. Hoffmann (Orthopäde in Leonberg bei Stuttgart), der gemeinsam mit Prof. Halm (Chirurg aus Neustadt) Beratungsstunden anbietet, übrigens auch gemeinsam mit Rahmouni eine Korsettsprechstunde anbietet. Falls dich das interessieren würde und es hoffentlich finanziell machbar wäre, ruf bei Dr. Hoffmann an und frage nach, wie die Termine für dich kosten- und zeitsparend gelegt werden könnten.

Ich weiß, du willst keine OP, aber ich würde mir dennoch alle Meinungen anhören. Vielleicht erfährst du dabei Dinge, auf die du gar nicht gekommen wärst.

Bereite am besten einen Fragekatalog vor, damit du keine Frage vergisst, und bestehe darauf, dass dir die Fragen auch alle beantwortet werden (die in der Praxis sind nämlich manchmal etwas hektisch und merken es evt. nicht, dass dir noch was auf der Seele liegt. ;)).

Ich wünsche dir das Allerbeste und hoffe, dass du einen Weg findest, deine Situation zu verbessern bzw. zu akzeptieren. :)
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
pfff
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Re: Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Beitrag von pfff »

liebe dalia, danke für deine antwort!
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Re: Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Beitrag von pfff »

und ja, falls jemand nicht hier schreiben möchte, schreibt mir doch eine private nachricht. danke!
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Kypho60
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Re: Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Beitrag von Kypho60 »

Hallo PFFF,
ich weis ja nicht ob du Skoliose oder Hyperkyphose hast, aber ich kann Dir aus "Rundrücken-Sicht" mal folgende Dokumente (diees als PDF im Internet gibt) vorschlagen:


Aus der Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie
des Universitätsklinikums Münster
(Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. W. Winkelmann)
Mittelfristige Ergebnisse der operativen Therapie bei
Patienten mit Morbus Scheuermann
INAUGURAL – DISSERTATION von Max Daniel Kauther Max Daniel

sowie
Aus der Universitätsklinik für Orthopädie und Physikalische Medizin
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
(Direktor: Prof. Dr. med. habil. W. Hein)
Morbus Scheuermann:
Klinische und radiologische Nachuntersuchung
operativ behandelter Patienten von 1995-2005
unter Anwendung des SRS-22
Dissertation von Ulf Muzzulini



Diese Arbeiten sind für dich vielleicht interesannt, weil dort retrospektiv (postoperativ) auch Patienten-Selbsteinschätzunge ausgewertet werden.
Besonderer Augenmerk ist hierbei ggf. auf die nicht ausgeführten Aussagen zu legen.

Die Beschäftigung mit den o.g. Arbeiten ersetzt sicher keinen Gedanke- / Erfahrungsaustausch, könnte aber einen Einblick in die zufriedenheit eines (zugegebner maßen recht kleinen) patientenkollektiv geben.
lg kypho 60
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Stand 2013----74° (ohne mein zutun)
Gut gehalten :)
Therapie: Korsetttherapie abgebrochen,
Reha BaSa 02/03 2014
es war geil und vermiss die Leute echt :) (und die Quälerei^^)
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Re: Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Beitrag von Kaffeetrinker »

@kypho60


Hast du Links zu den PDF´s? finde die Teile nicht....


Gruß
Lady S
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2013: lumbal 64°, thorakal 56°, inzwischen vermutlich deutlich mehr.
Therapie: Seit 2003 Schroth-KG, 3 Rehas in Bad Salzungen.
Wohnort: Nähe Stuttgart

Re: Wer ist NICHT zufrieden nach op?

Beitrag von Lady S »

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