Skoliose mit 26

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Gwen
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Skoliose mit 26

Beitrag von Gwen »

Hallo Zusammen
Ich bin 26 und neu hier. Mir wurde vergangenen Herbst eine Skoliose von 30 Grad mit Rotation diagnostizert (es ist mir immer noch ein Rätsel, wie dies meine Eltern und der Haus-/Schularzt haben übersehen können!). Der Spezialist meinte, ich sei kein Fall zum Operieren und ansonsten könne man da nichts machen :( Auf meine Bitte hin verschrieb er mir sechs Sitzungen Physiotherapie, da ich mich mit dem "nichts tun können" schwer abfinde. Bisher hat man mir dort allerdings nur den Rücken vermessen und einige Übungen für die Rückenmuskulatur gezeigt, die ich auch jeden Tag mache. Ich bin aber trotzdem etwas enttäuscht und ratlos. Ist es tatsächlich so, dass man im Erwachsenenalter eine Skoliose nicht behandeln kann? Ich bin realistisch und erwarte keine gerade Wirbelsäule. Aber eine Korrektur um einige Grade wären doch schön, zumal es auch optisch auffällt.
Welche Möglichkeiten hab ich nun? Kann mir jemand was empfehlen? In der Schweiz hab ich bisher keine Klinik gefunden, die auf Skoliose spezialisiert ist...
Herzlich
Gwen
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Raven
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Re: Skoliose mit 26

Beitrag von Raven »

Hallo Gwen,
Gwen hat geschrieben:Mir wurde vergangenen Herbst eine Skoliose von 30 Grad mit Rotation diagnostizert (es ist mir immer noch ein Rätsel, wie dies meine Eltern und der Haus-/Schularzt haben übersehen können!).
Skoliose wird oft ziemlich lange übersehen, gerade, wenn es noch keine Beschwerden gibt.
Meine wurde auch erst bei etwa den selben Gradzahlen diagnostiziert (wennauch zunächst fehldiagnostiziert, da ein Beckenschiefstand vermutet wurde).
Ganz oft ist es auch so, dass Symptome (gerade hinsichtlich des Aussehens), die eigentlich (für Leute, die Skoliose kennen) eindeutig sind, nicht erkannt werden, gerade von
Eltern, Geschwistern, Freunden... Grund ist, dass man sich oft an das Aussehen gewöhnt, und es dann als individuelles Merkmal verbucht.
Gwen hat geschrieben: Der Spezialist meinte, ich sei kein Fall zum Operieren und ansonsten könne man da nichts machen :(
Ein Fall zum Operieren bist du ganz klar nicht, da hat er Recht.
Aber dass man da nichts tun könne... :rolleyes: Leider eine Aussage, die man allzu oft hört.
Gwen hat geschrieben: Auf meine Bitte hin verschrieb er mir sechs Sitzungen Physiotherapie, da ich mich mit dem "nichts tun können" schwer abfinde.
Ich finde es ganz richtig, dass du nachgehakt hast.
Physiotherapie macht Sinn; es sollte aber die richtige sein (nach Schroth).
Gwen hat geschrieben: Bisher hat man mir dort allerdings nur den Rücken vermessen und einige Übungen für die Rückenmuskulatur gezeigt, die ich auch jeden Tag mache.
Übungen für die Rückenmuskulatur sind gut (sind auch Teil der Schroth-Physiotherapie), jedoch: "Normale" Rückenmuskulatur-Übungen sind nicht geeignet, da diese symmetrisch erfolgen. Skoliose ist asymmetrisch, also muss auch asymmetrisch (dagegen) geübt werden.
Gwen hat geschrieben:Aber eine Korrektur um einige Grade wären doch schön, zumal es auch optisch auffällt.
Mit Schroth-Physiotherapie kann man da sehr wohl einiges verbessern :ja:

Wenn die jetzige Physiotherapie tatsächlich nach Schroth ist, bist du auf einem guten Weg.
Ansonsten kann dir sicherlich noch jemand im Forum weiterhelfen, um in deiner Gegend einen passenden Therapeuten zu finden. Woher kommst du?

Es gibt übrigens eine Hotline für Patienten, die nach Schroth ausgebildete Krankengymnasten in ihrer Umgebung suchen:
Tel. 06751-874-174.

Sinnvoll wäre auch eine Schroth-Reha.
Die Bezeichnung "Reha" wirkt hier jetzt zunächst etwas seltsam, da man unter "Reha" oft eine Heilbehandlung nach Unfall oder OP versteht. Hier ist aber etwas wie ein "Trainingscamp" gemeint ("Kur" würde ich es nicht nennen; es ist eben mehr Training denn Erholung).

Viele Grüße,
Raven
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Re: Skoliose mit 26

Beitrag von Gwen »

Hallo Raven
Besten Dank für deine schnelle und umfassende Antwort! Du hast mir wirklich sehr geholfen damit!
Ich komme aus der Schweiz und es gibt leider und erstaundlicherweise keine Klinik, die eine Therapie nach Schroth anbietet! Es gibt jedoch einzelne Physiotherapeuten, welche nach Schroth behandeln. Ich werde also schauen, dass ich eine Behandlung von einer entsprechenden Physiotherapeutin bekomme.
Ich habe allerdings gelesen, dass die Schroth-Techniken nur stationär in entsprechenden Kliniken erlernt werden können. Ist das wirklich so? Nicht nur, dass diese Therapien sehr viel Zeit beanspruchen, bei mir aus der Schweiz wird das ein Kostenproblem!
Allerdings hab ich gesehen, dass eine Skoliose-Therapiewoche in der Klinik Bad Salzungen ageboten wird (was mich mir gut vorstellen könnte und von den Kosten tragbar wäre). Würde dies schon etwas bringen oder sollte da für einen Therapieerfolg wirklich eine 4-wöchige Therapie gemacht werden?
Herzlich
Gwen
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Raven
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Re: Skoliose mit 26

Beitrag von Raven »

Hallo Gwen,
Gwen hat geschrieben:Ich habe allerdings gelesen, dass die Schroth-Techniken nur stationär in entsprechenden Kliniken erlernt werden können. Ist das wirklich so? Nicht nur, dass diese Therapien sehr viel Zeit beanspruchen, bei mir aus der Schweiz wird das ein Kostenproblem!
die Techniken im Rahmen einer Schroth-Reha zu erlernen, ist natürlich am sinnvollsten.
Aber, ambulant bei der Physiotherapie Schroth zu lernen, ist immer noch um Längen besser, als einfach "irgendeine" Physiotherapie zu machen.
Gwen hat geschrieben: Allerdings hab ich gesehen, dass eine Skoliose-Therapiewoche in der Klinik Bad Salzungen ageboten wird (was mich mir gut vorstellen könnte und von den Kosten tragbar wäre). Würde dies schon etwas bringen oder sollte da für einen Therapieerfolg wirklich eine 4-wöchige Therapie gemacht werden?
Allgemein ist die einwöchige Therapiewoche natürlich besser als keine (und keine, aber ambulant Schroth, deutlich besser als "irgendeine" Physiotherapie). Noch besser wäre natürlich eine 4-wöchige im Rahmen einer Reha.

Viele Grüße,
Raven
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Re: Skoliose mit 26

Beitrag von Lady S »

Ich habe in Salzungen auch Schweizer kennengelernt, die 2 Skoliose-Therapiewochen hintereinander gebucht hatten und das aus ihrer Schweizer Sicht kostengünstig fanden.
In der ersten Woche ist "Einführung", wobei die Prinzipien erklärt und eingeübt werden, ab der 2. Woche werden die Gruppen nach Krümmungsmuster getrennt und die Krümmungs-spezifischen Übungen gemacht.
Nur eine einzelne Woche ist daher vielleicht nicht so günstig.

Uns wurde damals erklärt, die Ansteuerung der einzelnen Muskelgruppen müsse vom Körper gelernt werden und das dauere ca. 3 Wochen. Es geht bei Schroth grob gesagt um das Aufdehnen der eingefallenen Stellen und das Zusammenziehen der Buckel (naja, sehr grob...)

Grüse, Lady S
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Re: Skoliose mit 26

Beitrag von minimine »

Hallo Gwen,

im Prinzip stimme ich Raven zu, allerdings sehe ich einiges doch etwas anders.
Aber, ambulant bei der Physiotherapie Schroth zu lernen, ist immer noch um Längen besser, als einfach "irgendeine" Physiotherapie zu machen.
Das Problem ist, dass viele Schroth-Therapeuten nur wenige Tage in Sobernheim zur Ausbildung waren. Einige davon nennen sich zwar Schroth-Therapeuten, haben meiner Meinung nach das Prinzip aber nicht wirklich verstanden. Ich hatte schon Therapeuten, die mir den Hocker für den Muskelzylinder an die falsche Seite gestellt haben oder die mich in die Krümmung rein geschoben haben usw. Mittlerweile weiß ich, ob er mich richtig korrigiert oder falsch, ABER ich war ja auch schon mehrmals zur Reha, ein Schroth-Neuling merkt das nicht.
Deshalb bin ich der Meinung, Schroth nur, wenn man auch die Möglichkeit hat, es vernünftig zu lernen. Mit anderen Physio-Methoden kann man auch ambulant etwas anfangen (ich mache z.b. ambulant momentan auch kein Schroth und es wird dennoch asymmetrisch und meiner Meinung nach sogar noch individueller gearbeitet, darüberhinaus gibt es ja auch noch Vojta), aber wenn Schroth falsch gemacht wird, dann kann das eher mehr Schaden als Nutzen.
Außerdem achten die niedergelassenen Schroth-Therapeuten mehr auf die groben Ausführungen der Übungen, die Fein-Korrekturen bleiben eher außen vor - zumindest wenn man das im Vergleich mit Sobernheim sieht.

LG
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Re: Skoliose mit 26

Beitrag von Gwen »

Besten Dank euch beiden. Ich sehe, Skoliose und deren Behandlung ist ein komplexes Thema!
Ich habe mir vorgenommen, in diesem Frühjahr zwei Wochen Reha in Bad Salzungen zu machen und Schroth auszuprobieren. Vielleicht hat ja noch jemand Erfahrung mit einer 2-wöchigen Therapie und kann mir berichten? :)
Ja, für Schweizer ist das Angebot tatsächlich günstig! Ich bin aber Studentin, arbeite neben dem Studium 40% und finanziere mich und mein Studium selbst. Daher ist es doch kein kleiner Bazen für mich, da die Kostenübernahme durch meine Krankenkasse auch noch unklar ist. Ich werde aber teilweise auch meine Eltern zur Kasse beten, denn dieses Geld hätten sie auch aufwenden müssen, wenn sie meine Skoliose frühzeitig entdeckt hätten!

PS: Ich findne dieses Forum wirklich toll und danke euch, dass ich hier so gut aufgenommen wurde. Zum ersten Mal bin ich NICHT ALLEINE mit diesem Problem und werde ERNSTGENOMMEN!

Herzlich
Gwen
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Re: Skoliose mit 26

Beitrag von madlen »

gelöscht wegen fünffachem Werbespam
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Stand 2013----74° (ohne mein zutun)
Gut gehalten :)
Therapie: Korsetttherapie abgebrochen,
Reha BaSa 02/03 2014
es war geil und vermiss die Leute echt :) (und die Quälerei^^)
Wohnort: Südpfalz

Re: Skoliose mit 26

Beitrag von Kaffeetrinker »

@ madlen,

Willst du hier Werbung machen oder was?
Erst 4 Beiträge und das 4 mal das gleiche..........Und ausserdem vollkommen fehl am Platze hier.

Gruß
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