Birgit Riethmann hat geschrieben:Die Aussagen deines Arztes stimmen mit denen in Sobernheim (Dr. Weiß)
überein. Die "gefährliche" Phase tritt mit Einsetzen der "Reifungszeichen" ein. Dann könnte es durchaus passieren, daß sich in einem starken Wachstumsschub die Skoliose deutlich verschlechtert. Erst dann sollte über eine Korsettversorgung entschieden werden.
Dann ist es aber schon zu spät für ein Nachtkorsett. Dann muss das Korsett tagsüber getragen werden was ein viel tiefgreifender Einschnitt ist. Wenn es ums Korsett geht, dann wollen alle ein Nachtkorsett, aber keiner ein Ganztagskorsett.
Aus einer Publikation von Dr. Weiß:
[equote="Weiss HR (1995) Standard der Ortheseversorgungen in der Skoliosebehandlung. Med Orth Tech. 115:323-330"]Nach unseren Erfahrungen haben Patienten mit früher Abschulung (Risserstadium 4-5 bei Mädchen) ungünstigere Verläufe als bei Spätabschulungen im Alter von 18-19 Jahren. Diese Erfahrung teilen wir auch mit anderen (RAHMOUNI, 1991). Eine Ursache hierfür könnte sein, dass auch nach Schluss der Epiphysenfuge der Hand und der Darmbeinkante ein signifikantes Wirbelsulenwachstum besteht (HOWELL et al., 1992). Die Autoren geben an, dass das Wirbelsäulenwachstum auch nach Schluss der radiologisch sichtbaren Epiphysenfugen noch weitere 2 Jahre anhält. Diese Untersuchung bestärkt uns darin, die Abschulungsphase zumindest bei Patienten mit nicht überkorrigierten Skoliosen bis zum 18. oder 19. Lebensjahr herauszuschieben.
Will man eine solch lange Korsetttragedauer vermeiden, so muss man die Patienten mit kleineren Cobb-Winkeln eben frühzeitig versorgen. Dies auch mit der Gefahr vielleicht einzelner auch unnötiger Behandlungen. Dieses Konzept wurde auf dem 9. Internationalen Phillip Zorab Symposium in Cambridge von PONTE (1993) vorgestellt. Der genannte Autor hat über die letzten 10 Jahre mehr als 200 Patienten mit Korsetten früh behandelt, wobei das nächtliche Tragen ausreichend war. Allerdings hat er hierzu einen Korrektureffekt von mindestens 60% gefordert. Bei keinem dieser Patienten ist langfristig eine ganztägliche Tragedauer des Korsetts notwendig geworden. Eine solche Nachtversorgung belastet den Patienten nicht wesentlich psychisch und verhindert möglicherweise die Notwendigkeit einer Ganztagestragezeit oder eventuell gar einer Operation. Auch hier finden wir wieder die Notwendigkeit einer ausreichenden Primärkorrektur dokumentiert.[/equote]
Letzteres ist die Patientenfreundlichere Einstellung die er auch schon mal vertreten hat. Beide Aussagen sind richtig aus einem bestimmten Blickwinkel heraus. Was Dr.Weiß dir, Birgit, da gesagt hat, bezieht sich nur auf eine Masse von Patienten - immer wenn von Wahrscheinlichkeiten die Rede ist - und in dieser Masse macht es nichts aus, wenn dann als Konsequenz einer nicht frühzeitig stattgefundenen Nachtkorsett-Versorgung einzelne Patienten dann am Ende operiert werden müssen.
In großen Masse kann es alle möglichen Wahrscheinlichkeiten geben. Für den Einzelnen gibt es aber nur 1 und 0. Daß der Verlauf nicht 100%ig vorhersagbar ist, wenn es um die Versorgung mit einem Nachtkorsett geht, ist klar, denn wäre es so, dann ist man schon längst in einem Bereich, in dem gar nicht mehr nur mit Nachtkorsett versorgt werden kann.
Die Ärzte in Sobernheim haben also nur das gesagt, was sowieso klar ist und nichts was sachlich für eine Entscheidung für oder gegen eine Nachtkorsettversorgung qualifizieren würde; diese Aussage trifft ja schließlich auf ALLE Nachtkorsett-Versorgungen zu.
Meine Meinung zu den beiden Sachlagen:
10-15° (Janas Tochter)
Nur täglich und bei der KG Schroth und Du kannst schon mal eine Reha planen. Außerdem würde ich mir selbst ein Skoliometer zulegen und anfangen regelmäßig Skoliometerwerte zu messen und zu dokumentieren.
18° (Birgits Tochter)
Wenn es meine Tochter wäre, würde ich sie ohne Frage mit einem Nachtkorsett versorgen. Da bräuchte ich keinen Arzt mehr für die Beratung sondern nur noch ein Rezept.
Ganz ehrlich, ich wäre sogar happy, dass genau zum richtigen Zeitpunkt ein Röntgenbild angefertigt wurde, bei dem die Notwendigkeit einer Nachtkorsettversorgung für mich vollkommen außer Frage steht und es außerdem auch noch rechtzeitig ist. Der perfekte Zeitpunkt, nicht zu früh und nicht zu spät.
In Janas Fall wäre ich auch unglücklicher mit einem so ungenauen Ergebnis, zumal ich nicht wüsste, wie es dann beim nächsten Röntgenbild ausschauen wird und ob es dann womöglich schon über 20 Grad sind und ein Nachtkorsett nicht mehr ausreicht. Ich würde aber in dem Fall nur Schroth machen und halt eben Nägel kauen bis zum nächsten Röntgenbild.
Wäre die Aussage 15-20 Grad gewesen, dann hätte ich auch sofort zu einem Nachtkorsett gegriffen.
Dr. Weiß vertritt leider nicht (mehr/immer) die Interessen des einzelnen Patienten sondern... wechselnde?... von???
Bei Dir als Mutter ist das aber ziemlich klar definiert, du vertrittst nur die Interessen einer Patientin, Deiner Tochter, und deswegen gelten hier andere Regeln und Maßstäbe - man nimmt keine vermeidbaren Risiken in Kauf für (aus persönlicher/individueller Sicht) quasi nichts. Und das ist ein Nachtkorsett; NICHTS gegen das, was sonst passiert oder passieren kann.
Bei Jana kann man "leider" nicht so schöne klare Schlüsse ziehen.