Hallo affi, hallo Martin,
so viele Operierte tummeln sich hier nicht

genau.
Aktuell kann ich vieles machen. Von diesen "typischen" Übungen zur Beweglichkeit einer Person habe ich arge Probleme beim
* Strecken nach oben um zB ein Buch vom Regal zu holen - da hilft mir in meiner Küche mit überhohen Schränken ein kleiner Tritt, der immer parat steht
* Aufheben von Dingen, die seitlich neben einem Stuhl liegen
* längeren Heben/Tragen von schweren Lasten
Das ist bei mir auch sehr eingeschränkt, sicherlich durch meine noch längere Versteifungsstrecke (Th3-L5) noch mehr als bei dir.
Sehr schwierig ist für mich auch das Erreichen von Gegenständen vor/unter einem Stuhl. Typische Situation: Man sitzt im Bus, und es fällt etwas herunter. Oder man möchte im Flugzeug sein unter den Vordersitz geschobenes Handgepäck erreichen. Hier kann ich mich nicht nach vorne beugen, sondern muss aufstehen, mich in den Gang knien um den Gegenstand zu erreichen. (Problem hierbei ist weniger das Nachvornebeugen an und für sich. Aus der Hüfte geht da viel. Nur brauche ich nach vorne hin mehr Platz, sodass ich schon längst mit dem Kopf am Vordersitz anstehe, wenn ich noch längst nicht genügend weit nach unten gegriffen habe. "Normalrückenleute" sparen eben Platz, indem der Rücken rund wird.)
Allgemein gilt bei mir: nach unten hin knien statt bücken/ verdreht nach unten greifen, nach oben hin Tritt/Leiter statt strecken, möglichst keine Überkopf-Arbeiten, besser ziehen/rollen statt tragen. Es reicht auch bei der langen Versteifungsstrecke für das selbstständige Zurechtkommen im Haushalt, ich muss allerdings vieles anders und mit mehr Pausen machen. Wohne zwar aktuell mit meinem Partner zusammen, habe aber auch schon mehr als ein Jahr komplett alleine gewohnt - also auch ohne vorbeikommende und mal mit anpackende Eltern, Freunde etc.
Durch die nach oben hin bis Th3 lange Versteifung fällt mir weiterhin schwer:
- nach oben schauen, Kopf in den Nacken legen: geht schon rein mechanisch nicht so weit, zieht bereits stark bevor es gar nicht mehr weiter geht
- Sitzen in Stühlen/SItzen mit Hals-/Kopfstütze: die Vorwölbung der Stütze ist andauernd dort, wo sich mein Kopf befindet und presst ihn runter

Nach Möglichkeit lehne ich mich dann nicht an
- alle Drehungen, z.B. sich im Gespräch einer neben mir sitzenden Person zuwenden. Ich drehe mich dann komplett auf der Sitzfläche herum (inkl. Beine).
Langes Sitzen im Auto - fängt bei mir ca bei 1,5 Stunden an - erzeugt auch heftigen Druck und Verspannungen. Ich wechsel daher oft die Sitzposition und arbeite mit Kissen. Auch bei anderen Gelegenheiten ist starres Sitzen ein Qual und verursacht bei mir starke Schmerzen. Stehen, aber vor allem gehen helfen dann sehr. Nach den 7 Stunden Autofahrt gestern waren wir noch eine Stunde spazieren und ich brauchte abends keine Schmerzmittel.
genauso bei mir

Gleiches gilt für Flugreisen; bin beruflich bedingt Interkontinental-Vielflieger.
Kissen bringen mir allerdings gar nichts. Bei Kissen habe ich persönlich den Eindruck, dass sie mir entweder durch weiches Einsinken Sitzstabilität nehmen, oder den Platz in einem Sitz noch mehr einengen und ich mich dann noch weniger bewegen kann. Und das, obwohl ich klein bin und schlank. Beim Sitzen in Fahrzeugen versuche ich, die Sitzposition zu wechseln, wenn möglich öfter eine Pause machen/ aufstehen, und, für mich ganz wichtig, bei längeren Fahrten/Flügen eher lockere, insbesondere an der Hüfte nicht einengende Kleidung zu tragen. Hosen aus starrem Stoff und mit festem Bund schränken bei mir die Restbeweglichkeit in LWS und Hüfte stark ein und zwingen mich in ungünstige Positionen - also trage ich Hosen mit Gummibund und aus weichem Stoff (kein Jeans). Ich spüre den Unterschied auf Reisen bzgl. Schmerzen und Beweglichkeit je nach Hose deutlich.
Bei Kongressen, Meetings etc. wähle ich, wenn möglich, einen Platz am Rand und stehe öfter auf.
Freizeitbeschäftigungen, die viel Sitzen fast ohne Aufstehmöglichkeit beinhalten, z.B. Kino, meide ich. Es ginge, aber es ist kein Vergnügen, so lange in solchen Sitzen zu verharren.
Allgemein sitze ich viel besser auf einem normalen Stuhl als in Sesseln, geschwungenen "ergonomischen" (für Normalrückenleute ergonomischen) Stühlen oder fahrzeugsitzähnlichen Sitzen (Kino). Stühle die schwingen oder wackeln (Swopper, Schaukelstühle etc.) empfinde ich als anstrengend, weil ich die Schwingungen kaum ausgleichen kann.
Wenn ich auf vieles achte und Dinge entsprechend meiner körperlichen Möglichkeiten mache, kann ich allgemein viel machen. Schwierig (schmerzhaft, sehr anstrengend) wird es, wenn ich an einer Aktivität für altersmäßig typisch leistungsfähige junge Leute teilnehmen soll. Also z.B. bei langen Autofahrten keine Pause dabei ist, auf die Fahrt sofort eine körperliche Aktivität folgt die anstrengender als Gehen ist, oder man mit geringem Komfort übernachtet. (Übel fand ich hier einmal: Eine Kennenlernfahrt für Neulinge in der Arbeit, alle Teilnehmer so 20 - 30 Jahre. Mit dem Bus zum Flughafen, dort in den Billigflieger, nach über 4 Stunden nachts ankommen, und dann noch eine Stunde hin und eine Stunde retour mit Mietwagen fahren um für eine Woche Selbstverpflegung einzukaufen, dann Betten beziehen und Autos für den Ausflug am nächsten Tag beladen. Meine gleichaltrigen Kollegen machten das gut mit, hatten am Ende noch Bock auf Party, ich hatte nach dem Flug das dringende Bedürfnis, mich hinzulegen und hätte an dem Tag nichts mehr außer kurz Spazierengehen gemacht. Privat hätte ich so einen Tag gaaaanz anders verlaufen lassen. Bin echt jemand, der eher die Zähne zusammenbeißt und durchhält, aber da war "Ende Gelände".)
Betrifft natürlich auch Sport und Dinge die gar nicht gingen, klar, aber auch diese Dinge, die bei kleiner Änderung schon besser gingen.
Raven hat ja in verschiedenen Threads auch schon geschrieben, dass sie in der Bahn arge Probleme mit dem Ausbalancieren hat. Das hab ich bisher zum Glück auch noch nicht so sehr. Ich versuche zwar auch mich im Bus hinzusetzen, aber solange ich eine Stange hab, geht es ganz gut.
In wie fern da dann die 4 Wirbel mehr etwas ausmachen würden, kann ich nicht beurteilen.
Es ist bei mir sehr ausgeprägt.
@Martin
Mir fällt es aufgrund der langen Versteifungsstrecke sehr schwer, Bewegungseinwirkungen auf den Körper auszugleichen. Soll heißen: Wenn ich in Bus oder Bahn stehen oder gar gehen muss, habe ich arge Probleme, nicht zu stürzen. Wenn ich mir mit beiden Händen sicheren Halt in Bauchhöhe verschaffen kann, geht es; Festhalten mit nur eine Hand, oder Benutzen der hohen Halteschlaufen führt aber unweigerlich zum Stolpern. Ebenso Aufstehen, während Bus/Bahn noch fährt. Ich stehe daher konsequent erst auf, wenn das Fahrzeug an der Haltestelle sicher steht, egal ob Leute mosern dass ich schon mal früher hätte aufstehen können. Mit dem Laufen zu z.B. der Zugtoilette warte ich, bis die Bahn eine Haltestelle erreicht hat. Notfalls (!) kann ich in einer fahrenden Bahn mit viel Festhalten laufen, aber es ist sehr mühsam und die Wahrscheinlichkeit, zu stolpern oder andere Leute ungewollt anzurempeln, ist groß. Es fällt auf jeden Fall auch anderen auf.
Bei holperigen Strecken halte ich mich auch beim Sitzen fest.
Ich würde mich ja eher als OP-Gegnerin bezeichnen, daher einfach mal die Frage, ob du alle anderen Maßnahmen bereits ausgeschöpft hast?! Und mehr als eine Meinung eingeholt hast?
Das finde ich ganz wichtig!
Obwohl ich mit meinem OP-Ergebnis trotz der Einschränkungen zufrieden bin und in nunmehr fast 20 Jahren mit Versteifung nie etwas bereut habe, finde ich es sehr wichtig, zunächst die konservativen Methoden auszuschöpfen. Meine persönliche Meinung zur Versteifungs-OP ist: Gut, dass es sie gibt, aber schön, wenn man sie nicht benötigt.
Viele Grüße
Raven