Erfahrungsbericht meiner OP mit 32 Jahren 06/2026

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intothevoid
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Erfahrungsbericht meiner OP mit 32 Jahren 06/2026

Beitrag von intothevoid »

Hallo zusammen,

nun etwas mehr als zwei Monate nach meiner Skoliose OP habe ich mich dazu entschlossen, hier für euch mal meine Erfahrungen bezüglich dessen mitzuteilen und wie der aktuelle Stand ist, da zwei Monate einfach noch nichts nach so einer OP sind. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen, schafft Orientierung oder nimmt die Angst.

Kurz zu mir und einer Vorgeschichte:
Ich bin männlich, 32 Jahre alt (in Kürze 33) und komme aus dem Saarland. Klassisch in der Pubertät wurde bei mir im Alter von ca 13 oder 14 eine thorakolumbale linkskonvexe Skoliose festgestellt. Den damaligen Grad der Krümmung kann ich aus dem Kopf nicht mehr sagen, jedenfalls war die Skoliose damals schon sehr auffällig und fortgeschritten, ebenso der Beckenschiefstand links. Warum diese so spät entdeckt wurde, ist nicht mehr erinnerlich. Meine Mutter und ich sind dann bei einem Orthopäden vorstellig geworden, der mich, nun rückblickend betrachtet, eigentlich gar nicht behandelt hat. Damals bekam ich einmal Physiotherapie und später Rehasport verschrieben, eine OP oder gar Therapie nach Schroth wurden nie angesprochen und waren selbst bis vor Kurzem für mich Fremdwörter. Zudem wurde eine Beinlängendifferenz links festgestellt, weswegen ich seither eine Schuherhöhung von 3 cm trug. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass ich als Säugling einen Klumpfuß hatte, welcher klassisch mit einem Gips behandelt wurde. Der Fuß ist heute minimal kürzer und kleiner, aber aber kaum auffällig. Im Kindergarten trug ich laut meiner Mutter orthopädische Schuhe ohne irgendeinen Höhenausgleich. Erst im Zusammenhang mit der Skoliose entwickelte sich (nun rückblickend nach viel Recherche und Gespräche rekonstruierend) die Beinlängendifferenz. Das Ganze habe ich dann seitdem eigentlich nie hinterfragt und so mein Leben gelebt. Ich bin examinierter Altenpfleger (klingt wie ein schlechter Witz, ich weiß) und habe trotz damals schon krasser Skoliose normal am Leben teilgenommen, d.h im Job Patienten transferiert, gehoben, bei Umzügen geholfen, Getränkekästen geschleppt etc. Ich hatte eigentlich keine Schmerzen bzw. habe sie vielleicht auch gar nicht mehr wahrgenommen. Jedes neue Paar Schuhe bedeutete: Ab damit zum orthopädischen Schuhtechniker und eine Schuherhöhung drauf. Rückblickend weiß ich nun, dass die damalige "Behandlung" Unsinn und sogar eher kontraproduktiv war. Eine funktionelle Beinlängendifferenz wird, so wie ich heute weiß, gerade in dem Alter, mit gezielter Therapie der Wirbelsäule und des Beckens behandelt. Ob die Schuherhöhung, die eben Quatsch war, zur weiteren Verkümmerung der Muskeln im Bereich des ohnehin vorhandenen Klumpfußes und der Wade geführt hat und sich alles gegenseitig bedingt hat, kann ich natürlich nicht klar sagen, könnte aus meiner Sicht jedoch plausibel sein.
Letztes Jahr im Sommer dann gingen jedoch erstmals ernste Beschwerden los: Bei längerem Gehen und Stehen entstanden Taubheits- und Kribbelgefühle im linken vorderen Oberschenkel und ich hatte plötzlich akute und starke Schmerzen im LWS-Bereich, die wie aus dem Nichts kamen. Nachts bin ich sogar aufgewacht vor Schmerzen und habe demnach umgehend einen Termin bei meinem Orthopäden gemacht. Dieser ordnete ein MRT an, was dann massive fortgeschrittene degenerative Bandscheibenschäden, Osteochondrose und fortgeschrittene Spondylarthrose (Facettengelenksarthrose) ergab. Zudem waren mehrere Bandscheibenprotusionen (Vorwölbung) vorhanden, die wohl die Taubheitsgefühle erklärten.
Wieder zurück beim Orthopäden sah dieser dann noch immer keinen Handlungsbedarf. Physiotherapie bringe nichts und sei rausgeschmissenes Geld. Ich solle einfach Muskelaufbautraining machen, in jedem guten Fitnessstudio gebe es Personal, das sich mit meiner Problematik auskenne. Zudem sei Kampfsport gut, da dort der ganze Körper zum Einsatz komme. Eine OP komme auf keinen Fall infrage.

Kein Witz, das habe ich dort erlebt und werde diesen Blödsinn wohl nie vergessen. Da ich mich mit dieser "Behandlung" nicht zufrieden gab, holte ich mir eine zweite Meinung ein. Der neue Orthopäde staunte nicht schlecht und schüttelte nur den Kopf und verstand nicht, warum ich nie operiert, geschweige denn, richtig behandelt wurde. Der Ehrlichkeit halber hat er mir gleich gesagt, dass er kein Skoliose-Spezialist sei und verwies mich weiter in eine Klinik im Saarland, wo es eine Wirbelsäulensprechstunde gab. Die Orthopädin dort schüttelte ebenfalls nur den Kopf und brachte erstmals das Thema OP ins Spiel, sollte die Physio, die mir nun endlich verordnet wurde, nicht ausreichend helfen. Zum allerersten mal erhielt ich tatsächlich mal relevante und hilfreiche Infos zu meiner Problematik. Mir wurde das SRH Klinikum Kalsbad-Langensteinbach in Ba-WÜ empfohlen sowie die hinreichend bekannte Katharina-Schroth-Klinik für eine mögliche Reha.


Der Weg zur OP:
Im Februar 2026 stellte ich mich in der o.g Klinik in Ba-Wü schließlich vor. Dort fand eine umfassende Untersuchung statt und vom Chefarzt, der, wie ich auch heute immer wieder nur betonen kann, sehr freundlich war, wurde mir zur OP geraten. Die Prognose ohne OP sei schlecht, Organe werden in Zukunft betroffen sein etc. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits eine Skoliose von ca 80° !
Ich wurde insgesamt sehr umfassend und freundlich aufgeklärt. Am 15.06.2026 sowie am 22.06.2026 sollten dann beide OPs stattfinden.

Die OP(s):
Am 15.06.2026 wurde ich also erstmals operiert. Aufgrund der Schwere der Skoliose waren zwei Eingriffe nötig, zuerst ventral, also von der Seite (bei mir links) wo ein s.g "Release" durchgeführt wurde, was, so wie ich es verstanden habe, bedeutet, dass v.a die degenerierten Bandscheiben entfernt werden, um die Wirbelsäule für den eigenen EIngriff der Begradigung mobilisierbar zu machen. Die OP dauerte auf Nachfrage ca 6-7h und verlief komplikationslos. Unmittelbar nach der OP und ein Tag danach lag ich auf der Intensivstation und war erstmal komplett platt. Schmerzen, kaum beweglich, eine Pleuradrainage, i.v Zugänge und einen Blasenkatheter. Ich wurde am nächsten Morgen auf der Intensivstation direkt von zwei Physiotherapeuten mobilisiert, heißt, an die Bettkante gesetzt, aufgerichtet und ich musste schließlich aufstehen, zwei Schritte vor und zurück gehen, was mir einiges an Kraft abverlangt hat, aber notwendig ist, damit der Körper den sofortigen Impuls bekommt, dass er noch gebraucht wird und nicht in einen "Stand-by"-Modus versetzt wird. An Tag 2 wurde ich dann zurück auf Normalstation verlegt. Ich sag's frei raus und ehrlich wie es ist: V.a die ersten drei Tage nach der OP waren die Hölle. Schmerzen, die Bewegungslosigkeit und Hilfsbedürftigkeit haben mir auch mental zu schaffen gemacht. Ich konnte mich nie so hinlegen, wie ich gerne würde, da die Schmerzen, v.a links, wo der Schnitt war und die Drainage lag, einfach zu stark waren. Die ersten paar Tage hatte ich kaum Kraft, mich selbst umzulagern. Ab Tag 4 ca ging es mir spürbar besser, ich habe mich an der Bettkante sitzend erstmals etwas gewaschen und am Oberkörper angekleidet. Bücken, geschweige denn, Strümpfe oder Schuhe anziehen, war Welten entfernt und unmöglich zu dem Zeitpunkt. Die ganze restliche Woche ging ich kurze Strecken am Rollator und war am Sonntag, also am Tag vor der zweiten OP wieder recht mobil. Die Drainage wurde mir am Donnerstag, also an Tag 4 gezogen. Dies fühlte sich wie eine echte Erleichterung an, denn ein Schlauch mit derartigem Umfang war echt störend und schmerzhaft je nach Bewegung.
Die zweite OP stand dann am nächsten Tag an. Dauer ca 8h und ebenfalls komplikationsloser Verlauf. Die Skoliose konnte von ca 80° auf ca 30°runterkorrigiert werden und ist laut Chefarzt sehr gut ausbalanciert. Im betreffenden Abschnitt sind nun Titan-Schrauben und Stäbe. Der Wirbelabschnitt Th8-LW5 sind versteift, also nicht wenig. Die Tage danach gestalteten sich noch anstrengender und schwieriger als nach der ersten OP. Wieder ein mentales Tief, Schmerzen, Bewegungslosigkeit und ebenfalls starker Appetittmangel, gepaart mit den üblichen Begleiterscheinungen wie starke Darmträgheit und Abführproblemen. Jedes Husten, Niesen oder z.B der Versuch mal Darmwinde abzulassen (Letzteres ging quasi nicht) tat im gesamten Thorax ziemlich weh. Ich hatte Glück, dass ich nach der zweiten OP genau die Woche getroffen hatte, in der es deutschlandweit zu den Höchsttemperaturen gekommen war, also bis zu 40°. Wie wir alle wissen, ist es im 3. Welt-Land Deutschland noch immer nicht üblich bzw. der Standard, Klimaanlagen im Krankenhaus zu haben. Die Hitze war demnach kaum auszuhalten und ein echter Faktor, der die Genesung und das Wohlbefinden nachhaltig negativ beeinflusst hat. Wenn man dann noch auf Schläuchen, Drainagen und Verbänden liegt, dreht man dabei fast durch. Das ist aber keinesfalls die Schuld des Pflegepersonals oder der Ärzte, sondern ein strukturelles Problem. An Tag 5 wurden dann die beiden Drainagen, die im Rücken rechts und links waren (neue Drainagen) entfernt, was erneut sehr erleichternd war. In der Woche wurde ich dann am Samstag entlassen und von meiner Freundin ca 2h zurück ins Saarland per Auto transportiert. Seither gilt laut Entlassungsbericht:
"Für die nächsten 12 Wochen keine enggradigen und ruckartigen Rotations-, Inklinations- und Reklinationsbewegungen. Nicht Schweres heben und tragen, Gerätetraining sollte vermieden werden."

Die Zeit danach:
Direkt nach Ankunft zu Hause merkte ich, wie schnell es mir besser ging. Die vertraute Umgebung, das eigene Bett und WC wirken sich wirklich enorm auf die psychische Bewältigungskraft aus. Die erste Woche nach der OP war ich noch deutlich eingeschränkt, konnte den Oberkörper kaum bzw. nahezu nicht nach vorne beugen, weswegen ich u.a Hilfe beim Duschen und Haarewaschen brauchte. Strümpfe und Schuhe anziehen ging ebenfalls noch nicht. Ich brauchte Hilfe beim Aufstehen aus dem Bett und aus dem Auto, Positionswechsel im Bett (v.a auf die linke Seite, wo die Narbe vom ersten Eingriff ist) gelangen sehr verlangsamt, mit Schmerzen und großer Mühe. Gehen war ebenfalls schwierig, anstrengend und verlangsamt und der Sicherheit halber am Rollator möglich. Hier sei anzumerken, dass ich nun erstmals bewusst ohne Schuherhöhung ging. Der Physiotherapeut in der Klinik, der mich täglich aufsuchte und gut betreut hat, erklärte mir, dass die Wirbelsäule nun im Vergleich zwar einigermaßen gerade sei und das Becken nun ebenfalls gerade ist (1,7 cm Beckenschiefstand links auf 0,5 cm korrigiert), die Weichteile im Bereich des Beckens, also Muskeln, Sehnen und Bänder jedoch noch immer in der alten, "falschen" Position verharren, zu der sie sich die letzten 17-18 Jahre angepasst hatten. Somit waren die Beine nach der OP eben nicht direkt "gleich lang" (sind sie ja ohnehin, aber ihr wisst, was ich meine), sondern das ganze sei nun ein langer Prozess durch Umgewöhnung und Training. Demnach gehe ich seither ganz bewusst ohne Schuherhöhung links. Wenige Tage vor der Entlassung habe ich mir schnell noch online Schuhe bestellt, da ich, wie ihr euch vorstellen könnt, natürlich kein einziges Paar Schuhe ohne Erhöhung hatte. Die Erhöhungen meiner bisherigen Schuhe kommen die nächste Zeit nun alle nacheinander runter.
Nach ca zwei Wochen war kein Rollator mehr nötig. Ich würde behaupten, in den ersten drei Wochen post-op die größten Sprünge gemacht zu haben. Der Hilfebedarf beim Duschen und beim Strümpfe/Schuhe Anziehen entfiel recht schnell, außerdem verbesserte sich die Thoraxbeweglichkeit ganz gut. Trotzdem ist Bücken seitdem nur durch Kniebeugenbewegungen möglich, also in die Hocke gehen und den Rücken gerade halten. Generell mache ich eigentlich alles aus den Beinen. Aufgrund der Versteifung geht ein "rundes und krummes" Bücken sowieso nicht mehr. Physiotherapie erhalte ich seit Woche 1 nach der OP, was natürlich sehr hilfreich ist. Für mich wird nun der Hüftbeuger besonders wichtig und relevant, um Ausgleichsbewegungen zu erlernen, die den versteiften WS-Abschnitt kompensieren. Permanente Verspannungsgefühle und muskelkaterähnliche Empfindungen im Rücken, besonders im LWS-Bereich Schmerzen bei Belastung. Die ersten zwei Wochen tat mir sogar das T-Shirt auf dem Bauch weh,der Bauch fühlte sich an wie winzig kleine Nadelstiche, aber wenn man bedenkt, dass durch die OP und Aufrichtung der Wirbelsäule eben auch das Gewebe "gezogen" und etwas gestrafft wird, macht es Sinn.

Ein kleiner Sprung zu heute, also etwas über zwei Monate später: Das Gehen funktioniert mittlerweile recht gut und ich kann ohne Hilfsmittel mehrere Kilometer gehen. Das Gehen ohne Schuherhöhung fühlt sich nicht mehr ganz so merkwürdig und falsch an, ich denke, das Gehirn speichert dies allmählich als den neuen Standard ab. Die letzten 18 Jahre war eben ein fälschlicherweise von "unten" (Schuherhöhung( korrigiertes Gangbild etabliert und mit der Schuherhöhung hatte der Körper eben auch keinen Reiz, sich überhaupt anzustrengen oder anzupassen.
Ich konzentriere mich oft noch drauf, die linke Ferse abzurollen und gleichmäßig zu gehen. Meine Physiotherapeuten meinen, das Gehen sieht mittlerweile echt gut aus! Positionswechsel, Transfers und Aufstehen gelingen ohne Hilfe in mittlerweile "normalem" Tempo, jedoch habe ich bis heute aktuell immer noch leichte Schmerzen je nach Bewegung, aber das wird wohl die nächste Zeit noch so gehen und ist nicht vermeidbar.
Strümpfe und Schuhe ziehe ich an, indem ich ein Bein über das andere lege. Leichte Sachen kann ich tragen und da nun sogar einseitig rechts! Die rechte Körperhälfte war in meinem Fall ja verkürzt und verkümmert, weswegen ich dort nie etwas tragen konnte, es fühlte sich komisch und schmerzhaft an. Macht im Nachhinein betrachtet auch Sinn. Nun geht es plötzlich und fühlt sich ganz anders und besser an!
Außerdem sind die Taubheitsgefühle komplett verschwunden. Auch nach längerem Gehen tritt keine Taubheit mehr auf, diesen Erfolg konnte ich quasi wirklich direkt ab Tag 1 nach der OP feststellen. Schmerzen sind wie o.g natürlich noch immer ein Thema, je nach Tagesform mal mehr, mal weniger. V.a rechts fühlt es sich oft an die starker Muskelkater und Verspannunsgefühle, aber mein Körper wurde ja auch einmal komplett ummodeliert und umgebaut. Ich spüre Muskeln und Weichteile, die ich vorher nie gespürt habe bzw. die verkümmert und verkürzt waren.
Ich mache zu Hause fleissig meine Übungen, auch speziell endlich mal für den ehemaligen Klumpfuß, der hinsichtlich der funktionellen Beinlängendifferenz vielleicht die einzig kleine strukturelle Komponente ist und quasi das Ende der ganzen Kette darstellt. So oder so, wird sich die nächsten Monate bzw. das nächste Jahr zeigen, in wie weit, sich die Beinlängendifferenz korrigiert und was wirklich muskulär und was strukturell ist. Jedenfalls kommt es mir selbst jetzt schon vor, als sei es tatsächlich etwas besser und meine linke Ferse kommt beim Stehen, wenn beide Knie durchgedrückt sind, minimal mehr zu Boden. Es ist eben ein sehr langer Prozess und 18 Jahre Fehlstatik, falsche Gewohnheiten und de facto keine wirkliche Behandlung lassen sich nicht in zwei Monaten korrigieren. Als netter Nebeneffekt bin ich nun ca 3-4 cm größer nach der OP.


An dieser Stelle mal bis hierhin, ich glaube, der Bericht ist lange genug. :P
Ich bin aktuell weiterhin krankgeschrieben und wann eine Wiedereingliederung in den Job möglich ist, ist noch nicht klar. Und achja, als Pflegefachkraft im Heim oder in der Klinik arbeite ich schon seit drei Jahren nicht mehr, jedoch weiterhin im Gesundheitswesen ohne körperliche Anstrengung. Gott sei Dank, denn in die Pflege kann ich spätestens jetzt nicht mehr zurück (zumindest in den somatischen Bereich).
Alles in allem würde ich sagen, haben sich die OPs selbst zum jetzigen, immer noch recht frühen Zeitpunkt ausgezahlt und ich bin sehr dankbar, dass alles gut verlaufen ist und die OP trotz meines "fortgeschrittenen" Alters noch möglich war, wenn man bedenkt, dass man solche OPs normalerweise schon in der Pubertät durchführt. Für mich beginnt damit quasi ein neues Leben und eine neue Chance, was ich daraus mache bzw. das ganze mögliche Potenzial liegt eben (auch) bei mir, weswegen die OP so denke ich, allenfalls einer von mehreren Bausteinen ist im Zusammenhang mit Eigenverantwortung, Training und Physio. Das wird ein lebenslanger Prozess bleiben.
Am 23.09.2026 habe ich in der Klinik nochmal einen Kontrolltermin. Dann sind schon drei Monate rum.

Bei Interesse darf man mir gerne jederzeit eine PN schicken, egal ob Fragen, Feedback o.ä, bin für jeden Kontakt offen!


Liebe Grüße
Tim
intothevoid
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Re: Erfahrungsbericht meiner OP mit 32 Jahren 06/2026

Beitrag von intothevoid »

Nachtrag bzw. Ergänzung, was mir nun hinterher noch eingefallen ist und ich für erwähnenswert halte:

- Ca die ersten zwei bis vier Wochen musste ich immer wieder die Position wechseln und hatte auch noch ein vermehrtes Liegebedürfnis. Lange Sitzen fiel schwer, ebenso langes Stehen. Musste mich daher oft hinlegen. Mittlerweile ist das nahezu vollständig Geschichte, ich kann quasi unbegrenzt aufbleiben, nur selten, wenn tagsüber mal viel anstand, gibt es ausnahmsweise mal noch Momente, wo ich mich kurz hinlegen und ausruhen muss.

- Außerdem bestehen bis heute noch Taubheitsgefühle im Bereich des Rückens entlang der ganzen Narbe, die von unmittelbar oberhalb des Pos bis ca zur Mitte zwischen den Schulterblätter reicht. Die Taubheitsgefühle waren zu Beginn natürlich enorm, nehmen auch jetzt weiterhin ab, wenn auch echt langsam und zäh. Die Narbe wird seit der Entfernung der Klammern ca 14 Tage post-op mit Narbensalbe versorgt und sieht mittlerweile sehr gut aus und ist am verblassen.

- Upgrade bezüglich der Körperpflege: Jeder kennt die Bewegung, die man mit seinem Oberkörper und den Händen macht, wenn man sich über das Waschbecken beugt, um sich Wasser ins Gesicht zu tun. Bis heute ist das tatsächlich noch immer nicht komplett möglich, da sich der Thorax aktuell (noch) nicht ausreichend beugen oder "biegen" lässt. Gerade die erste Zeit habe ich mir daher quasi immer mit einer Sprühflasche Wasser ins Gesicht gespritzt, um frisch zu sein. Not macht eben erfinderisch. Mittlerweile geht es jedoch FAST wieder, es fehlt nicht mehr viel und ich kann mir wieder auf normalem Weg Wasser ins Gesicht "werfen".

- Gerade die ersten paar Wochen spielt das ganze Körpergefühl verrückt und ist der unzuverlässigste Indikator, wenn man wissen will, was bei einem selbst abgeht. Schmerzen entstehen an der einen Stelle, verschwinden eine Woche später und dafür tauchen neue Schmerzen an einer anderen Stelle auf. Ein Hin und Her und sehr tagsesformabhängig. Mittlerweile hat es sich eingependelt und spielt nicht mehr so verrückt, die noch dezenten Schmerzen sind eher dezent und gleichbleibend was Lokalisation und Qualität anbelangt.

- Mein Oberkörper sieht radikal anders aus. Da die Skoliose so krass stark linksbetont war, war die rechte Körperseite bei mir wie "eingefallen" und oberhalb der Hüfte hatte ich einen auffallenden "Knick" im Gewebe. Dieser Knick ist nun weg, der ganze Oberkörper wirkt insgesamt etwas länger und schlanker, was Sinn macht, wenn man sich vorstellt, wie das ganze Gewebe durch die Aufrichtung und "Verlängerung" der Wirbelsäule strafft und neu ausrichtet. Gerade dieser Anpassungsprozess braucht Zeit und verursacht eben (auch) Schmerzen. Ich denke, ich spüre Muskeln, die ich zuvor noch nie gespürt habe bzw. die längst verkümmert waren. Auf Wunsch gibt's gerne Fotos, sofern hier möglich und erlaubt.

- Titan-Schrauben und Stäbe verweilen im Körper und werden nicht entfernt. Bei Entlassung erhält man einen Implantatausweis.
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eric
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Diagnose: Zustand nach Scheuermann
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Bandscheiben-OP in HWS
Therapie: Korsett mit Halsteil von Rahmouni
Vorab schon einige andere Korsetts
-zur Schmerzreduktion
Wohnort: Baumholder

Re: Erfahrungsbericht meiner OP mit 32 Jahren 06/2026

Beitrag von eric »

Hallo Tim,
Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht.
Bist du auch größer geworden durch die OP?
Grüße aus dem benachbarten RLP.
Eric
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