Kyphose-Korsett seit Mitte Dezember
Verfasst: Mo, 10.01.2011 - 12:44
Hallo ihr,
seit Mitte Dezember hat mein Sohn (15) nun sein Korsett (Münsteraner-Kyphose-Orthese), nennt es "liebevoll" "meine Plastikhölle"...
Diagnosen sind Kyphose 65 Grad (keine Scheuermann-Zeichen), leichte Skoliose im BWS/LWS-Bereich, Hyperlordose, erste Verknöcherungen (Schatten auf den Röntgenbildern), erste Deckplattenschäden.
Der Rücken hat sich im letzten halben Jahr zunehmend verkrümmt, im November war der erste Untersuchungs-Termin in der Uniklinik Köln mit der Aussage, dass man vermutet, dass ein Korsett nicht soooo viel bringt, eigentlich eine OP mit "kompletter" Wirbelsäulenversteifung angebracht wäre, wollte aber dann doch noch mal Rücksprache mit dem Professor nehmen, zudem bestand ich auf "wenigstens versuchen".
Es kam dann auch direkt das Okay, dass ein Korsett notwendig sei, nochmal mit dem Hinweis, dass wir keine Wunder erwarten sollen, wir sind aber schon froh, wenn es sich nicht weiter verschlimmert und wir zumindest eine gewisse Aufrichtung erwarten können, die OP evtl. vermieden werden kann (zuvor würden wir sowieso eine Zweitmeinung einholen) bzw. weit ins Erwachsenenalter geschoben werden kann, zumal mein Sohn kaum Schmerzen hat und wenn dann eher dadurch, dass die Muskulatur durch die Fehlhaltung verspannt ist. Das Korsett trägt er nun rund um die Uhr.
Er bekommt seit Babyzeiten Krankengymnastik, die im Moment auch 2 x wöchentlich in der Praxis durchgeführt wird, bzw. zuhause macht er natürlich auch seine Übungen zum Muskelaufbau, für die Haltung etc., zudem 1 x wöchentlich Ergotherapie.
Eine Verordnung wie spezielle Schroth-KG (macht ja nicht jede KG-Praxis, wir sind mit unserer aber sehr zufrieden, da sehr differenziert und intensiv gearbeitet wird) hat er nicht, ist auch ein bißchen schwierig, da ja nicht alles immer so vor Ort liegt und wir bei ihm auch darauf achten müssen, ihn allgemein nicht zu überlasten. Er ist Asperger-Autist, hat zudem ADHS, braucht in vielen Bereichen Unterstützung, ist in Pflegestufe 2, so können wir also nicht noch stapelweise Therapien/Termine aufpacken. Auch sein Bruder, 11 Jahre, ist autistisch (High-Functioning-Autismus), ebenfalls ADHS, ebenfalls Pflegestufe 2 und so ist der Alltag gut gefüllt und für beide Jungs ist der Alltag sowieso schon nicht ganz einfach.
Das "Annehmen" des Korsetts war im Vorfeld nicht ganz so einfach, da es aber keine wirklichen Alternativen gibt und die Aussicht auf evtl. Aufrichtung/Verschlimmerung vermeiden ja besteht, trägt er es nun rund um die Uhr. Sein Korsett ist von der Firma Rahm in Köln (Filiale in der Uni), wurde letzte Woche nochmal nachkorrigiert und sitzt nun wirklich prima, entlastet ihn auch. Ein bißchen Probleme machen uns aber eine Druckstelle an der BWS, die Wirbel bilden dort einen kleinen Buckel und trotz "Polsterung" des Korsetts und PC30V ist die Haut dort immer gereizt, "trocken", schorfig, häufig ist der Bereich auch blau-rot, wie ein Hämatom. Wir haben auch Franzbranntwein versucht, es hilft zwar gut gegen die Schmerzen an der Stelle, trocknet die Haut dort aber noch mehr aus. Am Bauch sind großflächig, teils juckende, "Hitzepöckchen", momentan versuchen wir es da mit Zinksalbe.
Da er sehr schlank ist, ist es auch nicht ganz so einfach, eng anliegende Unterwäsche zu finden und vor allem vor dem Sommer haben wir doch ein bißchen Respekt...
Beim Korsett-anlegen braucht er Hilfe, duscht momentan 2-3 mal täglich den Schweiß ab (er ist sehr wärmeempfindlich, schwitzt schnell, hat ja sowieso Wahrnehmungsprobleme), wir schauen dann, dass er das Korsett natürlich erst wieder anzieht, wenn die Haut richtig trocken ist, kühlen die Druckstelle(n), cremen sie ein, helfen ihm dann wieder ins Korsett.
Momentan haben wir ein bißchen Bedenken, da die Haut sowieso schon gereizt ist, dann auch noch mehrmals täglich abduschen, aber mit dem Schwitzen, bzw. "mir ist heiß", geht es halt nicht anders.
Wie macht ihr das und vor allem im Sommer?
In der Schule ist er vom Sportunterricht befreit, da er laut Orthopäde weder stürzen, noch springen, noch mit jemandem zusammenstoßen darf, die Gefahr von Verletzungen der vorgeschädigten Wirbelsäule ist zu groß. Das stört meinen Sohn nicht... er ist motorisch unbeholfen und mag (auch aufgrunde der unstrukturierten Situation, lauten Umgebung) sowieso keinen Sport, geht lieber spazieren o.ä., wie gesagt macht er aber gewissenhaft seine KG-Übungen und ist sich auch bewußt, dass der Muskelaufbau wichtig ist.
Schulbücher bekommt er nun als zweiten Satz, damit er sie nicht täglich hin- und herschleppen muss (geht zu Fuß zur Schule).
Vielleicht hat der/die ein oder andere ja Lust ein bißchen von seinen Erfahrungen zu berichten.
Liebe Grüße von
anista
seit Mitte Dezember hat mein Sohn (15) nun sein Korsett (Münsteraner-Kyphose-Orthese), nennt es "liebevoll" "meine Plastikhölle"...
Diagnosen sind Kyphose 65 Grad (keine Scheuermann-Zeichen), leichte Skoliose im BWS/LWS-Bereich, Hyperlordose, erste Verknöcherungen (Schatten auf den Röntgenbildern), erste Deckplattenschäden.
Der Rücken hat sich im letzten halben Jahr zunehmend verkrümmt, im November war der erste Untersuchungs-Termin in der Uniklinik Köln mit der Aussage, dass man vermutet, dass ein Korsett nicht soooo viel bringt, eigentlich eine OP mit "kompletter" Wirbelsäulenversteifung angebracht wäre, wollte aber dann doch noch mal Rücksprache mit dem Professor nehmen, zudem bestand ich auf "wenigstens versuchen".
Es kam dann auch direkt das Okay, dass ein Korsett notwendig sei, nochmal mit dem Hinweis, dass wir keine Wunder erwarten sollen, wir sind aber schon froh, wenn es sich nicht weiter verschlimmert und wir zumindest eine gewisse Aufrichtung erwarten können, die OP evtl. vermieden werden kann (zuvor würden wir sowieso eine Zweitmeinung einholen) bzw. weit ins Erwachsenenalter geschoben werden kann, zumal mein Sohn kaum Schmerzen hat und wenn dann eher dadurch, dass die Muskulatur durch die Fehlhaltung verspannt ist. Das Korsett trägt er nun rund um die Uhr.
Er bekommt seit Babyzeiten Krankengymnastik, die im Moment auch 2 x wöchentlich in der Praxis durchgeführt wird, bzw. zuhause macht er natürlich auch seine Übungen zum Muskelaufbau, für die Haltung etc., zudem 1 x wöchentlich Ergotherapie.
Eine Verordnung wie spezielle Schroth-KG (macht ja nicht jede KG-Praxis, wir sind mit unserer aber sehr zufrieden, da sehr differenziert und intensiv gearbeitet wird) hat er nicht, ist auch ein bißchen schwierig, da ja nicht alles immer so vor Ort liegt und wir bei ihm auch darauf achten müssen, ihn allgemein nicht zu überlasten. Er ist Asperger-Autist, hat zudem ADHS, braucht in vielen Bereichen Unterstützung, ist in Pflegestufe 2, so können wir also nicht noch stapelweise Therapien/Termine aufpacken. Auch sein Bruder, 11 Jahre, ist autistisch (High-Functioning-Autismus), ebenfalls ADHS, ebenfalls Pflegestufe 2 und so ist der Alltag gut gefüllt und für beide Jungs ist der Alltag sowieso schon nicht ganz einfach.
Das "Annehmen" des Korsetts war im Vorfeld nicht ganz so einfach, da es aber keine wirklichen Alternativen gibt und die Aussicht auf evtl. Aufrichtung/Verschlimmerung vermeiden ja besteht, trägt er es nun rund um die Uhr. Sein Korsett ist von der Firma Rahm in Köln (Filiale in der Uni), wurde letzte Woche nochmal nachkorrigiert und sitzt nun wirklich prima, entlastet ihn auch. Ein bißchen Probleme machen uns aber eine Druckstelle an der BWS, die Wirbel bilden dort einen kleinen Buckel und trotz "Polsterung" des Korsetts und PC30V ist die Haut dort immer gereizt, "trocken", schorfig, häufig ist der Bereich auch blau-rot, wie ein Hämatom. Wir haben auch Franzbranntwein versucht, es hilft zwar gut gegen die Schmerzen an der Stelle, trocknet die Haut dort aber noch mehr aus. Am Bauch sind großflächig, teils juckende, "Hitzepöckchen", momentan versuchen wir es da mit Zinksalbe.
Da er sehr schlank ist, ist es auch nicht ganz so einfach, eng anliegende Unterwäsche zu finden und vor allem vor dem Sommer haben wir doch ein bißchen Respekt...
Beim Korsett-anlegen braucht er Hilfe, duscht momentan 2-3 mal täglich den Schweiß ab (er ist sehr wärmeempfindlich, schwitzt schnell, hat ja sowieso Wahrnehmungsprobleme), wir schauen dann, dass er das Korsett natürlich erst wieder anzieht, wenn die Haut richtig trocken ist, kühlen die Druckstelle(n), cremen sie ein, helfen ihm dann wieder ins Korsett.
Momentan haben wir ein bißchen Bedenken, da die Haut sowieso schon gereizt ist, dann auch noch mehrmals täglich abduschen, aber mit dem Schwitzen, bzw. "mir ist heiß", geht es halt nicht anders.
Wie macht ihr das und vor allem im Sommer?
In der Schule ist er vom Sportunterricht befreit, da er laut Orthopäde weder stürzen, noch springen, noch mit jemandem zusammenstoßen darf, die Gefahr von Verletzungen der vorgeschädigten Wirbelsäule ist zu groß. Das stört meinen Sohn nicht... er ist motorisch unbeholfen und mag (auch aufgrunde der unstrukturierten Situation, lauten Umgebung) sowieso keinen Sport, geht lieber spazieren o.ä., wie gesagt macht er aber gewissenhaft seine KG-Übungen und ist sich auch bewußt, dass der Muskelaufbau wichtig ist.
Schulbücher bekommt er nun als zweiten Satz, damit er sie nicht täglich hin- und herschleppen muss (geht zu Fuß zur Schule).
Vielleicht hat der/die ein oder andere ja Lust ein bißchen von seinen Erfahrungen zu berichten.
Liebe Grüße von
anista