Atypische Scheuerfrau sucht Leidensgenossen...

Hier kann sich jeder, der möchte, kurz vorstellen und was über sich, seine Diagnose und/oder Therapie schreiben.
NUR VORSTELLUNG- KEINE FRAGEN!
Antworten
Benutzeravatar
Lego66
Profi
Profi
Beiträge: 1043
Registriert: Sa, 16.11.2013 - 18:55
Geschlecht: weiblich
Diagnose: Atypischer, thorakolumbaler Scheuermann
Flachrücken, weitg. fixiert
BS-Vorfälle HWS u. LWS
Osteochondrose
Retrolysthese
multiple Blockaden
Therapie: MT, KG, Osteo.
1.Korsett 5/12, Rahmouni
2.Kors. 8/13, Rahmouni
3.Kors. 12/14, mit Halsteil
4.Kors. 3/16, 2-Schaliges Rahmouni mit Halsteil

Atypische Scheuerfrau sucht Leidensgenossen...

Beitrag von Lego66 »

Also, dann will ich mich nach zwei Jahren des bloßen Rumstöberns im Forum endlich mal vorstellen:

Mit 15, also vor 32 Jahren, habe ich meine Diagnose "Scheuermann mit begleitender Skoliose" das erste Mal bekommen.
Ich hattte damals schon monatelang so starke Schmerzen in LWS und BWS, dass ich kaum noch regelmäßig zur Schule gehen konnte. Ich konnte weder sitzen noch stehen noch am Schulsport teilnehmen und war in meiner Beweglichkeit stark eingeschränkt. Eigentlich bin ich eine echte Frohnatur, aber damals hatte ich das Gefühl ich gehe durch einen langen, dunklen Tunnel der nicht enden will. Der Einfachheit halber wurde ich von den meisten Lehrern schnell als Schulschwänzer/Simulant gebrandmarkt. Auch wenn mein damaliger Orthopäde eine wirksame Therapie betreffend völlig überfordert war, hat mich sein Attest dann doch zumindest vor dem Sitzenbleiben bewahrt.

Was die Diagnose eigentlich genau bedeutet habe ich damals nicht erfahren. Wohl aber das erste Mal die fatale Fehleinschätzung, dass es bei mir ja "eigentlich gar nicht so schlimm aussieht... gar kein runder Rücken... eigentlich sogar eher flach... sehr flach. Und dann so starke Schmerzen... das ist ja eher untypisch". So etwas hatte er noch nie gesehen.
Gut. Ich war 15! :rolleyes: Ich hatte Vertrauen zu diesem Orthopäden. Ich habe verschiedene Therapien probiert, alles ohne Erfolg. Und dann habe ich die zwei oder drei Jahre die Zähne zusammen gebissen und habe gewartet, dass es besser wird.
Es wurde in der Tat besser. Aber es wurde nie mehr gut. Ich habe mich über die Jahre an das Leben mit ständigen Schmerzen gewöhnt. Wenn es mir gerade einigermaßen gut ging, habe ich Sport gemacht. Wenn nicht, habe ich mich verkrochen, damit es keiner merkt. Schließlich hatte ich im Ohr, dass es bei mir ja nicht so schlimm sei. Und kaum ging es mir wieder etwas besser, habe ich das Tief verdrängt und alles verharmlost.

Mit 26 ist mir dann einer in das stehende Auto gerast. Als Folge hatte ich zum ersten Mal schwere, sehr lang andauernde Blockaden in HWS und BWS. Die Schmerzen übertrafen alles was ich bis dahin kannte. Ich habe 5 Monate lang nur gelegen (davon 5 Wochen im Krankenhaus). Ich war kaum in der Lage ein Wasserglas zu halten oder mich auf die Seite zu drehen und einatmen tat höllisch weh. Der blanke Horror. Ständig Spritzen in den Rücken, Infusionen mit Muskelentspannungs- und Schmerzmitteln. Warten auf den Tag, an dem es mir gelingt die Visite davon zu überzeugen, dass es mir besser geht, damit man mich endlich entlässt. Ich habe mich gefühlt wie eine steinalte Frau.
Dann die ersten Versuche herauszufinden, welche Therapie mir hilft. Manuelle Therapie, Schlingentisch und Osteopatie brachten ganz allmählich Besserung. Nach der Wiedereingliederung in den Job hat man mir dann gekündigt. Die Blockaden sind seitdem mein ständiger Begleiter. Und damit auch die Physiotherapeuten und Voltaren als einzige Chance möglichst schnell den Kreislauf aus Schmerz und Verspannung zu durchbrechen. Ich wollte schließlich nicht nochmal den Job verlieren.

Seither hatte ich viele dieser düsteren Phasen, während denen zu den alltäglichen Schmerzen neue dazu kamen. Und jede war schlimmer als die Vorherige. Mit Anfang 40 wurden dann noch nach einander drei Bandscheibenvorfälle in HWS und LWS und ein Gleitwirbel diagnostiziert.

Vor zwei Jahren dann wieder so eine Phase. Zu der Zeit lebten wir gerade in China. Nachdem mir meine Kinder mal wieder aus dem Bett helfen und mich anziehen mussten, fing ich an, mir im Internet ein genaueres Bild über meine Diagnose zu machen. Und so bin ich auch auf das Forum gestoßen. Ich habe hier mehr erfahren und gelernt als bei all den Arztbesuchen in den dreißig Jahren davor. Auch wenn ich noch keinen gefunden habe, der genau meine Diagnose hat.
Im Mai 2012 hatte ich dann einen Termin bei Dr. Hoffmann. Er hat die WS und die Hüfte geröngt (noch schnell eine Dysplasie entdeckt), mich gründlich untersucht und befragt. Die Diagnose hat sich mal wieder bestätigt, jedoch hat Dr. Hoffmann als erster all die Symptome nicht als sonderbare Anhäufung von Pech sondern als Auswirkungen dieser einen Diagnose betrachtet. Nach kurzer Besprechung der Therapiemöglichkeiten fand ich mich im Shuttle zu Herrn Rahmouni wieder, um für ein Korsett eingegipst zu werden. Auch wenn ich mich natürlich als Forumsbesucher theoretisch mit der Möglichkeit auseinander gesetzt hatte, war ich geschockt. Theoretisch hatte ich beschlossen, alles zu versuchen um bloß die Schmerzen zu lindern. Aber war das jetzt DIE Lösung? Das Korsett solle mich stabilisieren und entlasten und auf die Art die Schmerzen minimieren. Das hörte sich logisch an.

Inzwischen habe ich das zweite Rahmouni-Korsett, das das Becken noch besser stabilisiert. Die Blockaden in dem Bereich, wo das Korsett wirken kann, sind deutlich zurückgegangen und sind nicht mehr annähernd so schmerzhaft. Auch die durch Osteochondrose ausgelösten Schmerzen in BWS und LWS sind deutlich weniger geworden. Leider habe ich immer noch starke Schmerzen in der oberen BWS und der HWS, wo das Korsett nicht hinkommt. Und inzwischen weiß ich auch, dass die Blockaden im 2. Brustwirbel verantwortlich sind für meine heftigen Herz-Rythmus-Störungen. Aber da hoffe ich, dass das inzwischen gut geschnürte Paket aus Osteopatie, MT und KG noch etwas verbessern kann.
Insgesamt geht es mir seit dem Korsett wesentlich besser als davor, auch wenn es mich natürlich einschränkt. Die Reklination macht einige Bewegungen schlicht unmöglich. Die Hitze im Sommer ist kein Vergnügen und ich habe ein halbes Jahr gebraucht bis ich im Korsett durchschlafen konnte. Aber ich bin endlich wieder einigermaßen belastbar und mein "Radius" ist wieder größer. Ich kann wieder mit meinen Töchtern shoppen oder ins Museum gehen ohne es schon nach 10 Minuten zu bereuen.
Also werde ich auch weiterhin regelmäßig zu Herrn Rahmouni nach Stuttgart fliegen (ist aus Norddeutschland billiger als Bahnfahren) und auf den Tag warten, an dem Dr. Hoffmann das Startsignal gibt für ein wenig Muskelaufbau und eine verringerte Tragezeit.

Sorry, so viel wollte ich gar nicht schreiben. Demnächst fasse ich mich kürzer, versprochen!
Benutzeravatar
Klaus
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 15278
Registriert: Mi, 23.06.2004 - 18:36
Geschlecht: männlich
Wohnort: Hannover

Re: Atypische Scheuerfrau sucht Leidensgenossen...

Beitrag von Klaus »

Hallo Lego66,

willkommen im Forum.
Sorry, so viel wollte ich gar nicht schreiben. Demnächst fasse ich mich kürzer, versprochen!
Was mir auffällt, dass ich trotzdem hier keine eindeutige Diagnose Deiner Gesamtsituation herauslesen konnte.
Deswegen würde ich mich freuen, wenn Du dies in dieser Rubrik
viewforum.php?f=5
in einem neuen Thread genauer erläutern könntest.

Gruß
Klaus
Antworten