Skoliose und Psyche

Fragen und Antworten rund um das Thema Skoliose
Sylvie [Gast]

Skoliose und Psyche

Beitrag von Sylvie [Gast] »

Hallo an alle!
Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich sehr froh bin, dieses Forum entdeckt zu haben! So viele Informationen und Erfahrungsberichte auf einer Seite! Klasse!

Ich habe auch ein Bedürfnis, mich auszutauschen, und zwar zu dem Thema Skoliose und Psyche, das im Forum bisher (noch) nicht so wirklich oder nur am Rande thematisiert wurde, mich persönlich aber sehr beschäftigt.

Ich bin 26 und habe eine recht starke Skoliose (ca. 58 Grad). Während ich nur selten körperliche Schmerzen habe (was mich zwar wundert, denn ich turne nicht mehr viel, seitdem ich 20 bin, früher habe ich viel nach Schroth geturnt, war auch in Sobernheim, mehrmals), ich leide jedoch sehr unter meiner Deformierung. Ich ziehe z.B. keine engen Tops oder rückenfreie Kleider an und gehe nicht ins Schwimmbad. Obwohl ich sonst sehr schlank und einigermaßen hübsch bin.

Ich neige dazu, meine Skoliose zu verdrängen. Will am liebsten nichts davon hören. Früher habe ich mit meinen engeren Freunden häufiger über meine Krankheit gesprochen. Jetzt rede ich am liebsten gar nicht mehr darüber. Neuen Bekannten und Kollegen erzähle ich auch nichts davon und hoffe, dass sie optisch nichts merken.

Eigentlich bin ich ein sehr offener, lebensfroher, aktiver (und beruflich sehr ehrgeiziger) Mensch, habe viele Freunde und gehe gern aus.Aber das Thema Skoliose ist immer tabu - ich will nichts mehr davon hören.
Warum gelingt es mir nicht, meinen schiefen Rücken zu akzeptieren und offen darüber mit anderen zu sprechen? Es ist wie verhext! Ich leide jetzt nicht wirklich permament unter der Skoliose (ich bin ja, wie gesagt, Meister der Verdrängung), aber der psychische Druck kommt immer mal wieder hoch und macht mich dann sehr traurig.

Ich würde gerne wissen, wie andere damit umgehen, welche Erfahrungen sie mit den Reaktionen anderer gemacht haben, wie sie mit der Deformierung leben. Ich würde auch gerne einmal die Meinung von Experten hören über die Zusammenhänge zwischen Skoliose und psychischem Leid. Gibt es vielleicht Literatur darüber?

Ganz liebe Grüße
Eure Sylvie
quirlie

Beitrag von quirlie »

Hallo, Silvie!
Der berühmte Dr. Chêneau aus Frankreich hat etwas Schönes zu diesem Thema geschrieben:

Jeder Mensch hat seinen Kreuzweg. Er soll sich bemühen, ihn mit allen Kräften zu überwinden. Es
gibt auch viele Menschen, die an schwerere Belastungen leiden. Es gibt auch Leute, erwachsen oder jung, die ohne Grund depressiv sind.

Was die Skoliotiker betrifft : Die Lyoner Schule hat eine Nachforschung gemacht. Die Skoliotiker, ob mit Korsett behandelt oder operiert, sind mehr erfolgreich im Leben als durchschnittlich. Sie haben einen Prozentsatz von weniger Arbeitslosigkeit, weniger Scheidung. Das wäre darauf zurückzuführen, dass sie gegen ihre Belastung kämpfen mussten. Das hat ihnen Mut gegeben, erfolgreich gegen die
anderen Probleme des Lebens zu kämpfen.

Viele Grüssen, Chêneau
_______________________________
keep going :gaga:
Nilus

Beitrag von Nilus »

Grüss dich,
bin auch 26 Jahre alt,auch bei mir erkennt man sofort die Skoliose wenn ich im Bikini schwimmen gehe.
Als ich um die 20 Jahre alt war, hab auch ich mich ungern fotografieren lassen,wollte auch nicht schwimmen gehen usw.,
da man rechts(Brust)deutlich erkennt,dass die Rippen nach vorne ragen,der Rücken schief ist und rechte Schulter nach unten hängt.
Mittlerweile habe ich so grosse Schmerzen und es ist mir sooo egal,wie es optisch ausschaut.Es ist einfach uninteressant,wie man optisch aussieht oder auf andere wirkt,die hauptsache ist,dass man keine Schmerzen hat und glücklich im Leben ist.
Wenn ich selbt schwimmen gehe,treffe ich auch auf Menschen die behindert sind und stelle einige Deformierungen fest,aber derartige Dinge sind für mich uninteressant,weil ich mir mittlerweile andere Gedanken(Was macht dieser Mensch beruflich?,Ist dieser Mensch schmerzfrei?Wirkt er glücklich?) über Menschen mache wenn ich auf sie treffe.
Eines muss man doch im Leben feststellen:
Das Aussehen,ob klein,ob gross,ob schiefer Rücken,ob krumme Nase oder oder nichts über die Leistungen,Charakter,berufliche Position,Glück usw aussagen.
Nur eines kann einen Menschen an vielem hindern und dies sind Schmerzen.
Auch kann ich mit meinen Freunden über die Skoliose sprechen,aber bisher war nie die Optik zentrales Thema,vielmehr wurde über die Schmerzen gesprochen,die mich quälen.
Ich denke,wenn man ein gewisses Alter und eine gewisse Reife hat,weiss man,dass die Optik keinen Wert hat.
Wenn ich schwimmen gehe und Leute schauen,ist mein einziger Gedanke:Ich tue mir etwas Gutes und dies kann mir niemand mit seinen Blicken rauben.Im endeffekt kann man nur sich selbst schaden,wenn man Leute über sein Leben bestimmen lässt,ob ich schwimmen gehe oder nicht.

Hoffe,auch du schaffst es dich nicht von Blicken anderer ablenken zu lassen.
Etwas Selbstverliebtheit!

Viel Glück!
Nilus
Dr. Steffan
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Beitrag von Dr. Steffan »

Ich kann mich dem Beitrag von Nilus nur anschließen. Erstaunlicherweise fällt den Leuten ein krummer Rücken meißt gar nicht auf. Ich bin oftmals erstaunt welch ausgeprägte Skoliosen in meine Sprechsstunde kommen und keiner, weder die Eltern noch sonst irgend jemand hat was gesehen. Wenn man allerdings weiß, daß irgend etwas am eigenen Körper nicht so ganz perfekt ist hat man nur noch Augen dafür. Ich glaube es ist wichtig sich mit anderen Betroffenen auszutauschen um mit den körperlichen Veränderungen fertig zu werden.
Dr. Steffan
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Haeschen
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Beitrag von Haeschen »

Liebe Sylvie
Ich verstehe sehr gut wie du dich fühlst. Ich bin jetzt 20 J., mit 15 J., wurde bei mir eine Skoliose endeckt, ich musste 2 Jahre ein Cheneau- Korsett tragen + KG machen. Das Schlimmste war , das ich es nur 1h ausziehen konnte, keinen Sport machen konnte und wahnsinnige Schmerzen hatte. Es ist ungerecht, warum gerade ich?, wo ich doch so sportlich war und gesund gelebt hab, diese Fragen gingen mir damals durch den Kopf. Heute denke ich zweigeteilt, es gibt zwar schlimmere Krankheiten, aber es engt mich doch im Alltag oft ein. Ich bekomme Bsp. schlecht Luft beim Sport, weil die Krümmung im BWS- Bereich so stark ist, dass sie den rechten Lungenflügel beiseite drückt. An manchen Tagen hab ich echt ein Tief, da könnte ich den ganzen Tag heulen, was ich auch manchmal tue. Es macht mich traurig, wenn ich meinen Freunden o. Bekannten erzähle, dass Skoliose eine ernstzunehmende Krankheit ist und was die Betroffenen alles durchstehen müssen, aber die sagen dann nur,"jaja, ich hab`s auch mit meinem Rücken", da kommt mann sich doch falsch verstanden vor:(. Mein Freund, den ich seit 3 Jahren habe, baut mich seelisch immer wieder auf und macht mir Mut. Vor 3 Jahren bin ich immer mit weiten Klamotten rumgerannt und im Bad war ich selten. Heute ziehe ich enge Teie an und im Schwimmbad sogar einen Bikini. Mein Selbstbewußtsein ist noch nicht das beste, aber dass wird noch. Also denkt daran, solange es Menschen gibt, die zu einem stehen, lohnt es sich immer nach vorn zu blicken und die Hoffnung nie aufzugeben, dass es besser wird.
Diana :)
Alexandria
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Beitrag von Alexandria »

Liebe Sylvie!

Als ich die Beiträge gelesen habe, dachte ich mir, dass wir wohl alle sehr ähnliche Probleme mit unserer Skoliose haben. - Zumindest wir Frauen!

Manchmal macht mich der Blick in den Spiegel auch sehr traurig, weil ich finde, dass ich, wenn die Krümmung nicht wäre, eine ziemlich nette Figur hätte.

Bei meiner Kleidung überlege ich nicht wirklich, was die Skoliose kaschiert und was sie noch mehr betont. Ich ziehe an, was mir gefällt und auch beim Schwimmen verzichte ich nicht auf meinen Bikini (will ja möglichst überall braun werden).

Das klingt jetzt sicher ziemlich selbstbewusst - aber so ist es nicht immer! Manchmal finde ich es einfach unfair, dass gerade ich betroffen bin, auch wenn ich weiß, dass das nichts bringt ...

Aber ich glaube, dass unsere Mitmenschen uns so sehen wie wir uns benehmen, nicht wie wir aussehen. Wenn wir uns einfach ganz normal geben und kein Drama draus machen, finden sie es auch nicht so schlimm. Wenn wir uns aber dafür schämen oder ständig davon reden, finden sie uns "behindert".

Also, denk immer, dass es viel, viel Schlimmeres gibt und wir ja noch halbwegs gut dran sind.

Gruß
Alexandria
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sloopy
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Beitrag von sloopy »

Hallo Sylvie,

ich möchte dir von einem Erlebnis erzählen, das ich kürzlich hatte- es hat nur indirekt mit dem Thema "Skoliose und Psyche" zu tun, ich denke aber dennoch, dass es hierher passt. Ich habe mit einem Bekannten ge-sms-t, den ich 1993 in Sobernheim kennengelernt habe. (Er war kein Patient, sondern orts-ansässiger, der noch immer dort lebt). Im Februar, wenn ich meine sechste Reha in Sobernheim mache, werde ich ihn wiedersehen, das letzte Mal gesehen haben wir uns 1997. Ich schrieb ihm in der sms "Ich hoffe, du erkennst mich noch!" und er antwortete "Liebe Sabine, wenn du vom Wesen her noch so bist, wie du es vor ein paar Jahren warst, dann werde ich dich erkennen. Alles andere ist nicht wirklich wichtig".

Warum ich das hier schreibe? Liebe Sylvie - es ist das Wesen, worauf es den Menschen ankommt- Skoliose hin oder her! Wenn es jemanden stört, dass ich einen "krummen Buckel" hab, dann soll es ihn stören, dann ist dieser Mensch NICHT mein Freund- ich will mein Leben nicht von einer Skoliose beeinflussen lassen. Natürlich gab es auch schon Momente, in denen ich heulend vor Rückenschmerzen im Bett lag und meine Skoliose verflucht habe, aber das hat sich gelegt, sobald die Schmerzen weniger wurden. Ich will mich wegen der Skoliose nicht hinter Klamotten verstecken, warum auch? Die meisten Menschen nehmen doch eine Skoliose gar nicht wahr. Wenn man etwas davon erzählt, hört man Dinge wie "Echt? So schlimm ist dein RÜcken? Ist mir gar nicht aufgefallen!" o.ä.

Ich lasse mich von einem "Paket" und einer "schwachen Seite" (hoffe, du kennst das, ist ein Teil der Schroth-Therapie) nicht runterziehen. Ich hab vor drei Monaten ein Korsett bekommen, nach relativ kurzer Zeit hatte ich es in der Stadt beim shoppen an. Als ich es nicht mehr ausgehalten habe, zog ich es aus und trug es unter'm Arm mit mir rum. Klar haben mich die Leute blöd angeschaut, aber das ist mir doch egal. Die kennen mich doch nicht und selbst wenn, was ist dann schon?! Meine Freunde wissen, dass ich den Panzer brauche und sie akzeptieren es auch. Es gibt auch absolut keinen Grund, warum sie das nicht tun sollten! Ich werde bald einen Behindertenausweis beantragen, aber behindert fühle ich mich keineswegs- ich mache das wegen Steuern und Kündigungsschutz ;)!!

Es gibt soviel Elend und Leid auf dieser Welt, da brauch ich mir keine Gedanken um eine schief hängende Skoliose zu machen. Mein "bester Freund" hatte vor einigen Jahren einen sehr schlimmen Verkehrsunfall, bei dem sein Körper zu über 50% verbrannt ist. Er hat kein Gesicht mehr, keine Ohren, keine Nase, keine Haare, aber und das ist das entscheidende- es geht ihm gut! Er hat wirklich einen Grund, sich zu bedauern und wegen seines Aussehens vor (Selbst-)mitleid einzugehen, aber nein- im Gegenteil, es geht ihm gut und er akzeptiert sich so wie er ist, er sieht sich als vollwertiger Mensch, was er natürlich auch ist! Er wird wirklich auf der Straße von JEDEM Menschen angequatscht, kleine Kinder fingen an zu weinen als sie ihn sahen (weil er zeitweise wirklich nicht mehr aussah wie ein Mensch), aber es geht ihm gut!!! Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, hatte ich viel Zeit und hab ich ihn mir intensiv angeschaut und dachte so für mich "hey, er sieht richtig hübsch aus". In meinen Augen sieht er auch wirklich GUT aus, ich sehe in ihm nicht einen körperlich zerfetzten Menschen, ich sehe in ihm den Freund, der mir so wichtig ist und um den ich nach seinem Unfall so viele Tränen vergossen habe. Ich habe ihn kurz nach dem Unfall gesehen und weiß, wie schei**** ein Mensch aussehen kann und ich empfinde sein Aussehen heute als HÜBSCH (und das meine ich wirklich ehrlich), obwohl andere ihn aufgrund seines fehlenden Gesichts noch immer als "Monster" bezeichnen. Gegen so etwas ist eine Skoliose nichts...

Ich hoffe, ich hab nicht zu viel geschrieben und ihr versteht, was ich mit diesem Roman sagen will. Ich will eure Gedanken hier nicht runterspielen, wenn jemand psychische Probleme mit seiner Skoliose hat, ist das auf jeden Fall enie ernstzunehmende Sache. Aber es gibt nichts an einer Skoliose, für das wir uns schämen müssten!

Lieben Gruß, sloopy
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Amali
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Beitrag von Amali »

Hallo Sylvie!
Du hast geschrieben, dass eine Skoliose nicht lebensbedrohlich ist.Ich muss dir da wiedersprechen. Eine Skoliose kann sehr wohl lebensbedrohlich werden. Bei mir wurde operiert weil ich wohl sonst irgendwann daran gestorben wäre (Atemnot) und in der Kliniken war es bei einigen ähnlich. Die Skoliose verschiebt die Organe, quetscht sie ein, nimmt ihnen den Platz. Dadurch können die Organe eingeschränkt/ beschdigt werden. Vor einigen Tagen hat hier auch ein Mädchen gepostet, dessen Mutter aufgrund der starken Auswirkungen der Skoliose auf die Lunge sogar künstlich beatmet werden mußte! ;(

by, :P
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Liebe Grüße

Tanja


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Sorry, hab ein wort vergessen: weil ich sonst vielleicht irgendwann gestorben wäre sollte es heissen. D.h. es bestand die dringende Gefahr, das die lunge weiter "eingeqquetscht" wird.
Jetzt ists aber gut, ich will ja keine Horror- geschihcten erzählen.:D

by
_______________________________
Liebe Grüße

Tanja
Lene
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Beitrag von Lene »

Hallo,
ich denke jeder braucht seine Zeit die Skoliose zuverarbeiten, der Eine hat mehr und der Andere weniger Selbstbewußtsein!
Bei mir hat das sehr lange gedauert! So ganz habe ich mich mit meinem Rücken zwar noch nicht "angefreundet", aber ich bessere mich. Bin letztes Jahr sogar bei uns in Nähe zum Badesee gefahren. Sonst zeige ich mich nur im Urlaub am Strand im Bikini, wo mich keiner kennt! Meine Freunde kennen natürlich meinen Rücken! Aber ich laufe ungern ohne T-Shirt oder in engen Tops herum. Bei mir ist auch das Problem, das ich schon das erste Mal mit 13 Jahren operiet worden bin! Deshalb habe ich einen ganz kurzen Oberkörper und sehr lange Arme und Beine, und die Krümmung beträgt noch 58 Grad. Aber ich sage mir immer: "Es gibt Schlimmeres!!!"

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Schönen Gruß,
Marlene
Gast

Beitrag von Gast »

Hallo Sloopy,

natürlich hast Du Recht: Im Vergleich mit anderen Krankheiten und Schicksalsschlägen darf man sich über eine Skoliose eigentlich nicht beklagen. Das weiss ich auch und sage es mir immer wieder, wenn ich traurig und niedergeschlagen bin wegen meinem krummen Rücken und den Einschränkungen.
Aber leicht ist es mit einer einer Skoliose trotzdem nicht. Ich bin bestimmt kein wehleidiger Jammerlappen, der oberflächlich und voller Selbstmitleid ist. Aber vielleicht ist es der in der heutigen Gesellschaft (und insbesondere bei Frauen) vorherrschende "Perfektionswahn".

Und man braucht schon SEHR VIEL SELBSTBEWUSSTSEIN, um mit "Paket", "schwacher Seite" und "Lendenwulst" rückenfrei oder in engen Tops herumzulaufen. Ich schaffe es bis jetzt nicht. Ich schaffe es ja noch nicht einmal, ohne Unwohlsein ins Schwimmbad zu gehen, weil ich denke, jeder starrt mich an.
Ich glaube, viele Skoliotiker haben irgendwie auch einen psychischen Knacks weg.
Nun, ich habe (nicht zuletzt auch aufgrund der Diskussion hier im Forum, die mir sehr hilft) einen Selbstversuch unternommen: Ich habe neulich einfach mal angefangen, wieder mit anderen ganz ungezwungen über meine Krankheit zu sprechen. Z.B. mit meiner Nachbarin. Z.B. mit einer Kollegin. Und seltsam: Es hat mir so gut getan! Daraufhin habe ich ein längeres Gespräch mit meinem Freund über meine Gefühle und Ängste bzgl. der Skoliose geführt - seit langem mal wieder! Auch das hat unglaublich gut getan!
Ich weiss jetzt, dass Reden hilft! Nicht verdrängen, sondern sich der Krankheit stellen! Nicht vertuschen, sondern offen dazu stehen!
Aber das ist ein Lernprozess, der nicht einfach ist!


Ganz liebe Grüße an alle!!!
Sylvie
_______________________________
Gästenachricht
plaTINA

Beitrag von plaTINA »

hi silvie,
letzteres kann ich nur bestätigen !
ich denke jedem braucht man es ja nicht gleich beim ersten treffen auf die nase zu binden, aber wenn man so ein riesen geheimnis darum macht und es zum tabu-thema erklärt, heisst das auch einen teil von sich selbst nicht anzunehmen.
und so eine wesentlichen part dauerhaft mit niemandem zu teilen und sich nie zu öffnen, vermittelt einem irgendwann einfach das gefühl von einsamkeit - man kann auch mitten unter freunden einsam sein.
ausserdem: überleg mal wie viel energie es eigentlich braucht, mit einer sich selbst auferlegten perfektion, diesen, nun mal gegeben, umstand der skoliose zu vertuschen. diese energie kann man für so viel bessere, für sich nützlichere dinge verwenden.
ich habe auch lange gebraucht bis ich meine eigenen spielchen durchschaut habe... :)
liebe grüsse,
platina
Faultier B.
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Beitrag von Faultier B. »

Okay, ich bekenne mich in aller Öffentlichkeit zu einem leichten psychischen Knacks.

Habe schon des Öfteren drüber nachgedacht, wie ich mich wohl während der Pubertät in meiner Persönlickeit ohne die Skoliose und ein weiteres sichtbares Handicäppchen, das ich habe, entwickelt hätte. Vielleicht wäre ich ein zickiges, überspanntes und arrogantes Topmodell geworden. So bin ich wohl das genaue Gegenteil und erreiche auch das Gardemaß vom 1,80 für diesen Beruf nicht, da durch die WS-Verkrümmung so ca. 2,5 cm an Körperlänge fehlen. Ich habe mal im Lichtblick (vom Bundesverband Skoliose) in einem Bericht von einer Therapeutin gelesen, dass gerade Skoliotiker sehr liebe und anpassungsfähige Menschen sind.
Außerdem gibt es sehr viele körperlich gesunde Menschen, die einen gehörigen psychischen Knacks haben. Wo kommt das bei denen denn her? Wir mit Skoliose hätten ja dann wenigstens noch einen Grund dazu.

Über meinen Rücken rede ich eigentlich nur mit Leuten, die mir sehr vertraut sind und dafür Verständnis haben. Manche Leute wollen nichts über Krankheiten hören oder kontern sofort mit ihren eigenen Wehwehchen. Das sieht dann so aus, dass ich selbst noch paar Tips gegen Rückenschmerzen mit auf den Weg gebe und meinen eigenen Kram für mich behalte. (Danke für das Gespräch!).

Ansonsten hängt bei mir das psychische Wohlgefühl davon ab, wieviele Schmerzen ich habe. Je ärger die Schmerzen sind, desto schlimmer bzw. größer empfinde ich auch mein Buckelchen. Wenn ich allerdings, wie zum Beispiel momentan so gut wie gar keine Schmerzen habe, mit mir und der Umwelt zufrieden bin, dann fühle ich mich nur noch SAUWOHL.

Beate
plaTINA

Beitrag von plaTINA »

hi beate!
sauwohl ? so soll das sein !!!! :)

zum thema leute und ihre wehwehchen:
das merkt man ja immer recht schnell, ob der andere tatsächlich an einem dialog interessiert ist, zuhört und teilnimmt oder nur wartet bis er endlich seine probleme - ohne wirkliches interesse an einer reaktion - abladen kann.
sowas nenn ich dann "verbale autisten" :) das regt mich auch auf...

und die psychischen probleme "gerader" leute:
jedem sein recht auf seinen vogel.
nein, ohne witz, ich denke man sollte niemandem seine nöte absprechen, auch wenn es für aussenstehende vielleicht erst einmal grundlos erscheint. so eine psyche ist halt etwas fragiles.

lieben gruss,
platina.
Sylvie
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Beitrag von Sylvie »

Hi Beate,
ich hab das mit dem "psychischen Knacks" ganz sicher nicht böse gemeint, eher scherzhaft, denn: Ich habe ja selber einen ;-))

Ansonsten: Ich gebe Dir Recht! In allem.
Und: Ich bin auch "nur" 1,76 m groß. Gott sei Dank.

Sylvie
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sloopy
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Beitrag von sloopy »

Liebe Sylvie,

es freut mich sehr zu lesen, dass du für dich einen Weg gefunden hast, mti der Skoliose umzugehen, indem du mit anderen Leuten sprichst. Schön, wenn dir das gut tut- dann mach es auf jeden Fall auch weiterhin. Ich selber mache um meine Skoliose kein Geheimnis. Meine Freunde wissen davon und meine wichtigsten Arbeitskollegen auch. Ich wüsste ehrlich gesagt, keinen einzigen Grund, warum ich davon nichts erzählen sollte, es ist ja nichts, was mich schlecht macht oder wofür ich mich schämen müsste. Ich hab nicht den Anspruch an mich selber, perfekt zu sein...

Ausserdem hat ja die Skoliose auch manchmal sogar Vorteile. Ich habe z.b. während meinen Aufenthalten in Sobernheim schon so viele liebe Menschen kennengelernt, mit denen ich teilweise bis heute noch Kontakt habe. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich durch die vielen Schmerzen gelernt habe, auch die kleinen Dinge zu schätzen.

Lieben Gruß, sloopy
_______________________________
" Jede Minute, die man sich ärgert, kostet einen sechzig Sekunden des Glücks " :wink:
plaTINA

Beitrag von plaTINA »

hi sloopy,
klar ist da nichts, wofür man sich bei einer skoliose schämen müsste, nur - bei manchen dauert der weg zu dieser erkenntnis halt ein bisschen länger als bei anderen.
nicht jeder kann sich damit annehmen - was für den jenigen schade ist. ich denke gerade in der pubatät ist diese art von "anders ein" (ohne jede absehbarkeit), nicht leicht zu akzeptieren. und auch als erwachsener komplexe weg zu bekommen, die sich "festgefressen" haben, ist einfach ein stück arbeit an sich selbst.
lieben gruss,
platina.
Gast

Beitrag von Gast »

Hallo an alle!

Es gibt noch einen ganz anderen Grund außer dem Gefühl des "Anders seins", warum ich nur selten mit anderen über meine Skoliose gesprochen habe (und ich glaube, vielen geht es ähnlich wie mir): Weil ich ganz oft "die Schnauze voll habe" von meiner Skoliose, um es mal krass auszudrücken. Weil ich mir oft nichts mehr wünschte als "Normalität".

Seit meiner frühen Kindheit habe ich mit der Skoliose zu tun. Seit meinem siebten Lebensjahr (jetzt bin ich 26) turne ich mehr oder weniger regelmäßig nach Schroth (früher ganz regelmäßig, jetzt aus beruflichen Gründen eher weniger), ich war mehrmals zur Kur in Sobernheim, habe in all den Jahren und bis heute immer an meinen Rücken denken müssen (Wahl der Sportarten, die Angst vor Korsett und Schmerzen, die KG usw.), der Zoff mit den Eltern wenn ich nicht turnen wollte, die Angst vor der Zukunft (OP???)...und irgendwann kam dann der Punkt, wo ich mir sagte: Ihr könnt mich alle mal! Ich will nicht mehr!
Da habe ich dicht gemacht. Wollte einfach ganz normal sein. Und habe überhaupt nichts mehr für meine Skoliose getan. Habe sie komplett verdrängt. Aber das war natürlich keine Lösung. Vor ein paar Jahren dann habe ich kapiert, dass Wegsehen und Verdrängen nichts hilft, im Gegenteil. Meine Skoliose wurde nämlich (natürlich) schlimmer.
Und jetzt arbeite ich wieder an mir und versuche, die Skoliose zu akzeptieren und damit zu leben. Na ja, zumindest bemühe ich mich...

Dies nur zur Vollständigkeit. Vielleicht haben andere ja ähnliche "Verdrängungsphasen" erlebt.

Sylvie


_______________________________
Gästenachricht
Elen

Beitrag von Elen »

hallöchen,

so ähnlich gehts mir z.z. auch. leider. habe auch skoliose seit meiner kindheit, 8 jahre oder so. korsett u. krankengymn. jahrelang. anstrengend u. ätzend. am anfang der pubertät legte ich mehr u. mehr d. korsett ab als dass ich es trug. mir gings ja gut. von wegen. heute eigentl. ja auch, habe keine schmerzen. denke aber immer an meinen rücken. auch weil ich mich hinter klamotten verstecke. obwohl man es mir angeblich nich ansieht.
naja, ich könnte mich operieren lassen, kann mich aber nicht dazu entscheiden. da es immer ein für u. wieder gibt. einen op-termin habe ich schon. in der zeit will ich mich einfach nur sehr informieren.
u. zu regelmäßiger krankengymn. hab ich auch keine böcke bis an mein lebensende. so diszipliniert bin ich leider nicht. anfangs evtl. später nicht mehr. alles schon probiert.
was nicht heißt, dass ich nicht gern 2x d. wo. sport mache. kurse u. muskelkräftigung. schwimmen wär auch noch 1x die wo. ok.
ich weiß manchmal echt nicht weiter u. wünsche mir jemand anders zu sein. abends wenn ich im bett liege denke ich an die op. morgens wenn ich wach werde denke ich an eine op. bin mir aber immer nur unsicher.
informiere mich stehst über alles u. jeden bzgl. meiner ws. aber die entscheidung, weiß ich selber, liegt letztendlich an mir.

alles gute
lieben gruß
elen
Elen

Beitrag von Elen »

Gepostet von Elen
hallöchen,

so ähnlich gehts mir z.z. auch. leider. habe auch skoliose seit meiner kindheit, 8 jahre oder so. korsett u. krankengymn. jahrelang. anstrengend u. ätzend. am anfang der pubertät legte ich mehr u. mehr d. korsett ab als dass ich es trug. mir gings ja gut. von wegen. heute eigentl. ja auch, habe keine schmerzen. denke aber immer an meinen rücken. auch weil ich mich hinter klamotten verstecke. obwohl man es mir angeblich nich ansieht.
naja, ich könnte mich operieren lassen, kann mich aber nicht dazu entscheiden. da es immer ein für u. wieder gibt. einen op-termin habe ich schon. in der zeit will ich mich einfach nur sehr informieren.
u. zu regelmäßiger krankengymn. hab ich auch keine böcke bis an mein lebensende. so diszipliniert bin ich leider nicht. anfangs evtl. später nicht mehr. alles schon probiert.
was nicht heißt, dass ich nicht gern 2x d. wo. sport mache. kurse u. muskelkräftigung. schwimmen wär auch noch 1x die wo. ok.
ich weiß manchmal echt nicht weiter u. wünsche mir jemand anders zu sein. abends wenn ich im bett liege denke ich an die op. morgens wenn ich wach werde denke ich an eine op. bin mir aber immer nur unsicher.
informiere mich stehst über alles u. jeden bzgl. meiner ws. aber die entscheidung, weiß ich selber, liegt letztendlich an mir.

alles gute
lieben gruß
elen
ach ja, ich vergaß
bin 26 jahre
u. hab eine krümmung von 53 grad oberhalb
Gast

Beitrag von Gast »

hi sylvie! ich hab auch ein ziemliches problem mit meiner skoliose. meine freunde, die ich für freunde hielt, meinen, ich würde mich durch meine skoliose in den mittelpunkt stellen wollen. ich will aber eigentlich genau das gegenteil. ich will ganz normal sein, nicht immer derjenige, der anders ist. ich akzeptier meine schrauben und stangen im rücken nicht. wenn mich jemand fragt, was mein größter wunsch ist, dann sag ich, dass ich eine grade, gesunde wirbelsäule haben will. bloß leider wird dieser wunsch nie in erfüllung gehn. wegen meinem dummen rücken bin ich in psychologischer behandlung. ich wollte mich schon oft umbringen, habe es dann aber doch nicht getan, weil es doch irgendwie noch blöder wär. meine beste freundin habe ich in der wwk kennengelernt. mit ihr kann ich über alles sprechen, da sie weiß, wie es ist, einen krummen rücken zu haben. es tut einfach gut, darüber zu sprechen. man sollte es nicht in sich hinein fressen, weil man dann erstrecht daran kaputt geht.
liebe grüsse
x
_______________________________
Gästenachricht
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