Beckenschiefstandbehandlung gegen Skoliose

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anne
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Beckenschiefstandbehandlung gegen Skoliose

Beitrag von anne »

Ich möchte Euch von einem Besuch beim Heilpraktiker berichten, von dessen Behandlungskonzept ich sowohl angesprochen als auch irritiert bin:

Ein Forumsgast hatte in Zusammenhang mit Beckenschiefstand auf die Internetseite des Heilpraktikers hingewiesen, auf der es heißt, dass die meisten diagnostizierten Beinlängendifferenzen eigentlich Beckenschiefstände sind, die z. B. durch den Geburtsvorgang entstanden sind. Da dieser Heilpraktiker kostenlose Info-Veranstaltungen zu seiner Methode anbietet, bin ich mal zu einer hingegangen.
Seltsamerweise war ich an diesem Abend die einzige, die gekommen ist (Zitat des Heilpraktikers: Sie haben Glück, Sie haben sich heute als einzige angemeldet“)
In einem Diavortrag hat er dann recht ausführlich folgendes erklärt: Während des Geburtsvorganges kommt es durch Ausschüttung eines bestimmten Hormons bei der Mutter beim Kind zur Erweichung der Bänder des Beckens. Dadurch kann das Becken des Kindes den Geburtskanal leichter passieren. Kurz nach der Entbindung werden die Bänder wieder fest und bleiben es ein Leben lang.

Nun kann es aber vorkommen, dass Teile des Beckens während der Geburt verschoben werden und dann für immer schief miteinander fixiert bleiben. Auswirkungen hat das dann , wenn das Kind Laufen lernt. Die Wirbelsäule versucht, die veränderte Statik auszugleichen und verbiegt sich mit der Zeit zur Skoliose.

Der Heilpraktiker setzt in seiner Behandlung Injektionen (Scandicain) an die Ansätze der Bänder des Beckens; dadurch werden für ein bis zwei Minuten die Bänder weich und der Heilpraktiker nutzt dies, um durch leichte Beckenbewegungen das Becken in die richtige Position zu bringen. Insgesamt braucht es 10 solcher Behandlungen, um den Beckenschiefstand zu korrigieren. Soweit die zugrunde liegende Theorie und zum Diavortrag.

Ich hatte dann die Möglichkeit, Fragen zu stellen und habe davon auch ausgiebig Gebrauch gemacht.
Meine Fragen und die Antworten des Heilpraktikers führe ich nachfolgend so auf, wie ich sie im Gedächtnis behalten habe:

Frage: Wie stellen Sie fest, ob es sich um eine „echte“ Beinlängendifferenz handelt oder um einen Beckenschiefstand?

Antwort: Anders als üblich diagnostiziere ich das nicht beim stehenden sondern beim liegenden Patienten, denn nur so sind tatsächliche Beinlängendifferenzen zweifelsfrei feststellbar.

Frage: Mit welchen Methoden oder Messinstrumenten messen Sie das aus?

Antwort: Das kann ich aufgrund meiner Erfahrung s e h e n.

Wie lange benötigen Sie für diese Untersuchung?

Antwort: Ca. eine Minute.

Frage: Wo haben Sie diese Methode gelernt?

Antwort: Von einem Arzt, mit dem ich eine Zeitlang gemeinsam praktiziert habe. Dieser Arzt ist aber jetzt wieder auf .?.(ich weiß nicht mehr ob es Teneriffa war oder eine andere Insel, ist aber im Prinzip auch egal). Seit 13 Jahren habe ich meine eigene Praxis und behandle ausschließlich Beckenschiefstände. Meine Patienten kommen nicht nur aus Köln sondern auch von weiter her.

Frage: Haben Sie mit dieser Methode immer Erfolg oder gibt es auch Patienten, bei denen das nicht wirkt?

Antwort: Bereits nach der ersten Behandlung ist der Beckenschiefstand korrigiert, die weiteren 9 Behandlungen sind nötig, damit der Korrekturerfolg sich festigt.

Frage: Mit welcher Methode richten sie das Becken gerade? Ist das Osteopathie oder Chiropraxis?

Antwort: Für diese Methoden habe ich keine Ausbildung, aber die manuellen Bewegungen, die ich mache, sind dem schon sehr ähnlich.

Frage: Sie können also a l l e Beckenschiefstände heilen?

Antwort: Ja.

Frage: Das hieße ja, wenn bei einer idiopathischen Skoliose u. U. ein nicht erkannter Beckenschiefstand zugrunde liegt, dann könnten Sie diese Skoliose beseitigen?

Antwort: Ja. Es gibt sowieso keine idiopathischen Skoliosen! Letztlich gehen sie a l l e auf den bei der Geburt erworbenen Beckenschiefstand zurück.

Frage: Sind Sie also der Ansicht, dass Beckenschiefstand die bisher noch nicht anerkannte aber doch die eigentliche Ursache der Skoliose ist?

Antwort: Ja.

Frage: Warum ist das denn dann noch nicht in den Fachpublikationen aufgegriffen worden? Wenn Sie wirklich Recht haben, dann hätten Sie doch den Nobelpreis verdient!!!

Antwort: Mediziner sind den Methoden der Heilpraktiker gegenüber nicht offen und werden sie nie akzeptieren, weil es keine schulmedizinischen Erkenntnisse sind.

Frage: Wenn Sie von Ihrer Methode so überzeugt sind, warum dokumentieren Sie sie denn nicht und weisen die Zusammenhänge empirisch nach? Mit wissenschaftlicher Anerkennung könnten viel mehr Menschen von Ihrer Methode profitieren.

Antwort: Ich bin niemand, der mit seiner Methode „hausieren“ geht. Ich bin nur bereit, diese Methode darzustellen, wenn ich angefragt werde.

Frage: Haben Sie denn nicht eine Verantwortung den Patienten gegenüber, denen Sie helfen könnten?

Antwort: Wer in meine Praxis finden soll, der wird kommen.

Frage: Gibt es Patienten, bei denen Sie mit weniger als 10 Behandlungen hinkommen bzw. gibt es Patienten, die mehr als 10 Behandlungen benötigen?

Antwort: Es sind immer 10 Behandlungen.

Frage: Immer? Und immer mit bleibendem Erfolg?

Antwort: Ja.

Soweit mein „Interview“.
Bleibt noch nachzutragen: Der Heilpraktiker war wirklich sehr freundlich und hat sich insgesamt 1,5 Stunden für mich Zeit genommen, wohlgemerkt, alles kostenlos.

Ich muss sagen, die Überlegung, Beckenschiefstand als e i n e mögliche Ursache von Skoliose, finde ich gar nicht so abwegig. Ob die Ursache (Hormonausschüttung unter der Geburt mit Erweichung der Bänder des Beckens) tatsächlich so stattfindet, dazu kann vielleicht Dr. Steffan was sagen, wie ich überhaupt an seiner Meinung zu dieser Theorie /Methode interessiert bin.

Was mich jedoch sehr irritiert und auch skeptisch macht, ist die Ausschließlichkeit mit der a l l e idiopathischen Skoliosen erklärt werden. Hätte er gesagt, es ist e i n e m ö g l i c h e Ursache, hätten bei mir nicht sofort alle Alarmglocken geklingelt. Es fehlte mir einfach ein bisschen die selbstkritische Sicht, die noch keinem geschadet hat. Auch dass er sich auf genau 10 Behandlungen festlegt, finde ich eher fragwürdig als vertrauenserweckend. Schließlich sind wir doch alle sehr verschieden, nicht nur was unseren Stoffwechsel angeht und die Reaktion auf Medikamente, sondern auch was die Ausprägung der Skoliose bzw. des Beckenschiefstandes angeht.
Andererseits, wenn es nicht schadet, wenn in die Ansätze der Bänder gespritzt wird, wäre es ja vielleicht mal einen Versuch wert. Auch dazu wüßte ich gerne von Dr. Steffan, wie er das einschätzt.

Ich bin im Prinzip auch offen für Methoden, die nicht schulmedizinisch abgesichert sind. So habe ich z. B. schon mit Bio-Resonanz-Therapie bei der Behandlung von allergischem Asthma von meinem Sohn sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch das haben wir privat bezahlt (und das sehr gerne, da es wirklich erfolgreich war). Die Behandlung des Beckenschiefstandes wäre preislich vergleichbar und wir könnten uns das durchaus leisten. Aber seriös sollte das ganze schon sein!

Also mich interessiert Eure Meinung sehr und ich hoffe, Ihr verzeiht mir, dass mein Beitrag so lang und ausführlich geworden ist und Ihr so viel lesen müßt.
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BZebra
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Beitrag von BZebra »

Beckenschiefstand behandeln bei wem? Bei Deiner operierten 120°-Skoliose oder Deinem Sohn?

Was ich an Überlegungen noch hinzufügen könnte:

Bei einer echten Skoliose ist ja von den Füßen bis zum Kopf der ganze Bewegungsapparat betroffen und alle Unregelmäßigkeiten stehen dabei in einem (skoliotischen) Gleichgewicht zueinander.
Wenn nun der Beckenschiefstand behoben wird, die Skoliose aber nach wie vor bestehen bleibt, weil ja strukturelle Veränderungen vorliegen und sie deshalb nur in geringem Maße korrigiert werden kann, bildet sich dann der Beckenschiefstand zur Wiederherstellung des skoliotischen Gleichgewichts nicht trotzdem wieder zurück wie das z.B. beim Einrenken der einzelnen Wirbel auch der Fall ist?

Gruß,
BZebra
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Heilpraktiker

Beitrag von truetschel »

Hallo Anne,

wie heißt dieser Heilpraktiker und wo hat er denn seine Praxis?

So einen Vortrag habe ich auch einmal bzw. 2 gehört.
So ein Heilpraktiker war in Würzburg und danach in Bamberg tätig ,aber nur auf kurzer Dauer. Also mit vorsicht genissen.

Gruß Lydia
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Beitrag von Spila »

Hallo Anne

Also falls dieser Heilpraktiker solch grosse Erfolge hat, gibt es auch sicherlich ehemalige Patienten von ihm, die dir sehr gerne persönlich von den Erfolgen erzählen. Die würde ich unbedingt mal anhören.

Beim Durchlesen deines Beitrages haben übrigens bei mir die gleichen Alarmglocken geläutet.
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Beckenschiefstandbehandlung

Beitrag von anne »

Hallo,
schön, dass Ihr so schnell geantwortet habt.
Um die Fragen zu beantworten:

@BZebra:
Das Thema wurde für mich interessant in Zusammenhang mit der statischen Skoliose meines Sohnes. Bei ihm war ja zunächst von unserem heimischen Orthopäden eine idiopathische Skoliose festgestellt worden. Dr. Steffan hat diese Diagnose aber dann nach seiner eingehenden Untersuchung geändert in statische Skoliose bzw. eher Fehlhaltung aufgrund einer Beinlängendifferenz von ca. 1 cm. Das wird jetzt mit einer Schuheinlage ausgeglichen und mein Sohn hat dadurch schon ein ganz anderes Gangbild bekommen. Die Diagnose von Dr. Steffan hat mich auch erst mal erleichtert, da ich denke, es lässt sich leichter was dagegen unternehmen.

Als ich dann hörte, dass viele Beinlängendifferenzen keine "echten" sind, sondern eher auf einen Beckenschiefstand zurückzuführen sind, habe ich mich um mehr Informationen bemüht, auch wenn ich grundsätzlich Dr. Steffan für einen fähigen Orthopäden halte und ihm durchaus vertraue. Trotzdem kann man sich ja mal mit anderen Sichtweisen auseinandersetzen, solange man sie kritisch hinterfragt. Also nichts für Ungut Dr. Steffan! Ich bin ja sowieso an Ihrer Meinung zu diesem Thema sehr interessiert.

Inwieweit sich der Beckenschiefstand dann durch die Skoliose wieder zurückbildet, dazu habe ich den Heilpraktiker so verstanden, dass seine Behandlung grundsätzlich zum Erfolg, also zur Behebung des Beckenschiefstandes führt und es nicht zu "Rückfällen" kommt. Man erhält zum Abschluss der Behandlung noch eine Liste mit Gymnastik-Übungen, die dem entsprechen, was man bei Rückenschule macht.

Aber ich finde Deine Überlegungen ganz richtig, die Statik wirkt schließlich nicht nur vom Becken ausgehend, sondern sind die Verschiebungen und Verdrehungen der Wirbelsäule erst mal da, so wirken sie ja auch wieder auf das, wenn auch korrigierte, Becken.


@ Lydia:

Der Heilpraktiker hat eine Homepage: www.heilpraktiker-rolf-strobel.de, da findest du nochmal alles beschrieben und auch die Adresse.

Ich möchte noch was nachtragen:

Bereits vor einigen Jahren hat Dr. Syndicus, der lange Jahre dem Fachbeirat des Bundesverbandes Skoliose-Selbsthilfe angehörte, in einem Fachreferat anlässlich einer Mitgliederversammlung darüber gesprochen, dass er daran forscht, inwieweit mechanische Einflüsse auf das kindliche Becken während der Geburt zu zunächst minimalen Impulsen auf den Bandapparat um das Becken haben, die dann möglicherweise eine Ursache für die Entstehen einer Skoliose sein könnten. Er hat das also sehr sehr vorsichtig formuliert. Welcher Stand seine Forschungen heute haben, weiß ich nicht.

Ich habe mir aber überlegt, dass es dann eigentlich bei Kaiserschnitt-Kindern keine oder zumindest erheblich weniger Skoliose geben dürfte.

Müsste eigentlich auch mal erforscht werden, oder ist es das schon?

Freue mich über weitere Beiträge zu diesem Thema.
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Re: Beckenschiefstandbehandlung gegen Skoliose

Beitrag von sloopy »

Hallo Anne,

mir erscheint das alles sehr suspekt. Wenn der Mann eine Heilung zu 100% verspricht, kann das meiner Meinung nach schon nicht seriös sein. Dann hätte er mit seiner Methode schon so viel Geld verdient, dass er es nicht mehr nötig hätte, einen Vortrag für eine Person zu halten.

Ich find es toll, dass du dich so gut informierst, mir wäre das Ganze aber zu riskant und mir mein Geld zu schade, um so Jemandem nachzuwerfen. Die hundertprozentige Heilung bekommt niemand hin!

Gruß, sloopy
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Beitrag von Dr. Steffan »

Ich muss es ja mal so krass sagen. Das ist der größte Unsinn den ich in letzter Zeit gehört habe.
1. Scandicain ist ein lokales Betäubungsmittel das z.B. beim Zahnarzt zur Betäubung genutzt wird. Eine Wirkung auf die Bänder hat es nicht. Aber selbst wenn es eine Wirkung auf die Bänder hätte müsste er es literweise injizieren um alle Bänder des Beckens zu lockern.
2. Bei der Skoliose sind Beckenschiefstände eher selten. Vorrangig kommen Beckenrotationen vor. Also auch von dieser Seite nicht wirklich logisch was dieser Typ von sich gibt.
Dr. K. Steffan
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Beckenschiefstandbehandlung

Beitrag von anne »

Danke Dr. Steffan für die sehr eindeutige Beurteilung.
Kann gar nicht krass genug sein, wenn es sich um Humbug handelt!
Wenn ich Sie recht verstanden habe, ist mit dieser Methode gar nicht das erreichbar, was sie vorgibt zu tun, nämlich die Bänder so zu lockern, dass manuell das Becken gerichtet werden kann.
Auch dass bei Skoliose eher Beckenrotation als Beckenschiefstand das Problem ist, kann ich nachvollziehen.
Ich wüsste aber noch gerne, ob durch so eine Behandlung auch Schäden angerichtet werden können?

Nun ja, es wird bei der ganzen Geschichte mal wieder so sein, dass man als Betroffener eben doch anfällig ist für irgendwelche "Wunderversprechungen". Wär ja auch zu schön gewesen!! Da kann man sich nur schützen, indem man noch einen letzten Rest Skepsis behält und sich umfassend informiert.

In diesem Sinne nochmals Danke!
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Beitrag von Tanni »

Hab mal ne dumme Frage: Was ist der Unterschied zwischen Beckenrotation und Beckenschiefstand? Eins von beiden hab ich nämlich auch - weiß nur nicht was.
Dr. Steffan
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Beitrag von Dr. Steffan »

Gefahren durch diese Therapie bestehen durchaus.
1. Gibt es Allergien auf Scandicain
2. Sticht der Heilpraktiker mit einer Nadel irgend wohin (bin mir nicht sicher ob er weiss wohin)
3. Wenn er einem Patienten sagt alles ist besser macht der Patient keine weitere Therapie nach Schroth und schadet sich dadurch ganz erheblich.
Dr. K. Steffan
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Beckenschiefstandbehandlung

Beitrag von anne »

Hallo Dr. Steffan,

danke für die Informationen!
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Beitrag von frasu »

Irgendwie wär ich schon allein dann skeptisch, wenn mir da jemand mit so einer "Wundertherapie" irgend etwas spritzen oder sonst irgendwie verabreichen will. Dafür hab ich schon zu oft Geschichten von Allergie/Neurodermitispatienten gehört, denen eine stark kortisonhaltige Salbe gegeben wurde (aber nur als unterstützende Behandlung wohlgemerkt) und noch irgendein "Hokuspokus" veranstaltet wurde.
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