Hi Tobias,
ob die Skoliose nach der OP weg ist oder nicht spielt bei der geringen Gradzahl eigentlich keine Rolle mehr. Ob es z.B. 30° oder 0° sind ist vollkommen egal, die WS ist dann sowieso versteift.
Die Versteifung ist dann auch das größere Problem als solch eine geringe Verkrümmungen.
Was aber definitiv eine Rolle spielt, ist daß Du durch die OP Funktionen Deines Körpers verlierst: Die Beweglichkeit Deiner Wirblesäule.
Die WS besteht ja schon aus guten Gründen aus mehren Knochen und Gelenken, ist ja schließlich evolutionär so entstanden. Und die OP an sich ist auch nicht ohne.
Was Tomma meint ist daß man nach einer OP nicht geheilt ist. Je nach dem wie schlimm denn nun das Ausmaß der WS-Verkrümmung vor der OP war ist man danach vielleicht noch "kränker" als zuvor. Warum glaubst Du bekommt man als Operierter eher einen bestimmten Behinderungsrad anerkannt als ein nicht Operierter?
Tobias1978 hat geschrieben:Ich wollte Dich schon immer mal fragen, warum Du Dir da so sicher bist. Kennst Du viele Fälle mit ähnlichen Skoliosen, die operiert wurden und nicht zufrieden(er) sind (das ist keine rhetorische Frage!)? Kennst Du keinen, dem es nach der Op besser ging? Bist Du der Meinung, psychische Beeinträchtigungen "zählen nicht"?
Eher das Gegenteil. Dadurch daß ich so lange in Sobernheim war kenne ich sehr sehr viele nicht operierte Skoliosen von allen möglichen Gradbereichen und allen möglichen Varianten. Ich denke ich kann mir schon ganz gut vorstellen, was 54° bedeuten; jetzt mal ganz davon abgesehen, daß ich selbst auch mal soviel Grad hatte.
Mit so einer Skoliose muß man nicht unglücklich sein, und sofern man die Schmerzen in den Griff bekommt kann man damit auch sehr gut leben, es gibt da wesentlich schlimmeres. 54° sind sowohl optisch als auch körperlich nicht so schlimm, daß man dafür die gesundheitlichen Beeinträchtigungen einer OP in Kauf nehmen müßte ("Kanonen für Spatzen").
Wenn sich jemand aus psychischen Gründen bei den Gradzahlen operieren lassen will (gesundheitliche spielen in dem Gradbereich ja keine Rolle), dann können wir da echt nur empfehlen nach Sobernheim oder Bad Salzungen zu gehen und dort eine Kur zu machen.
Nach dem was man dort sieht, erlebt und an Erfahrungen sammelt ändert man seine Einstellung dazu grundlegend. Du lernst dort sowohl psychisch als auch körperölich mit Deiner Skoliose umzugehen und auch die Sache nicht überzubewerten oder zu dramatisieren.
Ich denke der wichtigste Unterschied, den es zwischen operierter und nicht-operierter Skoliose gibt, ist daß Du bei einer OP ein für Dich nicht kalkulierbares Risiko eingehst. Es gibt Leute bei denen geht es gut, es gibt andere bei denen geht es in die Hose und es gibt keinen der Dir definitiv sagen kann, wie es ist damit richtig alt zu werden (so lange gibt es diese OPs ja noch nicht). Der eine Körper verkraftet es prima, der andere nur ganz schlecht. Was mit Dir während oder nach einer OP geschieht liegt weitgehend außerhalb Deines Einflußbereichs und die Halbgötter in Weiß auf die man sich so gerne verläßt gibt es auch nicht.
Bei einer konservativen Skoliose-Behandlung sieht das ganz anders aus. Da hast Du alles selbst in der Hand und selber die Kontrolle über das was geschiet. Meine Gesundheit würde ich nur ungern aus der Hand geben, nicht an jemanden der sich weniger gut mit meinem Rücken auskennt als ich selbst (das sind alle) und ich würde sie erst recht nicht für eine Operation aufs Spiel setzen, die die Relevanz einer fragwürdigen Schönheits-OP hat.
Letzteres spielt bei Jenny Tina glaube ich auch nicht die primäre Rolle. Ich denke da ist es mehr die Angst vor dem, was mit ihrem Rücken in den nächsten Jahren passiert oder passieren könnte, und diesbezüglich können wir ihr ganz sicher weiter helfen; und genau an der Stelle, da bin ich mir wirklich SICHER; sie klagt ja noch nicht mal über besondere Beschwerden.
Aber natürlich gibt es für alles auch seine Grenzen. Es gibt auch Skoliosen, bei denen ich mich wahrscheinlich operieren lassen würde. Auch aus rein optischen Gründen. Aber das könnte ich nicht an der Gradzahl fest machen. Ich hab auch schon Leute kennen gelernt, die hatten sowohl oben als auch unten jeweils über 80° und das sah aus wie 40°, keine Schmerzen, keine Bewegungseinschränkungen, sportlich und ein mega Lungenvolumen.
... was war noch mal die Frage

... Ach ja,
nicht rhetorische Frage nach Leuten die zufriedener nach einer OP waren.
Ja, da kenne ich auch Leute. Alle diejenigen, die das Glück hatten daß alles gut gegangen ist (kannst Du ja auch hier im Forum lesen) und alle diejenigen, die eine solch starke Skoliose hatten, daß sich die OP, trotz etwaiger Einschränkungen, immernoch gelohnt hat.
Zufriedener ist man ja immer dann, wenn es einem besser geht, und das "Besser Gehen" erreicht man bei geringen Gradzahlen nun mal sicherer mit konservativer Behandlung als mit einer generell risikobehafteten OP. Ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit und des Risikos. Wenn es keinen gäbe, dem eine OP etwas bringt, dann würden sie bestimmt nicht mehr durchgeführt.
Diejenigen die ihre OP bereuen, von denen kannst Du auch hier im Forum lesen und Du triffst auch einige davon in Sobernheim.
Es gibt sowohl das eine, wie auch das andere; damit erzähle ich jetzt aber wahrscheinlich nichts neues; und die von Dir so heiß begehrte zuverlässige Statistik darüber gibt es leider nicht.
Was ich noch sagen wollte: Ich finde das echt gut, daß Du es jetzt erst mal mit einem Korsett ausprobierst. Du hast irgendwo mal die Frage gestellt, was Dir die ganze Korsett-Therapie letztendlich an Korrekturerfolg bringen soll. Ich denke als Ziel solltest Du Dir nicht setzen, daß Du nach ein paar Jahren Dein Korsett wieder komplett abschulst und grade bist, sondern daß Du es schaffst, die Korrektur den Tag über zu halten und das Korsett nur noch nachts trägst.
Hast nämlich den entscheidenen Vorteil, daß Du als Mann so eine Nachtkorsett-Versorgung unendlich ausdehenen kannst, ohne daß Dir dabei z.B.eine Schwangerschaft dazwischen kommen könnte

und ohne daß sie Dich in Deiner Lebensqualität einschränkt.
Ich hab ganz lange nur nachts Korsett getragen (5 Jahre); um ehrlich zu sein hab ich das während der ganzen Zeit fast komplett vergessen.
Aber letztendlich mußt Du halt selbst sehen, welche Variante für Dich die optimalste ist. Die Entscheidung zu einer OP kann Dir keiner abnehmen und wenn Du ernsthaft versucht hast auch mit anderen Mitteln Deiner Kyphose beizukommen (Korsett, Sobernheim, Bad Salzungen), dann ist die Entscheidung dazu mit Sicherheit gut überlegt und nicht mangels besseren Wissens und Erfahrung wie "mit Kanonen nach Spatzen geschossen".
Was Dir auch helfen kann wäre z.B. der Rat von Dr.Hoffmann. Er wird Dir sicherlich nicht unbegründet zu einer OP raten.
Liebe Grüße,
BZebra
p.s. Ups, ganz schön lang geworden

. Herr Dr. Weiß untersetllt diesem Forum im übrigen, daß hier unbegründet zur OP geraten würde.