Es ist durchaus wünschenswert, daß über diese QS-Checklisten kontrovers diskutiert wird!
Daß eine höhere Qualität z.B. in der Diagnostik DRINGENST NOT-wendig ist zeigt doch wieder diese supertypische Diagnose eines "Feld-Wald und Wiesen-Plattfuß-Hüfte-Knie-Orthopäden":
Röntgen BWS: Linkskonvexe Skoliose. Scheitel bei BWK 7. Diagnose: Thorakolumbale Skoliose.
aus diesem Tread:
http://skoliose.net/forum/viewtopic.php?p=23848#23848
Der hat zwar erkannt daß sich die WS irgendwohinbiegt, SOGAR den 7.Brustwirbelkörper als Krümmungsscheitel identifiziert ( Immerhin! ist aber nur bei der nicht mehr angewandten Messmethode nach FERGUSSON von Bedeutung) aber OHNE Gradzahl nach COBB und ohne Angabe ob eine Rotation nach NASH & MOE oder RAIMONDI vorliegt.
Aber genau das wäre ZWINGEND erforderlich, um erstens feststellen zu können, ob das eine echte Skoliose ist. Definition über 15° MIT Rotation der Wirbelkörper oder "nur" eine skoliotische Fehlhaltung....?
Der Patient scheint außerdem einen "Hohlrundrücken" zu haben. Der sagittale Befund ( Kyphose-Lordose-Winkel, SCHOBER-OTT-Messung, eventuelle Scheuermann-Zeichen) ist völlig unterschlagen!
Das ist doch nur noch Schlamperei und keine DIAGNOSE!
(Für eine Ausmusterung kann das sehr wohl entscheidend sein!
Natürlich auch bei einer 11- 1*..-Jährigen für die Korsettentscheidung und den Reha Antrag.
Wir verlangen ja gar nicht, daß ein "normaler" Orthopäde sofort und aus dem Kopf jede Skoli in die Systematischen Einteilungen nach KING, LENKE, RIGO und SCHROTH einteilt oder jeden einzelnen WK nach RAIMONDI´s Rotationsschema vermisst.
Die Checklisten sollen durchaus solche " Tennis-Ellbogen und Golferarm-Orthopäden" zunächst mal bewusst überfordern. Es kann einfach nicht derjenige ein guter Skoliose-Arzt sein, zu dem man Jahrelanges Vertrauen aufbauen muss, der erst mal seine Geodreiecke aus seiner frühen Gymnasialzeit rauskramen muss, wenn man Ihn nach den Cobb-Winkelgraden befragt. ( und dann misst er vieleicht nach Fergusson, schreibt aber Cobb in den Befund!)
Ich finde es schon wichtig Betroffenen und Eltern ein "Siebkriterium" an die Hand zu geben, damit diese in die Lage versetzt werden die "Weißkittelspreu" vom echten "Wirbelsäulen-Weizen" zu unterscheiden!
Andererseits wollen und dürfen wir uns die Orthopäden auch nicht zu Feinden machen. Aber sie sollen anhand der Fragen und eventuell übergebenen Listen SOFORT merken, daß sie es mit gut informierten und qualitätsbewussten Patienten zu tun haben, die hohes Engagement verlangen. Wenn der Orthopäde dazu aus div. Gründen nicht in der Lage oder bereit ist, soll er abgeben, weiterüberweisen, einen Kollegen empfehlen usw...
Und wenn das nicht klappt können Betroffene und Eltern anhand der Checkliste prüfen, ob das einigermaßen optimal läuft oder abbrechen und sich einen WS-kompetenteren oder qualitätsbewussteren Arzt suchen!
Wir müssen endlich mehr zu qualitativer und evidenzbasierter Medizin kommen. Wenn wir in unserem Bereich mit diesen Listen ein wenig Wind in Arztpraxen bringen, in denen die Geodreiecke verstauben und Einzelröntgenbilder falsch zusammengepappt werden, dann solls mir nur Recht sein!
Gruß Toni