Hallo zusammen!
bluecat hat geschrieben:Du warst aber sehr nervös und Angst vor der nächsten Enttäuschung, gell? Wenn Der Doc schon mehrfach zur Ruhe ermarnen muss
Ja klar war ich nervös!!! Dr. Hoffmann hatte ja letztes Mal schon angekündigt, dass ich nur um die Op herum komme, wenn ich eine akzeptable Primärkorrektur habe. Und bei meiner starken Rotation erwarte er sich da nicht so viel. Er sagte im Juli, ich solle aber auf jeden Fall das nächste mal, wenn Prof. Halm bei ihm ist wiederkommen. Am Donnerstag hab dann gefragt, wann ich wiederkommen muss und er sagt "erst mal nicht" und das "Date" mit Prof. Halm ist wohl damit gecancelt. Jippie
Ich bin auch keiner von den "Wenn´s mit dem Korsett nicht so gut klappt, lass ich mich halt versteifen, macht auch nichts"-Leuten, sondern für mich ist diese Op die absolute Katastrophe. Als Dr.H. im Juli davon anfing, ist für mich eine welt zusammengebrochen. Ich hab eine Woche lang zu Hause nur geheult und konnte kaum mehr was sprechen. Im Büro bin ich ständig auf Toilette gerannt um mich auszuheulen, ganauso auch abends, wenn ich mit Freunden weg war. Jeder hat halt so einen wunden Punkt, bei mir ist es halt diese OP. Seit ich 10 Jahre als war, wurde ich immer damit traktiert "Wenn du dein Korsett nicht 24h am Tag trägst und nicht immer KG machst, dann ...
Version 1: Kannst du mit 25 nicht mehr grade stehen und sitzt mit 30 im Rollstuhl
Version 2: Wirst du hinten aufgeschnitten, kriegst Schrauben in die WS gehämmert, liegst ein halbes Jahr im Krankenhaus und bist ganz weit weg von deinen Eltern und hast dann dein Leben lang quasi ein Korsett von innen."
Als ich bei der Schmerztherapie in Sobi war, hat die Psychologin uns gefragt, ob wir schon mal dran gedacht haben uns operieren zu lassen. Ich mußte gleich als erste erzählen und hatte sofort Tränen in den Augen und die Psychologin meinte, ich könne es ihr auch mal unter 4 Augen erzählen. In der Einzelsprechstunde habe ich dann alles aus meiner Kindheit erzählt und dass es mir immer so schlecht ging im Korsett, ich keinen Sport (Rollschuhfahren, auf dem Spielplatz turnen, Seilspringen oder was man sonst so als Kind macht) machen durfte und ein ziemlicher Außenseiter wurde, wo ich vorher immer sehr sehr fröhlich war und in der Schule im Mittelpunkt (im positiven Sinne) stand. Auch war ich eine gute Sportlerin und mußte von einem Tag auf den anderen alles aufgeben. Ich habe ihr auch erzählt, dass ich mir so große Vorwürfe mache, dass ich das Korsett nur bis 13 Jahren in der Schule getragen habe. Das konnte ich so bei meiner Mutter durchsetzen, nachdem ich ja nur eine Primärkorrektur im Korsett von 47° auf 45° hatte (was uns auch schon damals spanisch vorkam) und ab dann 2 mal täglich mit meiner Mutter zusammen Vojta-Gymnastik gemacht hatte. Die Psycholgin meinte, sie hätte mit dem Arzt dort in sobi gesprochen, der schätzt meine Skoliose nur noch so auf 40-45°. Das heißt, dass sie sich eher noch verbessert hat seit ich das Korsett nur noch 16h am Tag getragen hab und dass eine OP auf jeden Fall niemals ein Thema für mich sein wird. Das hat mich dann doch sehr beruhigt und dann kam jetzt, fast 2 Jahre später, der Schock.
Ich glaube aber, dass Dr. Hoffmann mich verstanden hat, dass ich so nervös war. Vielleicht konnte er sich auch noch an meine Tränen erinnern, die flossen, als er mir sagte, die OP sei der einzige Ausweg, selbst mit viel Schroth-KG wird meine Krümmung jedes Jahr um 1° zunehmen. Er war überrascht von meiner Reaktion, er sagte selbst, dass es viele gibt die dann sagen: "OP? Gute Idee, hab ich auch schon oft dran gedacht, dass das nicht schlecht wäre. Dann hab ich endlich wieder einen schönen Rücken. Wann kann´s losgehen?" Er hatte mich wohl falsch eingeschätzt. Ich finde meinen Rücken nicht im geringsten häßlich und es wäre eine Schande, den aufzuschneiden. Von vorne sieht man mir gar nichts an und von hinten sieht man halt den Rippenbuckel, besonder bei blödem Licht, wie in Umkleidekabinen. Der Rücken an sich ist aber gerade, keine herausstehende Hüfte oder ein Rechtsüberhang. Mein rechtes Schulterblatt kommt nicht richtig raus, aber wahrscheinlich merken Außenstehende das nicht mal

. Von der Optik her, wär mich also die Derotation am Wichtigsten. Was die Schmerzen angeht wäre es aber sicherlich wichtig, dass ich meine 54° dauerhaft halte. Der Bereich um das Paket herum ist nämlich ständig verspannt und das würde bestimmt nicht grad besser werden, wenn ich in 20 Jahren 70° hätte

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@Dalia: Danke für die Gratulation. Es beruhigt mich, dass auch ihr meine Korrektur als zufriedenstellend anseht, also in dem Sinne, dass es sich wirklich lohnt weiter durchzuhalten und Dr. Hoffmann nicht nur so zufrieden war um mich "ruhig zu stellen"

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Ja, das mit den 0° im Korsett hört sich schon komisch an. Ist mir ein Rätsel wie man das erreichen kann

. Ich habe ja jetzt schon riesig fette Pelotten drin. Also wirklich, wenn man von oben reinschaut kriegt man schon das Grauen. Mein Vater meinte auch gleich, ob ich mich da wohl nicht übernommen hätte.
Der Hausarzt meiner Mutter wollte früher schon mir nie ein Rezept geben. Er ist sehr religiös und ist der Meinung, die Skoliose ist keine Krankheit, sondern eine kleine Abnormalität, wie andere halt eine krumme Nase haben. Schmerzen gibt´s dadurch nicht. Er sagte schon mir damals ich solle endlich lernen, mich nicht so gegen meinen Körper zu wehren und mich endlich so akzeptieren, wie Gott mich geschaffen hat

. Also von dieser Seite kann meine Mutter nichts erwarten. Ich hatte meine Mutter vor fast 2 Jahren schon mal zum Orthopäden geschickt, als ich den Eindruck hatte ihre Skoliose wäre schlimmer geworden. ich dachte mir, das könne vielleicht in den Wechseljahren vorkommen. Der Arzt meinte, das wäre totaler Quatsch und hat meine Mutter nicht mal angesehen und sie gleich rausgeschickt. Dr. H. meinte jetzt übrigens, dass die Theorie mit den Wechseljahren gar nicht so abwegig ist, da gibt es wohl doch einen Zusammenhang

(ha, ha, war also doch nicht so blöd von mir).
Bezüglich Dr. Hoffmanns Budget-Problemen hab ich mir schon überlegt, ob nicht eine Selbsthilfegruppe an die Presse gehen kann. Also zB, wenn er nach diesem Jahr Geld zurückzahlen muss, dass das mit allen Hintergründen an die Öffentlichkeit kommt. Es kamen auch schon viele Nachfragen per PN, ob man nicht spenden könnte. Also, wenn Dr. H. nicht mehr da ist, haben wir Korsett-Träger ja schon ein Problem und da wären bestimmt auch viele bereit was zu spenden. So etwas könnte dann vielleicht von Rahmouni aus organisiert werden (er hätte ja auch ein Eigeninteresse, ohne Dr.H. hätte er bestimmt auch ziemliche Umsatzeinbußen), denn er hat ja die ganzen Patientenadressen. Er könnte die dann vielleicht anschreiben oder in seinem Laden einen Aushang machen.
Aber das Grundproblem wäre damit noch nicht gelöst

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Ach, jetzt hab ich aber wieder viel geschrieben, liest das überhaupt jemand alles

?!
Bis bald,
Sandy