Hallo,
zum Hintergrund: wenn man als gesetzlich versicherter Patient, der schon mal in die Rentenkasse eingezahlt hat, eine Rehabilitationsmaßnahme wegen eines Leidens beantragt und dieser Antrag von der BfA abgelehnt wird, schreibt man in der Regel einen Widerspruchsbrief. Im allgemeinen folgt dann eine Untersuchung durch einen neutralen Arzt, der von der BfA bestimmt wird und den Patienten oder die Patientin noch nicht kennt. Diesen Termin habe ich heute hinter mich gebracht.
Der Arzt hatte eine Art Checkliste vor sich liegen -- ein einseitig bedrucktes Papier, das er im Laufe der Besprechung immer weiter vollschrieb. Vielleicht hat er auch noch ein zweites Blatt Papier vollgeschrieben und es fiel mir nur nicht auf ...

... auf jeden Fall ging es mit allgemeinen Fragen los: wie groß, wie schwer, ledig oder verheiratet, gibt es internistische Probleme, Kinderkrankheiten (welche?) ... dann kamen wir zum eigentlichen Thema. Wann wurde die Skoliose festgestellt? Wurde Krankengymastik gemacht? Durchgehend? Das war jetzt immer noch ein lockeres Gespräch, in dem ich alles erzählte, was seit Januar so gelaufen war. Parallel dazu immer Blicke auf die Röntgenbilder (der gute Mann war froh, daß ich aktuelle dabei hatte und er nicht röntgen mußte). Er bestätigte die Diagnose von Herrn Wagner (nicht vollständig ausgebildeter Abschluß des Spinalkanals zwischen L5 und S1, leichte Spondylarthrose im Lendenwirbelbereich aufgrund Höhenminderung der Bandscheiben), stellte zusätzlich Verdacht auf Gleitwirbel und wurde etwas blaß, als ich vom LumboLoc erzählte. Er hat auch gestaunt, daß ich das alles erfuhr, als ich eigentlich wegen dem Hals da war. Eine Skoliose hätte er anhand dieser Bilder nicht diagnostiziert. Es kam die Zwischenfrage, ob ich Medizin studieren würde

, dabei hatte ich nicht mehr erzählt, als mir selbst erzählt wurde. Das Röntgenbild von Dr. Hoffmann, welches wesentlich dunkler ist als die von Dr. Wagner, schaute er sich leider auch nur im schwachen Licht dieses Zimmers an, obwohl er es auch an die Leuchttafel hätte heften können (ich wies darauf hin, daß es sehr dunkel sei, vielleicht hätte ich das besser nicht getan?). Naja, zumindest die 10° nach Cobb hat er sich ebenfalls notiert. Und die Bilder vom Hals waren ja wieder heller. "Sie haben eine HWS-Kyphose, wissen Sie das?" Auf die Brachialgien ging er nicht ein, ich habe diese Diagnose leider auch nicht erwähnt

, sondern nur die Auswirkungen. Ich packte dann noch die MRT-Bilder aus, die ich aber wohl nicht unbedingt hätte mitbringen müssen. Ich hatte nicht das Gefühl, daß sie wesentliche Informationen enthielten.
Nach dem Gespräch wurde ich von diesem Arzt selbst noch einmal untersucht. Zuerst Messung der Bewegungsamplituden, und zwar auf alle möglichen Arten und in allen möglichen Richtungen. Ergebnis: leichte Asymmetrien. Vermessung der Rückenlänge, dann wird auf dem Rücken herumgeklopft. Ich schreie ein- oder zweimal auf, als ich die Zähne nicht weiter zusammenbeißen kann, und denke später, daß ich sie gar nicht hätte zusammenbeißen dürfen. Die Gewohnheit eben.

"Insuffizienz des Rückenstreckers." Herumdrehen, Arme durchstrecken. "Rechter Arm läßt sich nicht ganz durchdrücken" (das wußte ich bisher nicht). Messungen des Armumfangs beidseitig, dann darf ich mich auf die Liege legen. "Leichte Senk- und Knickfüße" (war mir auch nicht bekannt, ich glaube aber, daß das schon mal Thema war, vor etlichen Jahren halt). Messungen des Bein- und Fußumfangs beidseitig. Wieder Bewegungsamplituden, dann ist es vorbei. Es kommen noch Fragen, ob Taubheits-, Kribbel- oder Stromflußgefühle bestehen, und warum es eine Reha sein soll, ob die Krankengymnastik nicht genügt? Nein, sage ich. Im Gespräch war vorher die Frage gekommen, ob ich auch selbst üben würde, dies hatte ich bejaht, das wurde auch notiert. Mehr habe ich aber nicht gesagt, kein Wort zu Schroth, dazu, daß ich ja auch selbst Muskeln stärken will ... das fiel mir auf dem Weg zum Bahnhof alles wieder ein und ich war dann auch entsprechend sauer. Die abschließende Bemerkung des Arztes war dann, daß er das "dann mal alles zusammenschreibt und nach Berlin schickt, und die Berliner müssen dann entscheiden, ob das ausreicht". Ich hatte nicht den Eindruck, als wolle er mir Mut machen. Grrmpf. Bin ich heute mit dem falschen Bein aufgestanden?
Nunja, jetzt heißt es wohl abwarten.
Gruß
Chaney
Halte an Deinem Stolz fest. (japan. Sprichwort)