Seite 1 von 1

(Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: Mi, 18.01.2012 - 01:11
von Bärle
edit by sloopy: abgespalten von viewtopic.php?f=9&t=23627&start=20
Hallo, Sloopy
BaSa kennst Du von Besuchen und persönlich
ab 91 kennst Du Sobernheim, dann bist Du dort fast schon wie zu Hause.
Den Schrothanfang hattest Du dann in der privaten Klinik am Berg wo es zum Flugplatz hoch geht.
Also am Ortsausgang. Unterbringungen in den umliegenden Häusern. Das war ja richtig
verschachtelt da oben. Soll aber etwas für sich gehabt haben.
Das nenne ich Geschichte einer wunderbaren Therapie mit sehr viel Pinoneergeist von
Frau Lehnert. :ja:
Wieviel Wochen hatte man damals zur Reha bekommen? Bestimmt mehr als drei.
Leider bin ich viel zu spät zum Schrotheln gekommen....hm...hm...aber das ist ein
anderes Kapitel.

viele Grüße
Thomas

Re: Bad Soberheim oder Bad Salzungen für Kyphose bei Erwachs

Verfasst: Do, 19.01.2012 - 11:50
von Schalke-Andy
Hallo Bärle
Wenn es Dich interessiert: Ich war 1977 erstemal in Sobi. Mit noch anderen 7 Jungens auf ein Zimmer (oben am Haupteingang). Da wurde Nachts die Tür abgeschlossen!!! Schlüssel hatte nur der Nachtwächter. Heute feuertechnisch no go! Da wurde auch noch Nachts angegurtet, damit man nicht auf der Paketseite schlief. Das z.B. hat sich bei mir bis heute eingeprägt. Sobald ich Nachts auf der linken Seite liege werde ich wach und drehe mich. Überall Spiegel.
Weil Fr.Lehnerts Motto war : Jedes Schaufenster ist ein Spiegel zum Korrigieren. Was Sie mir beim Forumstreffen auch bestätigt hat. Heute halten sich die Patienten mit Korsetts gerade. Das war damals für Fr.Lehnert ein Graus. Da war auch alle 2 Wochen ein bunter Abend mit kleinen Theaterstücken und Sketche.
Dann, mit 16/17 Jahre hat man außerhalb bei irgendwelchen Familien in Sobernheim gewohnt. Was in meinem Falle super war. Ich hatte das Glück jedesmal zur Familie zu gehören. Außerdem konnte man so machen was man wollte......Die Mädels waren im Haupthaus mit "Bewachung"!! Aber durch 2 Keller galang man in diesen Trackt (auch Abends!!) Blitze gab es damals schon. 3 Blitze Heimreise. Wir (ich) standen immer so bei 2,5!!!! Die Heulerei beim Abschied war noch größer.
Nachhause wollte kaum Einer. Damals waren die Kuren jedesmal min. 6 Wochen. 1 x in der Woche wurden Kontrollfotos vom Rücken und von der Körperhaltung gemacht.
Uiii, wenn man einmal anfängt von Damals zu schreiben könnte man Bücher füllen. Eine Begebenheit noch. Die Klinik lag ja damals direkt am Hang. Um zum Essensraum zu gelangen, mußte man bestimmt 100 Stufen runterlaufen. Das Schlimmste damals war: wehe man sprang ein Stufe runter und Herr Lehnert hat das gesehen. Zu der Zeit war ja jede Stauchung Gift für die Wirbelsäule. Treppen springen mindestens 1 Blitz!! Ist heute doch Alles humaner..
Wer mehr Geschichten lesen möchte kann mir ja 'ne Info zukommen lassen. Jedenfalls möchte ich keine meiner 6 Kuren missen.
blau-weißer Gruß
Andy
(Worann erkennt man Dortmunder? An gelbe Zähne und schwarzen Hals)

Re: Bad Soberheim oder Bad Salzungen für Kyphose bei Erwachs

Verfasst: Do, 19.01.2012 - 22:09
von Lena52
Kaffeetrinker hat geschrieben:Ich denke Socke geht es eher ums Ambiente, um das "aussenrum" da sollte man sich auch wohlfühlen, nen vernünftiges Zimmer, vernünftige Freizeitangebote, und so weiter.

Ich selber will mich beiner Reha wohlfühlen da zählt das aussenrum natürlich auch mit.
Hallo Kaffetrinker,
hallo Socke,
echt interessant, was ihr so geschrieben habt.

Selber kenne ich Bad Sobernheim überhaupt nicht. Kann also überhaupt nicht mitreden.

Dafür aber Bad Salzungen!

Da war ich vor einigen Jahren das erste Mal zur Reha. Und als ich das Haus am See zum ersten Mal gesehen habe, da habe ich gedacht, dass es irgend so ein Luxuhotel sein müßte.

Ich bin dann da ganz brav und bescheiden rein gegangen und habe vorsichtig mal angefragt, wo denn hier die Rehaklinik wäre?

Und die netten Damen am Empfang - echt wie in einem Hotel - haben mir gesagt, dass ich im richtigen Haus wäre.!

Ich konnte es kaum glauben! Alles wie in einem Hotel! Säulen, Marmor, Stufen runter zum See, große Balkone in der ersten Eta, die Flure ..... einfach irre!

Ich habe dann ein riesengroßes Zimmer in der 1. Etage bekommen.
Ein Zimmer - sehr großzügig - und wie in einem 5-Sterne-Hotel!
Das Bad war allererster Sahne!
Dazu eine riesengroße Terrasse mit Mobilar und Blick auf dem See!

Ich konnte es kaum glauben, in so einem tollen Haus eine Reha machen zu dürfen.

Das Personal war super nett und hilfsbereit. Viele Sachen habe ich einfach nicht begriffen, da ich das erste Mal in meinem Leben "geschrothet" habe. Die Atemtechnik.... alles war neu. Trotzdem waren alle Physiotherapeuten sehr geduldig, hilfsbereit und haben sich nichts anmerken lassen, wenn man es immer noch nicht begriffen hatte.... Schrothen ist schwer .... zumindest für mich .... naja......

Jedenfalls ist es in Bad Salzungen super schön!

LG Lena

Re: Bad Soberheim oder Bad Salzungen für Kyphose bei Erwachs

Verfasst: Do, 19.01.2012 - 22:19
von Bärle
Hallo Andy,

ja, klasse Bericht, einmalig.:sobernheim

Das war dann schon streng, in : hui....hui.....
aber dann docht mit buntem Abend und so.
Trotzdem wollte keiner mehr heim fahren, wie das ?
Wart Ihr dann so zusammen geschweißt, wie ich vermute.
Auf die Mädels wurde dann besonders aufgepaßt, aha..aha..sicher ist sicher und
immer schön artig bleiben so das Motto. Aber so war das früher, ganz klar. Überall war der erhobene Zeigefinger. Abgeschlossene Zimmer und so, das waren Zeiten, heftig. Heute undenkbar.
Dann war unten an der Straße der Speisesaal, Aha, so war das.
Korsette waren dann nicht erwünscht, habe ich das so richtig verstanden ?
Aber wie man sieht, unter 6 Wochen ging da gar nichts. Dafür war eben
die Unterbringung günstig organisiert und man hatte dadurch die Gelegenheit
die Reha für 6 Wochen zu veranschlagen.
Mit Deinen 2,5 Blitzen warst Du noch gerade noch im Limit. Vieleicht mit Abspülen und
Staße fegen einen Blitz ins Plus :juggle: schreiben lassen, ginge das ?
Hast Du heute noch Kontakt zu deiner damaligen Gastfamilie ?

Gerne kannst Du Deiner Feder noch ferien Lauf lassen sofern Du noch Tinte hast.
Vieleicht möchten sich noch ein paar Leuts von damals mit dazu schalten. :schreiben:
Wäre schön, wie ich finde.

viele Grüße, Thomas

Re: Bad Soberheim oder Bad Salzungen für Kyphose bei Erwachs

Verfasst: Fr, 20.01.2012 - 10:17
von Ricky
Hey,
mich würde es auch noch weiter interessieren, wie es damals war.
Finde ich super spannend, auch wenn ich ungläubig den Kopf schütteln mußte.

Sicher kannte man es früher nicht anders, aber meine Kleine wäre traumatisiert...wie sich die Zeiten und anscheinend Empfindlichkeiten doch ändern :-)

LG

Re: Bad Soberheim oder Bad Salzungen für Kyphose bei Erwachs

Verfasst: Fr, 20.01.2012 - 11:07
von Schalke-Andy
Hallo
Ich werde am Montag noch was reinsetzen. Leider bin ich bis dahin auf Geschäftsreise und morgen ist Schalke!!
Würde es aber super finde, wenn "andere alte Sobernheimfaher" auch Ihre Erlebnisse schildern.
Ah, ganz kurz: Herr Lehnert war so eine Art Aufpasser. Lustig war, wenn Er Irgendjemanden bei einem Fehler erwischte, versuchte Er Aufmerksamkeit mit einem Pfiff einzufordern. Manko: ER KONNTE NICHT PFEIFEN! Also, sah man Ihn das Er gerade dazu ansetzten wollte, pfiff man selber. Er hat sich dann höflich bedankt und fing dann mit einem Donnerwetter an. Aber Er war die Respektperson.
Ah, noch was auf die Schnell: Kann sich jemand an einen Betreuer erinnern, zur damaligen Zeit, der Ballettänzer war. Etwas älter, grau und typischer Tänzer.
Mir fällt der Name nicht ein.
Ich habe da mal eine allgemeine Frage. Ich habe einen Behindertenausweis mit 70%. Wie sieht das bei anderen Betroffenen aus?
Ich überlege einen Änderungsantrag zustellen.
Gruß Andy

Re: Bad Soberheim oder Bad Salzungen für Kyphose bei Erwachs

Verfasst: Fr, 20.01.2012 - 15:29
von Bärle
Hallo Andy,

Na das waren Zeiten , Chef mit Pfeife in Sobernheim.
Bin ja gespannt bis nächste Woche was Du noch zu erzählen weißt.
Oder vieleicht ein neues Thema eröffnen "Sobernheim damals" oder so.

zu Deinem Gdb; Hast Du 70% wegen Deiner Skoliose ?
Da kämpfen ja operierte Patienten um überhaupt 50 % Gdb anerkannt zu bekommen.

Gute Geschäftsreise und viele Grüße
Thomas

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: So, 22.01.2012 - 20:16
von Flamingo
Hallo zusammen,

die alte Klinik kenne ich noch gut, war etliche male dort und habe noch sehr viele Erinnerungen an sie... ;D

@ Schalke-Andy: der Therapeut, der mal Täzer war, hieß Zasada. Er hat abends oft in Halle 1 vor den Spiegeln gestanden und getanzt. Woran ich mich noch erinnere: er trug erkennbar eine Perücke, die ihm gelegentlich verrutschte, worüber wir uns immer sehr amüsiert haben.

Hast Du mit den sieben anderen Jungs in einem der Zimmer über dem Meßraum geschlafen? Ich wußte gar nicht, dass so viele dort Platz hatten, die meisten waren doch unten in dem kleinen Haus an der Staudernheimer Strasse untergebracht. (Becker-Haus? Breuer-Haus? Wie hieß es noch?)

Im Forum gibt es einen sehr schönen Thread über die alte Klinik, man findet dort z. B. ein Foto, dass einige der Therapeuten aus dem Jahre 1985 zeigt, sie stehen vor der sogenannten "Hundehütte", ganz links oben kann man auch Herrn Zasada sehen, hier der Link:

viewtopic.php?f=9&t=4328

Guckt doch einfach mal rein. Für die, die es noch kennen, wird es eine nostalgische Reise sein und für die anderen die Bekanntschaft mit einer Klinik, die viel Charme und Herz hatte. Als pdf findet Ihr dort auch die Schroth-Lieder, mein Lieblings-Lied war: "Ja, im Kurhaus Lehnert-Schroth sind wir", wurde zur Melodie von "Von den blauen Bergen kommen wir" gesungen. Gesungen wurde übrigens fast jeden morgen auf der oberen Terrasse, wenn jemand Geburtstag hatte oder Mittwochs am Abreisetag, da flossen nicht nur die Tränen, es wurde auch gesungen und zwar mit Schmackes!

Wenn Ihr noch Fragen habt: ich beantworte sie gerne!

Liebe Grüße, Flamingo

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: So, 22.01.2012 - 20:36
von uspe
Klingt ja echt klasse, das alles zu lesen!
Habs gleich mal meiner Tochter gezeigt, die diesmal hoffentlich das 2.mal hindarf
(Antrag wird grad vom medizinischen Dienst der Krankenversicherung geprüft... bagen schon!!!!)

Sie war so begeistert dort, und hat schmunzelnd jetzt die ganzen beiträge gelesen!

Schön!!!!

Ciao, uspe

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: So, 22.01.2012 - 20:59
von bluecat
Die alte Klinik hat echt was gehabt.
Ich war 96 für 6 Wochen da, meine erste Reha kurz vor dem Klinikumzug. Die neue war da gerade im Rohbau.
Das Schlimmste waren dir vielen endlosen Treppen...und die Hundehütte (=Sauna)
Der Speisesaal war gut gelegen, denn ich hatte mein Zimmer in Haus 8 mit Balkon, 1a :D
Tränen sind grds. jeden Mittwoch gelaufen und das in Massen ;)

"Damals" war die Reha ein Ticken strenger als heute und auch härter. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
Vor allem die alt eingesessenen Therapeuten waren der Hammer. Frau Kutzen und Frau Gläßer z.B.
Die beiden haben ihre Arbeit sehr, sehr gut verstanden und dich so aufgerichtet, dass es sehr wehtun konnte. Danach war man gar nicht mehr in der Lage sich hängen zu lassen...

Es war eine sehr harte aber gute Schule.

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: Mo, 23.01.2012 - 11:33
von Bärle
Hallo zusammen,

ich habe mir die Beiträge (auch die von 2005) durchgelesen;
Irgendwie war das sehr streng aber dann doch wieder gut.
So gegensätzlich........hm.........Aber ein Zusammenhalt war
da schon da. Irgendwie gut. Mit Schrothlieder unter dem Motto wir sind eine
Familie. Heute spult jeder rucki zucki seine drei Wochen
runter und klick das war es.
Die Kliniken verfolgen heute Ihr Ziel was so viel heißt, alles "repariert"
alles wieder gut. Also die Vorgaben der Leistungsträger sind binnen kurzer
Zeit erfüllt. Ob es die Realität ist oder nicht, darauf wird nicht Rücksicht genommen.
Ob das damals wohl auch so gehandhabt wurde...hm....eher weniger, wie ich denke.

Wie viele Patienten waren damals zur Reha untergeracht ?
bestimmt wie Salzungen etwa, so um die 70 Patienten, wie ich schätzen würde.

viele Grüße, Thomas

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: Mo, 23.01.2012 - 17:25
von Flamingo
Hallo Bärle,

da hast Du Recht, "früher" war vielleicht nicht alles besser, aber der Zusammenhalt war sehr groß! Ein Lieblingssatz von Herrn Lehnert lautete: "Wir sind alle eine große Familie!"

Und obwohl es damals strenger war als heute, hatte das Ganze etwas sehr Familiäres, allein schon dadurch, dass man oft nicht im eigentlichen Kliniktrakt, sondern in einem normalen Wohnhaus einquartiert wurde. Die Leinenbornerstrasse (dort war der Haupteingang) rauf und runter liefen mehrmals täglich Grüppchen von Patienten: entweder zu den Hallen und Terrasen, auf denen geturnt wurde und natürlich auch zum Speisesaal oder sie liefen von der Klinik zu ihren Quartieren, mittags gab's eine Mittagspause bis 14.45 Uhr, dann konnte man sich ein Obst abholen, ab 15.00 Uhr wurde wieder geturnt.

Die Putzfrauen liefen übrigens auch täglich die Strasse rauf und runter, weil sie in den kleinen Häuschen sauber machen mussten...

Zuletzt hatte die Klinik entweder 120 oder 140 Patienten, das weiß ich nicht mehr genau, aber 120 waren es mindestens. Die Klinik hat sich ja von Jahr zu Jahr erweitert, die Nachfrage war immens. Auf dem alten Klinikgelände gab es folgende Hallen:

Halle 1 mit Sprossenwänden
Halle 2 - dort wurde sich angegurtet
dann gab's da noch die obere Terrasse
eine Etage und eine Treppe tiefer die Atemhalle (das ehemalige Schwimmbad, das sehr klein gewesen ist)
eine weitere Etage (und Treppenstufen) tiefer die Halle für Bauchmuskeltraining
die Halle für Tisch- und Stuhlübungen
noch eine Halle mit Sprossenwänden
sowie die untere Terrasse
wiederum eine Etage (und eine Treppe) tiefer die Balkenhalle
und die Halle für Hals- und Schulterübungen.

Hinter der Schulter,- Hals-Halle war die Atembehandlung. Wenn man Glück hatte, wurde man während der Übungsstunde von Frau Dietz oder von Frau Sroka (die auch heute noch in der Klinik arbeitet) gerufen und konnte einfach mal durchatmen, sonst musste man nichts machen. Ach, war das herrlich und eine entspannende Abwechslung!!!

Was ich noch nicht erwähnt habe, war der "Strecktisch". Wer auf der oberen Terrasse turnte, gab sein Heftchen im Streckraum ab und wurde möglicherweise auf den Strecktisch gerufen, dort festgeschnallt und ein wenig in die Länge gezogen :lach: . Hört sich schlimmer an, als es war, ich vermisse es aber auch nicht...

Liebe Grüße, flamingo

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: Mo, 23.01.2012 - 18:10
von sloopy
Hallo zusammen,

ich war 1991, 1992, 1993 und 1995 in der alten Klinik, jeweils für drei, meist vier Wochen.

Beim ersten Mal hatte ich während der Reha Geburtstag- Horror für eine Zwölfjährige. Auf der oberen Terasse wurde mir ein Ständchen gesungen und Frau Lehnert überreichte mir einen Müsliriegel- wie jedem Geburtstagskind. Ich fand's schrecklich, dort vorne zu stehen und besungen zu werden. Die Unterbringung in Mehrbettzimmern mit Etagenbad wäre heute unvorstellbar, damals war es einfach so und es ging uns gut dabei. Ich habe mich jedes Mal sehr wohl gefühlt und schon nach den ersten Tagen bat ich meine Eltern Verlängerung für mich zu beantragen.

Nein, es war nicht alles besser, es war einfach anders. Die Ansprüche waren nicht so hoch wie sie heute sind. Wie ihr schon geschrieben habt- alles war familiärer, wir waren eine große Familie. Es gab drei Telefone auf dem Klinikgelände, wenn man einen Anruf bekam, wurde man per Lautsprecher ausgerufen. War man ganz unten im Speisesaal, konnte man sicher sein, dass man bis ganz hoch ins oberste Gebäude laufen musste- war man gerade oben, kam das Gespräch in der Balkenhalle oder im Speisesaal an. Beim jeweiligen Telefon angekommen, war das Gespräch oft schon weg. Also wartete man und hoffte, dass die Eltern nochmal anrufen um dann loszuspurten zum nächsten Telefon, denn das, vor dem man wartete, war dann schon wieder anderweitig belegt. :D

Was ganz toll war an der alten Klinik- jede Halle hatte eine dazu passende Aussenanlage. Bei schönem Wetter turnte man immer draußen, was in der neuen Klinik meiner Meinung nach viel zu kurz kommt.

Ja, der alte Herr Lehnert war streng, sehr streng, aber er war herzensgut und wenn man vertrauenswürdig war, vergaß er auch mal streng zu sein. Als ich mit 14 zur Reha war, hatte ich zwei ältere Freundinnen, die samstags zur Disco wollten. Sie gingen zu Herrn Lehnert und baten um Erlaubnis, mich mitnehmen zu dürfen. Sie versprachen auf mich aufzupassen, pünktlich zurück zu sein, usw. und manch einer mag es kaum glauben- er ließ mich tatsächlich mitfahren. Das würde es heute sicher nicht mehr geben (und das ist auch gut so! ;)).

Liebe Grüße,
sloopy

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: Mo, 23.01.2012 - 22:08
von Bärle
Hallo, Flamingo
da hast Du Recht, "früher" war vielleicht nicht alles besser, aber der Zusammenhalt war sehr groß! Ein Lieblingssatz von Herrn Lehnert lautete: "Wir sind alle eine große Familie!"
Ja, Irgendwie doch sehr streng aber dann doch das "gewisse Etwas".
Der Zusammenhalt war früher einfach da.
Es wiederspiegelt auch die Zeit von damals. Mit heute nicht mehr zu vergleichen.
In der globalisierneden Zeit gehen auch viele Werte, welche einst wichtig waren, verloren.
Dafür gibt es an anderer Stelle Zugewinne, welche aber nur in einer kleinen Relation
stehen wie ich finde.
Die Gesellschaft verändert sich rasend schnell und die Ellbogenmentalität gewinnt
kräftig an Fahrt. Nur noch und ausschließlich der Profit zählt.
Leider ist das so geworden. Vieleicht kommt einmal wieder eine
Rückbesinnung dessen. Aber erst dann, wenn alles gegen die Wand gefahren ist.
Aber es kommt, da bin ich mir sicher.

viel Spaß beim schrotheln wünsche ich in die gesamte Runde
meine Grüße, Thomas

Re: (Bad) Sobernheim zu alten Zeiten

Verfasst: Mo, 23.01.2012 - 22:25
von Bärle
Hallo Sloopy
Als ich mit 14 zur Reha war, hatte ich zwei ältere Freundinnen, die samstags zur Disco wollten.
Dirty Dancing, das müsste doch die Zeit gewesen sein.
Und gleich Ausgang bekommen, dann wars doch prima in Sobi. Das hätte es zu Hause mit 14
nicht gegeben. Dafür gab es ja die beschriebenen heimatlichen Kontrollanrufe von Apperat zu Apperat.
Dann am nächsten morgen frei nach dem Motto , wer feiern kann kann auch aus den
Federn kommen und ran an die Sprossenwand zum großen Bogen. **lächel

meine Grüße, Thomas