Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Fragen zum Thema Wirbelsäulen OP's
Mary
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Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Mary » Di, 06.08.2019 - 21:42

Hallo Zusammen,
hat jemand Erfahrung bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises viele Jahre nach der OP?
Meine OP ist bereits 30 Jahre her nach Harrington in Bad Wildungen, bis heute habe ich keine großen Beschwerden,
da ich sehr jung war damals (Heute 45 Jahre) wollte ich keinen Ausweis beantragen da ich Angst hatte keinen Ausbildungsplatz dadurch zu bekommen,
heute sehe ich das doch etwas anders, es gibt auch viele Vorteile. Würde ich denn überhaupt 50% bekommen? Wie stehen die Chancen so spät nach der OP überhaupt %te zu bekommen? Hat vielleicht jemand Erfahrung?

Lieben Gruß
Mary

Dr. Steffan
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Dr. Steffan » Mi, 07.08.2019 - 08:04

Das hat nichts mit der vergangenen Zeit zu tun. Sie können jederzeit einen Antrag stellen. Wie viel % sie bekommen hängt, unter anderem von der verbliebenen Gradzahl und den versteiften Wirbelsäulenabschnitten ab.

Offdroddler
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Offdroddler » Mi, 07.08.2019 - 09:34

Hallo Mary,

ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, dass es scheinbar sinnvoll ist, ein Anschreiben beizulegen, aus dem hervorgeht, welche Einschränkungen man hat. Der GdB wird zwar grob nach der Diagnose vergeben, aber es geht um einen Nachteilsausgleich, der Nachteile, die man gleichaltrigen, nicht eingeschränkten Personen gegenüber hat, ausgleichen soll. Auch wenn Du derzeit meinst, dass Du keine großen Beschwerden hast, ist es sinnvoll eine nahestehende Person einzubeziehen, weil einem bisweilen nicht bewusst ist, was man „ungewöhnlich“ macht. In meinem letzten Antrag habe ich detailliert nach Teilbereichen (Körperpflege, Haushalt, Freizeit/Teilhabe...) meine Einschränkungen aufgeführt.
Es wäre auch sinnvoll, wenn der behandelnde Arzt einbezogenen wird, die Versorgungsämter (oder zuständigen Stellen) fragen dort an.
Ich hatte von 1993 bis 2017 bei einer Strecke von L3- S1 lediglich GdB 30. Bei allen Anträgen auf Neufeststellung wurde eine Höherbewertung abgelehnt. Eine Erwerbsminderung spielt zwar bei der Feststellung offiziell keine Rolle, verdeutlicht aber meine Einschränkungen, ich bin bereits seit 2006 Erwerbsminderungsrentner. Seit 2017 und einer Strecke von L1-S1 habe ich einen GdB 50.
Hier findest Du die Richtlinien zur Festlegung des GdB, ich weiß nicht, ob es eine aktuellere Ausführung gibt, da ich mich seitdem nicht mehr aktiv damit beschäftigt habe https://www.gesetze-im-internet.de/vers ... 00008.html

Ich wünsche Dir viel Erfolg und weiterhin wenig Beschwerden!
Offdroddler

Malve
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Malve » Mi, 07.08.2019 - 11:47

Hallo Mary,

oft erhalten operierte Skoliosen einen GdB von 30 -40. Über 50 zu kommen ist nicht so einfach.
Was versprichst du dir von einem Ausweis? Meiner Erfahrung nach ist der besondere Kündigungsschutz nichts wert. Das Versorgungsamt prüft nur, ob sie mit technischen Hilfsmitteln, die sie dir zur Verfügung stellen können, den Arbeitsplatz sichern. Ansonsten stimmen sie einer Kündigung zu. Bei der Arbeitsplatzsuche ist der Ausweis ein Nachteil, einem wird unterstellt, dass man dauernd krank ist.
Man bekommt ein paar mehr Urlaubstage, zahlt etwas weniger Steuern, das ist aber alles. Mit Merkzeichen G kann man sehr günstig eine Fahrkarte für Busse und Bahnen bekommen, das lohnt sich schon.
Wichtig ist, dass du einen Facharzt hast, der genaue Angaben zur Krümmung, Versteifung machen kann. Die fragen dort nach.
Wenn du nicht in Behandlung bist, wird es schwierig Einschränkungen nach zu weisen. Sie interessieren sich für deine aktuelle Situation.

Ich habe bei versteifter BWS und Skoliose 90°in der BWS und 30° in der LWS GdB 60 bekommen und für das eingeschränkte Lungenvolumen GdB 50G.

Ein Ausweis hat Vor-und Nachteile, schau, was für dich wichtig, sinnvoll ist. Du kannst einen Antrag auch noch später stellen. Ansonsten versuch es, vieles ist vom Einzelfall abhängig und ein bisschen Glück ist auch dabei.

Viele Grüße
Elisabeth

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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Mary » Mi, 07.08.2019 - 17:37

Dr. Steffan hat geschrieben:
Mi, 07.08.2019 - 08:04
Das hat nichts mit der vergangenen Zeit zu tun. Sie können jederzeit einen Antrag stellen. Wie viel % sie bekommen hängt, unter anderem von der verbliebenen Gradzahl und den versteiften Wirbelsäulenabschnitten ab.
Vielen Dank Herr Dr. Steffan,
ich bin von Th2/3 bis L2 versteift worden, habe einen Schreibtischjob, bis dato habe ich immer irgend etwas an Sport gemacht, laufen, Fitnessstudio, Tanzen, Schwimmen und habe bis dato keinerlei Beschwerden. Ab und An bekomme ich starke schmerzen im Lendenbereich dann muss ich mir ein par Tage die Ruhe antun. Lt. meinem Hausarzt ist es kein Bandscheibenvorfall :?:
Ich wüsste nicht was ich für Einschränkungen nennen sollte

Gruß Mary
Zuletzt geändert von Mary am Mi, 07.08.2019 - 18:01, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Mary » Mi, 07.08.2019 - 17:42

Danke auch an Offdroddler für den Link, werde mich mal durchwurschteln.

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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Mary » Mi, 07.08.2019 - 17:58

Malve hat geschrieben:
Mi, 07.08.2019 - 11:47
Hallo Mary,

oft erhalten operierte Skoliosen einen GdB von 30 -40. Über 50 zu kommen ist nicht so einfach.
Was versprichst du dir von einem Ausweis? Meiner Erfahrung nach ist der besondere Kündigungsschutz nichts wert. Das Versorgungsamt prüft nur, ob sie mit technischen Hilfsmitteln, die sie dir zur Verfügung stellen können, den Arbeitsplatz sichern. Ansonsten stimmen sie einer Kündigung zu. Bei der Arbeitsplatzsuche ist der Ausweis ein Nachteil, einem wird unterstellt, dass man dauernd krank ist.
Man bekommt ein paar mehr Urlaubstage, zahlt etwas weniger Steuern, das ist aber alles. Mit Merkzeichen G kann man sehr günstig eine Fahrkarte für Busse und Bahnen bekommen, das lohnt sich schon.
Wichtig ist, dass du einen Facharzt hast, der genaue Angaben zur Krümmung, Versteifung machen kann. Die fragen dort nach.
Wenn du nicht in Behandlung bist, wird es schwierig Einschränkungen nach zu weisen. Sie interessieren sich für deine aktuelle Situation.

Ich habe bei versteifter BWS und Skoliose 90°in der BWS und 30° in der LWS GdB 60 bekommen und für das eingeschränkte Lungenvolumen GdB 50G.

Ein Ausweis hat Vor-und Nachteile, schau, was für dich wichtig, sinnvoll ist. Du kannst einen Antrag auch noch später stellen. Ansonsten versuch es, vieles ist vom Einzelfall abhängig und ein bisschen Glück ist auch dabei.

Viele Grüße
Elisabeth

Hallo Elisabeth, vielen Dank für deine lange Antwort :D :D
Arbeitsplatz suchend bin ich erst einmal nicht, bin jetzt 19 Jahre in der Firma tätig. Mehr Urlaubstage und einen Steuerfreibetrag wäre schön, ich dachte da auch an früher in Rente gehen :)
Allerdings habe ich aktuell keinen Facharzt zur Hand, auch keinen Orthopäden da ich bisher keinen gebraucht habe. Ich könnte nur die WWK angeben wo ich nach Harrington operiert wurde und mein Hausarzt. Vielleicht stelle ich mich noch einmal vor in der WWK und stelle dann den Antrag :?:
Viele Grüße Mary

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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Lady S » Mi, 07.08.2019 - 18:54

Die Frage ist wirklich: was versprichst Du Dir davon?
Elisabeth hat schon recht - im Berufsleben ist ein Schwerbehindertenausweis ein zweischneidiges Schwert; also gut überlegen.
Ich habe nach meiner ersten Reha in Salzungen auch einen GdB beantragt, weil es da bei uns in der Firma schwer nach grossen Umstrukturierungen aussah und ich die Möglichkeit haben wollte, ggf. eine Gleichstellung mit Schwerbehinderten zu beantragen (das geht ab30° und betrifft nur die erschwerte Kündigung).
Das hat mir bei dem Plan für die Versetzungen ein paar Sozialpunkte eingebracht und ausserdem auf Dauer einen kleinen Steuerfreibetrag. Bis ich die 30° hatte, musste ich aber beim Versorgungsamt Widerspruch einlegen, ein Gutachten meines Arztes selber besorgen und bezahlen usw.
Bei einer betriebsbedingten Kündigung hätte es letztendlich nichts genutzt - wenn die Kündigung nicht wegen der Einschränkungen erfolgt ist, stimmt das Versorgungsamt meines Wissens sowieso zu.
Informier Dich auf jeden Fall gut, bevor Du den Antrag stellst!
Wegen der Rente schau z.B. mal hier: https://www.test.de/Rente-fuer-Schwerbe ... -5082072-0
Und selbstverständlich musst Du Beschwerden/Einschränkungen angeben, die Du im Unterschied zu Gleichaltrigen ohne "Behinderung" hast, sonst gäbe es ja keinen Grund für den Antrag.
Übrigens gehören dazu auch alle anderen Krankheiten die Du hast, z.B. Bluthochdruck, chronische Kopfschmerzen, Allergien, usw.
Grüsse, Lady S

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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Raven » Mi, 07.08.2019 - 20:52

Hallo Mary,
Mary hat geschrieben:
Di, 06.08.2019 - 21:42
Meine OP ist bereits 30 Jahre her nach Harrington in Bad Wildungen, bis heute habe ich keine großen Beschwerden,
da ich sehr jung war damals (Heute 45 Jahre) wollte ich keinen Ausweis beantragen da ich Angst hatte keinen Ausbildungsplatz dadurch zu bekommen,
heute sehe ich das doch etwas anders, es gibt auch viele Vorteile. Würde ich denn überhaupt 50% bekommen? Wie stehen die Chancen so spät nach der OP überhaupt %te zu bekommen? Hat vielleicht jemand Erfahrung?
auch ich habe meinen Antrag relativ spät gestellt, ca. 15 Jahre nach OP.
Grund war der selbe wie bei dir: Angst, ansonsten keinen Ausbildungsplatz zu bekommen (ich hatte mir selbstverständlich einen mit den Einschränkungen kompatiblen Ausbildungsberuf gesucht und mich nicht überlastet).
Erhalten habe ich für eine Versteifung Th3-L5 (15 Wirbel) einen GdB von 40. Weitere Einschränkungen außer die Versteifung selbst liegen nicht vor, d.h. ich arbeite in Vollzeit, habe eine altersentsprechende Gehstrecke. (Meine Einschränkungen sind v.a. die natürlich reduzierte Beweglichkeit, Schwierigkeiten beim Sitzen/ niedriges Sitzen unmöglich, nur geringe Gewiche tragen/heben können, die meisten Aktivitäten für Gleichaltrige sind nur eingeschränkt geeignet.) Zum Zeitpunkt der Antragstellung war ich bereits jahrelang nicht mehr in Behandlung/Therapie, was vermutlich den GdB etwas geringer ausfallen ließ.
Widerspruch hätte ich einlegen können, habe damals aber darauf verzichtet: hatte damals wegen kurz bevorstehendem Abschluss des Studiums einfach "keinen Nerv", habe den höheren GdB/ einen Schwerbehindertenausweis auch nicht unbedingt benötigt da ich auch beruflich (gerade der berufliche Aspekt ist für viele Antragsteller der Knackpunkt) gut zurechtkomme, Vollzeit arbeite und null (!) Fehlzeiten habe.

Was erhoffst du dir von einem GdB/ Schwerbehindertenausweis?
Auch mit einem GdB ab 30 hast du übrigens steuerliche Erleichterungen.
Grund für die Beantragung war bei mir:
- einen Schwerbehindertenausweis oder immerhin Bescheid parat haben, falls es einmal nötig sein sollte, die Einschränkung nachweisen zu müssen
- bei möglicherweise einmal eintretender Verschlechterung habe ich immerhin noch den vorherig bescheinigten GdB "parat", bis der Verschlimmerungsantrag durch ist
- die Einschränkung als dauerhaft nachweisen können, anstatt mir (was bei häufigen studiums- und berufsbedingten Umzügen lästig sein kann) andauernd Atteste holen zu müssen. Vorteilhaft war der Bescheid etwa bei einem Arbeitgeber, der normalerweise für Geschäftsreisen keine Taxifahrten zum Flughafen bezahlt (mein Beruf beinhaltet häufige Reisen), diese aber bei nachgewiesenen gesundheitlichen Einschränkungen (dauerhafte oder temporäre) übernimmt. Dank Bescheid hatte ich gleich etwas parat, anstatt mir zu diesem Zweck erst einen Orthopäden suchen zu müssen, der mir das bescheinigt.

Zum Beruflichen: Ein Schwerbehindertenausweis muss nicht angegeben werden! (Besitzt man einen Schwerbehindertenausweis und gibt ihn nicht an, bekommt man auch Ausgleiche wie mehr Urlaub nicht gewährt, das ist klar.) Angegeben werden müssen Einschränkungen, die beruflich relevant sind, egal ob ein GdB/ eine Schwerbehinderteneigenschaft vorliegt oder nicht (plakatives Beispiel: würdest du dich als Möbelpacker bewerben aber kannst nicht so schwer heben, wärst du auch ohne ermitteltem GdB oder ohne Schwerbehindertenausweis verpflichtet, deine Einschränkung zu nennen; auch der farbenblinde Grafiker hätte seine Einschränkung zu nennen, obwohl es für diese gar keinen GdB gibt).
Allerdings habe ich aktuell keinen Facharzt zur Hand, auch keinen Orthopäden da ich bisher keinen gebraucht habe. Ich könnte nur die WWK angeben wo ich nach Harrington operiert wurde und mein Hausarzt. Vielleicht stelle ich mich noch einmal vor in der WWK und stelle dann den Antrag
Das war bei mir genauso. Ich hatte mich damals bei einer anderen orthopädischen Klinik, als jene in der ich operiert wurde, vorgestellt. Der Grund war, dass ich nach Umzug zufälligerweise vor Ort (!) eine orthopädische Klinik hatte, die bzgl. Skoliose-OP erfahren ist. Den Hausarzt hatte ich zwischenzeitlich durch x Umzüge mehrfach gewechselt, der damalige praktizierte aber noch.

Zu Beschwerden:
Überlege mal, wann es vorkommt, dass
- sich andere Menschen wundern, warum du etwas nicht kannst / dir etwas schwer fällt
- du aufgrund zu erwartender späterer Schmerzen verzichtest
- du aufgrund von aktuellen Beschwerden etwas absagen musst
- du für etwas länger brauchst (z.B. putzen, einkaufen: kann ich alles selber, dauert aber länger, ist ermüdender und ich kann weniger schwer heben)
- du mit "Standard-Sachen" nicht gut zurecht kommst: wie sieht es denn mit Stühlen, Matratzen/Betten, engen Duschen... aus

Alleine, oder zusammen mit Menschen die mich gut kennen und rücksichtsvoll sind (z.B. Ehepartner, beste Freunde) bemerke ich von Einschränkungen auch wenig. (Die machen nämlich keine ungeeigneten Freizeitaktivitäten mit mir, zu Hause habe ich vernünftige Sitz- und Schlafgelegenheiten, da wird sofort "unsichtbar" geholfen...) Wenn ich bei Unternehmungen mit "x-beliebigen" Gleichaltrigen bin, fällt es mir aber sofort auf:
Gedanken wie "Warum stehen da so ungeeignete Möbel? Wie kann man bloß so eine Unterkunft buchen? Warum kann dazwischen nicht mal eine Pause sein? Nein, ich heb' das nicht! Bitte macht doch mal langsamer! Jetzt nicht auch noch das..." :rolleyes: und muss dann doch feststellen, dass vieles eben nicht wie bei den meisten Leuten in meinem Alter ist.

Viele Grüße
Raven
Zuletzt geändert von Raven am Mi, 07.08.2019 - 21:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Therapie: OP: 1997 mit 13 Jahren Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade

Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Raven » Mi, 07.08.2019 - 21:00

Hallo Offdroddler,
Offdroddler hat geschrieben:
Mi, 07.08.2019 - 09:34
Eine Erwerbsminderung spielt zwar bei der Feststellung offiziell keine Rolle, verdeutlicht aber meine Einschränkungen, ich bin bereits seit 2006 Erwerbsminderungsrentner. Seit 2017 und einer Strecke von L1-S1 habe ich einen GdB 50.
Hier findest Du die Richtlinien zur Festlegung des GdB, ich weiß nicht, ob es eine aktuellere Ausführung gibt, da ich mich seitdem nicht mehr aktiv damit beschäftigt habe https://www.gesetze-im-internet.de/vers ... 00008.html
dem kann ich nur zustimmen, zum Vergleich:
Habe selbst eine wesentlich längere Versteifungsstrecke als du (Th3 - L5) und "nur" einen GdB von 40. Ich bin nicht erwerbsgemindert, arbeite schon immer in Vollzeit (und habe auch ansonsten wesentlich weniger Einschränkungen, als du hier im Forum in anderen Threads schilderst, selbst wenn ich diese "fällt einem selber nicht/kaum mehr auf"-Sachen hinzufüge).
Dies dürfte (teilweise) den unterschiedlichen GdB begründen. Mein geringerer GdB ergab sich wohl auch daraus, dass ich seit Jahren nicht mehr in Behandlung war/bin, keine Physiotherapie mehr, keine Rehas. Auch das verdeutlicht geringere Einschränkungen im Alltag (sehe ich ein).

Viele Grüße
Raven
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Malve » Do, 08.08.2019 - 11:15

Hallo Mary,

mir ist noch eine andere Frage gekommen: Wie wird bei euch in der Firma mit dem Thema Behinderung umgegangen? Gibt es da andere, ist es eine größere Firma mit Schwerbehindertenvertretung oder eine kleine Firma? Du musst damit rechnen, dass du mit Behinderung anders wahrgenommen wirst. Auch diesen Gedanken solltest du berücksichtigen.

Gruß
Elisabeth

Mary
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Mary » Do, 08.08.2019 - 11:33

Malve hat geschrieben:
Do, 08.08.2019 - 11:15
Hallo Mary,

mir ist noch eine andere Frage gekommen: Wie wird bei euch in der Firma mit dem Thema Behinderung umgegangen? Gibt es da andere, ist es eine größere Firma mit Schwerbehindertenvertretung oder eine kleine Firma? Du musst damit rechnen, dass du mit Behinderung anders wahrgenommen wirst. Auch diesen Gedanken solltest du berücksichtigen.

Gruß
Elisabeth
Hallo Elisabeth,
es ist eine große Firma, wir haben auch einen Behindertenvertreter, ich selbst bin im Betriebsrat,
allerdings würde ich gerne einen höhenverstellbaren Tisch und einen geeigneten Stuhl für meinen Rücken haben wollen, solche Dinge gehen bei uns nicht einfach so..... da muss man schon ein Antrag stellen usw. begründen warum und und und ....
Früher war mir das egal, jetzt mit den Jahren merke ich wie anstregend es ist 7 Std am Tag am Bildschirmplatz zu sitzen. Da ich nicht weiß wie lange ich das machen kann, wäre es gut wenn ich schon mal was schriftliches in der Hand halten kann.
Bei mir ist es so wie bei Raven, ich bin nicht oft krank, in den letzten 10 Jahren war ich vielleicht 3 Tage krank...... aber ich bekomme mehr und mehr Probleme mit lange sitzen, lange laufen, lange stehen. :/
Ich denke ich muß es nicht jedem auf die Nase binden das ich einen Ausweiß habe, das geht doch niemanden was an.

Gruß Mary

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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Mary » Do, 08.08.2019 - 12:09

Raven hat geschrieben:
Mi, 07.08.2019 - 20:52
Hallo Mary,
Mary hat geschrieben:
Di, 06.08.2019 - 21:42
Meine OP ist bereits 30 Jahre her nach Harrington in Bad Wildungen, bis heute habe ich keine großen Beschwerden,
da ich sehr jung war damals (Heute 45 Jahre) wollte ich keinen Ausweis beantragen da ich Angst hatte keinen Ausbildungsplatz dadurch zu bekommen,
heute sehe ich das doch etwas anders, es gibt auch viele Vorteile. Würde ich denn überhaupt 50% bekommen? Wie stehen die Chancen so spät nach der OP überhaupt %te zu bekommen? Hat vielleicht jemand Erfahrung?
auch ich habe meinen Antrag relativ spät gestellt, ca. 15 Jahre nach OP.
Grund war der selbe wie bei dir: Angst, ansonsten keinen Ausbildungsplatz zu bekommen (ich hatte mir selbstverständlich einen mit den Einschränkungen kompatiblen Ausbildungsberuf gesucht und mich nicht überlastet).
Erhalten habe ich für eine Versteifung Th3-L5 (15 Wirbel) einen GdB von 40. Weitere Einschränkungen außer die Versteifung selbst liegen nicht vor, d.h. ich arbeite in Vollzeit, habe eine altersentsprechende Gehstrecke. (Meine Einschränkungen sind v.a. die natürlich reduzierte Beweglichkeit, Schwierigkeiten beim Sitzen/ niedriges Sitzen unmöglich, nur geringe Gewiche tragen/heben können, die meisten Aktivitäten für Gleichaltrige sind nur eingeschränkt geeignet.) Zum Zeitpunkt der Antragstellung war ich bereits jahrelang nicht mehr in Behandlung/Therapie, was vermutlich den GdB etwas geringer ausfallen ließ.
Widerspruch hätte ich einlegen können, habe damals aber darauf verzichtet: hatte damals wegen kurz bevorstehendem Abschluss des Studiums einfach "keinen Nerv", habe den höheren GdB/ einen Schwerbehindertenausweis auch nicht unbedingt benötigt da ich auch beruflich (gerade der berufliche Aspekt ist für viele Antragsteller der Knackpunkt) gut zurechtkomme, Vollzeit arbeite und null (!) Fehlzeiten habe.

Was erhoffst du dir von einem GdB/ Schwerbehindertenausweis?
Auch mit einem GdB ab 30 hast du übrigens steuerliche Erleichterungen.
Grund für die Beantragung war bei mir:
- einen Schwerbehindertenausweis oder immerhin Bescheid parat haben, falls es einmal nötig sein sollte, die Einschränkung nachweisen zu müssen
- bei möglicherweise einmal eintretender Verschlechterung habe ich immerhin noch den vorherig bescheinigten GdB "parat", bis der Verschlimmerungsantrag durch ist
- die Einschränkung als dauerhaft nachweisen können, anstatt mir (was bei häufigen studiums- und berufsbedingten Umzügen lästig sein kann) andauernd Atteste holen zu müssen. Vorteilhaft war der Bescheid etwa bei einem Arbeitgeber, der normalerweise für Geschäftsreisen keine Taxifahrten zum Flughafen bezahlt (mein Beruf beinhaltet häufige Reisen), diese aber bei nachgewiesenen gesundheitlichen Einschränkungen (dauerhafte oder temporäre) übernimmt. Dank Bescheid hatte ich gleich etwas parat, anstatt mir zu diesem Zweck erst einen Orthopäden suchen zu müssen, der mir das bescheinigt.

Zum Beruflichen: Ein Schwerbehindertenausweis muss nicht angegeben werden! (Besitzt man einen Schwerbehindertenausweis und gibt ihn nicht an, bekommt man auch Ausgleiche wie mehr Urlaub nicht gewährt, das ist klar.) Angegeben werden müssen Einschränkungen, die beruflich relevant sind, egal ob ein GdB/ eine Schwerbehinderteneigenschaft vorliegt oder nicht (plakatives Beispiel: würdest du dich als Möbelpacker bewerben aber kannst nicht so schwer heben, wärst du auch ohne ermitteltem GdB oder ohne Schwerbehindertenausweis verpflichtet, deine Einschränkung zu nennen; auch der farbenblinde Grafiker hätte seine Einschränkung zu nennen, obwohl es für diese gar keinen GdB gibt).
Allerdings habe ich aktuell keinen Facharzt zur Hand, auch keinen Orthopäden da ich bisher keinen gebraucht habe. Ich könnte nur die WWK angeben wo ich nach Harrington operiert wurde und mein Hausarzt. Vielleicht stelle ich mich noch einmal vor in der WWK und stelle dann den Antrag
Das war bei mir genauso. Ich hatte mich damals bei einer anderen orthopädischen Klinik, als jene in der ich operiert wurde, vorgestellt. Der Grund war, dass ich nach Umzug zufälligerweise vor Ort (!) eine orthopädische Klinik hatte, die bzgl. Skoliose-OP erfahren ist. Den Hausarzt hatte ich zwischenzeitlich durch x Umzüge mehrfach gewechselt, der damalige praktizierte aber noch.

Zu Beschwerden:
Überlege mal, wann es vorkommt, dass
- sich andere Menschen wundern, warum du etwas nicht kannst / dir etwas schwer fällt
- du aufgrund zu erwartender späterer Schmerzen verzichtest
- du aufgrund von aktuellen Beschwerden etwas absagen musst
- du für etwas länger brauchst (z.B. putzen, einkaufen: kann ich alles selber, dauert aber länger, ist ermüdender und ich kann weniger schwer heben)
- du mit "Standard-Sachen" nicht gut zurecht kommst: wie sieht es denn mit Stühlen, Matratzen/Betten, engen Duschen... aus

Alleine, oder zusammen mit Menschen die mich gut kennen und rücksichtsvoll sind (z.B. Ehepartner, beste Freunde) bemerke ich von Einschränkungen auch wenig. (Die machen nämlich keine ungeeigneten Freizeitaktivitäten mit mir, zu Hause habe ich vernünftige Sitz- und Schlafgelegenheiten, da wird sofort "unsichtbar" geholfen...) Wenn ich bei Unternehmungen mit "x-beliebigen" Gleichaltrigen bin, fällt es mir aber sofort auf:
Gedanken wie "Warum stehen da so ungeeignete Möbel? Wie kann man bloß so eine Unterkunft buchen? Warum kann dazwischen nicht mal eine Pause sein? Nein, ich heb' das nicht! Bitte macht doch mal langsamer! Jetzt nicht auch noch das..." :rolleyes: und muss dann doch feststellen, dass vieles eben nicht wie bei den meisten Leuten in meinem Alter ist.

Viele Grüße
Raven
Hallo Raven,
vielen Dank für deine lange Nachricht ;D
unsere Gründe sind sich sehr ähnlich, ich bin nicht oft krank, ich möchte allerdings nicht wegen jeder Kleinigkeit die mir Zusteht, wie z.B. einen höhenverstellbaren Tisch, neuer Stuhl (Rückenkonform) zum Ortophäden laufen, Bescheinigungen einholen usw. .......
und wir werden ja immer älter, früher hat es mir nichts ausgemacht die 7 Stunden habe ich ohne Probleme abgesessen (Bin Vollzeit berufstätig) aber wie wird es in 10 Jahren sein? Ich möchte schon einmal den bisherigen Krankheitsverlauf bestätigt bekommen. Also ich merke schon das ich nicht mehr so lange sitzen, oder lange stehen kann. Ich kriege dann schmerzen im Lendenbereich.

Danke für die Liste zum nachdenken, du hast Recht, es sind viele Dinge im täglichen Leben die wir nicht wie die anderen tun können, die einem aber nicht so bewusst sind weil man es ja schon immer so gemacht hat. Ja ich brauche für mein Haushalt länger, habe um die Wanne zu wischen einen extra langen Wischer. Natürlich fahre ich nicht in den Skiurlaub, kein Rafting, keine Achterbahn. Aber gerade das was Freizeit angeht, ist das auch relevant? Ich meine man muss ja nicht in den Skiurlaub. Hast du das alles so Aufgeschrieben was für Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich sind?

gruß Mary

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Wohnort: Niedersachsen

Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Offdroddler » Do, 08.08.2019 - 13:20

Hallo Mary,

Menschen sind behindert, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen am gesellschaftlichen Leben dauerhaft nur beeinträchtigt teilhaben können. Zum gesellschaftlichen Leben gehören natürlich auch Freizeitaktivitäten.

Nochmal zum Arzt: Ich habe hier vor Ort keinen Facharzt, der sich mit meinen Problemen auskennt. Gerade aktuell habe ich eine“Tour de Malaise“ hinter mich gebracht und mir in Neustadt, Bad Sobernheim und Simmerath Hilfe zusammengesucht und wieder aktuelle Berichte (und endlich Erleichterung !). Zwischen 2006 und 2016 war ich überhaupt nicht in orthopädischer Behandlung. Meine Hausärztin ist mein Ansprechpartner vor Ort. Sie verordnet mir Physiotherapie und Medikamente. An meine Hausärztin wenden sich auch alle Behörden, sie hat meine Berichte und ist über meinen Gesundheitszustand im Bilde. Vielleicht solltest Du mit Deinem Hausarzt das Gespräch suchen, schildern was und warum Du es vor hast. Entweder ist das ausreichend oder er veranlasst weitere Untersuchungen. So ganz nackt wird es sonst schwierig, auch wenn Deine Operation natürlich ein Fakt ist. Ich hatte übrigens in einem Ablehnungsbescheid den denkwürdigen Satz „ eine Versteifung der Lendenwirbelsäule ist keine dauerhafte Einschränkung der Bewegungsfähigkeit“, vielleicht tätowiere ich mir den mal auf den Po ;)

Ich persönlich habe von meinem SBA „nur“ einen steuerlichen Vorteil, den ich allerdings sehr hilfreich finde. Wir haben aufgrund unserer Einschränkungen einen finanziellen Mehraufwand und wenn es dafür einen kleinen Ausgleich gibt, ist das gut.
Interessant zu wissen ist, dass die Schwerbehinderung von Familienangehörigen sich einkommensmindernd beim Bafög Antrag der Kinder auswirkt.


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Raven
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Raven » Do, 08.08.2019 - 15:58

Hallo Mary,
Mary hat geschrieben:
Do, 08.08.2019 - 11:33
Bei mir ist es so wie bei Raven, ich bin nicht oft krank, in den letzten 10 Jahren war ich vielleicht 3 Tage krank...... aber ich bekomme mehr und mehr Probleme mit lange sitzen, lange laufen, lange stehen. :/
das kann ich gut nachvollziehen; Sitzen und allgemein Verharren ohne Positionsänderung ist für mich sehr anstrengend. (Lange laufen geht, ich kann z.B. Tagestouren mit leichtem Gepäck wandern. Beim Sitzen stehe ich alle 30 Minuten auf, 45 Minuten sind schon enorm grenzwertig und bei schlechteren Stühlen kann ich gar nicht ohne Schmerzen sitzen, z.B. wenn sie vorne bei den Knien höher als hinten am Gesäß sind oder wenn sie niedrig sind. Kann deshalb auch nicht lange Autofahren/ im Auto mitfahren bzw. muss oft Pausen machen.) Immerhin erlaubt mein Job es mir, nach Belieben zwischendurch aufzustehen und rauszugehen, sofern ich insgesamt die nötigen Stunden zusammenbekomme - in meinem Job sind völlig flexible Arbeitszeiten üblich, keine festen Pausen, sodass es nicht einmal auffällt. Einen passenden Schreibtischstuhl habe ich zu Hause und im Büro.
(Da ich aktuell im Ausland arbeite, habe ich mir diesen Stuhl selbst gekauft. Für mich passt glücklicherweise ein bestimmtes sehr günstiges Modell sehr gut. Das soll aber nicht heißen, du sollst dir selbst einen kaufen, nicht falsch verstehen!)

Die Freizeit ist natürlich relevant, wenn du ein alterstypisches Freizeitverhalten nicht ausüben kannst.
Danke für die Liste zum nachdenken, du hast Recht, es sind viele Dinge im täglichen Leben die wir nicht wie die anderen tun können, die einem aber nicht so bewusst sind weil man es ja schon immer so gemacht hat. Ja ich brauche für mein Haushalt länger, habe um die Wanne zu wischen einen extra langen Wischer. Natürlich fahre ich nicht in den Skiurlaub, kein Rafting, keine Achterbahn. Aber gerade das was Freizeit angeht, ist das auch relevant? Ich meine man muss ja nicht in den Skiurlaub. Hast du das alles so Aufgeschrieben was für Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich sind?
Bei mir ist das ganz genauso. Die Freizeitaktivitäten habe ich aufgezählt, weil es sich um eine Benachteiligung im sozialen Leben handelt. Ich kann z.B. an den meisten Betriebsausflügen nicht teilnehmen (mein Beruf ist ein typischer "Männerberuf", somit sind die Betriebsausflüge alle sportlich). Freunde zu besuchen ist aufwendiger und teurer, weil ich nicht auf provisorischen Schlafgelegenheiten schlafen kann (viele Gleichaltrige nehmen die Couch oder Luftmatratze, ich nehme mir ein Pensionszimmer). Wenn ich, um in Urlaub zu fahren, für extra Service zahlen muss (Flughafentaxi statt mit Bus und Bahn zum Flughafen, teureres Hotel mit vernünftigem Bett anstelle von Hostel, und so weiter), ist das auch eine Benachteiligung. Ich wechsle in einem Monat meine Stelle (freiwillig, keine Probleme mit dem alten "Chef") und muss damit rechnen, dass für die neuen Kollegen ein sportliches Kennenlern-Event stattfindet, oder zumindest eines, das für mich unbequem wird, etwa wenn man beim Grillen so niedrig sitzt... auch das ist eine Benachteiligung, beim Kennenlerntreffen nicht oder nur eingeschränkt teilnehmen zu können oder den Chef benachrichtigen zu müssen.
Natürlich muss man nicht in Skiurlaub (und, ganz ehrlich: ich möchte auch nicht; ich war froh darum, dass mir aufgrund der OP das schulische Skilager erspart blieb). Wenn ich aber gar nicht die Option habe, handelt es sich um eine Benachteiligung. Ich kann mir nicht aussuchen, ob ich in den Skiurlaub (oder anderes) möchte, sondern es geht nicht.
Somit ist meine Teilhabe am gesellschafltichen Leben beeinträchtigt, wenn ich z.B. beim Betriebsauflug nicht mitkann oder nur zugucke (dadurch kommt man mit anderen schlechter ins Gespräch, knüpft schwerer Kontakte), mir eine andere Unterkunft nehme als die Vereinskollegen (selbiges: man ist weniger eingebunden), den Kollegenstammtisch auslasse oder viel früher gehe weil die Stühle so schlecht sind (auch wieder: weniger eingebunden) - auch, wenn ich privat überhaupt gar nicht Skifahren, Bowling, im Hostel übernachten... möchte.
Zu der Teilhabe am sozialen/gesellschaftlichen Leben gehören auch Verwandte. Mit den Kindern oder Enkeln einiges nicht machen können, das einem zwar sowieso nicht viel Spaß machen würde, das man aber dem Nachwuchs zuliebe eigentlich mitmachen würde (bei einem Ausflug begleiten, bei einem Fest dabei sein wo man lange stehen oder sitzen muss, beim Umzug helfen), beeinträchtigt auch die Teilhabe.

Viele Grüße
Raven
Zuletzt geändert von Raven am Do, 08.08.2019 - 17:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Raven » Do, 08.08.2019 - 16:13

Offdroddler hat geschrieben:
Do, 08.08.2019 - 13:20
Ich persönlich habe von meinem SBA „nur“ einen steuerlichen Vorteil, den ich allerdings sehr hilfreich finde. Wir haben aufgrund unserer Einschränkungen einen finanziellen Mehraufwand und wenn es dafür einen kleinen Ausgleich gibt, ist das gut.
Interessant zu wissen ist, dass die Schwerbehinderung von Familienangehörigen sich einkommensmindernd beim Bafög Antrag der Kinder auswirkt.
Ja, der finanzielle Mehraufwand ergibt sich immer: die Fahrten zu Ärzten, den Service den wir extra kaufen (Taxi, Hotel statt Hostel, auch für zu Hause spezielle (Büro-)Möbel...), die Kleidung, die durch ein Korsett beschädigt wird, die teurere Wohnsituation (für mich kamen z.B. viele Wohnungen, die im preislichen Rahmen für Studenten/ junge Leute liegen, nicht in Frage: zu klein, zu unergonomisch, ich komme z.B. nicht auf ein Hochbett).
Manchmal fällt einem das gar nicht mehr auf, erst, wenn die "Standardvariante" nicht nutzbar ist. (Letztens mal wieder ein Taxi genommen, weil ich garantiert nicht mit zwei Koffern nachts - keine Hilfe - an Bahnhöfen mit möglicherweise defektem Aufzug umsteige. Die meisten Gleichaltrigen hätten die Bahn nehmen können.)

Das letztere bzgl. Bafög ist gut zu wissen. (Bin gewollt kinderlos, aber habe Freunde mit Kindern, die den Tipp brauchen können. :cool: )

Viele Grüße
Raven
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Raven » Do, 08.08.2019 - 17:05

Nachtrag, da Bafög der Kinder angesprochen wurde:
Wie sieht es denn umgekehrt aus, Pflege für die Eltern? Viele hier dürften in einem Alter sein, in dem die eigenen Eltern Hilfe im Haushalt oder sogar Pflege benötigen. Für die meisten hier, inklusive mir, wäre das nicht zu stemmen. (Bin zudem Einzelkind, d.h. die einzige Person in der Familie, die theoretisch den Eltern im Haushalt helfen oder sie pflegen könnte. Da ich das nicht kann, wird alles über bezahlte Dienstleister laufen müssen, angefangen von Reinigungskraft, Haushaltshilfe bis Pflegedienst, evl. Seniorenheim.)
Gibt es hier irgendwelche Regelungen, dass die eigene Behinderung auf was-auch-immer angerechnet wird, geht es um die Pflege von Angehörigen?

Meine Eltern (über 70) sind aktuell nicht pflegebedürftig, machen ihren Haushalt selbst, was sich realistischerweise aber auch ändern kann.

(Falls Nachfrage hier unpassend ist, würde ich auch einen eigenen Thread aufmachen. Fand es hier nur passend, da es evl. auch für die Threaderstellerin - rein rechnerisch müssten ihre Eltern im Alter meiner Eltern oder älter sein - relevant sein kann.)

Viele Grüße
Raven
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Offdroddler » Do, 08.08.2019 - 23:22

Hallo Raven,
das ist ein interessanter Aspekt. Ich wüsste nicht, dass die eigene Behinderung bei der Pflege der Eltern oder von Angehörigen eine Rolle spielt. Vermutlich wird dann auf den Pflegegrad der zu betreuenden Person verwiesen. Theoretisch kannst Du damit ja auch Haushaltsleistungen finanzieren (praktisch, soweit ich mitbekomme, schwierig).
Kann man die Pflege von Angehörigen nicht in der Steuer geltend machen? Ich weiß es aber echt nicht.
Ich bin Einzelkind, mein Mann auch. Wir haben beide eine Behinderung. Zumindest meine Schwiegermutter ist mit über 70 (noch) fitter, als ich.

Liebe Grüße
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1980 Entfernung des Stabes.
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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Malve » Fr, 09.08.2019 - 08:08

Hallo Mary,

ich denke, du brauchst jetzt erstmal eine genaue Diagnose deiner jetzigen Situation. Vielleicht ist für dich auch Physiotherapie hilfreich, eine Reha. Eine Diagnose ist der Ausgangspunkt für alles. Und da sag bitte dem Arzt nicht, dass du keine Beschwerden hast. Ich kenn das von mir selbst, ich hab schon als Kind gelernt meinen Rücken zu verstecken, Schmerzen habe ich verdrängt. Ich war ja operiert und damit gesund... Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich wegen Rückenschmerzen krank schreiben zu lassen. Dabei hatte ich sehr starke Schmerzen.
Aber ich habe weder beim Antrag für den Schwerbehindertenausweis noch beim Rentenantrag viel zu Einschränkungen angegeben und auf Fragen auch nur wenig gesagt, das hab ich mir dannn vorher zurechtgelegt.
Bei der Rente, bei der Pflegeversicherung weiß ich, dass es klare Richtlinien gibt, da ist es egal,was du sagst.
Wichtig ist sicher immer der Erhalt der Erwerbsfähigkeit und Vermeidung von Pflege. Dafür bekommst du Unterstützung. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch gehört sicher dazu. Habt ihr einen Betriebsarzt oder sonst frag mal nach, was du brauchst, um den zu bekommen. Vielleicht reicht ein entsprechendes Attest vom Facharzt schon aus. Ob ein Behindertenausweis da mehr bringt, weiß ich nicht, denn die Diagnose zählt ja. Und wenn du einen höhenverstellbaren Schreibtisch hast, fragen deine Kollegen auch nach. Das ist ja auch in Ordnung. Ich geh heute auch sehr offen mit meiner Behinderung um, will aber ausdrücklich keine Rücksichtnahme, ich sage es, wenn ich etwas nicht kann.
Pflege der Eltern dürfte keine Rolle spielen. Wer pflegebedürftig ist, bekommt (mit viel kämpfen und schwierigen Kriterien) einen Pflegegrad und kann (soll) sich damit die Pflege organisieren. Kinder pflegen ihre Eltern oft auch nicht, weil sie weit weg wohnen, eine eigene Familie haben, die Beziehung nicht so gut ist, nicht jeder kann Pflege...
In meinem Umkreis sind viele Menschen mit Schwerbehindertenausweis. Viele sind in ihrem Alltag definitiv viel eingeschränkter als ich, haben aber weniger Prozente als ich.
Es gibt keinen einfachen Weg, schau erstmal nach einer Diagnose und dann was du brauchst.

Gruß
Elisabeth

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Re: Schwerbehindertenausweis 30 Jahre nach OP

Beitrag von Mary » Fr, 09.08.2019 - 10:06

Danke an alle für das feedback
Liebe Malve, ich denke du hast Recht, zuerst muss es eine Diagnose geben bzw. ein Update des Zustands. Werde mal schauen das ich noch einmal zu einer Kontrolle komme und dann das ganze mal angehen.

Lieben Gruß an alle Mary

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