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 Betreff des Beitrags: OP Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Di, 29.12.2015 - 22:10 
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Hallo,

ich habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema Op beschäftigt. Gerade weil mir ziemlich klar ist das mein Rücken sehr desolat ist, auch ohne Messergebnisse die ich bald nachreichen werde.

Viele Berichte in Foren von operierten Scheuermännern stimmen mich nicht positiv. Ich lese kaum von Personen die glücklich mit Ihrer Op und zufrieden ohne Schmerzen Leben.

Meist kristallisiert sich eher ein Leidensweg bei den Personen heraus bei dem es mir kalt den Rücken herunter läuft.

Oft erkennt man bei den einzelnen eher ein so hohen Leidensdruck, dass die Op wirklich die allerletzte Lösung ist.

Ich für mich seh den Scheuermann nicht nur auf körperlicher ebene als extreme Belastung, sondern auch auf psychischer ebene. Sei es jetzt nur allein wegen der Optik, die für den einen (mich inbegriffen) oder anderen ziemlich belasten ist. Bei Skoliose ist das denke ich genau so.

Liest man natürlich über die Einschrenkungen die man nach so einer Op hat, so verbessert sich die Einstellung zu Op nicht wirklich.

So erscheint eine Op mehr als letzter Ausweg, anstatt eine Alternative zu sein.

Mich würd auch mal interessieren wie Ihr zu dem Thema Op steht. Wann erachtet Ihr eine Op als sinnvoll?

Hättet Ihr euch allein wegen der Optik operiert oder hat sowas noch nie eine Rolle gespielt?

Grüße Phill


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Di, 29.12.2015 - 22:30 
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Therapie: OP: 1997 mit 13 Jahren Versteifung Th3 - L5 / Hessing-Klinik Augsburg; kaum Restgrade
Hallo Phill,
Phill hat geschrieben:
Mich würd auch mal interessieren wie Ihr zu dem Thema Op steht. Wann erachtet Ihr eine Op als sinnvoll?

Hättet Ihr euch allein wegen der Optik operiert oder hat sowas noch nie eine Rolle gespielt?


meine OP stand an, als die verfügbaren Korsetts, zusammen mit der verfügbaren Physiotherapie, die Verschlechterung nicht mehr aufhalten konnten. Jeder Kontrolltermin brachte nur noch eine Verschlechterung, und mit "Verschlechterung" meine ich nicht 5 Grad in einem Jahr, sondern eben mal 30 dazu.
Nachwievor sehe ich das als sinnvoll an, eine OP durchführen zu lassen, wenn auch die zur jeweiligen Zeit verfügbaren Korsetts (heutzutage gäbe es bessere) eine Verschlechterung nicht mehr eindämmen können und hohe Gradzahlen schon in jungem Alter überschritten sind.
Absichtlich nenne ich hier keine konkreten Werte. Bei mir waren das aber z.B. 55 Grad Cobb in der LWS mit 13 Jahren trotz hoher Korsetttragezeiten (ca. 23 Std./Tag). Es stand bei der OP die Befürchtung im Vordergrund, dass es durch eine weitere Krümmungszunahme mit der Zeit zu mehr Problemen bzgl. Bandscheiben, aber auch Stellung von Hüfte und Becken kommt, und dann eine kompliziertere und weniger erfolgreiche OP bei höheren Gradzahlen stattfinden wird.

Eine OP wegen der Optik wäre für mich und meine Eltern nie in Frage gekommen. Hätte es - hypothetisch - eine Behandlungsmethode gegeben, die die Skoliose ohne OP sofort gestoppt (nicht mal verringert) hätte, hätten wir das gemacht. Hässlich, unförmig etc. fand ich mich nicht.
Man sieht von der Skoliose ja auch immer noch was, trotz OP: die Narbe, Schulterschiefstand, Rippenbuckel. Stört mich auch nicht und störte mich nie, gehe auch mit Bikini ins Schwimmbad (gestern gerade wieder :cool: ). Man sollte sich bei einer OP auch dessen bewusst sein, dass sie auch das Aussehen verändern wird, teilweise mehr zu einem "normalen" Rücken hin, aber es auch optisch nie hundertprozentig ein "Normrücken" wird.
Mich störte optisch lediglich mein Korsett (war damals ein ziemlich großes Modell), akzeptierte es aber als zeitweise getragenes Hilfsmittel - habe mir da auch als Kind und Teenager gedacht: ein gerader(er) Rücken später mal ist es mir wert, es einige Jahre zu tragen.
Bzgl. Optik habe ich gerade durch die Skoliose gelernt: schmerzfrei sein, sich (einigermaßen) bewegen können, so gesund zu sein dass nicht andauernd Arztbesuche nötig sind, das ist sooo viel wert, Aussehen ist sekundär. Auf Aussehen habe ich, auch in anderen Belangen als Rücken, immer deutlich weniger geachtet als andere Mädchen und Frauen.

Selbst ist meine Meinung zu Versteifungs-OPs: "Gut, dass es sie gibt, besser, wenn man sie nicht braucht."
Soll heißen: Andere sinnvolle Therapien sollten zuvor unbedingt ausprobiert werden. Wenn diese nichts helfen (was unter "helfen" zu verstehen ist, lässt sich nicht pauschalisieren, hängt von konkreten Beschwerden, Verlauf etc. ab, deshalb die vage Formulierung "helfen"), sollte man sich mit der Möglichkeit einer OP auseinandersetzen. "Auseinandersetzen" heißt hier: nicht sofort operieren lassen, sich ausführlich mit Methoden, zu erwartenden Verbesserungen, zu erwartenden Einschränkungen temporärer und dauerhafter Art, Erfahrungen mit verschiedenen OP-Kliniken auseinandersetzen und dann sich ggf. für eine OP entscheiden.

Bin übrigens zufrieden und schmerzfrei. "Schmerzfrei" heißt für mich, dass ich im üblichen Alltag keine Schmerzen habe, dass ich keine Schmerzmittel besitze, nicht wegen Schmerzen in Behandlung bin, sowie nichts, das ich üblicherweise machen kann, wegen Schmerzen ausfallen lassen muss (d.h.: bin nie wegen "Rücken" krankgeschrieben, habe nie wegen "Rücken" eine für mich üblicherweise machbare Freizeitbeschäftigung doch absagen müssen).
Dass bei Überlastung mal kurzzeitig etwas schmerzen kann, und bestimmte vermeidbare Dinge (schwer heben, längere Zeit unergonomisch arbeiten) bei Durchführung auch zu längeren Schmerzen führen können, kommt vor. Letzteres zu schreiben, mich aber als schmerzfrei zu bezeichnen, sehe ich nicht als Widerspruch: jemand, der gesund ist, sich aber ausnahmesweise mal übernimmt und Schmerzen hat, würde sich auch als üblicherweise schmerzfrei bezeichnen.


Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 08:59 
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Gute Frage!
Die Op, wie übrigens auch jede andere Therapieform, kann beides sein, Segen wie auch Fluch. Wichtig ist zunächst, dass die Indikation stimmt, also der Grund warum man überhaupt operiert.
Wenn die Skoliose/Hyperkyphose trotz optimaler konservativer Therapie stetig zunimmt ist das definitiv ein guter Grund für die Op.
Schmerzen sind zunächst einmal kein Grund. Vorher sollte sehr genau recherchiert werden was die Ursache der Schmerzen ist. Bevor das nicht klar ist sollte man die Finger von der Op lassen. Häufig sind die Schmerzen dann nach der Op größer als vorher. Ich habe Pat. die dann bis zu 15 NachOp's hatten.
Auch die Kosmetik ist so eine Sache. Natürlich kann ich nachvollziehen wenn ein Pat. sagt, dass ihn die körperlich sichtbaren Veränderungen stören und er sie mit allen Mitteln weg haben möchte. Man sollte sich aber bewusst machen, dass eine Skoliose/Kyphose Op keine Nasenkorrektur o.ä. ist. Es handelt sich dabei um einen wirklich großen Eingriff mit Risiken und Eingriff in die Körperstatik. Wirklich Rückgängig machen kann man die Op auch nicht.
Mir sind einige wirklich dramatische Fälle bekannt bei denen operiert wurde obwohl die Indikation nicht oder nur sehr vage gegeben war. Diese Pat. leiden ihr Leben lang an den Folgen der Op ohne Chance auf eine Verbesserung des Zustandes. Man sollte die Entscheidung also definitiv nicht leichtfertig treffen und sich auf jeden Fall mehrere Meinungen (Operateure und konservativ tätige Ärzte) einholen.

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Dr. K. Steffan
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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 10:56 
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Hallo zusammen,

sozusagen sehe ich das mit meiner Aussage von oben schon nicht so verkehrt. Die Op scheint mehr der letzte Ausweg zu sein als eine Alternative zum klassischen Schrothen, Spiraldynamik ...sowie Korsett!

Für mich stellt sich halt auch die Frage der Folgen einer Fehlstellung.

Ich für mich kann nur sagen das ich 25 Jahre keine Probleme hatte. Ich selber wusste das mein Rücken nicht ok ist. Hab aber am Ende das getan was 80% der Orthopäden sagen:

Treiben Sie Sport...da kann man nix machen...

Hat ja lange Zeit gut funktioniert, man wird ja nie über die Spätfolgen und was man da eigentlich hat aufgeklärt, daweil muss ich sagen das diese Krankheit nun wahrlich nicht mehr unbekannt ist, sei es Skoliose oder Scheuermann!

Daher stellt sich die Frage für mich, wendet eine Op mehr schaden ab oder verursacht sie mehr?

Meine Meinung, in den meisten fällen verursacht Sie mehr Schaden.

Grüße Phill


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 11:21 
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Phill hat geschrieben:
Daher stellt sich die Frage für mich, wendet eine Op mehr schaden ab oder verursacht sie mehr?

Meine Meinung, in den meisten fällen verursacht Sie mehr Schaden.

Grüße Phill

Kann man so nicht sagen. Die heutigen Op-Methoden sind sicher eine hervorragende Möglichkeit schwere Skoliosen/Kyphosen oder hochprogrediente Skoliose/Kyphosen zu behandeln. Aber, wie schon oben geschrieben, die Indikation sollte stimmen. Tut sie das nicht, endet es oft in der Katastrophe.

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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 11:34 
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Hallo Phill,
Phill hat geschrieben:
Daher stellt sich die Frage für mich, wendet eine Op mehr schaden ab oder verursacht sie mehr?

Meine Meinung, in den meisten fällen verursacht Sie mehr Schaden.


"Schaden" - hängt meiner Meinung nach (abgesehen von eindeutigen Fällen wie schweren Komplikationen, mehr Schmerzen nach OP etc.) auch davon ab, was man unter "Schaden" versteht. Und: Welche Beweglichkeit, Schmerzreduktion, Lebensqualität ist mit der aktuellen konservativen (nichtoperativen) Behandlung noch möglich?
Manche Patienten sind z.B. zufriedener damit, ein nur noch mäßig helfendes Korsett mit hoher Tragezeit zu tragen, mit der Begründung "man kann das Korsett ausziehen, nichts ist operiert, trotz Fehlstellungen wesentlich höhere Beweglichkeit bei ausgezogenem Korsett als nach OP". Andere hingegen kommen mit einer dauerhaft verringerten Beweglichkeit durch eine OP, ohne ein sie mehr störendes Korsett, wesentlich besser zurecht und sehen eher das Befinden im Mittel, denn die Möglichkeit, das Korsett auch mal ausziehen zu können (was bei manchen Beschwerden nur noch theoretisch der Fall ist).

Ich stimme deshalb auch Dr. Steffan zu:
Zitat:
Aber, wie schon oben geschrieben, die Indikation sollte stimmen. Tut sie das nicht, endet es oft in der Katastrophe.

Eine OP sollte wirklich nötig sein.
In meinem Fall finde ich die Entscheidung nachwievor richtig und bin den Ärzten, die die OP vorgeschlagen haben, und dem Chirurgenteam sehr sehr dankbar. Hätte eine OP bei einer geringgradigen Skoliose stattgefunden, hätte ich das wohl anders gesehen.

Viele Grüße
Raven

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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 14:56 
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Hi,

dann stell ich doch mal die Frage anders. In welchen Fällen wer den eine Indikation gegeben?

Psychischer Leidensdruck zu hoch?
Schmerzbefreiung lässt sich ja in den meisten Fällen nicht feststellen!
Krümmungsverschlechterung, trotz konservativen Therapie.
Lebensqualität kathastrophal!

Schwierig für mich einzuschätzen. Ich seh es als sehr dehnbarer Begriff! Und die kathastrophe kann doch trotzdem eintreten, sagt ja keiner das es dann nach der Op besser ist!

Grüße Philipp


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 15:24 
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Genau! Das abzuwägen ist Aufgabe des gut ausgebildeten und sehr erfahrenen Arztes und, nach reichlicher Aufklärung eben durch diesen Arzt, letztlich die Entscheidung des Patienten. Nur wenn ich alle Möglichkeiten aber auch Risiken kenne kann ich mich entscheiden. Daher auch immer wieder mein Tipp mehrere Ärzte zu konsultieren und sich selbst eine Meinung bilden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 19:30 
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chronische Schmerzen; Bandscheibenvorfall L5
Therapie: Chêneau-Korsett im Alter von 9 bis 14; 2002 OP (ventrale Kompressionsspondylodese Th 5-Th 12 mit Halm-Zielke-Instrumentarium); Cranyosacrale Therapie, Schmerztherapie
Dr. Steffan hat geschrieben:
Genau! Das abzuwägen ist Aufgabe des gut ausgebildeten und sehr erfahrenen Arztes und, nach reichlicher Aufklärung eben durch diesen Arzt, letztlich die Entscheidung des Patienten. Nur wenn ich alle Möglichkeiten aber auch Risiken kenne kann ich mich entscheiden. Daher auch immer wieder mein Tipp mehrere Ärzte zu konsultieren und sich selbst eine Meinung bilden.


Das würde ich jetzt gern liken!! XD

Die Entscheidung zur OP sollte man sich nicht leicht machen und auch mehrere Meinungen einholen. Irgendwo hatte ich es ja schon mal geschrieben, meine Eltern und ich wurden damals falsch beraten und ich würde heute mit der OP noch warten oder ggf. auch gar nicht machen lassen. Aber dafür ist es halt zu spät.

Für meine eigene Situation, sehe ich die OP eher als Fluch. Aber im Endeffekt weiß ich auch nicht, was passiert wäre, wenn wir damals gewartet hätten. Eventuell wäre dann etwas anderes schief gelaufen. Und mein Lieblingsspruch dazu ist und bleibt: "Solange ich mir selbst den Ar*** abwischen kann, ist die Welt in Ordnung!". Objektiv betrachtet geht es mir auch gut. Ich habe ein ausgiebiges Sozialleben, arbeite Vollzeit (mit höhenverstellbarem Tisch), gehe zum Sport und Tanzen und halte meine Wohnung allein sauber. Klar sind die Schmerzen Sch****** und vieles dauert länger bzw. ich muss mehr Pausen einplanen. Aber es könnte bei Leibe schlechter sein!!
Es ist also auch das Ausmaß des Fluchs zu berücksichtigen.

Du solltest dir also einfach genug Informationen besorgen und dann abwägen. Und wenn dir ein Arzt sagt, du sollst dich operieren lassen, frag ihn doch, welche Indikationen er dafür ansetzt.
Die psychische Belastung z.B. wird nach der OP nicht verschwunden sein, sondern sich verändern. Und auch der kosmetische Aspekt ist ja nicht weg, statt einem Buckel hast du dann ne große Narbe. In meinem Fall auch beides, da die Rotation der Wirbelsäule nicht behoben wurde und die Rippen trotzdem noch hochstehen.

Viel Erfolg bei der schwierigen Entscheidung!


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 20:16 
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Diagnose: Kyphose 73°,
Skoliose LWS 11°

Hashimoto Thyreoiditis
Therapie: KG nach Schroth, Dehnen

Reha Sobernheim 2012, Salzungen 2016
Ich sehe solche Operationen eher als Fluch an, weniger als Segen.

Aus vielen Punkten, wie

- keine lebensbedrohliche Situation (klar bei Organproblemen etc. sollte operiert werden).

- oft werden von Seiten der Operateure Versprechen gemacht, die nicht so zu treffen. Bei jedem ist der Heilungsverlauf anders. Die einen können nach zwei Monaten wieder arbeiten, die anderen nie mehr wieder.

- die Operationstechniken. Egal wie neu, modern und so weiter eine Technik ist, kann man dem Patiente keine 100% Garantie geben. Ich sehe bespielsweise viel Probleme in der Operationstechnik, viele Techniken gehen mit dem Drehen von verbogenen Stäben einer. Diese erzeugen einen Zug, damit die Wirbelsäule in die natürliche Ursprungsposition zurück geht. Dann wird die Wirbelsäule mit Mitteln versteift bzw. die Heilung führt zur Versteifung neben der Schrauben, Haken etc.

Was ist wenn zwar das Operationsergebnis auf denm Röntgenbild passt, aber dort Fehlspannungen vorhanden sind? Fast jeder hat mal eine Zahnspange, jeder weiss dann, wenn da Zug drauf kam, wie schmerzhaft sowas werden kann. Bloss hier ist jeder einzelnen Zahn nochmals fixiert und nicht beweglich. Vieleicht ein blöder Vergleich, aber für mich als Laie mit ein bisschen Technikwissen schon ein wenig ersichtlicher.

Mir ist ein Operateur bekannt, der sich auf Bandscheiben spezilisiert hat und der meinte nur wenn alle Stricken reissen sich operieren zu lassen.


- die fehlenden Langzeiterfahrungen bzw. die erhöhte Lebenserwartung von uns. Wenn jemand mit dreizehn Jahren operiert wird, wie ist es dann mit 75 oder 85. Was kommt, wenn andere Erkrankungen dazu kommen unabhängig vom Alter? Ich glaube, da sind Operationen viel zu wenig darauf bedacht. Hält so Material wirklich 40-70 Jahre oder länger? Wie sieht es aus mit solchen Nachoperationen, wenn man älter geworden ist? (Den Jungen wird immer erzählt, sie würden es besser verkraften.)

- etwa die Hälfte der Patienten werden nachoperiert aus verschiedenen Gründen. Ein grosser Teil derer wird wegen Verschleiss oder Stab- und Schraubbrüchen werden wohl nachoperiert. Wo wir wieder beim Punkt der "modernen" Operationstechnik sind. Was bringt einem Patient eine moderne Operation, wenn er nach einiger Zeit Verschleissprobleme an den nichtversteiften Wirbeln bekommt?

Bei diesem Punkt wird bestimmt die nächsten Jahre einiges passieren, dass die wirtschaftliche Seite (Belastung des Gesundheitssystems) beleuchtet wird. Die Diskussion steckt noch inm der Babyschuhen um die Wirtschaftlichkeit einiger Operationen und deren Nachbehandlungsbedarf.

- die "Ungeduld" vom Patienten selber, viele haben kaum Geduld wollen möglichst bald einen "neuen, schönen" Rücken- Schön sein wollen usw.

- auch, habe immer wieder erlebt Leute, die sich operieren lassen und dann ihren Beruf nicht mehr ausüben können wegen OP-Folgen. Warum nicht vor der Operation einen Lebenswandel vornehmen? Vielleicht klappt dann die konservative Therapie dann auch besser? Wo liegt genau die Einschränkung der Lebensqualität? Dieser Punkt sollte genau beleuchtet werden.

- psychische Probleme nach der Operation.

- das Gesundheitssystem ist selbst krank, Ärzte haben zu wenig Zeit für Patienten, Krankenhäuser sollen Gewinn erwirtschaften usw.

- die mangelnde Forschung der Ursachen für Wirbelsäulenverkrümmungen.


Ich denke die Liste kann man weiter fotsetzen, gerne mit euch und mit Ihnen Dr. Steffan.


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 20:41 
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Hi Zebrastreifen, Hallo an den alle,

dein Kommentar ist einer der Besten die ich seit langem gelesen habe...

Ich persönlich möchte es nochmal von meiner Seite beleuchten. Ich gebe zu mich stört die Optik sehr, klar war das auch schon früher so, aber ich glaube ich habe das im Kopf irgendwann abgeschalten, weil wie oben beschrieben hat man mir keine Alternative aufgezeigt und als Tenneger hab ich mir damals auch keine Gedanken gemacht. Hatte ja nie Schmerzen....bis 2015

Ich merk selbe das meine Psyche heftig angrkratzt ist...das zerrt und nimmt einen Lebensfreude ohne Ende, da für mich die gewählten Behandlungsalternativen im warsten Sinne des Wortes Sch****** sind.

Op ist für mich wie ein Pokerspiel mit hohen Einsatz. Aber wir wissen ja wie das mit Glücksspiel ist, die wahrscheinlichkeit zu verlieren ist meist höher.

Korsett sehe ich auch als eine enorme Belastung an. Zumal in meinen Fall mir keiner sagen kann ob ich überhaupt Chancen habe durch die Keilwirbel mich aufzurichten.

Dr Steffan hat selber mal geäußert das er grundsätzlich von starken korrigierenden Korsetts abrät, da eine hohe Rückfallgefahr besteht bei zu geringer Muskelpflege. Des Weiteren ist auch das tragen eines Korsett mit großen Hürden und nicht mehr unbedingt Schmerzfreiheit verbunden. (Aber das ist ein Thema für eine andere Rubrik)

Ich für mich habe mich jetzt doch schon viel belesen zum Thema Op und muss immer wieder sagen - um so mehr ich lese, um so mehr erscheint mir die Op als Fluch!


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Mi, 30.12.2015 - 22:14 
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Hashimoto Thyreoiditis
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Zitat:
Ich merk selbe das meine Psyche heftig angrkratzt ist...das zerrt und nimmt einen Lebensfreude ohne Ende, da für mich die gewählten Behandlungsalternativen im warsten Sinne des Wortes Sch****** sind.


Seit wann machst du was? Und was machst du?


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Do, 31.12.2015 - 09:10 
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Phill hat geschrieben:
Dr Steffan hat selber mal geäußert das er grundsätzlich von starken korrigierenden Korsetts abrät, da eine hohe Rückfallgefahr besteht bei zu geringer Muskelpflege.

Das habe ich grundsätzlich sicher nicht gesagt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Do, 31.12.2015 - 10:51 
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Hallo Zebrastreifen,

einige Kommentare hierzu:
Zebrastreifen hat geschrieben:
- keine lebensbedrohliche Situation (klar bei Organproblemen etc. sollte operiert werden).


Grundsätzlich bin ich ein OP-kritischer Mensch, auch bei anderen gesundheitlichen Problemen und gehöre nicht zu denen, die sagen "Mal schnell operieren lassen, ich mag mich nicht mit langwierigen Therapien herumärgern". Eine OP ohne den ausgiebigen Versuch einer Korsetttherapie wäre für mich nie in Frage gekommen. Selbst habe ich mich auch immer an hohe Tragezeiten und fleißige Physiotherapie gehalten, um nach aller Möglichkeit eine OP zu vermeiden. (Allgemein halte ich es bei gesundheitlichen Problemen so: Reicht Verhaltensumstellung, z.B - je nach Erkrankung - im Bereich Sport, Ernährung, Freizeit? Wenn nein: Reicht Behandlung ohne Medikamente und ohne OP, z.B. - je nach Erkrankung - eine Orthese oder anderes Hilfsmittel? Wenn nein: Hilft ein nebenwirkungsarmes Medikament, obwohl eine OP auch in Frage kommt? Wenn nein: Therapie mit - ne nach Erkrankung - Medikament oder OP nach sehr sehr ausführlicher Information.)
OPs sehe ich trotzdem nicht nur bei lebensbedrohlichen Problemen für sinnvoll an.
Es gibt auch viele andere Beschwerden, Erkrankungen, Verletzungen, die nicht lebensbedrohlich sind, in denen eine OP aber die Lebensqualität verbessern kann; ich denke da z.B. an:
- komplizierte Brüche, die ohne OP nicht gut zusammenwachsen würden
- Hüft-OPs

Zitat:
- oft werden von Seiten der Operateure Versprechen gemacht, die nicht so zu treffen. Bei jedem ist der Heilungsverlauf anders. Die einen können nach zwei Monaten wieder arbeiten, die anderen nie mehr wieder.

Dem stimme ich zu. Hier werden leider häufig positiver klingende Versprechen gemacht.
Etwa, wie du ansprichst: Oft heißt es "Viele arbeiten nach x Monaten wieder", ohne auf den Beruf des Patienten zu achten (nun, wie viele Bürokaufleute arbeiten wieder, und wie viele Altenpfleger arbeiten wieder?) oder "Man kann fast jeden Sport wieder ausprobieren" (ja, ausprobieren schon, nur manche Sportarten sind nicht mehr vernünftig möglich).
Aus meiner Erfahrung nach kann man, nach einer gewissen Genesungszeit, tatsächlich sehr viel grundsätzlich wieder. Es gibt auch nur sehr wenig, das ich gar nicht kann. Unter den vielen Dingen, die machbar sind, sind jedoch nach der OP viele, die umständlicher werden, anstrengender werden etc. Ich sehe das im direkten Vergleich, wie z.B. ich putze, einkaufe, Auto fahre, reise etc., und wie das gleichaltrige Menschen ohne Einschränkungen machen. Für mich kann ich das akzeptieren - wer jedoch denkt, es würde wirklich fast alles wieder wie zuvor möglich sein, kann hier herbe enttäuscht sein.

Zitat:
Was ist wenn zwar das Operationsergebnis auf denm Röntgenbild passt, aber dort Fehlspannungen vorhanden sind? Fast jeder hat mal eine Zahnspange, jeder weiss dann, wenn da Zug drauf kam, wie schmerzhaft sowas werden kann. Bloss hier ist jeder einzelnen Zahn nochmals fixiert und nicht beweglich. Vieleicht ein blöder Vergleich, aber für mich als Laie mit ein bisschen Technikwissen schon ein wenig ersichtlicher.

Ohne selbst das Problem gehabt zu haben: Auf jeden Fall verständlich (auch mit Technikwissen: Physikerin ;))

Mir ist ein Operateur bekannt, der sich auf Bandscheiben spezilisiert hat und der meinte nur wenn alle Stricken reissen sich operieren zu lassen.

Zitat:
- die fehlenden Langzeiterfahrungen bzw. die erhöhte Lebenserwartung von uns. Wenn jemand mit dreizehn Jahren operiert wird, wie ist es dann mit 75 oder 85. Was kommt, wenn andere Erkrankungen dazu kommen unabhängig vom Alter? Ich glaube, da sind Operationen viel zu wenig darauf bedacht. Hält so Material wirklich 40-70 Jahre oder länger? Wie sieht es aus mit solchen Nachoperationen, wenn man älter geworden ist? (Den Jungen wird immer erzählt, sie würden es besser verkraften.)

Dem stimme ich auch zu.
Für mich galt damals aber auch: meine Wirbelsäule wurde im Korsett immer krummer (heute würde es bessere Korsetts geben). OP, oder jetzt dauerhaft ein Korsett tragen (das theoretisch ausziehbar ist, aber wie viele korsettfreie Stunden sind noch bei hohen Gradzahlen schmerztechnisch drin?) und trotzdem krummer werden?
Für mich habe ich mir immer gesagt, und das ist noch genauso: wenn es mir vielleicht mit 70 (oder so) schlechter geht, und ich gesundheitlich auf einem Stand bin wie ohne OP aber mit Verschlechterung, dann ist etwas gewonnen - ich habe dann nämlich die ganzen Jahre dazwischen ein Leben geführt, in dem vieles vorkam, das ohne OP (aber mit Verschlechterung) nicht machbar gewesen wäre.

Zitat:
- die "Ungeduld" vom Patienten selber, viele haben kaum Geduld wollen möglichst bald einen "neuen, schönen" Rücken- Schön sein wollen usw.

Das sehe ich auch sehr kritisch. Gerade, da meine OP noch zu Zeiten durchgeführt wurde, in denen nicht primärstabile Implantate üblich waren. Solche wurden bei mir eingesetzt, und das bedeutete: ein halbes Jahr nicht sitzen, ein Dreivierteljahr Korsett (das durfte absolut nur zur Körperpflege entfernt werden, keine Bewegung ohne erlaubt!), ca. ein Jahr bis leichte Alltagsbelastungen wie ein kleiner Einkauf oder ein Tagesausflug in der Stadt machbar waren. Anderes, etwa eine Stunde Autofahren (mitfahren) oder wirklich alle Kleidung inkl. Schuhen selbst anziehen können, dauerte noch länger.
Eine Methode, um "schnell einen schönen belastbaren Rücken" zu bekommen, war das jedenfalls nicht, sondern eher ein "Langzeitprojekt".


Zitat:
- auch, habe immer wieder erlebt Leute, die sich operieren lassen und dann ihren Beruf nicht mehr ausüben können wegen OP-Folgen. Warum nicht vor der Operation einen Lebenswandel vornehmen? Vielleicht klappt dann die konservative Therapie dann auch besser? Wo liegt genau die Einschränkung der Lebensqualität? Dieser Punkt sollte genau beleuchtet werden.

Finde ich auch sehr sehr wichtig :ja: Bei meinem Beruf, den ich (da jung operiert) erst drei Jahre nach OP ergriffen habe, habe ich sehr darauf geachtet, dass dieser Beruf sehr gut mit vorhandenen Einschränkungen durchführbar ist und noch Spielraum da ist, also nicht nur knapp machbar ist, sondern es auch mit mehr Einschränkungen wäre. Interesse am Beruf habe ich dabei auch nicht vernachlässigt, jedoch unter den interessanten Berufen den körperlich am wenigsten anspruchsvollen gewählt.
Unter meinen Wunschberufen waren z.B. Mechatroniker, Industriemechaniker und Fachinformatiker, ich entschied mich für letzteren.
(Da ich oben einen anderen Beruf nenne: nein, ich habe den Beruf nicht aufgrund von Beschwerden gewechselt, sondern einfach aus Interesse :ja: )

Zitat:
- psychische Probleme nach der Operation.

Auf jeden Fall wichtig. Denn die OP kann keinen "orthopädisch normalen Traumrücken" zaubern. Mir hat die OP und die Zeit danach viel Tapferkeit, Gelassenheit, weiteres Akzeptieren von Anderssein und mit Unverständnis anderer zurechtkommen (gegenüber anderen Einschränkungen benennen müssen, während ich vorher Einschränkungen noch eher durch Weglassen des Korsetts bei z.B. Praktika oder Schulausflügen kaschieren konnte) abverlangt.


Viele Grüße
Raven

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Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere mich haben wollen.
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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Do, 31.12.2015 - 13:52 
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Zitat:
Grundsätzlich bin ich ein OP-kritischer Mensch, auch bei anderen gesundheitlichen Problemen und gehöre nicht zu denen, die sagen "Mal schnell operieren lassen, ich mag mich nicht mit langwierigen Therapien herumärgern". Eine OP ohne den ausgiebigen Versuch einer Korsetttherapie wäre für mich nie in Frage gekommen. Selbst habe ich mich auch immer an hohe Tragezeiten und fleißige Physiotherapie gehalten, um nach aller Möglichkeit eine OP zu vermeiden. (Allgemein halte ich es bei gesundheitlichen Problemen so: Reicht Verhaltensumstellung, z.B - je nach Erkrankung - im Bereich Sport, Ernährung, Freizeit? Wenn nein: Reicht Behandlung ohne Medikamente und ohne OP, z.B. - je nach Erkrankung - eine Orthese oder anderes Hilfsmittel? Wenn nein: Hilft ein nebenwirkungsarmes Medikament, obwohl eine OP auch in Frage kommt? Wenn nein: Therapie mit - ne nach Erkrankung - Medikament oder OP nach sehr sehr ausführlicher Information.)
OPs sehe ich trotzdem nicht nur bei lebensbedrohlichen Problemen für sinnvoll an.
Es gibt auch viele andere Beschwerden, Erkrankungen, Verletzungen, die nicht lebensbedrohlich sind, in denen eine OP aber die Lebensqualität verbessern kann; ich denke da z.B. an:
- komplizierte Brüche, die ohne OP nicht gut zusammenwachsen würden
- Hüft-OPs


Ja, deshalb habe ich au geschrieben "sollte" nicht muss. Wenn ich immer lese " Ich muss operiert werden oder Unser Kind muss operiert werden" zieht es mir die Nägel auf.

Ich glaube man könnte, da den Punkt der Arztgläubigkeit mit anführen, klar Ärzte wissen viel, aber nicht alles. Man sollte auch Arztaussagen hinterfragen.

Jeder muss mit sich selbst die Entscheidung treffen.

Aber da sollte auch die verantwortung bei den Ärzten liegen, die Operationen anbieten und die Kriterien/Leitlinien für eine Operation klarer festlegen. Nur nach Gradzahlen eine Operation zu empfehlen ist für mich einfach viel zu einseitig.


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Fr, 01.01.2016 - 00:05 
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• Befund -Ende 04/2015:
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Sko. th 7° , lu 9° n. Cobb
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• Destruktiven Sport abgebrochen
• Seit 01/2015 strecken und dehnen
• Rahmouni Korsett seit Ende 08/2015,
• Reha nach Schroth sobald KK Prozedere abgeschlossen und Termin gesichert ist.
• Ambulante Schroth KG seit Mitte 10/2015
Hi :)

Mich beschäftigt das Thema Operation ja auch, da psychisch ohnehin schon sehr leide umd meine Rücken(Lebens)sitiuation mir jetzt dabei alles andere als behilflich ist, um es mal ganz milde auszudrücken.

Obwohl eine Operation meine allerletzte Wahl darstellt und ich den Gedankengang von Zebrastreifen
Zitat:
Warum nicht vor der Operation einen Lebenswandel vornehmen? Vielleicht klappt dann die konservative Therapie dann auch besser? Wo liegt genau die Einschränkung der Lebensqualität? Dieser Punkt sollte genau beleuchtet werden.
so auch schon hatte und als einen absolut wichtigen Ansatz erachte, beschäftigt mich vorallem eine Frage:

Ist denn überhaupt noch irgendetwas operativ machbar, wenn nicht eine Wirbelfehlbildung das Problem ist, sondern abgenutze Bandscheiben / aufliegende Wirbel ?
In Verbindung mit einer Operation, wird hier immer nur über Spondylose (Versteifung durch Schrauben und Stäben) gesprochen.
Kommen, bei abgenutzen Bandscheiben, die gleichen operativen Methoden zum Einsatz, wenn man sich auf die Kyphoplastie fokussiert, bei der die Schmerzbekämpfung nicht im Vordergrund steht ?

Ich denke und hoffe, dass passt immer noch zum Thema, auch wenn es nicht direkt mit Phill's Situation in Verbindung steht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Fr, 01.01.2016 - 00:10 
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Meine Meinung zu einer Operation hatte ich dir schon einmal gepostet, denke ich, Phill.
Deshalb habe ich momentan nichts weiter dazu zu sagen.
Ausser vielleicht noch, dass ich echtes Mitleid mit deinem Leidensdruck empfinde. ... Wenn man weiss wie etwas ist, dann weiss man wie das so ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: OP Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Fr, 01.01.2016 - 10:58 
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Hallo,

ich werde natürlich versuchen den konservativen Weg zu gehen. Mit den Bandscheiben und dem Thema Abnutzung kenne ich mich nicht aus. Bzw versteh ich die Problematik, aber da wird man nicht viel machen können außer künstliche einzusetzen bzw Implantate!

Für mich ging es nur um die Differenzierung, da ich doch oft viele Op Berichte gelesen habe und davon viele nicht wirklich eine Besserung darstellen.

Natürlich kann es auch sein, das da draußen Betroffene sind die wirklich glücklich leben und sich einfach mit dem Thema nicht mehr befassen, dann verfälscht das natürlich.

Grüße Phill


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 Betreff des Beitrags: Re: OP Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Fr, 01.01.2016 - 13:24 
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Zitat:
Für mich ging es nur um die Differenzierung, da ich doch oft viele Op Berichte gelesen habe und davon viele nicht wirklich eine Besserung darstellen.

Natürlich kann es auch sein, das da draußen Betroffene sind die wirklich glücklich leben und sich einfach mit dem Thema nicht mehr befassen, dann verfälscht das natürlich.


Ich glaube viele denken, lassen wir das mal operieren. Machen sich zwar Gedanken und informieren sich, sind aber total fixiert in dem Gedankengang. Und nach der Operation und deren Abheilung knallen die Leute auf dem Boden der Tatsachen im Alltag. Bei einigen, die sich im Erwachsenenalter für die Operation entschieden haben liest man das immer mal wieder raus.

Und viele habe ich den Eindruck sind nicht ehrlich zu sich selbst, weil sie auch wissen, dass diese Operation nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.


Zitat:
Ist denn überhaupt noch irgendetwas operativ machbar, wenn nicht eine Wirbelfehlbildung das Problem ist, sondern abgenutze Bandscheiben / aufliegende Wirbel ?
In Verbindung mit einer Operation, wird hier immer nur über Spondylose (Versteifung durch Schrauben und Stäben) gesprochen.
Kommen, bei abgenutzen Bandscheiben, die gleichen operativen Methoden zum Einsatz, wenn man sich auf die Kyphoplastie fokussiert, bei der die Schmerzbekämpfung nicht im Vordergrund steht ?


Heutzutage ist viel machbar, nur der Nutzen ist oftmals fraglich in meinen Augen.

Bei Keilwirbel und Bandscheibenproblematiken sind gewisse Punkte nicht anders zu beurteilen. Als Beispiel Verschleiss der anderen Wirbel neben den operierten.

Es gibt zwar auch künstliche Bandscheiben, diese müssen ja dennoch festgemacht werden und das kostet Material und Platz.

Da gilt es genauso abzuwägen ob man sich operieren lässt oder nicht. In den Bandscheibenforen liest man hier von Leuten. die nach der OP zufrieden sind oder es ihnen schlechter geht als vorher.


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 Betreff des Beitrags: Re: Op Segen oder Fluch!
BeitragVerfasst: Fr, 01.01.2016 - 13:53 
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Hallo Namor,
Namor hat geschrieben:
In Verbindung mit einer Operation, wird hier immer nur über Spondylose (Versteifung durch Schrauben und Stäben) gesprochen.
Kommen, bei abgenutzen Bandscheiben, die gleichen operativen Methoden zum Einsatz, wenn man sich auf die Kyphoplastie fokussiert, bei der die Schmerzbekämpfung nicht im Vordergrund steht ?

hier werden zusätzlich weitere Implantate, sogenannte "Cages" eingesetzt, die die abgenutzten Bandscheiben ersetzen. Es handelt sich dabei um ein mit Knochenmaterial gefülltes Drahtgeflecht aus Titan.
Übrigens werden bei vielen Techniken zur Versteifungs-OP bei Skoliose oder Hyperkyphose sowieso die Bandscheiben entfernt. (War bei mir aber nicht der Fall.)


Hallo Zebrastreifen,

Zitat:
Ich glaube viele denken, lassen wir das mal operieren. Machen sich zwar Gedanken und informieren sich, sind aber total fixiert in dem Gedankengang. Und nach der Operation und deren Abheilung knallen die Leute auf dem Boden der Tatsachen im Alltag. Bei einigen, die sich im Erwachsenenalter für die Operation entschieden haben liest man das immer mal wieder raus.

habe ich sehr oft erlebt :ja: Betrifft sehr häufig, dass sich mit dem Unterschied zwischen "machbar" und "beschwerdefrei und annähernd so gut wie bei Gleichaltrigen ohne Wirbelsäulenprobleme machbar" nicht hinreichend beschäftigt wurde - u.a. auch, weil von Ärzten lapidar viel als "machbar" dargestellt wurde. Oder man selbst davon ausgeht, alles verliefe so wie bei genannten "Musterpatienten" (Arztaussagen wie "Ich kenne einen Patienten, der [setze hier körperlich anstrengende Hobbies oder Berufe ein]" können einen dazu verleiten).
Selber hat mir übrigens geholfen, um das vorab realistischer einzuschätzen: Gespräche mit anderen Patienten mit verschieden weit fortgeschrittener Genesung. Heutzutage einfacher übers Internet möglich, damals wurden solche Treffen in der Klinik organisiert.
Half übrigens auch, tatsächlich nur temporäre Einschränkungen und übliche Untersuchungsmethoden besser als solche zu verstehen ("okay, alle anderen hatten das anfangs und haben das nicht mehr") und nicht den Verdacht zu haben, mir wolle jemand etwa Komplikationen oder übliche starke Einschränkungen als temporär "verkaufen". Gerade da ich damals deutlich minderjährig (12/13 Jahre alt) war und ich mit anderen Ärzten diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht hatte, hat mir das viel Sicherheit gegeben.

Aus eigener Erfahrung - also was wirklich genau mich betraf - kommt oft noch das Unverständnis inkl. Anschuldigungen anderer dazu: "Das wurde doch operiert, warum kannst du dann nicht [...]" oder "Stell' dich mal nicht so an, deine OP ist x Jahre her, da kann man nichts mehr haben". Oder Unverständnis anderer inkl. Vorwürfen von Bequemlichkeit, wenn Dinge möglich sind und durchgeführt werden, die anstrengender wirken als andere, die nicht durchgeführt werden. Ich kann z.B. schmerzfrei 30 km am Tag Bergwandern (aber ohne eigene Tragelast), habe aber schon nach 2 Stunden Autofahren ziemliche Probleme (kaum mehr sitzen können) und brauche eine, und sei es nur kurze, Pause.
Wenn nur von Außenstehenden nicht verstanden wird, dass bestimmte Probleme dauerhaft bestehen, und man darüber reden kann, ist das eine Sache. Wenn Vorwürfe kommen, ist das nochmals 'ne andere Sache und je nach beteiligten Personen (derjenige mit WS-Versteifung, die anderen) nicht immer mit "Ohren auf Durchzug" getan.

Viele Grüße
Raven

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