Rahmouni ist aus SEINER langjährigen Erfahrung eher der Meinung, daß besonders bei hochprogredienten Skoliosen (starke Tendenz zur Krümmungszunahme- immer schnellere Verschlechterung) eine sehr hohe Primärkorrektur erforderlich ist, um diese Progredienz zu stoppen!
Mache Skoliosen sind leider wesentlich progredienter als eine "langsame" und "menschenfreundliche" Aufpelottierung nachkommt.
Daher ist möglichst schnell die höchstmögliche (gerade noch mit Schmerzen auszuhaltende) Primärkorrektur zu erreichen.
Das gilt immer noch:
R.Pauschert, M.Weber,F.U.Niethard
Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Dir.Prof.Dr.med. H. Cotta
Abt. für Orth. im Kindesalter Leiter Prof.Dr. F.U. Niethard
Aus einer Veröffentlichung Orthopädietechnik 7/1995:
Vergleichende Bewertung der Qualität des Thermoplastkorsettes bei der Behandlung der idipathischen Skoliose anhand der Primärkorrektur.
Auszug aus der Einleitung:
...Aber trotz aller Einwendungen gehört die Korsettbehandlung nach wie vor in die konservative Therapie idipathischer Skoliosen!
Der Behandlungserfolg hängt u. a. von einer rechtzeitigen Indikationsstellung sowie einer effektiven Sofortkorrektur der Wirbelsäulendeformität ab.
Insbesondere die Primärkorrektur, d.h. in welchem Ausmaß die Krümmung der Wirbelsäule bei Anlage eines Korsettes verbessert werden kann, scheint von entscheidender Bedeutung.
Arbeiten von Heine und Goetze sowie Nordwall zeigen, dass Primärkorrektur und langfristiger Korrekturgewinn in einem engen Zusammenhang stehen...
Es kommt also darauf an, ob die Patientin mehr Korrekturdruck ertragen würde:
Ist sie eine Kämpfernatur?
Oder "Prinzesschen auf der Erbse"?
Ist sie willensstark?
Will sie gerade werden und dafür auch mehr Druck in Kauf nehmen?
Wieviel mehr Druck verträgt die Haut an Pelottendruckstellen?
Wie ist die Hautpflege der Druckstellen? PC 30 V? Eiswürfel? Alkohol?
Wie gut ist das Schaumstoffmaterial, aus dem die Pelotten hergestellt werden?
Weichheit und Härtegrad, Rückstellvermögen des Schaumstoffs, Feinblasigkeit des Schaumstoffs, Form und Flächigkeit usw... spielt alles eine Rolle.
Könnte das Korsett eventuell noch enger geschnallt werden?
(Vor allem die Form des Beckenkorbes/Beckenbreite ist da oft der begrenzende Faktor)
Wieviel freie (noch ungenutzte) Beckenbreite hat das Korsett zur Korrekturreserve?
Compliance:
Tragezeit täglich in Stunden bei engstmöglicher Einstellung?
Schroth-KG zum Korsett oder irgend eine weniger effiziente oder gar wirkungslose Gymnastik?
All das hat großen Einfluß auf den Therapieerfolg.
50 % Primärkorrektur genügt in der Regel um eine Skoliose vor weiterer Verschlechterung zu stoppen.
.....aber mehr als 50% Primärkorrektur sind besser um auch eine echte Verbesserung und Begradigung zu erzielen.
Lieben Gruß nach Polen!
Toni