Hallo Gast,
ich kann dich gut verstehen, dass du in deinem Alter die Skoliose nicht zu deinem Thema machen möchtest und es ist gut, dass du optimistisch an deine Zukunft herangehst.
Es ist halt so, dass ich aus der skoliose und so kein grosses thema machen will, da ich es vielleicht zu "easy" angehe (nach dem motto: jaja ist mir doch egal, wird schon richtig kommen)
auch wird es in meiner familie absolut nicht zum thema gemacht, auch in der schule nicht,
Auch das ist gut, sie sollen normal mit dir umgehen und nicht ständig jammern und problematisieren. Du bestehst nicht nur aus Skoliose sondern bist ein Mensch mit allen möglichen Facetten deiner Persönlichkeit.
Aber - bei aller angestrebter Normalität: man kann (und sollte) durchaus seine Skoliose ernst nehmen, denn sie gehört unbehandelt zu den progredienten, d. h. fortschreitenden Erkrankungen.
Eben weil die Skoliose sich unbehandelt verschlimmert (ob wir das nun wollen oder glauben oder nicht) kann es für uns alle nicht das Ziel sein, die Skoliose zu verdrängen (in dem Sinne "es wird schon gutgehen!").
Vielmehr geht es um den Drahtseilakt (und das ist es wirklich) mit KG und evtl. Korsett ein so normales Leben wie möglich zu führen. Dazu ist in erster Linie "Selbstverständlichkeit" notwendig. Je selbstverständlicher du mit den Erfordernissen, die deine Skoliose mit sich bringt, umgehst, je selbstverständlicher du darüber sprichst, wenn du z. B. statt dich mit Freunden zu treffen einen KG-Termin wahrnehmen musst, desto leichter wird es auch für deine Freunde, das alles selbstverständlich zu handhaben. Sie werden merken, dass du eben ein paar Dinge beachten musst, aber das, was sie an dir mögen, nämlich deine Persönlichkeit, bleibt doch davon unberührt. Wir alle haben bestimmte Themen, die wir in unser Leben integrieren müssen und die andere dann zu akzeptieren haben. Denk mal an den Leistungssportler, der täglich zum Training muss, denk an die, die ein Instrument lernen und täglich üben, denk an die Leute, die bereits im Beruf sind und denen ihre Karriere wichtig ist. Sie alle gehen Verpflichtungen ein, weil sie ein Ziel anstreben, das für sie wichtig ist.
Ich denke mal, auch du hast das Ziel, dass sich deine Skoliose nicht verschlechtert. Sonst würdest du nicht so betonen, dass deine Verkrümmung nicht so erheblich ist, wie die anderer Forumsteilnehmer.
meine skoliose ist ja ziemlich gering und ich habe gar keine schmerzen! es gibt hier ja wirklich zum teil sehr schlimme fälle sad so 100grad verkrümmung, das kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen...
Natürlich erinnert dich dein Korsett täglich an die Skoliose, an die du am liebsten überhaupt nicht denken würdest. Nur - selbst wenn es dir gelänge, nicht mehr an deine Skoliose zu denken, wäre sie immer noch da, da kannst du "so tun als ob" so viel du willst. Und spätestens mit 20 sicherlich aber viel früher) hättest du beim täglichen In-den-Spiegel-Schauen den für alle sichtbaren Beweis.
Was ich dir sagen will, auch wenn du uns alle für "Jammerlappen" hältst, (was ich für mich, ebenso wie Dalia das getan hat, energisch ';)' zurückweisen muss, weil wir die Skoliose als
einen Teil unseres Lebens akzeptieren,
du kannst verdrängen so viel du willst, das einzige, was du erreichst ist, dass du unwiederbringliche Zeit für die Korrektur versäumst.
Doch ich will dich nicht bedrängen, man kann vielleicht jemanden zwingen sein Korsett zu tragen, aber nicht dazu seine Skoliose ernst zu nehmen. Das ist und bleibt deine ureigene Entscheidung, so viel dir auch hier Meinungen mitgeteilt werden. Deshalb möchte ich dir auch nur folgendes sagen:
Wenn du für dich ehrlich bejahen kannst, dass dir ein Leben mit zunehmender Verkrümmung nichts ausmacht und du auch die Folgeerscheinungen wie Rippenbuckel, Schmerzen, Kurzatmigkeit, geringere Belastbarkeit usw. in Kauf nehmen willst, dann mach nichts mehr, schmeiss das Korsett in die Ecke, genieße deine Jugend in vollen Zügen, du wirst als Erwachsener mit zunehmendem Alter so viele Beschwerden haben, dass dir oft genug der Spass vergeht.
Du wirst aber nie die Möglichkeit haben zu sagen, das habe ich nicht gewusst, denn diese Möglichkeit hast du dir genommen, indem du dich an dieses Forum gewandt hast. Mit dieser Erkenntnis, die dann entstandene Situation selbst verursacht zu haben, wirst du immer leben müssen.
Doch ich glaube, dass du eigentlich weisst, dass du die Skoliose nicht verdrängen kannst und dass es wichtig ist, sich damit auseinander zu setzen. Dass du den Wunsch hast, es möge kein Thema sein, bleibt davon unberührt. Wünschen darf man sich viel, nur leider lässt sich nicht jeder Wunsch erfüllen.
Deshalb sortiere dir am besten jetzt erst mal auseinander, was in deinem Leben Wunsch und was Realität ist, was du dir von der Zukunft erhoffst und wie du die Weichen dafür jetzt stellen willst und auch, was du in Kauf nehmen willst. Wenn du das alles gründlich gemacht hast, dann entscheide!
Bei dieser nicht leichten Aufgabe wünsche ich dir viel Mut, denn den braucht man, wenn man sich der Realität stellt, aber auch viel Zuversicht in dem Sinne, dass du erkennst, wieviele gute Möglichkeiten es heute in der Skoliosebehandlung gibt, auch wenn es ein harter Weg ist.
Anne