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Schildkrötenpanzer seit 9 Monaten

Verfasst: Do, 08.01.2026 - 00:03
von fabi84
Im Herbst 2024 hatte ich in diesem Forum um Rat gefragt. (viewtopic.php?p=1111056#p1111056) Damals war ich hinsichtlich der weiteren Behandlung meiner Skoliose sehr, sehr verunsichert. Ausgelöst wurde diese Verunsicherung durch starke Schmerzen sowie eine Meinungsverschiedenheit zwischen meinem damaligen Orthopäden und meinem Physiotherapeuten. Zunächst fühlte ich mich durch dieses Forum noch stärker verunsicherter, bis mir klar wurde, dass ich mich auf eine Reise begeben muss, um meinen individuellen Weg zu finden. Raus aus dem Schubladendenken :juggle: .

Ich habe Ende 2024 den Orthopäden gewechselt. Mein neuer ist einer der nicht so schnell zum Skalpell möchte wie der, der mich seit über 20 Jahren begleitete. Mein neuer Orthopäde ging meine Skoliose ganzheitlich und unvoreingenommen an. Er untersuchte mich von Grund auf neu. Er mass meine Knochendichte, liess CTs machen und prüfte meine Beweglichkeit, usw.

Seine Diagnose könnt ihr nebenan lesen.
Nebenbefunde: schräge Kopfhaltung, schmerzhafte Muskelverspannungen, schlechte Kiefer- und Zahnstellung.

Danach schickte er mich zu meinem Hausarzt für einen umfassenden Check-up und zu einem Neurologen, um mögliche andere Ursachen für meine Schmerzen auszuschliessen. Beides brachte zum Glück keine neuen Erkenntnisse. Mir wurde eine sehr gute allgemeine Gesundheit attestiert. Natürlich abgesehen von der Skoliose.

Ich war sehr erstaunt :eek: , als der Orthopäde mir abschliessend empfahl, mich von einem Kieferorthopäden untersuchen zu lassen. Er vermutete, dass meine Rücken- und insbesondere die Nackenschmerzen zumindest teilweise durch meine Zahn- und Kieferstellung mitverursacht wurden. Zu jener Zeit wurden die Schmerzen immer heftiger. Mit einem Schreiben meines Orthopäden ging ich deshalb zu einer Kieferorthopädin. Sie stellte fest, dass ich einen Kreuzbiss, eine stark verschobene Mittellinie und einen seitlich offenen Biss habe. Mein Biss ist zudem instabil und meine Kiefergelenke sind geschädigt. Über diese Diagnose war ich deshalb sehr erstaunt, denn als Kind hatte ich eine lose Zahnspange getragen. Ich habe in der Folge die Unterlagen von damals bei meinen Eltern gesucht. Darin stand, dass von meiner damaligen kieferorthopädischen Behandlung nur der erste Teil von 3 Teilen vollendet wurde. Die anderen zwei geplanten und den danach vorgesehen Retainer hatte es nie gegeben. Meinen Eltern war es offenbar damals zu teuer, wie ich den Schreiben meines damaligen Kieferorthopäden entnehmen konnte. Das wusste ich bisher nicht.

Sowohl der Orthopäde als auch mein Physiotherapeut kamen zu dem Schluss, dass eine effektive konservative Therapie kaum sinnvoll möglich sei solange meine akuten Schmerzen nicht gelindert werden. Deshalb schickte mich der Orthopäde als Nächstes zu einem Schmerzspezialisten. Ich wollte zuerst keinesfalls Schmerzmittel, weil ich unter Schmerzmitteln nicht fliegen darf. Das bedeutet, dass ich arbeitsunfähig bin. Nach einem offenen Gespräch mit meinem Vorgesetzten, fanden wir aber auch dafür eine Lösung: Da ich auch Fluglehrer bin, konnte ich mehrere Monate lang das Simulatortraining und andere theokratische Ausbildungen meines Arbeitgebers unterrichten. Normalerweise übernehmen diese Aufgabe externe Spezialisten. Als "gewöhnlicher" Pilot hätte man mir bei so langer "Behandlung" wohl gekündigt. Ich begann daraufhin die Schmerzbehandlung, die tatsächlich sehr schnell Erfolge brachte. Die Schmerzen verschwanden zwar nicht ganz. Aber sie wurden viel erträglicher. Ich wurde alleine dadurch deutlich entspannter. Eine Langzeitlösung war das natürlich nicht.

Als alle Resultate, Berichte und Diagnosen der anderen Ärzte vorlagen, wurde in einer gemeinsamen Konferenz mit allen Beteiligten einen langfristigen Behandlungsplan erstellt. Der Plan sieht neben der bereits begonnenen Schmerztherapie, folgende Elemente vor: Korsett, Physiotherapie, ein oder zwei Reha-Aufenthalte und sobald sich mein Rücken etwas stabilisiert hat, eine feste Zahnspange. Das Hauptziel ist es, das weitere Fortschreiten meiner Skoliose umzukehren und die Muskulatur so weit zu stärken, dass ich auch ohne Korsett schmerzfrei sein werde.

Im März 2025 bewilligte die KK und auch die IV den gesamten, umfangreichen und gut begründeten Behandlungsplan. Wie bereits zuvor "befürchtet", wurde eine Behandlung im Ausland (z.B. in Deutschland) kategorisch ausgeschlossen. Die Begründung: Es besteht keine Vorteile gegenüber inländischen Anbietern, was sich im Nachhinein gesehen bewahrheitet hatte. Trotzdem wäre ich persönlich zum damaligen Zeitpunkt wäre gerne zu CC-Tec oder nach Bad Salzungen gefahren.

Als Kind wurde meine Korsetts im Kinderspital angepasst und gebaut. Damals wurde einen Gipsabdruck gemacht und das hatte Gefühl ewig lange gedauert. Ich war deshalb wirklich beeindruckt, wie das heute bei Otho-Team abläuft: Sie haben mehrere 3D-Scans von mir aufgenommen, was nur wenige Minuten dauerte. Mein neues Korsett wurde virtuell am Bildschirm modelliert und im 3D-Drucker hergestellt. Nur wenige Tage später war es fertig und ich konnte es erstmals anlegen. Beide Termine waren erstaunlich schnell vorüber. In meinem neuen Schildkrötenpanzer steckend, begab ich mich zum Bahnhof und reiste nach Hause. So "aufrecht" hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. ;) Ich dachte, nun weiss sich wieder, wie sich eine Ninja Turtle fühlen muss. ;)

Erstaunt war ich, wie hoch mein neuer Schildkrötenpanzer ist, bis ganz unter die Achseln. Vor allem, dass er so weit über die Hüfte reicht und die Steissbeinfassung, hatte ich nicht erwartet. Aufgrund meiner Hyperlordose macht das aber natürlich total Sinn. Während ich in der Bahn sass, begann ich zu ahnen, was in den kommenden Tagen und Wochen auf mich zukommen würde. :/ Die Enge wurde immer unerträglicher. Das Atmen fiel mir schwer. :( Aber irgendwie fühlte es sich gleichzeitig auch gut an, denn ich spürte, wie das Korsett meine Haltung korrigierte und mich dadurch entlastete. Als ich eine Stunde später zu Hause ankam, war ich froh, mich von meine Panzer befreien zu können. Seit Mitte April 2025 lebe ich nun gemeinsam mit meinem Schildkrötenpanzer.

Obwohl ich die Tragzeit nur langsam gesteigert habe, waren die ersten Wochen eine echte Qual. Am Anfang hatte ich jeweils gefühlte Atemnot nach einer Stunde, obwohl ich die Klettverschlüsse noch nicht so eng zuziehen konnte, wie es eigentlich vorgesehen war. Vor allem die Steissbeinfassung, die mein Becken wirklich gut ausreicht, war in den ersten Tagen sehr unangenehm. Ich hatte die Korsetts meiner Jugend nicht als so eng und unangenehm in Erinnerung. Bin ich wehleidiger geworden oder ist diese Korsett einfach viel effektiver? Der 3D-Druck hat eindeutig seine Vorteile. Es fühlt sich nicht so starr an, aber korrigiert meine Haltung trotzdem sehr gut. Es ist deutlich leichter. Die Belüftung ist um Welten besser. Ich schwitze viel weniger darin. Es lässt sich sehr einfach unter der laufenden Dusche reinigen. Weil es weniger starr ist als meine früheren Korsetts, fühlt es auch auch an als hätte ich mehr Bewegungsfreiheit darin obwohl es viel höher ist.

Nach der Eingewöhnungszeit habe ich begonnen mein Korsett ca. 23h oder mehr täglich zu tragen. Ich habe es auch schon über 30h ununterbrochen getragen, weil mein Dienstplan es nicht anders zuliess. Und das war kein Problem. Normalerweise komme ich aber auf ca. 23h. Ich lege es nur noch zum Duschen, die Übungen oder zum Schwimmen aus. Der Orthopädietechniker hat mir bereits zweimal stärkere Pelotten spendiert und ich muss das Korsett jetzt enger zuziehen als in den ersten Monaten. Trotzdem trägt es sich mittlerweile bequem. Im Alltag vergesse ich meistens, dass ich meinen „Panzer” trage. In den letzten Monaten ist es zu einem Teil von mir selbst geworden. Es fühlt sich nun im Gegenteil sehr seltsam an, wenn ich mein Korsett nach dem Duschen nicht gleich wieder anlege. Wenn ich es länger nicht trage, fehlt mir etwas und ich fühle mich irgendwie unwohl. Es ist schon sehr interessant, wie sehr man sich daran gewöhnen kann.

Bereits nach wenigen Tagen waren ich grossenteils schmerzfrei. Nur sporadisch kamen sie noch zurück. Seit etwa 3 Monaten bleiben sie ganz aus. Ich war erstaunt, wie schnell das ging. Im Sommer wurden die Schmerzmittel ausgeschlichen und nach einer entsprechenden Untersuchung erhielt ich die flugmedizinische Tauglichkeit wieder. Auch die Wiederholung der Simulatortrainings bestand ich mit dem Korsett, weshalb ich seit Anfang Oktober 2025 wieder fliegen darf. Ganz offiziell mit dem Panzer. Bevor ich die ersten Flüge gemacht habe, hatte ich etwas Bedenken, wegen des stundenlangen Sitzens. Aber auch das stellte sich bisher als erstaunlich kleines Problem heraus. Bisher wurde es nur einmal unerträglich, als wir stundenlang auf dem Rollfeld auf die Startfreigabe warten mussten. Ich bin mehrmals eine 5min im Flugzeug auf und ab gegangen. Danach war wieder alles gut.

Im Mai/Juni war ich vier Wochen lang zur Reha in der Oberweid bei St. Gallen. Neben mir waren noch zwei andere Skoliose-Betroffene dort. Zwar waren beide deutlich jünger als ich, aber immerhin erwachsen. Auch wenn es für mich keine grosse neue Erkenntnisse brachte, taten mir die Wochen der intensiven Beschäftigung mit meinem Rücken und das Training wirklich gut. Sehr hilfreich war auch der Austausch mit anderen Betroffenen.

Bevor mir wieder jemand Belehrungen erteilt und vorschreiben will, ;D was ich tun muss, noch einige Worte zur Physiotherapie. (oder wie das auf deutsch-Deutsch ;) heisst: "Krankengymnastik".)
Ich arbeite immer noch mit demselben Physiotherapeuten zusammen wie schon seit mehreren Jahren. Wenn mein Dienstplan es zulässt, bin ich zweimal die Woche bei ihm. Ich bin sehr dankbar, einen Physiotherapeuten zu haben, der weiter denken kann als bestimmte Schreiberlein, die einem nur in eine einzige Richtung drängen wollen. Mein Physio. knetet mich immer zuerst durch, mobilisiert jeden Muskel und jedes Gelenk. Das hilft gegen Verspannungen. Danach machen wir Übungen, um die Muskulatur aufzubauen und die Stabilität zu verbessern. Ich mache täglich meine Übungen zuhause, im Hotel oder sogar im Flugzeug. Je nachdem, wo ich gerade bin. Seit ich das Korsett besitze, hat der Physiotherapeut einige Übungen verändert und mir auch neue beigebracht. (Was davon nun zur hier zu aggressiv beworbenen "Marke" ;) Schroth gehört und was nicht, ist mir total egal. Für mich zählt nur, dass es hilft. Geht mir bitte aus dem Weg mit diesem Schema-X-Denken und diesem Versuchen der Gleichschaltung.) Zweimal die Woche mache ich nach wie vor auch Krafttraining. Die Übungen, die ich dabei mache, hat mir ebenfalls mein Physiotherapeut zuvor instruiert.

Im Oktober 2026 kehrte ich zu meiner Kieferorthopädin zurück. Es wurden zahlreiche Fotos gemacht und mein Mund wurde gescannt. Eine Woche später wurde der detaillierte Behandlungsplan besprochen. Ich muss die Zahnspange drei Jahre lang tragen. Danach muss ich lebenslang nachts einen Retainer tragen. Anfangs November wurden mir die Bänder eingesetzt, die Brackets aufgeklebt und die ersten Bögen einlegiert. Im Gaumen trage ich nun einen sogenannten TPA-Bogen :< (Transpalatinalbügel). Letzteres war bisher das Gewöhnungsbedürftigste an der Zahnspange. An die Brackets habe ich mich hingegen erstaunlich schnell gewöhnt. Insgesamt ist diese kieferorthopädische Behandlung bisher lange nicht so unangenehm, wie ich erwartet hatte. Bisher hatte ich keine Schmerzen. Ich spüre jeweils mehrere Tage lang nur leichte Spannung nach den Kontrollterminen. Nur das silberne Lächeln ist immer noch seltsam, wenn ich in den Spiegel schaue.

Insgesamt kann ich sagen, dass nach rund einem Jahr, noch ein langer Weg vor mir liegt. Ich denke ich bin noch weit davon entfernt, meine Skoliose stabilisiert oder gar verbessert zu haben. Die ersten Schritte habe ich aber bereits erfolgreich hinter mich gebracht und die bisherigen Ergebnisse stimmen mich für die Zukunft sehr zuversichtlich.

Ich habe im letzten Jahr gelernt, dass ich mich mehr mit meiner Krankheit beschäftigen und die Sache selbst in die Hand nehmen muss. Ich muss meinen individuellen Weg damit suchen und finden. Als Jugendlicher interessierte ich mich nicht wirklich dafür, sondern war nur froh, dass mein Rücken endlich wieder in Ordnung war. Danach habe ich es die meiste Zeit verdrängt, bis mich mein Zustand schliesslich dazu zwang, mich ernsthaft damit zu beschäftigen.

Nun bitte nicht beissen. DANKE!

LG Fabian

Re: Schildkrötenpanzer seit 9 Monaten

Verfasst: Sa, 10.01.2026 - 17:59
von Lady S
Danke für Deinen langen Bericht!
fabi84 hat geschrieben: Do, 08.01.2026 - 00:03 Als alle Resultate, Berichte und Diagnosen der anderen Ärzte vorlagen, wurde in einer gemeinsamen Konferenz mit allen Beteiligten einen langfristigen Behandlungsplan erstellt.
Glückwunsch!
So sollte es im Idealfall laufen, von so einer Vorgehensweise habe ich aber hier noch nie gehört; davon kann ein Patient i.a. nur träumen.
fabi84 hat geschrieben: Do, 08.01.2026 - 00:03 Ich bin sehr dankbar, einen Physiotherapeuten zu haben, der weiter denken kann als bestimmte Schreiberlein, die einem nur in eine einzige Richtung drängen wollen.
Möglicherweise kennt Dein Physiotherapeut ja andere Techniken und Übungen, die asymmetrisch auf die Muskulatur wirken.

Re: Schildkrötenpanzer seit 9 Monaten

Verfasst: Sa, 10.01.2026 - 20:34
von fabi84
Lady S hat geschrieben: Sa, 10.01.2026 - 17:59 Danke für Deinen langen Bericht!
Bitte, gerne.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich in diesem Forum noch einmal berichten möchte. Ich war mir nicht sicher, ob die dominanten Ratgeber ;) hier weltoffen genug sind, um einen Erlebnisbericht zu verstehen, in dem nicht die hier oft als alleine seligmachenden Lieblinge gepriesenen werden. :lach:
Im Ernst: Nur weil ich 2024 von den vielen ehelichen Erlebnisberichten in diesem Forum sehr inspiriert war (immer noch bin), habe ich gedacht, dass ich auch von mir berichten möchte, weil es vielleicht auch anderen helfen könnte. Ich hoffe sehr das ist nun wirklich so?
Lady S hat geschrieben: Sa, 10.01.2026 - 17:59
fabi84 hat geschrieben: Do, 08.01.2026 - 00:03 Als alle Resultate, Berichte und Diagnosen der anderen Ärzte vorlagen, wurde in einer gemeinsamen Konferenz mit allen Beteiligten einen langfristigen Behandlungsplan erstellt.
Glückwunsch!
Danke!
Lady S hat geschrieben: Sa, 10.01.2026 - 17:59So sollte es im Idealfall laufen, von so einer Vorgehensweise habe ich aber hier noch nie gehört; davon kann ein Patient i.a. nur träumen.
Als ich vor über einem Jahr mental und vermutlich auch physisch am bisherigen Tiefpunkt meiner Skoliose-Geschichte stand, wurde mir in diesem Forum wiederholt indirekt gesagt, dass es abseits von etwa 5 Namen keine brauchbaren Fachleute gebe. Das machte meine damalige Verunsicherung zuerst noch viel grösser, bis ich erkannte, dass einige einfach nicht bereit waren meine Situation ernst zu nehmen und zu anerkennen, dass es auch an anderen Orten und in anderen Ländern ebenso gute Fachleute gibt.
Lady S hat geschrieben: Sa, 10.01.2026 - 17:59
fabi84 hat geschrieben: Do, 08.01.2026 - 00:03 Ich bin sehr dankbar, einen Physiotherapeuten zu haben, der weiter denken kann als bestimmte Schreiberlein, die einem nur in eine einzige Richtung drängen wollen.
Möglicherweise kennt Dein Physiotherapeut ja andere Techniken und Übungen, die asymmetrisch auf die Muskulatur wirken.
Einige Hinweise auf die Engstirnigkeit einiger Formsteilnehmer konnte ich mir leider nicht verkneifen. ;D Sorry.

Ich denke, mein Physiotherapeut hat sein Fach gelernt, und er versteht deshalb – wie vermutlich alle gelernten Physiotherapeuten – sehr genau, wie der menschliche Bewegungsapparat funktioniert. Mit diesem Fachwissen und ein wenig Praxiserfahrung können die meisten Physiotherapeuten durchaus auch selbst für einen Patienten effektive Übungen ersinnen, ohne dass sie dazu einer ganz bestimmten Schule folgen müssen.

Ich habe nie gesagt/geschrieben/gedacht, die in diesem Forum immer wieder genannten Methoden, Orte und Ärzte seien schlecht.

Mein derzeitiger Physiotherapeut ist ganz offiziell Schroth-Therapeut und hat selbst einiges Jahre in Bad Salzungen gearbeitet. Das sei zwar viele Jahre her, sagte er... Er macht mit mir tatsächlich auch Übungen nach Schroth. Aber eben nicht nur. Er kann sehr gut selbst denken.

Ich hatte schon damals als Jugendlicher Übungen machen müssen, die vermutlich zu mindestens teilweise von Schroth stammten. Niemals würde ich mich deshalb negativ darüber äussern. Die hatten mir damals sehr gut geholfen, auch ohne dass ich den Namen "Schroth" kannte. Bevor ich mich 2024 begann, selbst intensiver um meinen Rücken zu kümmern und mir selbst Wissen anzueignen, habe ich diesen Namen gar nicht gekannt. Es war einfach immer "nur" 'Physiotherapie gegen Skoliose'. Was hätte es mir damals und auch später gebracht, zu wissen, dass es Schroth oder was anderes ist? Es war einfach nur gute Physiotherapie und die benötigt keinen "Markenname".

Mein Physiotherapeut sagte mir, dass hierzulande jeder angehende Physiotherapeut in seiner Ausbildung die Therapie von Skoliose mit oder ohne Korsett lernen muss. Vieles davon, was gelernt werde, entspreche Schroth, auch wenn es nicht so genannt werde. Vermutlich auch deshalb taucht dieser Name (Marke) in unserem Land seltener auf.

Ich würde auch niemals von den anderen 4 oder 5 Lieblingen dieses Forums abraten. Die sind sicher alle sehr gut in dem, was sie tun. Aber wenn alle anderen, die es daneben auch noch gibt, als unfähig, unwissend oder unwirksam hingestellt werden, ist das sehr überheblich. Und genau das kam mir 2024 in geballter Ladung und sehr unfreundlich entgegen. Das hat mein Vertrauen zu diesem Forum wirklich nachhaltig zerstört. Ich werde leider den Verdacht nicht ganz los, dass es einigen eher um Werbung als um wirkliche Hilfe geht. Kann sein, dass ich damit falsch liege. Aber genau deshalb würde ich mir als Mitbetroffener etwas mehr Weltoffenheit und Pragmatismus von diesem Forum sehr wünschen.

Und noch etwas: Ich bin niemandem böse wegen dem, was 2024 geschah.

LG Fabian