Selbsthilfe
Verfasst: Di, 06.10.2015 - 08:33
Hallo ihr Lieben!
Ich habe etwas überlegt, aber nun möchte ich euch doch berichten von meinen Eindrücken der Selbsthilfe-Gründungsveranstaltung im Franziskus Hospital Münster vor einigen Wochen.
Besonders nach dem vielen Lesen und Austausch hier im Forum, womit ich ja auch erst vor ein paar Monaten begonnen hatte, als das Thema Skoliose mit neuer Korsetttherapie für mich wieder oberste Priorität bekommen hat, bin mit hohen Erwartungen zu diesem Treffen gegangen.
Um es kurz fassend vorwegzunehmen: ich bin leider sehr enttäuscht und auch etwas entmutigt worden.
Meine Hoffnung war, im Sinne der "Selbsthilfe" Ideen, Austausch und auch Behandlungswege aufgezeigt zu bekommen, auch für uns Erwachsene. Anwesend waren nach meinem Eindruck fast ausnahmslos erwachsene Selbstbetroffene. Ich habe nicht gezählt, aber es waren nicht besonders viele Menschen im Publikum. Als Redner geladen war neben dem Vertreter des Bundesverbandes Skoliose noch Prof. Liljenquist sowie Tobias Backmann als Korsettspezialist der Firma Menßen.
Im Publikum habe ich aber z.B. auch Frau Hammelbeck, einer sehr erfahrene und meiner Meinung nach sehr gute Schroth-Therapeutin entdeckt. Es bleibt für mich rätselhaft, warum sie nicht auch zu Wort kommen durfte.
Prof. Liljenquist leitete seine Ansprache mit den Worten ein "ich hörte gerade im Austausch mit einem Patienten hier davon, dass auch speziellle gymnastische Übungen helfen könnten, beim erwachsenen Patienten eine Schmerzlinderung herbeizuführen"...
Spätestens hier hätte das Wort Schroth doch zumindest einmal fallen können. Dies geschah aber den ganzen Tag über nicht. KEIN EINZIGES MAL!
Seine Präsentation enthielt für mich nicht wesentlich Neues. Es stellte die verschiedenen Skoliosearten von Kindern und Jugendlichen vor, die möglichen Interventionen aus chirurgischer Sicht und auch seine Zusammenarbeit mit der Firma Menßen (Herr Backmann) vor.
Zum Thema Erwachsene hatte er nur einen Satz zu sagen. Er operiere Erwachsene nicht (mehr), erst höchstens zu einem Zeitpunkt, wenn bereits Rollstuhl drohe. Interessanterweise meldete sich später ein älterer Herr zu Wort -um die 70- und bedankte sich bei ihm für die erfolgreiche OP vor nicht allzu langer Zeit.
Es folgte die Präsentation von Herrn Backmann, weshalb ich eigentlich auch primär gekommen war. Ich hatte im Forum hier vorher gelesen, dass er auch mit cctec zusammenarbeiten würde. Dies kam zumindest nicht explizit zur Sprache. Ich bin zu neu in diesem Thema und kenne cctec Korsetts nur aus euren Beschreibungen. Gesehen habe ich noch keines. Für die Korsettmodenschau habe ich noch zu wenig gepostet, aber ich kann zumindest sagen, dass die Korsette, die er vorstellte komplett anders aussehen als mein Rahmouni. Sehr viel asymmetrischer und auch kleiner. Würde mich schon reizen...
Leider aber kam auch in diesem Vortrag die Aussage, dass Erwachsenenkorsette mit Ausnahme von Stützkorsetten eigentlich nicht gebaut würden, da keine Funktion und Erfolgsaussicht. Diese These stützte auch Dr. Liljenquist.
Da er aber auch nicht Erwachsene operiert, Herr Backmann keine EW-Korsette baut und Frau Hammelbeck, bzw. Schroth nicht zur Sprache kam, frage ich mich, welchen Zweck diese "Selbsthilfe-Veranstaltung" zumndest für mich als erwachsene Betroffene haben kann ???
Ich denke, dass sich jetzt viele fragen, warum ich bei den Diskussionen am Ende diese Dinge nicht zur Sprache gebracht habe. Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich selbst darüber etwas. Aber ich war einfach viel zu unsicher:
ich war als einzige Korsettträgerin (Rahmouni mit Reklis im Spaghettiträgertop, es waren über 30 Grad) dort. Jeder hat es gesehen. Zudem war es einer meiner ersten "Ausflüge" mit Korsett mitten in der Eingewöhnungszeit. Ich habe mich sowieso schon total beobachtet gefühlt.
Normalerweise bin ich gar nicht so schüchtern, aber nach den ganzen ablehnenden geäußertenMeinungen zu diesem Thema und spätestens als Prof. Liljenquist sich abfällig darüber äußerte, wie blöd er es fände, dass immer öfter Eltern mit Korsett aus Süddeutschland (wen meint er bloß...?) bei ihm stünden und um Betreuung dieser Behandlung bäten, habe ich mich auf meinem Stuhl "immer kleiner gemacht" (soweit der Schraubstock dies zuließ) und mich irgendwie auch etwas geschämt. Ein Fachmann kann sofort sehen, dass ich ein Rahmouni trage.
Der Prof. bat die Vertreter der Bundesverbandes sogar darum, in diesem Sinne zu informieren, dass er eben nur mit Menßen zusammenarbeite...
Ich weiß nicht. Ich bin nun einfach deshalb so enttäuscht, weil es mir einfach sehr gut getan hätte, auch mal in persönlichen konstruktiven Austausch zu kommen. Vielleicht sogar andere erwachsene Korsettträger kennenzulernen. Dieser Wunsch wird zumindest hier vor Ort wohl unerfüllt bleiben... leider...
Nächste Woche bin ich zum allerersten Mal bei D. Hoffmann. Meine "Höllenfahrt" steht mir bevor. Ich hoffe, dass mir das wieder seelischen Auftrieb gibt. Ich bin ja nach wie vor überzeugt von der Korsetttherapie auch für mich als (fast) 40-jährige. Es wäre halt nur gelegentlich leichter, wenn man nicht so sehr das Gefühl hätte "gegen den Strom aller Lehrmeinungen" zu schwimmen und zu den Strapazen auch noch in Rechtfertigungsdruck gerät. Mir reicht schon der immer noch andauernde Kampf mit der PKV, die immer noch nicht die Kostenübernahme bestätigt.
So, jetzt konnte ich mal alles loswerden. Ich will weitermachen und mich nicht unterkriegen lassen. Aber meine Euphorie hat seit dieser Veranstaltung leider eingebüßt und es machen sich wieder vermehrt Ängste breit
P.S.: Mein Korsett trage ich quasi den kompletten Tag mittlerweile. nachts schaffe ich es noch nicht und es fliegt nach 1-2 Stunden raus.
Ich habe etwas überlegt, aber nun möchte ich euch doch berichten von meinen Eindrücken der Selbsthilfe-Gründungsveranstaltung im Franziskus Hospital Münster vor einigen Wochen.
Besonders nach dem vielen Lesen und Austausch hier im Forum, womit ich ja auch erst vor ein paar Monaten begonnen hatte, als das Thema Skoliose mit neuer Korsetttherapie für mich wieder oberste Priorität bekommen hat, bin mit hohen Erwartungen zu diesem Treffen gegangen.
Um es kurz fassend vorwegzunehmen: ich bin leider sehr enttäuscht und auch etwas entmutigt worden.
Meine Hoffnung war, im Sinne der "Selbsthilfe" Ideen, Austausch und auch Behandlungswege aufgezeigt zu bekommen, auch für uns Erwachsene. Anwesend waren nach meinem Eindruck fast ausnahmslos erwachsene Selbstbetroffene. Ich habe nicht gezählt, aber es waren nicht besonders viele Menschen im Publikum. Als Redner geladen war neben dem Vertreter des Bundesverbandes Skoliose noch Prof. Liljenquist sowie Tobias Backmann als Korsettspezialist der Firma Menßen.
Im Publikum habe ich aber z.B. auch Frau Hammelbeck, einer sehr erfahrene und meiner Meinung nach sehr gute Schroth-Therapeutin entdeckt. Es bleibt für mich rätselhaft, warum sie nicht auch zu Wort kommen durfte.
Prof. Liljenquist leitete seine Ansprache mit den Worten ein "ich hörte gerade im Austausch mit einem Patienten hier davon, dass auch speziellle gymnastische Übungen helfen könnten, beim erwachsenen Patienten eine Schmerzlinderung herbeizuführen"...
Spätestens hier hätte das Wort Schroth doch zumindest einmal fallen können. Dies geschah aber den ganzen Tag über nicht. KEIN EINZIGES MAL!
Seine Präsentation enthielt für mich nicht wesentlich Neues. Es stellte die verschiedenen Skoliosearten von Kindern und Jugendlichen vor, die möglichen Interventionen aus chirurgischer Sicht und auch seine Zusammenarbeit mit der Firma Menßen (Herr Backmann) vor.
Zum Thema Erwachsene hatte er nur einen Satz zu sagen. Er operiere Erwachsene nicht (mehr), erst höchstens zu einem Zeitpunkt, wenn bereits Rollstuhl drohe. Interessanterweise meldete sich später ein älterer Herr zu Wort -um die 70- und bedankte sich bei ihm für die erfolgreiche OP vor nicht allzu langer Zeit.
Es folgte die Präsentation von Herrn Backmann, weshalb ich eigentlich auch primär gekommen war. Ich hatte im Forum hier vorher gelesen, dass er auch mit cctec zusammenarbeiten würde. Dies kam zumindest nicht explizit zur Sprache. Ich bin zu neu in diesem Thema und kenne cctec Korsetts nur aus euren Beschreibungen. Gesehen habe ich noch keines. Für die Korsettmodenschau habe ich noch zu wenig gepostet, aber ich kann zumindest sagen, dass die Korsette, die er vorstellte komplett anders aussehen als mein Rahmouni. Sehr viel asymmetrischer und auch kleiner. Würde mich schon reizen...
Leider aber kam auch in diesem Vortrag die Aussage, dass Erwachsenenkorsette mit Ausnahme von Stützkorsetten eigentlich nicht gebaut würden, da keine Funktion und Erfolgsaussicht. Diese These stützte auch Dr. Liljenquist.
Da er aber auch nicht Erwachsene operiert, Herr Backmann keine EW-Korsette baut und Frau Hammelbeck, bzw. Schroth nicht zur Sprache kam, frage ich mich, welchen Zweck diese "Selbsthilfe-Veranstaltung" zumndest für mich als erwachsene Betroffene haben kann ???
Ich denke, dass sich jetzt viele fragen, warum ich bei den Diskussionen am Ende diese Dinge nicht zur Sprache gebracht habe. Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich selbst darüber etwas. Aber ich war einfach viel zu unsicher:
ich war als einzige Korsettträgerin (Rahmouni mit Reklis im Spaghettiträgertop, es waren über 30 Grad) dort. Jeder hat es gesehen. Zudem war es einer meiner ersten "Ausflüge" mit Korsett mitten in der Eingewöhnungszeit. Ich habe mich sowieso schon total beobachtet gefühlt.
Normalerweise bin ich gar nicht so schüchtern, aber nach den ganzen ablehnenden geäußertenMeinungen zu diesem Thema und spätestens als Prof. Liljenquist sich abfällig darüber äußerte, wie blöd er es fände, dass immer öfter Eltern mit Korsett aus Süddeutschland (wen meint er bloß...?) bei ihm stünden und um Betreuung dieser Behandlung bäten, habe ich mich auf meinem Stuhl "immer kleiner gemacht" (soweit der Schraubstock dies zuließ) und mich irgendwie auch etwas geschämt. Ein Fachmann kann sofort sehen, dass ich ein Rahmouni trage.
Der Prof. bat die Vertreter der Bundesverbandes sogar darum, in diesem Sinne zu informieren, dass er eben nur mit Menßen zusammenarbeite...
Ich weiß nicht. Ich bin nun einfach deshalb so enttäuscht, weil es mir einfach sehr gut getan hätte, auch mal in persönlichen konstruktiven Austausch zu kommen. Vielleicht sogar andere erwachsene Korsettträger kennenzulernen. Dieser Wunsch wird zumindest hier vor Ort wohl unerfüllt bleiben... leider...
Nächste Woche bin ich zum allerersten Mal bei D. Hoffmann. Meine "Höllenfahrt" steht mir bevor. Ich hoffe, dass mir das wieder seelischen Auftrieb gibt. Ich bin ja nach wie vor überzeugt von der Korsetttherapie auch für mich als (fast) 40-jährige. Es wäre halt nur gelegentlich leichter, wenn man nicht so sehr das Gefühl hätte "gegen den Strom aller Lehrmeinungen" zu schwimmen und zu den Strapazen auch noch in Rechtfertigungsdruck gerät. Mir reicht schon der immer noch andauernde Kampf mit der PKV, die immer noch nicht die Kostenübernahme bestätigt.
So, jetzt konnte ich mal alles loswerden. Ich will weitermachen und mich nicht unterkriegen lassen. Aber meine Euphorie hat seit dieser Veranstaltung leider eingebüßt und es machen sich wieder vermehrt Ängste breit
P.S.: Mein Korsett trage ich quasi den kompletten Tag mittlerweile. nachts schaffe ich es noch nicht und es fliegt nach 1-2 Stunden raus.