Hallo Klaus,
Klaus hat geschrieben:Aber ich habe mir bislang vorgestellt, dass bei Erwachsenen die Kombination Korsett und Schroth so funktionieren sollte, dass die jeweils temporär erreichte Korrektur durch das Korsett durch aktive Muskelpflege wie Schroth immer parallel stabilisiert werden muss und das Schritt für Schritt.
Ich weiß ja nicht, wie das Korsett bei anderen wirkt, ich kann ja nur von mir sprechen. Aber auf meinen Fall bezogen, würde ich das, was du geschrieben hast, genau umdrehen. Die Korrektur, die ich temporär mit Schroth erreiche, kann ich auf Dauer nicht halten, so dass das Korsett bei mir das zurückrutschen verhindert. Dadurch, dass ich eben sehr flexibel bin, erreiche ich auch eine gute Korrektur, kann dies aber nicht halten. Rahmouni sagte dazu, dass meine Wirbelsäule aufgrund dieser Flexibilität zurückfedert und sie sich so eben nie stabilisieren könnte, deswegen musste ich ja auch mit meiner Tragezeit wieder nach oben. Oder anders gesagt, Schroth reicht bei mir nicht aus.
Klaus hat geschrieben:Bei Dir ist es offenbar so, dass Schroth bezüglich Korrektur die Hauptkomponente darstellt und das Korsett dabei die Funktion hat, die erreichte Schroth Haltung über den Tag/Nacht zu halten, aber auch durch Korrektur Anreiz für eine noch bessere Schroth Korrektur zu geben. Ist das jetzt richtig gedacht?
Ja, ich glaube, so könnte man es ungefähr bezeichnen. Aber bis auf das rot markierte. Ich korrigiere mich sehr gut mit Schroth. Nur hat Schroth ohne Korsett keine Wirkung bei mir erzielt (außer Schmerzbefreiung). Nicht bezüglich der Korrektur, sondern eher der Muskulatur. Mein Physiotherapeut meinte, die Muskelansteuerung würde jetzt erst so richtig funktionieren.
Klaus hat geschrieben:Deswegen finde ich Deine Situation eigentlich optimal, weil Du offensichtlich muskulär in der Lage bist, immer besser zu sein, als der jeweilige Korsett-Druck. Und das ist die beste Voraussetzung für eine Situation, in der Du auf das Korsett dann möglicherweise ganz verzichten kannst.
Ich denke nicht muskulär, sondern durch die Flexibilität ist das bei mir so. Ich weiß ja nicht inwieweit das zusammenhängt, wäre vielleicht ein eigenes Thema wert. Mein Physiotherapeut meinte jedenfalls, dass die Flexibilität nichts mit der Muskulatur zu tun hat, sondern mit Bändern usw. Das würde dann auch Rahmouni entsprechen, der ganz am Anfang meinte, die Bänder müssten sich auf einer Seite der Wirbelsäule verkürzen und das dauert ziemlich lange und geht eben auch nur, wenn die Wirbelsäule zwischendurch nicht in die alte Position zurückfedert.
Ich weiß nicht, wann dieser Zeitpunkt sein wird, dass ich aufs Korsett komplett verzichten kann. Klingt vielleicht komisch, aber mir fällt die Therapie leichter, wenn ich nicht ans Ende denke, sondern ans hier und jetzt.
Außerdem habe ich noch das Problem, dass man an meine untere Krümmung schlecht mit Schroth rankommt, da sie zu tief sitzt, sagt zumindest mein Physiotherapeut. Er meinte, dass diese Krümmung das Korsett alleine schaffen muss. Das werde ich aber auch in drei Wochen, wenn ich wieder bei Dr. Hoffmann bin, nochmal ansprechen, da das auch die Krümmung ist, die sich jetzt nochmal verschlechtert hat. Daneben habe ich ja noch die Lotabweichung, die alleine war schonmal Grund, um mir zur OP zu raten. Und die ist auch immer noch vorhanden, wenn auch schon wesentlich besser.
Klaus hat geschrieben:Nur ich glaube, dass das bei den meisten so nicht der Fall ist. Wie oben schon gesagt, Korsett als Hauptkomponente zur Korrektur bzw. als dauerhafte Sicherheit und Schroth zur Stabilisation, mehr oder weniger intensiv bis möglicherweise gar nicht.
Im Prinzip müsste es doch bei jedem so sein, der noch sehr flexibel ist. Ich hab hier auch irgendwo mal gelesen, dass Dr. Hoffmann irgendwo gesagt hat, dass ein Korsett bei Erwachsenen nur Sinn hat, wenn die Wirbelsäule noch flexibel ist.
Klaus hat geschrieben:nur die Frage ist ja, ob durch ein z.Bsp stark korrigierendes Korsett nicht eine grössere Instabilitäts-Gefahr hervorgerufen werden könnte, als durch Schroth Übungen, die man nicht mehr machen kann.
Eigentlich könnte ich ja dann auch sagen, dass genau Schroth bei mir diese Instabilität bewirkt hat. Meine größte Verschlechterung war genau dann, als ich gerade aus Sobi kam. Es wurde damals auch kurz bei meinem Orthopäden als Verdacht geäußert. Ich nehme aber mal an, dass es eher trotz Reha schlechter wurde.
Klaus hat geschrieben:Und David ist ein typischer Fall, von dem offenbar Dr. Steffan spricht, wenn es um Nebenwirkungen eines stark korrigierenden Korsetts geht.
Dazu auch zwei Fragen an @David: Wieso konnte Rahmouni nicht einfach Druck wegnehmen, wenn es zu stark korrigiert hat? Hast du damals das Korsett richtig abgeschult oder einfach weggelassen? Ich glaube dass das auch ein wichtiger Punkt ist.
Klaus hat geschrieben:Das entspricht der Vorstellung von Dr. Chenau , dass die Dinge so langsam wieder korrigiert werden können, wie sie entstanden sind. Ich kann das gut nachvollziehen.
Also der 30 jährige hat eine reelle Chance (aber auch nicht mehr), dass er bis zum Rentenalter wieder "gerade" ist.
Da habe ich wohl wirklich einen Pluspunkt. Die Verschlechterung bei mir war ja relativ spät mit Anfang 20. Und ich bekam daraufhin ja auch gleich ein Korsett. Aber genau wegen diesem hohen Verschlechterungspotential wäre bei mir eine langsame Korrektur wohl auch zu langsam gewesen, bzw. war es ja auch mit meinem ersten mittelmäßigen Korsett.
Wenn du schon Dr. Cheneau ansprichtst, ich dachte eher, er wäre ganz gegen Erwachsenenkorsetts. Schreibt er zumindest auf seiner Webseite:
[equote="Dr. Cheneau schreibt auf seiner Website:"]Das Tragen bei Jünglingsskoliosen muss bis zum Alter von einundzwanzig sogar zweiundzwanzig Jahren verlängert werden. Es gibt Patienten, die das Tragen noch weiter verlängern. Es gibt mehr und mehr Erwachsenen, die ein Korsett als erste Versorgung fordern, obwohl ich in etwas negativer Weise reagiere.[/equote]
Er schreibt aber auch:
[equote="Dr. Cheneau schreibt auf seiner Website:"]Abbott heilte die Skoliotiker, wie auch ernsthaft, wie auch bei Erwachsenen. Aber seine Nachfolger konnten ihm nicht folgen. Ich versuche, es zu machen, indem ich hoffe, mich so nahe wie möglich von der Höhe des Meisters zu erhöhen.[/equote]
[equote="In Englisch klingts nicht so holprig"]Abbott cured scoliosis, even serious, even adult. But his successors did not know how to follow him. I try to do it while hoping to raise thee more close possible up to the height of the Master.[/equote]
Macht vielleicht Hoffnung
Klaus hat geschrieben:Gottseidank gibt es aber immer Ausnahmen und ich bin gespannnt, wie es bei Dir, minimine, weitergeht.
Und Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel!
LG
Minimine