Hallo Klaus,
Klaus hat geschrieben:
Als es ist so, dass ein Neurochirurg mich an den Schmerztherapeut (Arzt für Allgemein- und Sportmedizin!) überwiesen hatte, weil er als einzige (letzte) Möglichkeit die Nerv-Verödung gesehen hatte. Genau das wollte ich aber nicht.
Eine Nervenverödung als einzige Möglichkeit zu sehen, ist gerade für einen Arzt mit neurologischem Hintergrund ein Armutszeugnis - das habe ich bisher nur von mittelklassigen Orthopäden gehört. Ich kenne Deinen Arzt natürlich nicht, aber wenn ich solche Vorschläge höre, ringeln sich mir die Zehnägel... Allerdings hatte ich auch schon eine sehr negative Erfahrung mit einem Neurologen, der mir die tollsten Psychopharmaka verordnet hat und auch sehr wilde Therapievorschläge hatte.
Da sind die aktuellen Vorschläge Deines Schmerztherapeuten doch der richtige Weg.
Klaus hat geschrieben:
Deswegen dachte ich eigentlich, dass ein reiner Neurologe mir nicht weiter helfen kann, nachdem hier im Forum auch Hinweise kamen, dass bei Schmerzen bezüglich Skoliose/Kyphose ein Neurochirurg besser sei.
Vielleicht hätte der etwas weniger invasive Vorschläge... ich habe bisher mit 2 niedergelassenen und einem Uni-Klinik Neurologen sehr gute Erfahrungen gemacht.
Auch wenn es jetzt nicht oder vielleicht noch nicht, da das ja noch gar nicht abgeklärt wurde, Dein Problem ist, möchte ich kurz schildern, wieso es mich zum Neurologen verschlagen hat und was meine Kriterien sind, um vorzufühlen, ob ich dort gut aufgehoben sein könnte oder nicht.
Meine Skoli hat eine sehr seltsame Form, mit der bisher außer Dr. Hoffmann alle Orthopäden überfordert waren (auch die renommierten Chirurgen). Die Botox-Behandlung durch einen der WS-Chirurgen wurde einfach mal so auf gut Glück vorgenommen, da er sich vorstellen konnte, es handele sich um eine Torsionsdystonie. Wert lege ich seither bei Neurologen darauf, dass diese zum einen orthopädische Grundkenntnisse mitbringen und sich mit neuro-muskulären Skoliosen auskennen. Außerdem sollten sie Erfahrung in der Botox-Behandlung von Dystonien und Spastiken haben (Botox-Behandlungen bringen den Ärzten viel Geld ein, so dass viele diese durchführen, das allein ist noch kein Garant, werden dort auch Spastiker behandelt, spricht das für ein gewisses Know-how). Zudem ist es erforderlich, dass dort notwendige diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um z. B. übermäßigen Muskeltonus (mit Elektro-Myographie, EMG) messen zu können.
Das Ziel der Botoxbehandlung bei mir damals war übrigens ein Aufhalten der Progredienz der Skoliose und eine Schmerzreduktion, da ich aber das Versuchskarnickel eines unerfahrenen Arztes war, ging das gehörig daneben.
Klaus hat geschrieben:
Der Schmerztherapeut (Schmerz-Gemeinschaftspraxis, mein Arzt speziell Wirbelsäule) wird übrigens als Referenz für Hannover auf
www.schmerzklinik.de (in Kiel) genannt. Diese Klinik hat offenbar einen sehr guten Ruf.
Ja, diese Klinik ist sehr renommiert. Außerdem ist auch das von Deinem Arzt vorgeschlagene Vorgehen gut durchstrukturiert, das einzige, worüber ich gestolpert bin, war die Sache mit dem Botox, aber da bin ich durch die eigenen Erfahrungen auch sicherlich voreingenommen.
Klaus hat geschrieben:
Alle von mir genannten Maßnahmen werden natürlich durch Schroth-Übungen unterstützt--> Dehnung, Kräftigung
Dachte ich mir schon, prima, dass Du das so konsequent machst.
Klaus hat geschrieben:
Sehr interessant, was Du zu Botox und den Erfahrungen von Ärzten schreibst.
Ich habe mal ein bischen gegoogelt und bezüglich Myogelosen+Botox immer nur den HWS Bereich und entsprechende Kopfschmerzen/Migräne Indikationen gefunden.
Bei mir wurde im BWS- und LWS-Bereich auf der rechten Seite gespritzt.
Klaus hat geschrieben:
Dabei wurde nicht nur auf die richtige Dosis hingewiesen, sondern auch auf die möglicherweise Bereichs-überschiessende Wirkung von Botox.
Also irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ich im lumbalen Bereich damit Neuland betreten würde.
Nein, dass ist definitiv nicht der Fall, Kessi hat übrigens als Dystonie-Patientin sehr positive Erfahrungen mit Botox gemacht. Sie wird von Neurologen behandelt.
Botox gilt mittlerweile als das reinste Wundermittel gegen Dystonie(en) und Spastik. Dazu ist zu sagen, dass dies bei sauber gestellter Diagnose auch wirklich eine sehr wirksame Methode ist, mittlerweile aber auch zweifelhafte Auswüchse festzustellen sind.
Ich möchte Dir mal ein anschauliches Beispiel geben: jeder kennt wohl den hakeligen Gang bei einer Spastik in den Beinen. Bei einigen Patienten lässt sich das durch Botox in den Griff bekommen.
Auch bei Patienten mit Dystonie oder aber auch mit sehr hartnäckigen Verspannungen im Rücken habe ich von sehr positven Ergebnissen durch Botox-Behandlung gehört. Man muss sich aber immer darüber im klaren sein, dass man eines des stärksten Nervengifte injeziert bekommt.
Klaus hat geschrieben:
Ich muss auch betonen, dass der Schmerztherapeut die Botox Geschichte ganz nach hinten geschoben hat und keinesfalls von sozusagen garantierten Erfolgen gesprochen hat. Es scheint für ihn auch Neuland zu sein(oder er überweist weiter), weil er meine Frage nach den Kosten für Botox spontan nicht beantworten konnte.
Das spricht sehr für ihn, dies hintenan zu stellen. Die Kosten werden von der Krankenkasse voll übernommen.
Bevor gespritzt wird, unbedingt mit EMG die möglichen Muskelgruppen durchmessen lassen - das ist zwar unangenehm, aber eine sinnvolle Untersuchung.
Viele Grüße und viel Erfolg bei der weiteren Therapie
Silas