Hallo Herr Beermann,
willkommen im Forum. Immer schön wenn sich auch Professionelle hier einfinden.
Witzigerweise scheint das Forum hier ein beliebter Anlaufpunkt für ihr Klientel zu sein. Die 4. häufigste Suchphrase, mit denen Leute auf unsere Seiten gelangen, lautet "Novotergum":
http://flashcounter.com/stat.php?name=s ... t&g=wo#suc
Folgendes zu ihren Ausführungen:
Skoliose-Therapie ist nicht mit Schmerzbehandlung gleichzusetzen. Eine Skoliose-Behandlung ist in erster Linie eine gezielte Begradigung der Krümmung und kann als Folge dessen auch positiv auf Rückenschmerzen wirken. Schmerzbehandlung ist jedoch nicht die oberste Zielsetzung. Eine Skoliose ist auch nicht zwangsläufig mit Schmerzen oder eingeschränkter Gesamt-Beweglichkeit verbunden.
Wenn sich ein Skoliose-Patient wohler fühlt, ist das kein Garant dafür, daß auch die Skoliose besser geworden ist. Noch nicht mal dafür, daß sie nicht schlechter geworden ist. Wenn mobilisiert wird, insbesondere in alle Richtungen, dann bedeutet das ein größeres Risiko einer Verschlechterung. Ein nicht (Schroth) geschulter Skoliose-Patient merkt es meist nicht, wenn sich seine Skoliose verschlechtert, weil für ihn die skoliotische Haltung die Alltagshaltung ist, die bequemste Haltung, die Haltung in der er am entspanntesten ist. Eine Skoliose-Verschlechterung muss auch nicht mit einer Zunahme der Schmerzen einhergehen und die Schmerzen eines Skoliosepatienten müssen auch nicht zwangsläufig von der Skoliose kommen. Viele Nicht-Skoliotiker sind schließlich auch von Rückenschmerzen betroffen, aus vielerlei Gründen die nicht "Skoliose" heißen. Selbstverständlich treten diese genauso auch bei Skoliotikern auf, ganz unabhängig von ihrer WS-Verkrümmung.
[equote="Information von Ihrer Webseite:"]
Unsere Philosophie und Therapie: Durch Bewegung Heilen
Basis der
NOVOTERGUM Behandlung ist die Diagnose des Arztes. Darüber hinaus wird im Rahmen einer so genannten diagnostischen Eingangsanalyse (90 – 120 Min.) durch ein intensives Gespräch und computergestützte Messungen der Weg zur Bekämpfung des Rückenschmerzes festgelegt.
Die Ergebnisse dieser Analyse dienen einerseits dazu, das individuelle Therapieprogramm zu erstellen. Andererseits liefern sie uns Vergleichsdaten für die Kontrollanalyse (90 – 120 Min.), mit der wir den Behandlungserfolg überprüfen und dokumentieren.
Die beiden Analysen und die eigentliche Therapie bilden zusammen unser wirkungsvolles Behandlungskonzept Spinetic.
Auf der Grundlage der ärztlichen Diagnose und der Eingangsanalyse erstellt der Physiotherapeut Ihr individuelles Therapieprogramm. Dieses umfasst idealerweise 18 bis 24 Behandlungseinheiten (mindestens 60 Min.), die ein- bis zweimal wöchentlich durchgeführt werden.
Die individuelle Therapie kann aus bis zu fünf verschiedenen Phasen bestehen:
Aufwärmprogramm
Gezielte Muskel-Dehnübungen
Gerätegestützte krankengymnastische Behandlung mit anschließenden Entlastungsübungen
Abwärmprogramm
Entspannungsphase inklusive Wärmetherapie[/equote]
Problem was ich sehe: Das klingt alles sehr wie
http://www.fpz.de.
Trainingsplan computergestützt erstellt, Mobilisation in alle Richtung UND das schlimmste, Erfolgskontrolle anhand der Mobilitäts Steigerung.
Solch einen Plan kann man bei Skoliose-Patienten in der Pfeife rauchen und dafür sollten sie auch eigentlich nichts bezahlen müssen, weil damit nichts anzufangen ist. Dabei kommen zwangsläufig Übungen mit reinkommen, durch die sie Ihre Skoliose verschlechtern.
Ich persönlich kenne nur ein FPZ-Trainingsstudio, und ich hätte dort gerne trainiert, zumal es auch von der Krankenkasse finanziert wurde. Dummerweise waren die Finanzierungsbedingungen genau an diesen Standard der Mobilitätssteigerung geknüpft; mit Zwischen- und Endkontrolle.
Der Trainingsleiter des FPZ-Studios hat mir von diesem Konzept in einem Informations-Gespräch dann abgeraten, weil sie an dieses Trainingssystem gebunden sind.
Man könnte natürlich an diesen Geräten, die in diesen Fitnesstudios stehen, auch ein skoliosegerechtes Training durchführen, nur der Plan dafür kommt eben aus keinem Computer sondern muss individuell von einem Therapeuten erstellt werden unter Vermeidung von Mobilisation, das heißt
KEINE DREHUNGEN und
KEINE SEITNEIGUNGEN, weil genau dies zu Progredienz führt. Und dies gilt für egal in welche Richtung gedreht oder geneigt werden soll, auch wenn dies nur in eine Richtung sein soll.
Grund hierfür ist, daß die skoliotische Wirbelsäule mehrere Bögen beschreibt und sich in jedem Bogen auch noch in die entgegengesetzte Richtung dreht. Keine drehende oder neigende Bewegung kann von einem Skoliotiker so durchgeführt werden, daß sie ausschließlich korrigierend wirkt. Die Bewegung wird immer hauptsächlich durch eine Verstärkung der Krümmung herbeigeführt, eben durch die Bewegung, die für die Skoliotische WS am einfachsten ist. Selbst mit Schroth ist dies vom Patienten nicht bewußt steuerbar, weil zu kompliziert, und das einzige Gerät was diese Ausweichbewegungen verhindern kann ist ein Korsett, was diese Bewegungen auch nicht zulassen kann.
Skoliotiker dürfen nur symmetrisch arbeiten, niemals drehend oder seitneigend und nur ziehend, niemals drückend. Solange man dies beherzigt, und dabei am besten noch Schroth-Korrekturen oder vereinfacht Haltungsschulung einbaut, kann das eine prima Sache sein.
Ein weiteres Grundprinzip nach dem man auch gehen kann: Bei jeder Übung muss sich die Rumpflänge vergrößern (Indiz dafür, daß alle Bögen gleichzeitig korrigiert werden und keiner auf Kosten der Verstärkung eines anderen. der Oberkörper darf niemals kleiner werden, wie das bei Oberkörperdrehungen und Seitneigungen der Fall ist.
Nur nach dem Schema-F welches auf die Patienten mit gerader Wirbelsäule angewendet wird, funktioniert es bei Skoliotikern leider nicht.
Im übrigen gibt FPZ sogar offiziell an, bei Skoliosen ab eines gewissen Ausmaßes (keine Mini-Skoliöschen, die verkraften dieses Training ohne weiteres) KONTRAINDIZIERT zu sein. Ich schätze, daß dies dann ebenso für ihr Spinetec-Prinzip gilt solange eben auf Computerunterstützung bestanden wird.
Nichtsdestotrotz, in Bezug auf Skoliose-Therapie kommt es auf den Therapeuten an, was er aus dem Plan macht und wie flexibel er bei der Anpassung dessen ist UND dass er dabei zwangsläufig diese oberste Maxime des Prinzips der Mobilisation komplett über Bord schmeißen muss.
Stabilisierung in Korrektur, nicht beweglich machen, sonst verursacht man hierdurch Progredienz, und die ist nicht nur im Jugendlichenalter gegeben sondern auch im Erwachsenenalter und im vortgeschritteneren Alter wieder verstärkt nach den Wechseljahren.
BZebra
p.s.: Tipp: Gelbes Buch in unseren Buchempfehlungen. Dort sind viele Beispiele drin, wie man es nicht macht.