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 Betreff des Beitrags: Physiotherapie - am Limit......
BeitragVerfasst: Do, 31.05.2018 - 22:24 
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Hallo zusammen,

heute melde ich mich mal mit einem Anliegen, dass mir aus mehreren Gründen am Herzen liegt:
die Situation der Physiotherapeuten, aber auch der anderen Heilmittelerbringer in Deutschland hat sich in den letzten Jahren immer mehr verschlechtert.
Das haben einige auch hier schon im Forum kennengelernt:
die steigende Bürokratie - zum Beispiel durch Kontrolle der Rezepte, ob sie korrekt ausgestellt wurden etc., Dokumentation, ganz aktuell: Datenschutzgrundverordnung
die Regressangst der Ärzte - Schwierigkeiten, Rezepte zu bekommen....
die geringe Vergütung - trotz Vollzeitjob bleibt kaum etwas übrig, erst Recht nicht im Alter
der Fachkräftemangel - immer weniger wollen diesen Beruf lernen, immer mehr steigen aus!

Daher haben einige Kollegen Aktionen gestartet, um auf diese Misere aufmerksam zu machen.

Ein Kollege aus Frankfurt (Heiko Schneider) fährt zur Zeit mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Berlin zu Gesundheitsminister Spahn, um auf die Schwierigkeiten hinzuweisen. Er steht kurz vor der Insolvenz, trotz Vollauslastung in der Praxis.
#tourdespahn
#therapeutenamlimit


Tim Maller hat eine Petition gestartet, die Stand 31.05. 122.000 Unterzeichner gefunden hat, in der er die "Verbesserung der Berufssituation in der Physiotherapie und den Heilberufen" fordert.
Hier können alle (!) tätig werden und die Petition ebenfalls unterschreiben und gerne auch teilen.

Und nicht zuletzt hat ebenfalls Tim Maller die Aktion #ohnemeinenphysiotherapeuten in's Leben gerufen.
Hierzu hat er eine eigene Website eingerichtet, auf der er die Eckpunkte dargestellt hat: https://ohne-physios.de/
Hier hat er auch angeführt, wie man sich an den Aktionen beteiligen kann.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir weiter viele Unterstützerinnen und Unterstützer finden würden, damit unser Berufsstand weiter bestehen kann.
Natürlich muss niemand mitmachen, aber wer sich angesprochen fühlt: gerne!

Vielen Dank, dass Ihr so weit gelesen habt!

Grüße,
Alex

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 Betreff des Beitrags: Re: Physiotherapie - am Limit......
BeitragVerfasst: Fr, 01.06.2018 - 06:30 
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Diagnose: Tochter geb. 08/2010
Skoliose thorakal
09/2016 19°
01/2018 28°
C-Bogen
Therapie: Krankengymnastik ( Schroth) seit 09/2016
1. Korsett seit 01/2018
2. Korsett seit 05/2018
Guten Morgen Alex!

Ich bin selbst Ergotherapeutin und benötige von Zeit zu Zeit auch Eure Hilfe, die der Physios.
Ich habe die Petition gerne unterschrieben, denn gerade in der letzten Zeit habe ich mich häufiger mit meiner Physio über die belastenden Zustände in ihrer Praxis unterhalten. Außerdem sind schon jetzt Wartezeiten von sechs Wochen auf einen ersten Termin nicht selten :nein: u d das bei oft akuter Problematik...
Ich drücke uns allen die Daumen, dass die Petition ihren Weg macht :kleeblatt:
Viele Grüße!


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 Betreff des Beitrags: Re: Physiotherapie - am Limit......
BeitragVerfasst: Fr, 01.06.2018 - 20:43 
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Vorsorglich möchte ich anmerken, dass wir hier im Forum keine parteipolitische Diskussion zulassen!
Update 2.6.18 Der Beitrag von shulk wurde auf seinen Wunsch hin wegen dieser Problematik gelöscht.

Hallo Alex,

vielen Dank für Deine Information über die Möglichkeit eine Petition zu unterschreiben.

Für unser Forum würde ich aber gern folgenden Punkt in den Fokus nehmen:
Zitat:
die Regressangst der Ärzte - Schwierigkeiten, Rezepte zu bekommen....

und auch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sich jeder User mit entsprechenden Behandlungsbedarf um die konkreten Details dazu selbst kümmern sollte. Dazu gibt es jede Menge Informationen im Forum, die ich z.Bsp. aus meiner Erfahrung heraus mit dem Ziel eingestellt habe, für ein erhöhtes Verordnungsaufkommen möglichst ohne Probleme für den Therapeuten zu sorgen.

Gruß
Klaus


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 Betreff des Beitrags: Re: Physiotherapie - am Limit......
BeitragVerfasst: Fr, 01.06.2018 - 22:29 
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Hallo Klaus,

auch ich will hier in keinster Weise eine parteipolitische Diskussion! Denn das Problem liegt nicht wirklich auf dieser Ebene!

Vielleicht noch eine weitere Hintergrundinformation bzgl. Schwierigkeiten, Verordnungen zu bekommen:
Es existieren inzwischen sogenannte "Heilmittelzielvereinbarungen", in denen den Ärzten Regressfreiheit garantiert wird, wenn sie ihr Verordnungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 3,5% senken.
Hierbei spielen Praxisbesonderheiten und besonderer Behandlungsbedarf keine Rolle! Sie werden komplett auf das Volumen angerechnet!

Was das bedeutet, kann man sich ausrechnen...

Daher geht es bei den Aktionen auch darum, dass die Richtgrößen abgeschafft werden. Denn diese sind das Problem, durch welches es immer schwieriger wird, ein Rezept zu bekommen.

Hier ein Auszug aus dem Papier:
Zitat:
§ 3 Verordnungsgrundsätze
Um die Zielerreichung nach § 2 sicherzustellen verständigen sich die Vertragspartner auf folgende Grundsätze einer wirtschaftlichen Verordnungsweise.

a) Vor jeder Heilmittelverordnung ist zu prüfen, ob deren medizinische Notwendigkeit gegeben ist oder ob nicht andere geeignete Maßnahmen wie
Prävention und Gesundheitsförderung, Medikamentengabe oder Hilfsmittel angebracht sind.

b) Gruppentherapie ist vor Einzeltherapie zu verordnen, soweit medizinisch und regional sinnvoll möglich.

c) Ergänzende Heilmittel sind nur bei begründeter medizinischer Indikation zu verordnen.

d) Die Gesamtverordnungsmenge ist unter Beachtung eines für den Patienten klar definierten Therapieziels zu bemessen. Der Regelfall gemäß der
Heilmittelrichtlinie ist dabei als Maßstab zu beachten. Im Einzelfall ist zu prüfen, ob die im Heilmittelkatalog angegebene maximale Anzahl der Einzelleistungen /
Behandlungen erforderlich ist.

e) Folgeverordnungen sind nur bei medizinisch begründeter Indikation zulässig, dabei ist der bisherige Therapieverlauf zu berücksichtigen.

f) Verordnungen außerhalb des Regelfalles sind als Ausnahme zu verstehen.

g) Das Therapieziel ist mit dem Patienten zu besprechen und für den Therapeuten auf der Verordnung verständlich darzustellen. Die Erreichung des Therapieziels
sollte möglichst mit dem Therapeuten vor Erstellung einer Verordnung außerhalb des Regelfalles besprochen werden.

h) Auf der Verordnung sind eindeutige Vorgaben zur Behandlungsfrequenz anzugeben und so vorzugeben wie sie im Einzelfall zur Erreichung des
Therapieziels notwendig sind.

(...)

n) Bei unspezifischem Rückenschmerz ist der Patient vorrangig auf Eigenübung (Selbstverantwortung) und alternative Behandlungsmethoden (z. B. Reha Sport
und Funktionstraining) hinzuweisen. Maßnahmen der Physiotherapie sollten unter Beachtung der nationalen Versorgungsleitlinie zum unspezifischen
Rückenschmerz nur in Ausnahmefällen verordnet werden.

o) Bei der Auswahl von Leistungen bei gleichem therapeutischem Nutzen sollte die kostengünstigere ausgewählt und auf dem Verordnungsblatt konkretisiert
werden.


Es ist also wichtiger denn je, gut informiert zu sein und das Gespräch mit dem Arzt und dem Physio zu suchen, damit es nicht aus rein wirtschaftlichen Gründen zu keiner Fortsetzung der Therapie kommt, wenn sie eigentlich medizinisch sinnvoll und vor allem notwendig ist!

Gruß,
Alex

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 Betreff des Beitrags: Re: Physiotherapie - am Limit......
BeitragVerfasst: Sa, 02.06.2018 - 11:03 
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Hallo Alex,

Zitat:
Hierbei spielen Praxisbesonderheiten und besonderer Behandlungsbedarf keine Rolle! Sie werden komplett auf das Volumen angerechnet!

Was das bedeutet, kann man sich ausrechnen........
f) Verordnungen außerhalb des Regelfalles sind als Ausnahme zu verstehen.

Der besondere Verordnungsbedarf (früher Praxisbesonderheit) ist natürlich mit einer Verordnung ausserhalb des Regelfalles verbunden, aber doch unter besonderen Bedingungen, die nicht mit den "normalen" Verordnungen ausserhalb des Regelfalles zu vergleichen sind.
Dann müsste ja auch die langfristige Genehmigung einer Heilmittelverordnung dazu gehören, weil sie ja auch gleichzeitig eine Verordnung ausserhalb des Regelfalles ist. Im übrigen wäre zu klären, was denn mit "Ausnahme" konkret gemeint ist. Oder gibt es noch andere Punkte, die nicht in dem Auszug enthalten sind?

Ende Juni habe ich einen Termin bei meinem Schmerztherapeuten und werde ihn mal danach fragen. Er stellt jedenfalls aufgrund eines Regresses seit ca. 2 Jahren keine normalen Verordnungen mehr aus und kann schon deshalb nicht um 3,5 % senken. Ich könnte mir vorstellen, dass andere Ärzte mittlerweile ihre Richtgröße fest im Blick haben und auch deswegen keinen Anlass sehen, um 3,5 % zu senken. Natürlich kann man das auch als Druckmittel für Ärzte sehen, die mit der Richtgröße organisatorisch Probleme haben.

Gruß
Klaus


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 Betreff des Beitrags: Re: Physiotherapie - am Limit......
BeitragVerfasst: Sa, 02.06.2018 - 17:48 
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Hallo Klaus,

es werden ausnahmslos alle Verordnungen zusammengerechnet. Dadurch ergibt sich logischerweise ein deutlich höheres Gesamtvolumen als das, welches tatsächlich das "Budget" belastet, da eben "Besonderer Verordnungsbedarf" und "langfristiger Heilmittelbedarf" je nach Diagnose etc. herausgerechnet werden.
Und genau das macht das Ganze so trickreich und führt zu deutlich mehr Reduzierung der Verordnungen als eigentlich nötig wäre, um Einsparungen zu erreichen.

Die Punkte "BVB" und "LHB" wurden ja genau deshalb eingeführt, damit die Patienten, die unter diese Punkte fallen problemlos ihre Rezepte erhalten können, ohne dass dem Arzt Regresse drohen.
Dass sie bei der "Heilmittelzielvereinbarung" eben nicht mehr herausgerechnet werden ist der Knackpunkt an diesem System!

Da es schon vorher für die allermeisten Ärzte ein Problem war, diese komplizierte Rechnung aufzustellen (manche Diagnosen werden sofort aus dem Volumen rausgerechnet, andere erst am Schluß) fürchte ich, dass es bei der "Heilmittelzielvereinbarung" nicht besser wird - im Gegenteil.

Soviel zu der Theorie - eben auch, was Du im letzten Posting geschrieben hast.
Nun zur Realität:
es mehren sich die Aussagen - und zum Teil sind entsprechende Infos auch schon auf Webseiten mancher Ärzte zu finden - dass Physiotherapie nur noch in Ausnahmen verschrieben werden kann, z.B. bei MS oder Schlaganfall. Nicht einmal bei Knie- oder Hüftprothesen sei eine Physiotherapie als Anschlussbehandlung zwingend notwendig!!
Nun bleibt es abzuwarten, ob es erst einmal nur ein Zwischentief ist, das sich in ein paar Wochen wieder ausgleicht. Aber ein Rückgang der Verordnungen ist spürbar und auch das, was die Patienten berichten geht in dieselbe Richtung.

Was will ich mit diesem Thread sagen?
Dass die Patientinnen und Patienten, die auf Physiotherapie angewiesen sind unbedingt um ihr Recht darauf kämpfen müssen. Denn ob eine Verordnung notwendig ist oder nicht entscheidet sich am Befund des Patienten, nicht am Budget des Arztes!
Es gibt inzwischen auch Ärzte, die sich zu Aktionsgemeinschaften zusammengeschlossen haben, um gegen diese Vorgehensweisen der Kassenärztlichen Vereinigungen vorzugehen. Das soll auch nicht verschwiegen werden und zeigt, dass es doch noch einige unter ihnen gibt, die nicht nur auf Einsparungen schauen, sondern auf das, was therapeutisch notwendig ist.

Gruß,
Alex

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 Betreff des Beitrags: Re: Physiotherapie - am Limit......
BeitragVerfasst: So, 03.06.2018 - 11:01 
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Hallo Alex,

Zitat:
Dadurch ergibt sich logischerweise ein deutlich höheres Gesamtvolumen als das, welches tatsächlich das "Budget" belastet, da eben "Besonderer Verordnungsbedarf" und "langfristiger Heilmittelbedarf" je nach Diagnose etc. herausgerechnet werden.

Dass sie bei der "Heilmittelzielvereinbarung" eben nicht mehr herausgerechnet werden ist der Knackpunkt an diesem System!

Ok, jetzt ist es klar, zumindest für mich.
Zitat:
Da es schon vorher für die allermeisten Ärzte ein Problem war, diese komplizierte Rechnung aufzustellen (manche Diagnosen werden sofort aus dem Volumen rausgerechnet, andere erst am Schluß) fürchte ich, dass es bei der "Heilmittelzielvereinbarung" nicht besser wird - im Gegenteil.

Mein Arzt hat mir erklärt, dass der langfristige Heilmittelbedarf sofort herausgerechnet wird und der besondere Verordnungsbedarf erst am Schluss. Deshalb hat er bei mir auf die Genehmigung des langfristigen Heilmittelbedarfs (im Einzelfall) gesetzt. Meine Diagnose (Kyphose über 60 Grad) bietet ja auch die Möglichkeit des besonderen Verordnungsbedarfs.

Gibt es schon Erfahrungen, ob Ärzte auch den besonderen Verordnungsbedarf reduzieren?
Oder den langfristigen Heilmittelbedarf aufgrund dieser neuen Situation erst gar nicht unterstützen?

Gruß
Klaus


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