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Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Di, 09.09.2014 - 00:01
von tengal
Hallo zusammen :)

bisher war ich bei Dr. Wilke in "Behandlung" (einmal dort gewesen, Röntgenbilder gemacht, anschließend zwei Rezepte Physiotherapie). Da ich aber von Hamburg nach München gezogen bin, ist Dr. Wilke nicht mehr unbedingt die naheliegendste Lösung (6h im ICE/Strecke). Jetzt bin ich etwas in einem - auch selbstverschuldeten - Dilemma: am nächsten wäre Leonberg, dann Bad Sobernheim und Berlin, Bad Salzungen etc. tun sich nicht mehr viel. Nachdem ich das Thema Therapie schon mehrmals ohne viel Elan angegangen bin, will ich jetzt endlich mal Butter bei die Fische tun und eine "richtige" Therapie starten.

Da steht am Anfang natürlich die Wahl eine Arztes, wo ich nichts falsch machen will. Mein Eindruck hier im Forum ist, dass jeder der Spezialisten so seine Präferenzen hat (Dr. Hoffmann scheint Korsette zu mögen, Dr. Wilke ein Anhänger der Spiraldynamik zu sein...). Ich bin strikt gegen ein Korsett, trage nichtmal eine Armbanduhr weil es mich stört was außer Kleidung an mir zu haben. Außerdem wäre ich dafür deutlich zu eitel.

Lange Rede kurzer Sinn: welchen Arzt würdet ihr empfehlen wo ich wahrscheinlich a) möglichst zeitnah einen Termin bekomme (nicht erst nächsten Sommer...), b) nicht gleich nach Hause geschickt werde weil ich ein Korsett ablehne und c) möglichst gute Chancen auf eine Kur habe (siehe Präferenzen der Ärzte)? Letzteres dürfte mit meiner BWS-Skoliose von 35°, Hyperkyphose (130°) und Hyperlordose (75°) wohl realistisch sein.

Außerdem: gibt es etwas worauf ich bei der Terminvereinbarung achten sollte, außer zu betonen dass ich nicht um die Ecke wohne und eventuelle Röntgenaufnahmen gleich gemacht werden sollten?

Würde mich freuen wenn ihr einen passenden Ratschlagt habt, trotz meiner typbedingten "Einschränkungen" :rolleyes:

Viele Grüße

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Di, 09.09.2014 - 07:33
von minimine
Hallo Tengal,

erst einmal bekommt lange nicht jeder, der zu Dr. Hoffmann geht gleich ein Korsett. ;) Und wenn du das ablehnst, dann wird er das auch akzeptieren. Meine persönliche Meinung ist allerdings, dass du dir das bei den Gradzahlen nochmal überlegen solltest, kommt aber auch darauf an, wie sich das entwickelt hat, also hat es Verschlechterungen in letzter Zeit gegeben. Geht es dir "nur" um Schmerzen, kommst du evtl. mit einer Reha und KG weiter, aber meiner Meinung nach nicht, wenn du wirklich progredient sein solltest oder wirklich noch etwas verbessern willst.

Allerdings, nur für eine Reha und gute Behandlung brauchst du nicht unbedingt bis nach Leonberg, insbesondere wenn ein Korsett sowieso für dich rausfällt, da gibt es auch Ärzte in München. ;)
Ich persönlich kann dir Dr. v. Liebe empfehlen, jemand anderes hier im Forum ist bei Dr. Paulus. Beides Orthopäden in München.

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Di, 09.09.2014 - 13:47
von Klaus
Hallo tengal,
bisher war ich bei Dr. Wilke in "Behandlung" (einmal dort gewesen, Röntgenbilder gemacht, anschließend zwei Rezepte Physiotherapie). Da ich aber von Hamburg nach München gezogen bin, ist Dr. Wilke nicht mehr unbedingt die naheliegendste Lösung (6h im ICE/Strecke). Jetzt bin ich etwas in einem - auch selbstverschuldeten - Dilemma: am nächsten wäre Leonberg, dann Bad Sobernheim und Berlin, Bad Salzungen etc. tun sich nicht mehr viel. Nachdem ich das Thema Therapie schon mehrmals ohne viel Elan angegangen bin, will ich jetzt endlich mal Butter bei die Fische tun und eine "richtige" Therapie starten.
Zu Dr. Wilke gab es ja schon Deinen ersten Thread, in dem ich Dir geraten hatte, unbedingt die Schroth REHA anzusprechen.
Wenn Du ein Korsett ablehnst, käme ja nur so eine REHA als Hauptbehandlungs-Option in Betracht. Was ist daraus geworden?
In der Regel reicht nämlich ein Besuch beim Spezialisten, um die "richtige" Therapie zumindest zu starten!
c) möglichst gute Chancen auf eine Kur habe (siehe Präferenzen der Ärzte)? Letzteres dürfte mit meiner BWS-Skoliose von 35°, Hyperkyphose (130°) und Hyperlordose (75°) wohl realistisch sein.
Was hat denn Dr. Wilke konkret dazu gesagt?
Das ist schon eine sehr starke Kyphoskoliose, wo man mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Schroth KG allein nicht so viel weiter kommen wird. Es sei denn, Deine Beschwerden sind durch kleine Korrekturen gut beeinflussbar. Leider ist auch die Kombination 130 Grad Hyperkyphose zu 75 Grad Hyperlordose generell ungünstig, was die Beschwerdanfälligkeit betrifft. (Studie von Dr. Trobisch)

Gruß
Klaus

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Di, 09.09.2014 - 23:29
von tengal
Hallo ihr beiden,

erstmal danke für die Antworten!
Meine persönliche Meinung ist allerdings, dass du dir das bei den Gradzahlen nochmal überlegen solltest, kommt aber auch darauf an, wie sich das entwickelt hat, also hat es Verschlechterungen in letzter Zeit gegeben. Geht es dir "nur" um Schmerzen, kommst du evtl. mit einer Reha und KG weiter, aber meiner Meinung nach nicht, wenn du wirklich progredient sein solltest oder wirklich noch etwas verbessern willst.
Letztlich habe ich noch nie ein Korsett angehabt und weiß deshalb nicht wirklich, was ich da genau im Vorhinein ablehne. Wenn das Korsett nur nachts getragen würde sähe es auch nochmal anders aus, auch scheint ja Korsett nicht gleich Korsett zu sein. Was da möglich/sinnvoll ist kann ich natürlich nicht beurteilen, dafür "will" ich ja zum Arzt :)
Wie die Entwicklung ist weiß ich nicht. Das aktuellste und bisher einzige Ganzkörperbild ist eben von Dr. Wilke und beinahe ein Jahr alt. Schmerzen habe ich überhaupt keine bislang. Klar, wenn man mal länger steht merkt mans im Lendenbereich schon, aber das ist bisher kein Problem. Hatte mir früher bei falschen Bewegungen immermal einen Nerv am Schulterblatt eingeklemmt, seit ich vernünftig im Fitnesstudio trainiere ist es nicht mehr passiert.

Letztlich will ich also die jetzige Situation dahingehend verbessern, dass ich zukünftig möglichst keine Schmerzen bekomme (wobei das ja nicht gesagt ist, wie ich an meinem Onkel sehe) und sich vor allem der Rippenbuckel bessert, weil es schon unangenehm ist beim Anlehnen wenn die ganze Last auf so einem kleinen Streifen lastet. Daran habe ich mich auch nach jetzt 21 Jahren nicht gewöhnt...

Danke auch für die Arztempfehlungen in München. Wenn die auch gut sind, warum werden sie dann selten empfohlen (verglichen mit Hoffmann, Wilke etc.)? Ich denke die Entfernung ist spielt doch keine so große Rolle, so oft werde ich ja nicht fahren müssen.
Zu Dr. Wilke gab es ja schon Deinen ersten Thread, in dem ich Dir geraten hatte, unbedingt die Schroth REHA anzusprechen.
Wenn Du ein Korsett ablehnst, käme ja nur so eine REHA als Hauptbehandlungs-Option in Betracht. Was ist daraus geworden?
In der Regel reicht nämlich ein Besuch beim Spezialisten, um die "richtige" Therapie zumindest zu starten!
Was hat denn Dr. Wilke konkret dazu gesagt?
Konkret hat er nicht übermäßig viel gesagt. Ich habe das Thema Korsett gar nicht angesprochen, von sich aus sagte er aber dass ein Korsett - zu dem Zeitpunkt - nicht zwingend nötig wäre. Ich solle erstmal zwei Rezepte Schroth bzw. Spiraldynamik machen, wiederkommen und dann sähe man weiter.
Die zwei Rezepte habe ich dann auch gemacht (nur Schroth), was sehr unglücklich gelaufen ist. Ohne hier ins Details gehen zu wollen, waren von den insg. 12 Terminen nur zwei bis drei wirklich Schroth, der Rest "normale" Physiotherapie.

Man muss zwar klar sagen, dass ich das Ganze nicht mit genug Nachdruck angegangen bin, aber was mich dann zurückgeworfen hat (eigt auch Ausgangspunkt dieses Threads): als ich das erste Mal bei Dr. Wilke war musste ich ca. 1,5 Monate auf einen Termin warten. Rückblickend wäre es klug gewesen da gleich schon den nächsten zu machen, das habe ich aber nunmal nicht. Als ich vor ein paar Wochen anrief weil ich nochmal vorbeikommen wollte (bin ab und zu in noch Hamburg und von da ist es ja nicht soo weit), sagte die Frau am Telefon dass es dieses Jahr wohl eng werden würde... Ist eine Wartezeit von mind. 3 bis 4 Monaten auch bei den anderen Ärzten normal?
Das ist schon eine sehr starke Kyphoskoliose, wo man mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Schroth KG allein nicht so viel weiter kommen wird. Es sei denn, Deine Beschwerden sind durch kleine Korrekturen gut beeinflussbar. Leider ist auch die Kombination 130 Grad Hyperkyphose zu 75 Grad Hyperlordose generell ungünstig, was die Beschwerdanfälligkeit betrifft. (Studie von Dr. Trobisch)
Was die Interpretation der Fehlstellungen angeht habt ihr natürlich viel mehr Ahnung als ich. Was mir aber etwas "Hoffnung" macht: ich habe eine Beinlängendifferenz (links ist kürzer), was Dr. Wilke aber nicht aufgefallen ist und ich habe vergessen es anzusprechen. Vielleicht kann man da mit Einlagen o.ä. was erreichen. Mir wurde früher mal gesagt, dass rechtsseitige Skoliose quasi eine Kompensation des kürzeren linken Beines und dem dadurch schiefen Becken ist... Außerdem sagte mir ein anderer Orthopäde früher mal, dass eine Skoliose in Brustbereich tendenziell nicht so viele Probleme macht, weil einiges an Fehlbelastungen durch den Brustkorb aufgefangen werden. Und zu guter letzt weiß ich nicht wie schlimm die 130° Kyphose wirklich sind, weil sie eigentlich nur auf einer Seite sind. Ich will das Röntgenbild nicht ins Internet stellen (man weiß ja nie), von rechts ist im Profil schon ein deutlicher Buckel zu sehen (besagter Rippenbuckel), von links sieht es aber - wenn ich ein wenig auf meine Haltung achte - relativ normal aus. Wurde mir auch bei der Physio gesagt. Wie gut/schlecht das alles ist bleibt abzuwarten.

Viele Grüße

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Mi, 10.09.2014 - 09:32
von Klaus
Hallo tengai,
Danke auch für die Arztempfehlungen in München. Wenn die auch gut sind, warum werden sie dann selten empfohlen (verglichen mit Hoffmann, Wilke etc.)?
Es gibt nur ganz wenige Erfahrungsberichte bzw. Meinungen dazu. Das reicht noch nicht für eine allgemeine Empfehlung, die einfach durch die Anzahl von positiven Posts zustande kommt. Anders ist das hier nicht zu händeln.
...von sich aus sagte er aber dass ein Korsett - zu dem Zeitpunkt - nicht zwingend nötig wäre. Ich solle erstmal zwei Rezepte Schroth bzw. Spiraldynamik machen, wiederkommen und dann sähe man weiter. ...Und zu guter letzt weiß ich nicht wie schlimm die 130° Kyphose wirklich sind, weil sie eigentlich nur auf einer Seite sind.
Ich bin jetzt ein bischen irritiert. Offenbar ist das keine typische Hyperkyphose, die immer symmetrisch ist.
Und kann es sein, dass der Fokus insgesamt weniger optisch und mehr auf die Behandlung der geringen Beschwerden ausgerichtet war ??
Für mich wäre diese abwartende Einstellung von Dr. Wilke und "auch bei der Physio" sonst unverständlich.

Gruß
Klaus

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Do, 11.09.2014 - 23:58
von tengal
Nabend Klaus,
Klaus hat geschrieben: Ich bin jetzt ein bischen irritiert. Offenbar ist das keine typische Hyperkyphose, die immer symmetrisch ist.
Und kann es sein, dass der Fokus insgesamt weniger optisch und mehr auf die Behandlung der geringen Beschwerden ausgerichtet war ??
Für mich wäre diese abwartende Einstellung von Dr. Wilke und "auch bei der Physio" sonst unverständlich.
Naja die Wirbelsäule ist auch in sich verdreht, sodass - wenn ich das richtig verstanden habe - die Dornfortsätze der Wirbel quasi die Rippen am rechten hinteren Brustkorb rausdrücken.
Symmetrisch ist da nichts, wenn ich mich bspw. nach vorne lehne und man auf den Rücken guckt, sieht man ziemlich klar den Verlauf der Wirbelsäule und dass sie an der Stelle wo der Rippenbuckel ist halt etwas "raussteht". Auf der linken Seite ist alles relativ normal, wie gesagt auch wenn man im Profil guckt. Wenn ich mich ganz locker hinstelle (nicht auf die Haltung achte) sieht man zwar schon dass der Rücken gebeugt ist, ebenso wie das Hohlkreuz. Aber wie gesagt, deutlich weniger als rechts.

Wo genau der Fokus der Behandlung war kann ich nicht sagen, habe da auch nicht extra nachgefragt, weil für mich klar war dass die Wirbelsäule insgesamt begradigt werden soll... Zumal ein Großteil der Beschwerden unmittelbar mit der Optik zusammenhängt, wie gesagt insb. wenn ich mich anlehne, weil der ganze Oberkörper dann auf dem kleinen Stück Wirbelsäule lastet das raussteht.

Um nochmal auf die Ärzte zu sprechen zu kommen: sind die Wartezeiten bei den "üblichen Verdächtigen" immer ab 3-4 Monate aufwärts und ich hatte einfach nur Glück dass ich bei Dr. Wilke nach ca. 6 Wochen einen Termin bekommen habe, oder gibt es da schon deutliche Unterschiede? Denn da eine Reha bei mir nur im Frühjahr/Sommer möglich ist, würde ich ungerne erst nächstes Jahr einen Arzttermin bekommen, dann dürfte es mit Sommer 2015 wohl eng werden...

Viele Grüße

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Fr, 12.09.2014 - 11:34
von Klaus
Hallo tengal,
Um nochmal auf die Ärzte zu sprechen zu kommen: sind die Wartezeiten bei den "üblichen Verdächtigen" immer ab 3-4 Monate aufwärts und ich hatte einfach nur Glück dass ich bei Dr. Wilke nach ca. 6 Wochen einen Termin bekommen habe, oder gibt es da schon deutliche Unterschiede?
Mittlerweile denke ich, dass man grundsätzlich immer bei den "üblich Verdächtigen" anrufen sollte, um herauszufinden, mit welcher Wartezeit man in welcher Rücken-Situation zu rechnen hat.
Zum einen spielen Praxis-Ferien eine Rolle, zum anderen kommt es wohl auch auf das Alter und die entsprechende Dringlichkeit an. Dazu natürlich organisatorische Veränderungen, wenn der Ansturm insgesamt zu groß wird.
.. und ich hatte einfach nur Glück dass ich bei Dr. Wilke nach ca. 6 Wochen einen Termin bekommen habe,
Als Erwachsene würde ich diese Wartezeit bei Dr. Wilke schon als Glück bezeichnen. Bei Dr. Hoffmann hatten wir das durchaus auch schon als Normalfall.

Gruß
Klaus

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: So, 14.09.2014 - 23:43
von tengal
Hallo Klaus,

danke für deine Antwort. Werde mich mal durchtelefonieren und gucken wies aussieht.

Viele Grüße

Re: Welcher Orthopäde unter diesen Voraussetzungen?

Verfasst: Mo, 15.09.2014 - 19:48
von Zebrastreifen
Ein guter Arzt nimmt die Bedenken des Patienten ernst und respektiert Entscheidungen, auch wenn es einen möglichen Behandlungserfolg beinhalten kann.

Ich gehe auch nur zu solchen Ärzten, bin aber auch sehr kritisch bei Entscheidungen, da man heute immer etwas vorsichtiger sein sollte.