Erfahrungsbericht Dr. Wilke in München
Verfasst: Di, 29.01.2013 - 16:22
Hallo,
da ihr mir hier so super Tips gegeben habt (unter viewtopic.php?f=6&t=27687&p=1065224), möchte ich mich nun revanchieren mit einem Bericht, wie es bei Dr. Wilke in der Klinik in Harlaching (München) war. Dr. Wilke ist seit kurzem einmal im Monat hier. Ich hatte zuerst (habe immer noch ein bisschen) Befuerchtungen, wie das wohl ist, wenn der Arzt nur einmal im Monat da ist. Wird man dann doch zu "irgendwem" abgeschoben, weil er ja nur sehr wenig Zeit hat? Das wird sich mit der Zeit herausstellen.
Ich habe mich erst im Internet informiert, wie es dort mit Parkplätzen aussieht. Auf der Website steht "Es sind reichlich Parkplätze vorhanden." Prima, dachte ich, und nahm das Auto. Fehler! Die halbe Stunde Zeitpuffer wurde mir nichts dir nichts mit vergeblicher Parkplatzsuche aufgefressen. Drei Minuten nach dem vereinbarten Termin reichte es mir, ich stellte das Auto ins Halteverbot und rannte mit meiner Tochter nach drin. Zu unserer Überraschung wurden wir, trotz massenhaft anderer Leute aussenrum, vom Chef der Abteilung mit Namen angesprochen. Natürlich hat das damit zu tun, dass wir zu spät waren, trotzdem war ich sehr positiv überrascht. Wir wurden sehr freundlich empfangen, ich ließ meine verwirrte Tochter an der Anmeldung zurück (Zieh eine Nummer und sag, dass du einen Termin bei Dr. Wilke hast) und rannte wieder zum Auto, um weiter einen Parkplatz zu suchen. Schließlich fand ich doch noch was, gar nicht allzu weit entfernt, aber nächstes Mal nehm ich die U-Bahn!
Sobald ich da war, durften wir auch schon rein. Da befanden sich fünf Leute im Raum, sicher etwas stressig für meine Tochter. Dr. Wilke, Dr. Rösch (die dortige Orthopädin), ein Kollege von ihr, ihr Techniker und Herr Nahr, Frau Rösch stellte alle vor. Die letzteren wurden nur mit "unsere Techniker" vorgestellt, was für mich klar war, aber meine Tochter fragte sich, warum da jetzt noch zwei Handwerker im Raum rumstehen müssen!
) Dr. Wilke ist jung und sehr freundlich und sympathisch. Da es keinerlei Platz zum Umziehen gab, fand ich es bei diesem Auflauf an Leuten in einem sehr kleinen Raum (so viel Zuwendung sind wir als Kassenpatienten nicht gewohnt!) für meine Tochter sehr angenehm, dass sie nur ihren Pulli ausziehen musste und Hose und Shirt anbehalten durfte.
Dann legte Dr. Wilke los. Hat der Mann ein Sprechtempo! Hier in Süddeutschland sind wir glaub ich etwas langsamer
Hier das Knie, da die Hüfte, dort die Schulter, da das Bein. Wahnsinn. Man merkt, dass er einen sehr geschulten Blick für das alles hat. Nur merken konnte ich mir den Roman nicht, den er erzählte. Aber ich fand es echt überzeugend und auch sehr gut erklärt. Dann wurden wir zum Röntgen geschickt, und danach durften wir gleich wieder rein und das Bild wurde besprochen. Die schlechte Nachricht: Es ist, wie ich befürchtet habe: Skoliose, ein Korsett ist nötig. Die gute Nachricht: Nur ein kurzes Korsett, da die Wirbelsäule oben gerade ist, nur 1,5 Jahre tragen, nur 16-18 Stunden am Tag (nicht 24). Und: Ich hatte Schlimmeres befürchtet, auch was die Ausprägung betrifft. Denn die erste Aussage war ganz klar: Es ist nicht so schlimm, dass irgendwann eine OP nötig werden wird. 24 Grad. Mir sagt das nichts, aber nach den Bildern bei Wiki und wie es für mich als Laie aussah, hätte ich auf mind. 40 Grad getippt.
Das einzige, was ich etwas seltsam fand: Anfangs hat Dr. Wilke mit meiner Tochter noch so gesprochen, dass sie natürlich selbst drüber entscheidet, ob sie das Korsett will. Schließlich lief es aber dann doch drauf raus, dass wir einfach in die Werkstatt zum Ausmessen geschickt wurden. Das ist nicht schlimm, da ich auf dem Weg zum Röntgen mit meiner Tochter schon gesprochen habe, und sie bereits zugestimmt hatte. Ich erwähne es nur.
Ich kann auch nur sagen: Insgesamt fand ich die Art, wie Dr. Wilke mit meiner Tochter umging, sehr angenehm. Man merkt, dass er täglich mit Mädchen diesen Alters (sie ist 16) zu tun hat: Er sprach weniger vom gesundheitlichen Aspekt als viel mehr von der Optik, vor allem zeigte er, wie durch die Haltung der Bauch vorsteht, und das hat sie glaub ich am meisten überzeugt! Denn meine Tochter ist gertenschlank, sprach aber trotzdem ab und zu vom Abnehmen - keineswegs, weil sie magersüchtig wäre (sie ißt sehr gern), sondern weil sie der trotz schlanker Figur vorstehende Bauch stört. Nun weiß sie, woran es liegt, und das ist glaub ich für sie der überzeugendste Punkt.
Insgesamt war die Atmosphäre sehr freundlich und ich fand auch, dass sich alle ausreichend Zeit genommen haben. Das Ganze lief zwar flott und effektiv ab, aber es gab trotzdem genug Möglichkeiten, Fragen zu stellen, ohne dass ich - wie sonst so oft beim Arzt - das Gefühl gehabt hätte, unter Zeitdruck zu stehen. Im Gegenteil, meine Tochter (die recht still war) wurde von Dr. Wilke immer wieder aufgefordert, alle Fragen zu stellen.
Als er davon sprach, dass Fotos gemacht werden müssten, sagte meine Tochter, sie will keine Fotos. Und anstatt einfach zu insistieren, dass das aber nunmal sein muss, reagierte Dr. Wilke sehr freundlich, dass man das Gesicht auf Wunsch schwärzen kann, man ohnehin nur den Rücken auf den Fotos sieht, und dass die Fotos auch nirgendwo vorgezeigt oder veröffentlicht werden. Das hat mir gut gefallen. Ein wenig gestört hat mich dann nur, dass wir in der Werkstatt entgegen der Aussage von Dr. Wilke Hr. Nahr nicht gesehen haben. Statt dessen wurde die Ausmessung von irgendwem vorgenommen. Dafür kreuzte der Abteilungschef dort wieder auf (also wie gesagt: als Kassenpatienten ist für mich sowas echt überraschend) und erkundigte sich.
Was ich leider verpatzt habe: Dr. Wilke nach Bad Sobernheim zu fragen. Das hab ich vergessen. Ich fragte dann den Chef (dessen Namen ich vergessen habe), und der sagte, dass sie das nicht so unterstützen, weil es leider oft vorkäme, dass dann in Bad Sobernheim das vorhandene Korsett schlecht gemacht wird, und dass das natürlich für die Patienten sehr verwirrend und ungünstig ist. Nun finde ich es sehr schade, dass deswegen der ganze Aufenthalt nicht unterstützt wird. Ich stelle mir vor, dass das schon einen wichtigen Schub gibt, was Schroth betrifft.
Dr. Wilke sagte uns lediglich, wir sollten uns dann einen Schroth-Therapeuten suchen und noch jemanden, der Spiraldynamik macht und sich mit Skoliose auskennt, und versorgte uns mit (Internet)Adressen.
Nun wird das Korsett bei der KK beantragt, und dann bekommen wir einen Termin, bei dem meine Tochter dort 3 Tage stationär bleiben soll. Sinn der Sache ist, dass Probleme und Umgang mit dem Korsett so gleich zu Anfang in den ersten Tagen geklärt werden können. Das erscheint mir sehr sinnvoll.
Ich bin gespannt, wie sich das alles auf Dauer entwickelt. Im Moment hatte ich das Gefühl, man bekommt noch eine Menge Aufmerksamkeit, weil es hier noch so neu ist. Auf Dauer wird wohl die Sprechstunde sehr voll werden, v.a. durch dieses Forum hier... und es wird schwierig werden, einen Termin zu bekommen. So stelle ich mir das zumindest vor, bei nur einem einzigen Tag im Monat.
So, nun hoffe ich, ich habe mich für eure Hilfe ein bisschen revanchieren können.
Liebe Grüße,
chico
da ihr mir hier so super Tips gegeben habt (unter viewtopic.php?f=6&t=27687&p=1065224), möchte ich mich nun revanchieren mit einem Bericht, wie es bei Dr. Wilke in der Klinik in Harlaching (München) war. Dr. Wilke ist seit kurzem einmal im Monat hier. Ich hatte zuerst (habe immer noch ein bisschen) Befuerchtungen, wie das wohl ist, wenn der Arzt nur einmal im Monat da ist. Wird man dann doch zu "irgendwem" abgeschoben, weil er ja nur sehr wenig Zeit hat? Das wird sich mit der Zeit herausstellen.
Ich habe mich erst im Internet informiert, wie es dort mit Parkplätzen aussieht. Auf der Website steht "Es sind reichlich Parkplätze vorhanden." Prima, dachte ich, und nahm das Auto. Fehler! Die halbe Stunde Zeitpuffer wurde mir nichts dir nichts mit vergeblicher Parkplatzsuche aufgefressen. Drei Minuten nach dem vereinbarten Termin reichte es mir, ich stellte das Auto ins Halteverbot und rannte mit meiner Tochter nach drin. Zu unserer Überraschung wurden wir, trotz massenhaft anderer Leute aussenrum, vom Chef der Abteilung mit Namen angesprochen. Natürlich hat das damit zu tun, dass wir zu spät waren, trotzdem war ich sehr positiv überrascht. Wir wurden sehr freundlich empfangen, ich ließ meine verwirrte Tochter an der Anmeldung zurück (Zieh eine Nummer und sag, dass du einen Termin bei Dr. Wilke hast) und rannte wieder zum Auto, um weiter einen Parkplatz zu suchen. Schließlich fand ich doch noch was, gar nicht allzu weit entfernt, aber nächstes Mal nehm ich die U-Bahn!
Sobald ich da war, durften wir auch schon rein. Da befanden sich fünf Leute im Raum, sicher etwas stressig für meine Tochter. Dr. Wilke, Dr. Rösch (die dortige Orthopädin), ein Kollege von ihr, ihr Techniker und Herr Nahr, Frau Rösch stellte alle vor. Die letzteren wurden nur mit "unsere Techniker" vorgestellt, was für mich klar war, aber meine Tochter fragte sich, warum da jetzt noch zwei Handwerker im Raum rumstehen müssen!
Dann legte Dr. Wilke los. Hat der Mann ein Sprechtempo! Hier in Süddeutschland sind wir glaub ich etwas langsamer
Das einzige, was ich etwas seltsam fand: Anfangs hat Dr. Wilke mit meiner Tochter noch so gesprochen, dass sie natürlich selbst drüber entscheidet, ob sie das Korsett will. Schließlich lief es aber dann doch drauf raus, dass wir einfach in die Werkstatt zum Ausmessen geschickt wurden. Das ist nicht schlimm, da ich auf dem Weg zum Röntgen mit meiner Tochter schon gesprochen habe, und sie bereits zugestimmt hatte. Ich erwähne es nur.
Ich kann auch nur sagen: Insgesamt fand ich die Art, wie Dr. Wilke mit meiner Tochter umging, sehr angenehm. Man merkt, dass er täglich mit Mädchen diesen Alters (sie ist 16) zu tun hat: Er sprach weniger vom gesundheitlichen Aspekt als viel mehr von der Optik, vor allem zeigte er, wie durch die Haltung der Bauch vorsteht, und das hat sie glaub ich am meisten überzeugt! Denn meine Tochter ist gertenschlank, sprach aber trotzdem ab und zu vom Abnehmen - keineswegs, weil sie magersüchtig wäre (sie ißt sehr gern), sondern weil sie der trotz schlanker Figur vorstehende Bauch stört. Nun weiß sie, woran es liegt, und das ist glaub ich für sie der überzeugendste Punkt.
Insgesamt war die Atmosphäre sehr freundlich und ich fand auch, dass sich alle ausreichend Zeit genommen haben. Das Ganze lief zwar flott und effektiv ab, aber es gab trotzdem genug Möglichkeiten, Fragen zu stellen, ohne dass ich - wie sonst so oft beim Arzt - das Gefühl gehabt hätte, unter Zeitdruck zu stehen. Im Gegenteil, meine Tochter (die recht still war) wurde von Dr. Wilke immer wieder aufgefordert, alle Fragen zu stellen.
Als er davon sprach, dass Fotos gemacht werden müssten, sagte meine Tochter, sie will keine Fotos. Und anstatt einfach zu insistieren, dass das aber nunmal sein muss, reagierte Dr. Wilke sehr freundlich, dass man das Gesicht auf Wunsch schwärzen kann, man ohnehin nur den Rücken auf den Fotos sieht, und dass die Fotos auch nirgendwo vorgezeigt oder veröffentlicht werden. Das hat mir gut gefallen. Ein wenig gestört hat mich dann nur, dass wir in der Werkstatt entgegen der Aussage von Dr. Wilke Hr. Nahr nicht gesehen haben. Statt dessen wurde die Ausmessung von irgendwem vorgenommen. Dafür kreuzte der Abteilungschef dort wieder auf (also wie gesagt: als Kassenpatienten ist für mich sowas echt überraschend) und erkundigte sich.
Was ich leider verpatzt habe: Dr. Wilke nach Bad Sobernheim zu fragen. Das hab ich vergessen. Ich fragte dann den Chef (dessen Namen ich vergessen habe), und der sagte, dass sie das nicht so unterstützen, weil es leider oft vorkäme, dass dann in Bad Sobernheim das vorhandene Korsett schlecht gemacht wird, und dass das natürlich für die Patienten sehr verwirrend und ungünstig ist. Nun finde ich es sehr schade, dass deswegen der ganze Aufenthalt nicht unterstützt wird. Ich stelle mir vor, dass das schon einen wichtigen Schub gibt, was Schroth betrifft.
Dr. Wilke sagte uns lediglich, wir sollten uns dann einen Schroth-Therapeuten suchen und noch jemanden, der Spiraldynamik macht und sich mit Skoliose auskennt, und versorgte uns mit (Internet)Adressen.
Nun wird das Korsett bei der KK beantragt, und dann bekommen wir einen Termin, bei dem meine Tochter dort 3 Tage stationär bleiben soll. Sinn der Sache ist, dass Probleme und Umgang mit dem Korsett so gleich zu Anfang in den ersten Tagen geklärt werden können. Das erscheint mir sehr sinnvoll.
Ich bin gespannt, wie sich das alles auf Dauer entwickelt. Im Moment hatte ich das Gefühl, man bekommt noch eine Menge Aufmerksamkeit, weil es hier noch so neu ist. Auf Dauer wird wohl die Sprechstunde sehr voll werden, v.a. durch dieses Forum hier... und es wird schwierig werden, einen Termin zu bekommen. So stelle ich mir das zumindest vor, bei nur einem einzigen Tag im Monat.
So, nun hoffe ich, ich habe mich für eure Hilfe ein bisschen revanchieren können.
Liebe Grüße,
chico