tulipana hat geschrieben:Wer hat seine "kleine" Skoliose (bis ca. 20 Grad) nur mit Schrothübungen halten oder sogar verbesseren können? In wieviel Zeit?
Ich habe in Sobernheim bei Dr.Weiß Röntgenbilder aushängen sehen von sehr guten Korrekturergebnissen durch Schroth bei kleinen Skoliosen (Zeitraum über mehrere Jahre). Im Buch Dreidimensionale Skoliosebehandlung sind glaube ich auch Korrekturerfolge per Röntgenbild dokumentiert (habs gerade nicht vorliegen).
Toni hat geschrieben:Dr. Hoffmann gibt daher nur ungern und zögernd z.B. einer 15° Skoli ein Nachtkorsett, weil dann seiner Erfahrung nach eine geringere Compliance zum Schrothen entsteht: "Nun muss ich ja nicht mehr soviel tun, hab ja ein Korsett!"
Was natürlich völlig falsch ist!
Wenn die Skoli dann doch (trotz intensivem Schroth) über 20-25° davonläuft und das Korsett doch notwendig wird, ...
Diese Meinung kann ich garnicht teilen.
Zum einen muss ein Nachtkorsett bestimmt nicht heißen, daß es dann auch sicher dabei bleiben wird, zum anderen kann es ein genausogroßer Anreiz sein, ein Ganztgags-Korsett mit Schroth-KG vermeiden zu wollen. Ich denke die Frage ist da eher wie das rüber gebracht wird.
Wenn man dann aber feststellt, daß die Skoliose mit Schroth alleine weiter fortschreitet, dann sind es ja in den meisten Fällen schon 20-25° und DANN ist gleich ein Ganztgas-Korsett notwendig.
Es macht aber einen riesen Unterschied, ein Korsett nur nachts tragen zu müssen oder ganztags.
Kinder und Jugendliche haben halt ihren eigenen (dämlichen) Willen. Viele Eltern schaffen es einfach nicht ihre Kinder dazu zu bringen, ganztags ein Korsett zu tragen. Wir haben hier ja genügend Beispiele im Forum, die meisten Beispiele findet man als Konsequenz dessen dann letztendlich unter den Operierten.
Wenn das also passiert, hat man in den meisten Fällen dann schon verloren und der nächste Schritt heißt dann eben OP.
Lieber therapiere ich mein Kind frühzeitig mit den angenehmeren effektiven Sachen über als daß ich daran aus pädagogischen Gründigen zwecks Complianceerhaltung spare und das viel höhere Risiko eingehe, daß es später mit einem ganztags zu tragendem Korsett scheitert, weil das nunmal viel höhere Anforderungen stellt als ein Nachtkorsett plus Schroth, vor allem gesellschaftliche (Schule, Kleidung, die Angst vorm auffallen und nicht akzeptiert werden usw.).
Keiner kann einem sagen wieviel Schroth notwendig ist um eine Skoliose zu stoppen (ist mit Sicherheit auch individuell verschieden) und keiner kann von außen wirklich kontrollieren wie intensiv da jemand schrothet, weil sich das wesentliche schlicht und einfach innendrinne abspielt ohne daß dabei Bewegungen sichtbar werden. Man weiß also nie, ob das wirklich ausreicht oder nicht.
Das ist meines Erachtens Grund genug sich nach zusätzlichen Therapiemöglichkeiten umzusehen.
Da bietet sich diese "Fast-Null-Aufwand-Therapie" Nachtkorsett ja geradezu an. Das Korrekturprinzip ist zudem das selbe wie bei Schroth: Wachstumslenkung durch Belatungsänderung.
Gescheiterte konservative Skoliosetherapien kennzeichnen sich immer dadurch, daß man mit der Therapie der Skoliose "hinterherläuft", also die Therapie nie ausreichend ist, um die Skoliose aufzuhalten.
Die logischste Schlußfolgerung daraus wäre also möglichst frühzeitig mit GENÜGEND Therapie dem ganzen einen Riegel vorzuschieben.
Man sollte sich wirklich niemals darauf verlassen, sein Kind unter Kontrolle zu haben. Kinder und Jugendliche sind unberechenbar, und es wäre auch schlimm, wenn dem nicht so wäre; dann würden sie ja nie selbständig.
Gruß,
BZebra