Hallo Tim,
Tim hat geschrieben:Es gibt auch viele Dinge die ich nicht mache ich hab darüber gar nicht so nachgedacht. Ich sitze auch nie auf niedrigen Sitzgelegenheiten und trage nie schwere lasten über lange zeit. Ich mache auch bestimmte übungen mit gewichten nicht auch wenn ich sie ohne schmerzen machen kann weil ich das gefühl habe das sie mir nicht gut tun.
... und dass dies durch die OP verschwindet, ist eher nicht anzunehmen (bei mir, und den meisten, entstand das sogar erst durch die OP!).
Ich hab mein wissen über die OP auch größtenteils aus Veröffentlichungen die ich in google scholar gefunden habe dort wird die OP auch recht positiv dargestellt, vielleicht zu positiv.
Ich persönlich würde es so sagen: Ich bin sehr froh, dass es die Möglichkeit einer OP gibt, um noch was ändern zu können wenn andere Methoden gar nicht helfen. Ich kann aber auch nur jedem dringend empfehlen, vor der OP alles andere (Physiotherapie, Reha, Korsett) auszuprobieren und nur dann, wenn sich hiermit keine Verbesserung erzielen lässt, die OP zu wagen.
Es klang so als könnte man danach alles machen es wäre super und das risiko wäre minimal. Was durchaus daran liegt das nur positive studien veröffentlicht werden. Kein ärzteteam veröffentlicht selbst eine studie in der steht wie schlecht es danach allen ging.
Es ist eben, wie ich finde, die Diskrepanz zwischen prinzipiell können und was einem gut tut.
Dürfen darf ich auch alles außer, wie es damals hieß, Bungee-Jumping und Fallschirmspringen. Meine persönliche Belastungsgrenze (und die der allermeisten) ist aber eben schon weit früher erreicht.
Auch formulierungen wie:
"well-trained spine surgeon would offer spine surgery only if the benefits outweigh the risks by a factor of at least 10:1"
klangen so als wäre man lieber konservativ und würde erst operieren wenn alles so marode und kaputt ist das es keinen ausweg mehr gibt.
... was ich für sinnvoll halte: OP erst, wenn anderes keinen Erfolg brachte!
Der Herr der nach seiner begradigung in den US militärdienst gegangen ist hat den Eindruck auch noch verstärkt.
Solche Ausnahmen gibt es eben.
Ich habe z.B. einen Studienkollegen, nach dessen Lebensweise man meinen könnte, eine Querschnittslähmung sei eine minimale Einschränkung.
Er benötigt keine rollstuhlgerechte Wohnung, Treppen läuft er auf den Händen (!), räumt bei den Paralympics und anderen Sportveranstaltungen die Medaillen nur so ab, und
bei ihm kann man eigentlich nur von "er macht manche Dinge etwas anders" sprechen
... aber das können eben nur ganz wenige derjenigen, die die selbe Behinderung haben wie er.
Ich hab auch einen Bürojob. Was mich so unzufrieden macht ist nicht wie ich mich selbst sehe sondern wie ich glaube das mich andere sehen.
Hier ließe sich aber evl. ansetzen?
Genau da könnte dir ein Psychologe mitunter recht gut helfen:
Aber ich könnte mir nicht vorstellen was ein psychologe sagen könnte das mir hilft.
Ein Psychologe kann einem beispielsweise vermitteln, wie man auf andere Menschen anders wirken kann. Du wirst, wie du schreibst, von anderen eher aufs körperliche Anderssein bezogen empfunden - es wäre aber durchaus möglich, dass du mit psychologischer Unterstützung dahin kommst, vielmehr als auf andere Eigenschaften bezogen wahrgenommen wirst

Dass du es z.B. schaffst, dass andere Menschen mehr davon bewirken, wie du "sonst noch" (außer: nicht gerade) bist. Dass du es besser rüberbringst, dass du beispielsweise sportlich, motiviert, an Menschen interessiert... bist.
Wenn er sagt das es doch nicht so schlimm ist würde ich wohl einfach gehen.
Wenn (!) ein Psychologe sowas sagt (was aber sehr unwahrscheinlich ist), würde ich auch wieder gehen - denn:
Das ist keinesfalls, wie ein Psychologe mit einem umgehen soll. Ein Problem ist nicht "doch nicht so schlimm", sondern... ein Problem, das angegangen werden soll
Ehrlich gesagt war der leidensdruck erst so hoch als mich jemand drauf angesprochen hat ich nahm an das es gar nicht so auffällig wäre. Aber jetzt sehe ich jeden tag den Buckel.
Genau das ist - leider - ziemlich typisch...
Vor 2 jahren war ich noch ein sport muffel und übergewichtig ich hab dann einfach angefangen sport zumachen erst jede woche jetzt jeden zweiten tag wenn man kleinere übungen dazu zählt jeden Tag.
Das ist doch was
Es ist nur so bitter das ich egal wieviel ich trainiere oder was ich mache nie zu dem Punkt komme an dem ich sein will. Es ist auch so bitter das damals als ich noch jung war von den ärzten nicht mehr gemacht wurde.
Das mit den Ärzten ist natürlich sehr schade; mit Skoliose kennen sich leider viele Orthopäden nicht gut aus

Ist oft miserabel, was man da an Therapieempfehlungen bekommt

Ich kenn das selber.
Gerade, da du aber bzgl. Training eine sehr hohe Erwartung an dich hast, sehe ich das mit der OP auch wieder kritisch: Die OP bedeutet, dass bestimmte Bewegungen unwiederbringlich (!) verloren gehen. Gerade die erste Zeit werden andere dir dies auch ansehen; später wird es besser, aber es gibt immer wieder Situationen, in denen es doch bemerkt wird bzw. man als "ungeschickt" auffällt oder einem gar "Faulheit" unterstellt wird.
Es hat mich auch so getroffen das der Winkel so groß ist. Ich hab meinen Orthopäden gefragt ob ich mich beim Sport einschränken soll und er meinte nur lapidar:
"Wenn es weh tut merken sie es schon und dann machen sie das eben nicht"
Mehr oder weniger ist es auch so.
Was jedoch absolut tabu sind, sind stauchende Sportarten.
Das Problem ist das ich fast immer schmerzen nach dem Sport hab nicht im rücken sondern in den Muskeln.
Es muss sich - egal ob Skoliose, Hyperkyphose oder Zustand nach Versteifungs-OP - nicht zwingend im Rücken bemerkbar machen.
Jede dieser Abweichungen von einer normal geformten und normal beweglichen Wirbelsäule bedeutet eine Veränderung der Belastung auf angrenzende Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen... und die reagieren dann schnell atypisch.
Es gibt z.B. Patienten, die nur kurze Wegstrecken schmerzfrei gehen können - und die Schmerzen kommen dann nicht im Rücken, sondern in der Hüfte und in den Beinen.
Oder Kopfschmerzen, die aus Nackenschmerzen resultieren.
Viele Grüße,
Raven