Fragen zu einer flexiblen thorakalen Kyphose

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hemme105
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Fragen zu einer flexiblen thorakalen Kyphose

Beitrag von hemme105 »

Guten Abend,

ich (38 Jahre jung) war vor kurzem bei einem Universitätsklinikum wegen meinem Rundrücken. Den Rundrücken hab ich schon ziemlich lange, Schmerzen habe ich keine, aber ich wollte es halt mal abgeklärt haben, was ich da denn genau habe. Irgendwie stört es mich jetzt auch und ich möchte etwas dagegen tun, da es mit zunehmendem Alter bestimmt eher schechter als besser wird.
Diagnose: Flexible Thorakale Kyphose

Klinischer Befund: Reizlose Weichteilverhältnisse, Flexible hyperkyphotische Brustwirbelsäule, bei gutem muskulärem Status. Keine Einschränkung der Beweglichkeit. Kein Klopf- oder Druckschmerz. Periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität intakt. Nebenbefundlich zeigt sich eine Beinlängendifferenz links -1 cm.
Bildgebende Diagnostik: Röntgen BWS in zwei Ebenen: Kyphose BWS Th4- Th12: 40° nach Cobb. Ansonsten unauffälliger knöcherner Status ohne Keilwirbelbildung, ohne Fraktur, normale Bandscheibenfachweite.

Das Klinikum hat mir KG verschrieben und Brustsschwimmen empfohlen.

Ich versteh zwar nicht alles von dem Befund, aber es hört sich meiner Ansicht nach gar nicht so schlecht an, wenn ich bedenke, was manche hier im Forum so schreiben.

Mein Fragen sind nun folgende und vielleicht kann einer ja was dazu sagen:
Kann in meinem Alter durch Muskelaufbau die Wirbelsäule noch einigermaßen korrigiert werden?
Hat hierzu jemand Erfahrungen bzw. weiß jemand von jemandem der diesbezüglich Erfahrungen hat?
Ich gehe halt nicht mehr ganz aufrecht und möchte das nach Möglichkeit wieder lernen.
Hilft eine Schroth-Therapie?
Viele schreiben, dass eine Schroth-Therapie nur etwas bei stationärem Aufenthalt bringt?
Bekommt man bei meinem Grad überhaupt eine Schroth-Therapie verschrieben?


Ich habe am Montag meine erste KG. Habe in der Klinik in Bad Sobernheim angerufen und mir die Adresse eines Schroth-Therapeuten in meiner Wohnortnähe geben lassen.

Für Antworten wäre ich dankbar.

Viele Grüße

hemme105
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

hemme105 hat geschrieben:Kann in meinem Alter durch Muskelaufbau die Wirbelsäule noch einigermaßen korrigiert werden?
Bei einem diagnostizierten guten muskulären Status ist normaler Muskelaufbau sicherlich nicht das primäre Ziel.
Hilft eine Schroth-Therapie?
Viele schreiben, dass eine Schroth-Therapie nur etwas bei stationärem Aufenthalt bringt?
Bekommt man bei meinem Grad überhaupt eine Schroth-Therapie verschrieben?
Ja, eine Schroth KG kann korrigierend eingreifen und formt dabei auch die Muskulatur (Bänder und Sehnen).
Das ist etwas anderes, als normaler Muskelaufbau und da es auch um das richtige Körpergefühl geht, ist eine REHA immer anzuraten.
In Deinem Alter beträgt der normale Kyphosewinkel 30 Grad, Du hast also eine Abweichung von 10 Grad. Da offensichtlich keine Fixierung vorhanden ist, hättest Du mit Schroth sehr gute Chancen!

Ich würde das mit der REHA unbedingt versuchen, zumal die Schroth-Therapeuten vor Ort bei Kyphose nicht immer die notwendige Kompetenz haben, leider. Es gibt jede Menge sogenannter symetrischer Schroth Übungen, die ich auch erst in der REHA gelernt habe. Meine Therapeutin kannte die nicht!

Gruss
Klaus
roundback
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Beitrag von roundback »

Ich denke, ich habe auch einen Buckel in der Brustwirbelsäule. Ist in den letzten Jahren schlimmer geworden. Besonders wenn ich lange am Schreibtisch sitze. Ich bekomme manchmal kaum Luft und es sticht irgendwo hinter dem Brustbein.
Ich war schon bei 2 Orthopäden. Der eine wollte, daß ich Kiesertraining mache, der andere hat nur gesagt, daß ich mehr Sport machen und ich mich gerade halten soll. Ich weiß nicht wem ich noch glauben soll. Würde ein Geradehalter oder ein Korsett gegen den Buckel und die Schmerzen helfen?
hemme105
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Da hat sich einer total verschätzt!

Beitrag von hemme105 »

Guten Tag,

war heute bei Dr. Hoffmann in Leonberg und er hat meine Kyphose vermessen. Das Universitätsklinikunm Tübingen hat mit einer Röntgenaufnahme 40° nach Cobb gemessen. Dr. Hoffmann hat 61° gemessen. Und leider stimmen die 61°. Drei verschiedene Messmethoden haben immer dieses Ergebnis gebracht. Der/die in Tübingen haben sich sozusagen um 50% verschätzt. Von vermessen kann man hier wohl nicht mehr sprechen.
Dr. Hoffmann meinte schon,als er die dürftige Röntgenaufnahme des Unversitätsklinikums sah, dass das mehr sind als 40°.

Dr. Hoffmann meinte,es wäre nichts fixiert, alles flexibel. Schmerzen hab ich zum Glück auch so gut wie keine. Nur will ich halt meine Wirbelsäule wieder ein wenig gerade bringen.

Er wird mir ein Attest ausstellen und ich werde dann eine Reha beantragen. Hoffe die wird genehmigt.

Hab schon eingiges im Forum gelesen wo es besser sein soll, Bad Sobernheim oder Bad Salzungen, bin aber trotzdem irgendwie nicht schlauer als vorher. Da gehen die Meinungen weit auseinander.

Hat jemand aktuelle Erfahrungen?
Ist bei Kyphose Bad Sobernheim oder Bad Salzungen besser

Viele Grüße

Hemme
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hemme hat geschrieben:Das Universitätsklinikunm Tübingen hat mit einer Röntgenaufnahme 40° nach Cobb gemessen. Dr. Hoffmann hat 61° gemessen.
Oh ha, ich hätte nicht gedacht, dass sich dieses Klinikum bei der Vermessung so irren kann!
...als er die dürftige Röntgenaufnahme des Unversitätsklinikums sah...
Ist das eine Seiten-Teilaufnahme gewesen?
Er wird mir ein Attest ausstellen
Für was?

Hat er die Möglichkeit eines Korsetts angesprochen?
Hat jemand aktuelle Erfahrungen?
Ist bei Kyphose Bad Sobernheim oder Bad Salzungen besser
Nachdem ich (tiefe Kyphose) meine REHA in Bad Salzungen gemacht habe und später dann hier im Forum gezielt nach Erfahrungen zu Bad Sobernheim bezüglich Kyphose gesucht habe (auch per PN persönliche Erfahrung dazu abgefragt) kann ich heute für mich feststellen, dass ich in Bad Salzungen sehr gut aufgehoben war.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass es in Bad Sobernheim entscheidend besser bezüglich Kyphose ist.

Für eine REHA ist natürlich auch entscheidend, wie wohl man sich dort fühlt.
Und da war es für mich ganz angenehm, unter vielen Erwachsenen zu sein, in Bad Sobernheim ist der Anteil der Erwachsenen offensichtlich geringer. In den Ferienzeiten sind aber in beiden Kliniken die Kinder und Jugendlichen ganz klar in der Mehrheit und als Erwachsener hat man zu diesen Zeiten sowieso keine Möglichkeit.
Die Atmosphäre hat in Bad Salzungen einen Hotelcharakter und man ist sehr schnell in der Stadt.

Was es in Bad Sobernheim nicht gibt, ist das sogenannte Sequenztraining in Bad Salzungen, was in die Lage versetzt, zuhause das richtige Fitness Training in einem Studio zu machen.

Mein Fazit nach meiner REHA ist, dass man sich während der REHA intensiv mit seiner Situation auseinandersetzen sollte.
Die Therapeuten verlangen zwar schon eine Menge, aber man sollte immer wieder fragen, wenn irgendetwas unklar ist.
Während meiner REHA Zeit hatte ich den Eindruck, dass ich damit etwas genervt habe, weil viele scheinbar alles nur "geduldet" haben, aber es ist die Chance, das Optimum für sich heraus zu bekommen.
Zumindest in Bad Salzungen gibt es das sogenannte "Freie Üben spezial", das freiwillig zusätzlich eine Stunde anbietet. Habe ich selbst nur einmal genutzt, weil das normale Pflichtprogramm schon ziemlich fertig macht.
Deswegen hatte ich da plötzlich eine Privatstunde, weil die anderen natürlich auch keine Lust mehr hatten, am Nachmittag noch eine Stunde anzuhängen.
Schliesslich hatte ich 3-5 verschiedene Therapeuten, die ich auch schon mal ganz freundlich ein bischen gegeneinander ausgespielt habe, bis ich von der tatsächlich richtigen Übung überzeugt war.

Es kommt also ganz entscheidend auf den eigenen Einsatz an und dann ist eine Entscheidung für eine der beiden Kliniken grundsätzlich nie falsch.
Ausserdem sollte man sowieso eine 2. REHA folgen lassen, wenn es geht.
Dann kann man die jeweils andere Klinik nehmen, wenn man den Bedarf hat.


Hallo roundback,
rounback hat geschrieben:Der eine wollte, daß ich Kiesertraining mache, der andere hat nur gesagt, daß ich mehr Sport machen und ich mich gerade halten soll. Ich weiß nicht wem ich noch glauben soll.
Zunächst mal ist es ganz wichtig, eine kompetente Diagnose machen zu lassen und dann den richtigen Behandlungsweg einzuschlagen, so wie Hemme das schon hinter sich hat.

Am besten eine Röntgen-Ganz-Aufnahme von vorn und von der Seite, damit alle Bereiche der Wirbelsäule bezügl. Kyphose und evtl. auch Skoliose erfasst werden.
Ich denke, Du wärst auch bei Dr. Hoffmann an der richtigen Stelle, weil Du hier alles nötige aus einer Hand bekommst, incl. dem Antrag auf eine Schroth REHA, die wir hier ja schon als optimale Therapie sehr konkret besprechen.
Es ist für Dich möglicherweise ein weiter Weg, aber alle Erfahrungen sprechen davon, dass die regionale Versorgung meistens nicht weiterführt.
Mit Fitness Training sollte man vorsichtig sein, ob Kieser oder andere. Du brauchst Deine eigene Kompetenz, um richtig zu trainieren oder generell den richtigen Sport zu machen. Das lernst Du in der Schroth REHA in 3-4 Wochen.

Gruss
Klaus
Zuletzt geändert von Klaus am Do, 04.09.2008 - 20:27, insgesamt 1-mal geändert.
mohnblume.muenchen
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Beitrag von mohnblume.muenchen »

Für Erwachsene ist Bad Salzungen (außerhalb der Ferien) sicher besser geeignet, weil dort überwiegend Erwachsene sind und es nicht so außerhalb gelegen ist wie Sobernheim. Man ist in 3min. am Marktplatz, also super gelegen!!
...und wenn wir keine Luft mehr kriegen, wenn die Wellen uns besiegen, weiß ich doch: wir hab´n die Perlen uns verdient. ("Perlentaucher" / Rosenstolz)
hemme105
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Beitrag von hemme105 »

Hallo Klaus,

bin froh, dass ich dieses Forum gefunden habe und vielen Dank für deine Tipps.

Die Röntgenaufnahme war eine Seitenteilaufnahme und Dr. Hoffmann meinte, dass er darauf zu wenig sehen würde. Aber er sagte gleich, dass es mehr wären als die 40° Cobb.
Klaus hat geschrieben:
Er wird mir ein Attest ausstellen
Für was?
Ich weiß nicht mehr so genau ob Dr. Hoffmann Attest gesagt hat. Er hat jedenfalls gesagt, dass er mir einen Brief zuschickt. Den soll ich dann bei meiner Krankenversicherung und bei meiner Beihilfestelle einreichen. Ich bin Beamter und zu 50% privat versichert und zu 50% bei meiner Beihilfestelle (Kommunaler Versorgungsverband).
Klaus hat geschrieben:Hat er die Möglichkeit eines Korsetts angesprochen?
Die Möglichkeit eines Korsetts hat Dr. Hoffmann kurz angesprochen. Ich schaute dann ein wenig erschrocken und habe ihn gefragt, ob denn das bei mir notwendig wäre. Er meinte dann, nur wenn ich Beschwerden hätte. Beschwerden hab ich aber zum Glück so gut wie keine. Er gab mir dann eine Bröschüre von Rahmouni mit und meinte, nur dass ich es mal sehen würde.

Würde ein Korsett bei mir überhaupt Sinn machen?
Bei mir ist die Kyphose nicht fixiert. Herr Dr. Hoffmann meinte, dass bei mir alles flexibel wäre.

Hoffe, dass die Schroth-Reha genehmigt wird und ich von den 60° wieder ein wenig runter komme.

Ich fragte Dr. Hoffman, ob in meinem Alter (38) noch was zu machen wäre. Er meinte ja, das hinge aber von mir ab.

30° Cobb sind ein meinem Alter ja OK. Aber ich hab ja jetzt 60°.

Hat da jemand Erfahrungen, bis welcher Gradzahl man von 60° wieder runter kommen kann?

Viele Grüße

Hemme
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hemme hat geschrieben:Würde ein Korsett bei mir überhaupt Sinn machen?
Wie Dr. Hoffmann schon gesagt hat, bei Beschwerden würde das schon Sinn machen. Das ist dann aber eine individuelle Abwägung zwischen evtl. Beschwerden und der eingeschränkten Lebensqualität durch das Korsetts einerseits und der Minderung der Beschwerden durch das Korsett andrerseits.
Ansonsten wäre das Aufhalten der Progression eine wichtige Aufgabe, die aber vermutlich auch durch Schroth ganz ersetzt werden kann.

Im übrigen kennst Du wahrscheinlich die aktuelle Diskussion zu Erwachsenen Korsetten. Wer das Durchhaltevermögen hat und die entsprechende Muskelpflege betreibt, hat die Chance (nur die Chance, mehr nicht!) das Korsett später mal ganz abzuschulen. Gelungen ist das aber noch keinem!
Vielleicht mal @Schwarze Schnecke, die jetzt sogar auf eine Überkorrektur von 10 Grad kommt.
Eine Option ist natürlich auch, das Korsett später nur noch selten tragen zu müssen und generell Beschwerden auszuschliessen, auch dann, wenn die Motivation zu Schroth und/oder Fitness nachlässt. :)

Ich trage kein Korsett, weil die damit verbundende Einschränkung meiner Lebensqualität noch ganz deutlich alles andere überlagert.
Hat da jemand Erfahrungen, bis welcher Gradzahl man von 60° wieder runter kommen kann?
Das ist wirklich ganz von der individuellen Situation abhängig. Aber wenn von Flexibilität die Rede ist, solltest Du am Ende der REHA (4 Wochen) vielleicht auf 55 Grad kommen. Dann geht es sicherlich nicht mehr so schnell, weil die Intensität im Alltag viel geringer ist, als bei einer REHA.

Gruss
Klaus
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