Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Infos zu weiteren WS-Deformitäten, die mit Skoliose zusammen oder alleine auftreten
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skogen
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Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von skogen »

Hallo,

Ich bin zufällig auf dieses Forum gestoßen, habe ein bisschen gelesen und mir gedacht das ich mich hier auch mal vorstellen muss, villeicht wisst ihr ja rat.
Ich bin 18 Jahre alt und habe schon ewig Probleme mit meinem Rücken. Ich kann mich erinnern schon in der 6. Klasse beim sitzen Rückenschmerzen gehabt zu haben. Richtig bewusst ist mir bein Problem aber erst mit 15/16 J. geworden, zu dieser zeit war ich noch übergewichtig und aufgrund dessen überhaupt nicht zufrieden mit meinem Aussehen. Ich war dick und hatte einen Buckel. Also habe ich abgenommen. Durch Sport und eine Komplett andere Ernährung. Was blieb war mein blöder Buckel. Vor ca 1,5 Jahren begann ich dann - nachdem ich mich einige Zeit in das Thema eingelesen hatte mit dem Kraftsport. Da fing mein Rücken wirklich an zu stören. Die Schmerzen wurden nicht schlimmer aber für richtigen Kraftsport bin ich eben aufgrund der Wirbelsäule nicht geeignet. Auf die wichtigsten Übungen Kniebeugen und Kreuzheben muss ich verzichten. Alles wegen meines - wie ich inzwischen weiß - 67° Kyphosewinkels. Der Orthopäde bei dem ich war, verschrieb mir stinknormale KG zu der ich aber garnicht erst ging, da er mir sagte aufgrund der Keilwirbel sei meine Wirbelsäule eh nicht mehr zu retten. Was noch zu sagen wäre ist das eine Seitliche Aufnahme der gesamten Wirbelsäule gemacht wurde. Mein Vater hat einen ähnlichen Rücken, mein Bruder hat auch eine 61° Kyphose, seine sieht aber wesentlich schlimmer aus, da er sich überhaupt nicht grade halten kann.

Da ich aber nicht auf den Kraftsport verzichten mag, habe ich eben den Fokus auf Bodybuilding gelegt was dann aber erstaunlich erfolgreich verlief :D . Dabei geht es nicht darum hohe Kraftwerte in bestimmten Übungen zu erzielen, sondern lediglich um den Aufbau und das Formen des Körpers.

Ich würde liebend gerne meine Wirbelsäule wieder aufrichten und richtig trainieren können, nur ist das bei Keilwirbeln überhaupt möglich und passe ich in ein Korsett?

Bild

Ich habe sehr wirr geschrieben fällt mir grade auf, ich hoffe ihr versteht mich trotzdem.
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Klaus
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Re: Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von Klaus »

Hallo skogen,
Ich würde liebend gerne meine Wirbelsäule wieder aufrichten und richtig trainieren können, nur ist das bei Keilwirbeln überhaupt möglich und passe ich in ein Korsett?
Also 67 Grad Hyperkyphose mit 18 Jahren sollte unbedingt so schnell wie möglich angegangen werden.
Da empfehlen wir immer Spezialisten, weil sich die Orthopäden vor Ort leider nicht auskennen, anders gesagt, sie sind in der Regel bei Hyperkyphose/Skoliose inkompetent.
Leider gibt es die nicht überall und man sollte wenigstens 1x eine möglicherweise weiten Weg machen. Du solltest Dein Profil noch mit Deinem Wohnort oder der Region ergänzen.

Spezialisten findest Du hier:
viewtopic.php?f=25&t=6472

Leider weiß ich nicht, wie das Bild zustande gekommen ist. Es sieht so ein bischen nach Training mit Kurzhantel aus. Die Haltung ist auf jeden Fall nicht gut und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Deine Normalhaltung ist.
Da ich aber nicht auf den Kraftsport verzichten mag, habe ich eben den Fokus auf Bodybuilding gelegt was dann aber erstaunlich erfolgreich verlief :D . Dabei geht es nicht darum hohe Kraftwerte in bestimmten Übungen zu erzielen, sondern lediglich um den Aufbau und das Formen des Körpers.
Das sieht man, nur muss man den Körper richtig aufbauen und formen. Wenn man in der Fehlstellung Hyperkyphose trainiert, fixiert man bestenfalls diese schlechte Situation. Meistens kommt man unwillkürlich noch mehr in die Hyperkyphose (Rundrücken). Es geht in erster Linie also um die Korrektur des Rundrückens. Das ist ein Prozess, wo es um Dehnung von verkürzten Strukturen geht und um Muskelaufbau in der korrigierten Position.
Dazu kommt, das bei einem Rundrücken auch meistens ein Hohlkreuz dazu kommt, was gleichzeitig mit korrigiert werden muss. Das ist eine Frage des richtigen Körpergefühls, was man meistens nicht hat.

Es lässt sich gerade mit 18 noch eine Menge machen, aber der Ansatz sollte über die spezielle Schroth KG und evtl. ein Korsett gehen, was aber ein eigenes Thema ist. Das Bodybuilding solltest Du erst mal herunterfahren.
Ich weiß, wovon ich spreche, ich betreibe Fitness Training seit 29 Jahren und kenne auch das Endorhphin-Gefühl, was einem einen ziemlichen Streich machen kann. Man fühlt sich unheimlich wohl, obwohl man falsch trainiert. Das böse Erwachen kann dann erst später kommen..

Soviel erst mal heute dazu.

Gruß
Klaus
skogen
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Re: Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von skogen »

Vielen Dank Klaus, für die ausführliche Antwort!

Es freut mich sehr zu hören, dass bei mir Hopfen und Malz noch nicht verloren sind :)
Ich werde mich so schnell es geht um einen Termin bei einem Spezialisten bemühen.

Einige Fragen hätte ich jedoch noch:

Wie wird das mit der KG gehandhabt? Ich habe gelesen das man diese Stationär lernt und anwendet, das muss ja irgendwie in den Alltag mit eingebracht werden...stelle ich mir schwierig vor.

67° sind ja schon recht viel, werde ich langfristig einen annähernd normalen Zustand erreichen können und diesen dann auch halten?

Ist eine rein ästhetisches Problem: Ich habe Druckstellen an meinem Rücken durch die Kyphose, weißt du, ob und wenn, wie man sie wieder los wird?

Achso, und das Foto ist im Zusammenhang mit einem BB-Forum entstanden, ich habe leider nur solche Bilder meines Rückens, bzw in BB-Posen zum vergleich mit anderen Usern.
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Kypho60
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Re: Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von Kypho60 »

Hallo skogen,

den Ausführungen von Klaus kann ich mich im Großen und Ganzen nur anschließen.

Zum Bild: es ist wenig aussagekräftig, einen Rundrücken (fachchinesisch -> Hyperkyphose) von hinten zu betrachten. Einblicke liefert - wenn überhaupt - nur eine seitliche Aufnahme, das war ja auch beim Röntgen so.

Und da sind wir schon beim Thema, was mich (und sicher einige andere) interessieren könnte.
Wo wurde die Röntgenaufnahme gemacht?
Wenn es nämlich ein Röntgenbild ist, was mit einem einzigen "Foto" erstellt wurde, ist es schon etwas besonderes (für ein Rücken-RöBi an einem Stück bin ich z.B. über 400 Km gefahren) .

Sollte das Röntgenbild jedoch aus zwei verschiedenen Aufnahmen (z.B. erst BWS, danach LWS oder umgekehrt) zusammengefügt worden sein, sollte die Winkelangabe etwas kritisch gesehen werden, da hier eine höherer Winkel-Fehler beim Ausmessen auftreten kann.

#####

Da du ja Sport liebst, könntest du dich evtl so richtig in einer Schroth-Therapie engagieren. Das hat schon ganz vielen Rundrücken-Patienten geholfen. Ich würde damit auch nicht mehr lange warten, da du mit 18 am Ende des Wachstumsprozesses angelangt bist und dir für mögliche signifikante Verbesserungen evtl. die Zeit davon rennt.

Ich selbst habe, als ich volljährig wurde, die früher durch meine Eltern eingeleiteten Therapien abgebrochen und muß heute mit ständigen Schmerzproblemen kämpfen.
Mein Tip: schwing die Hufe und geh schnellstmöglich zum Spezialisten (siehe Tipvon Klaus)
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Klaus
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Re: Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von Klaus »

Hallo skogen,
Wie wird das mit der KG gehandhabt? Ich habe gelesen das man diese Stationär lernt und anwendet, das muss ja irgendwie in den Alltag mit eingebracht werden...stelle ich mir schwierig vor.
Also in einer stationären Schroth REHA (Bad Salzungen oder Bad Sobernheim) lernt man das am besten und macht entsprechende Übungen. Diese Übungen sind dann auch nach der REHA zuhause optimalerweise täglich zu machen!

Gleichzeitig lernt man bei der REHA auch das richtige individuelle Körpergefühl, was oft einfach abhanden gekommen ist, ohne dass man das bemerkt. Dieses Körpergefühl sollte Dich dann befähigen, auch im Alltag die richtige Haltung einzunehmen bzw. Bewegungsabläufe richtig zu machen.

Das muss dann auch die Grundlage für weitere gezielte aktive Muskelpflege sein, wie ein Fitness-Training. Ich unterscheide da ganz grob nochmal zum Bodybuilding, weil das Fitness Training heutzutage in erster Linie geräte-geführtes Training ist. Natürlich je nach Studio mit anderen Variationen. Da ist die Fehlerquote bei Fehlstellung/Fehlhaltung einfach geringer, als beim freien Training, was ich eher dem Bodybuilding zuordnet.
Symmetrische Schroth Elemente sind in die grundsätzlich symmetrisch angelegten Geräte-Übungen gut einzubauen. Deswegen macht das als Ergänzung zu Schroth auch Sinn, aber nur bei Rundrücken/Hohlkreuz. Bei Skoliose kommt man wegen der Asymmetrie schlecht damit zurecht.
Wenn man das gut hinbekommt, kann man auch freies Üben machen, was natürlich den Alltagsanforderungen eher entspricht. Nur man muss da immer gucken, in welcher Fehlstellung-/Haltungs-und auch Lebens-Situation der einzelne ist.

Fazit
Erst richtig Schroth lernen und anwenden, dann gezielt als Ergänzung in das Bodybuilding einbauen. Dabei musst Du Bodybuilding ganz wörtlich nehmen, nämlich den Rücken insgesamt (auch LWS Bereich) ganz gezielt in die Korrektur formen. Wie ich schon sagte, muss der Rundrücken und das evtl. Hohlkreuz (dazu hast Du noch nichts gesagt) gleichzeitig korrigiert werden. Ganz abgesehen von der gezielten Dehnung der zahlreichen Muskelverkürzungen, die es bei dieser Situation nicht nur im Rückenbereich gibt, sondern z. Bsp. auch in den Oberschenkeln.
67° sind ja schon recht viel, werde ich langfristig einen annähernd normalen Zustand erreichen können und diesen dann auch halten?
Kypho hat zurecht eingewendet, dass es ja nach Art der Röntgenaufnahme unterschiedliche Ergebnisse geben kann. Wenn man die konservative Therapie anstrebt, spielen solche unterschiedlichen Grade aber keine Rolle bei der eigentlichen Therapie.
Zunächst mal sind Keilwirbel ein Hindernis für die Korrektur, machen das aber nicht unmöglich!
Entscheidend ist, dass es bei der Fehlstellung Hyperkyphose/Hyperlordose auch einen sehr individuell unterschiedlichen Anteil von Fehlhaltung gibt. Diese Fehlhaltung ist per Definition die Haltung, aus der man mit eigener Kraft herauskommt. (Schreibe ich in letzter Zeit sehr häufig :) )

Ein Spezialist kann das aufgrund einer manuellen Untersuchung herausfinden und einschätzen, welche Möglichkeiten bestehen. Wohlgemerkt, Möglichkeiten, also auch nur Chancen ! Aber je höher dieser Fehlhaltungsanteil ist, desto höher sind auch die Chancen einer Korrektur, die sich bezüglich Höhe aber auch nur als eine Chance der vollständigen Korrektur versteht. Es kann Dir keiner konkret sagen, was dabei herauskommt.

Gerade bei Erwachsenen geht es um einen ganz individuellen Erfolg.
Die meisten möchten verständlicherweise eine vollständige Korrektur, die dann auch dauerhaft gehalten werden kann.
Das ist aber bei reinen Fehlstellungen nicht nur eine sehr langfristige Sache, sondern auch sehr unwahrscheinlich.
Bei einer Fehlhaltung sieht das anders aus und für alle Zwischenformen entsprechend.

Es kann also nur um die Höhe der Korrektur gehen, die bei Dir offenbar rein optisch eine Rolle spielt, aber bei den meisten Erwachsenen der Schmerzbekämpfung dient. Da ist entscheidend, ab welchem Korrekturgrad die Beschwerden nachlassen bzw. ganz aufhören. Das wird in der Regel dann aber nicht das Ende der Behandlung sein, aktive gezielte Muskelpflege bzw. Korsett (evtl. nur gelegentlich) sind weiterhin erforderlich, um genau diese Situation abzusichern.
Man braucht dazu die nötige langfristige Motivation, die möglichst nicht erst dann wieder einsetzt, wenn die Schmerzen wiederkommen. Deswegen komme ich sehr gut mit meinem Fitness Training klar, zu dem ich 3x in der Woche wesentlich mehr Lust habe, als mit reinen Schroth Übungen.

Wahrscheinlich würde es mir aber insgesamt wesentlich besser gehen, wenn ich vor 29 Jahren mit einem gezielten richtigen Fitness Training angefängen hätte. Da gab es weder Internet, noch irgendwelche Informationen zu Schroth.

Gruß
Klaus
empi1981
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Re: Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von empi1981 »

Klaus hat geschrieben: Fazit
Erst richtig Schroth lernen und anwenden, dann gezielt als Ergänzung in das Bodybuilding einbauen. Dabei musst Du Bodybuilding ganz wörtlich nehmen, nämlich den Rücken insgesamt (auch LWS Bereich) ganz gezielt in die Korrektur formen. Wie ich schon sagte, muss der Rundrücken und das evtl. Hohlkreuz (dazu hast Du noch nichts gesagt) gleichzeitig korrigiert werden. Ganz abgesehen von der gezielten Dehnung der zahlreichen Muskelverkürzungen, die es bei dieser Situation nicht nur im Rückenbereich gibt, sondern z. Bsp. auch in den Oberschenkeln.
...soviel habe ich auch schon rausgefunden, dass es wohl nicht nur um Korrektur der schmerzhaften Stellen geht (also meistens die Rückenregion), sondern auch Oberschenkel und wohl auch oft das Becken, Mobilisierung des Beckens, von dem wohl auch viel abhängig ist. Bitte mich zu korrigieren, falls das als Unsinn erscheint. Mir hat der Therapeut das so erklärt, dass das Becken viel Verantwortung trägt bei Rückenproblemen.
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Klaus
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Re: Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von Klaus »

Hallo empi,
Mir hat der Therapeut das so erklärt, dass das Becken viel Verantwortung trägt bei Rückenproblemen.
Das ist richtig, aber
Mobilisierung des Beckens
eher nicht, sondern richtige Stellung des Beckens. Das ist bei Schroth die sogenannte korrigierte Haltung, die man bei den Übungen einnehmen bzw. je nach Lage des Körpers mit Hilfsmitteln positionieren muss. (Unterlagerungen mit Reissäckchen).
Und was noch ganz wichtig ist, Schroth KG ist reines isometrisches Training. Insofern ist das richtige Bewegungstraining beim Fitness-Bodybuilding schon schwieriger und eigentlich auch immer ein gewisser Kompromiss.

Gruß
Klaus
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Re: Rundrücken, Keilwirbel -> Ratlos?

Beitrag von empi1981 »

das meinte ich wohl mit "Mobilisierung" - also dass man aus der "eingelernten" Fehlhaltung rauskommt und da auch möglichst draussen bleibt. In unserem Fall heisst das meistens: kein Hohlkreuz bilden...Becken also richtig kippen. Soweit die Theorie :|
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