Vor der OP noch etwas machen?

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GordenS

Vor der OP noch etwas machen?

Beitrag von GordenS » Do, 27.02.2020 - 18:35

Hallo.
Mein Sohn (14) soll im Sommer operiert werden. Da geht leider kein Weg dran vorbei.
Jetzt die Frage:
Gibt es etwas, wie z.b. Achterbahn fahren, was er mit den Schrauben im Rücken nicht mehr machen kann?
Was man also jetzt evtl. Noch einmal machen sollte? Schmerzen im Rücken hat nicht.

Für Erfahrungswerte wäre ich sehr dankbar.
Liebe Grüße GordenS

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Re: Vor der OP noch etwas machen?

Beitrag von Klaus » Sa, 29.02.2020 - 12:03

Hallo GordonS,

ich möchte Dir dringend empfehlen, Dich hier anzumelden.
Diese Thematik passt eigentlich nicht in diese Rubrik "für kurze Fragen".

Gruß
Klaus

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Re: Vor der OP noch etwas machen?

Beitrag von Lady S » Sa, 29.02.2020 - 17:29

GordenS hat geschrieben:
Do, 27.02.2020 - 18:35
Gibt es etwas, wie z.b. Achterbahn fahren, was er mit den Schrauben im Rücken nicht mehr machen kann?
Seid Ihr darüber vor der Entscheidung nicht informiert worden? :gruebel:
Unter anderem kommt es auf Lage und Länge der Versteifungsstrecke an.
GordenS hat geschrieben:
Do, 27.02.2020 - 18:35
Mein Sohn (14) soll im Sommer operiert werden. Da geht leider kein Weg dran vorbei.
Habt Ihr Euch dazu (mindestens!) eine zweite Meinung eingeholt, am besten von einem eher konservativ orientierten Skoliose-Spezialisten?
Grüsse, Lady S

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Raven
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Re: Vor der OP noch etwas machen?

Beitrag von Raven » Sa, 29.02.2020 - 18:30

Hallo Gorden,

auch mich (wurde im Alter von 13 Jahren operiert) würde dringend mehr über die geplante OP interessieren: welche Gradzahlen, wo seid ihr in Behandlung, welche Versteifungsstrecke ist geplant? Bitte melde dich an, so können weitere Fragen einfacher geklärt werden. (Laut Forenregeln sollen diese Fragen hier i der Gästerubrik nicht beantwortet werden. Wichtig für Empfehlungen wären diese Antworten aber dringend, deshalb dann bitte nach einer Anmeldung :) :ja: )

Kurz, was nach einer OP nicht mehr empfehlenswert ist oder auch gar nicht mehr geht:
Üblicherweise verbieten Ärzte heutzutage nichts mehr auf Dauer. Bzgl. der allermeisten Aktivitäten wird gesagt: nach ca. einem Jahr Genesungszeit darf man alles wieder ausprobieren. Dabei wird man, abhängig von der Versteifungsstrecke, feststellen, dass viele Sportarten und "wilde" Freizeitaktivitäten schwerer fallen oder auch einfach unangenehm werden. Ich meide z.B. alles mit deutlichen Erschütterungen und starken Beschleunigungen, würde also definitiv nicht in Fahrgeschäfte, zum Kartfahren etc. gehen. Alles mit hoher Sturzgefahr wie z.B. Wintersportarten lasse ich auch sein; theoreitsch darf man das schon, nur ist es schlichtweg gefährlicher, kann man sich bei Stürze nicht richtig abrollen. Bei einer langen Versteifungsstrecke sind üblicherweise auch Betätigungen, bei denen man niedrig sitzt, oder die auch ansonsten als für bewegungseingeschränkte Menschen schwierig bekannte Akvitäten, erschwert. Aus diesem Grund meide ich z.B. provisorische Schlafgelegenheiten (wie beim Camping), meide zu langes Sitzen, meide es mit zu schwerem Gepäck zu laufen (z.B. keine vollen Tourenrucksäcke beim Wandern). Bei vielen Aktivitäten, die junge Leute für eine Gruppe vorschlagen, muss ich sehr wohl sagen: kann ich entweder nicht, oder könnte ich zwar prinzipiell, wird mir aber zu anstrengend/ will ich nicht riskieren, lasse ich dann lieber sein. (Ein aktiver Mensch bin ich dennoch, suche mir meine Aktivitäten selbst aus - bloß bei Vorschlägen, die man einfach an eine Gruppe als gesund angenommener Gleichaltriger macht, passiert es mir häufiger, dass es unpassend ist.)
Fazit: Dauerhaft verboten wird einem heutzutage meist nichts mehr, vieles wird aber erwartungsgemäß anstrengender als bei typischen Gleichaltrigen - kein Wunder, ist die Wirbelsäule weitestgehend versteift. Bei kürzeren Versteifungsstrecken kann sich die Einschränkung geringer darstellen, aber auch hier sollte man dringend aufpassen, sich nicht zu überlasten, um Folgeschäden zu vermeiden.

Viele Grüße
Raven
Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere mich haben wollen.
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Re: Vor der OP noch etwas machen?

Beitrag von robinho » So, 01.03.2020 - 20:25

Hallo,

auch ich werde sehr bald operiert (Th5-Th10). Ich denke, dass sich hier einige User doch sehr pessimistisch äußern. Die Wirbelsäule funktioniert schliesßlich bereits vor der Operation nicht mehr richtig und besitzt nicht die Flexibilität einer gesunden Wirbelsäule.

Schaut man sich mal auf Instagram um, findet man viele oprerierte Patienten, die auf sehr hohem Niveau Sport machen, sei es Klettern, Laufen, oder Bodybuilding.

Ich jedenfalls gehe davon aus, dass ich nach der Operation leistungsfähriger sein werde als vorher (natürlich nicht sofort, sondern erst mehrere Monate/1-2Jahre).
Wieder ein anderes Thema sind die Spätfolgen, etwa durch vorzeitigen Verschleiß der angrenzenden Wirbel. Ein ähnliches Risiko hat man jedoch auch vorher, da die Wirbelsäule eigentlich keine Mechanismen hat, um dauerhaft eine Seitverbiegung auszugleichen, woduch die Wirbel mit der Zeit deformieren.

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Re: Vor der OP noch etwas machen?

Beitrag von Raven » Di, 03.03.2020 - 14:59

robinho hat geschrieben:
So, 01.03.2020 - 20:25
Hallo,

auch ich werde sehr bald operiert (Th5-Th10). Ich denke, dass sich hier einige User doch sehr pessimistisch äußern. Die Wirbelsäule funktioniert schliesßlich bereits vor der Operation nicht mehr richtig und besitzt nicht die Flexibilität einer gesunden Wirbelsäule.
Bzgl. einer langstreckigen Versteifung habe ich mich bestimmt nicht pessimistisch geäußert. Ich bin ein sehr lebensfroher Mensch, in Vollzeit berufstägig (im Büro), nehme keinerlei (!) Schmerztabletten oder mache sonstige Schmerzbehandlung, bin so gut wie nie krankgeschrieben und wenn, dann wegen völlig anderer Dinge. Im Freundeskreis und im Beruf gelte ich als "die ist nie krank"/"die fehlt nie". Ich bin auch kein Stubenhocker - weiteste Wanderstrecke letztes Jahr waren 42 km an einem Tag (Gepäck hat allerdings weitestgehend mein Mann getragen), 25 km werden regelmäßig gewandert. Reise interkontinental, arbeite seit 4 Jahren in den USA (bei dem verhältnismäßig schlechten Gesundheitssystem hätte ich das bestimmt nicht bei einer "wackeligen" Gesundheit gewagt). Mache im Haushalt ungefähr so viel wie Leute mit gesunder Wirbelsäule. Trotz OP vor 23 Jahren noch keinerlei Nach-OPs, auch keine zur Diskussion.
Für einen Menschen mit einer derart langen Versteifung bin ich somit ein fitter, verhältnismäßig gesunder Mensch. Bin auch im Alltag absolut kein "jammriger" Mensch, sondern jemand, der schlichtweg sagt "ich bin bloß nicht ganz so beweglich" und ganz häufig mit "doch, ich kann das selbst", "doch, ich komme mit", "mir geht es wirklich gut!" anzutreffen ist. Oft bin ich die, die Bedenken von Freunden zerstreut.
Trotzdem ist aber z.B. meine Wirbelsäule nicht so beweglich wie unversteift (ohne OP wäre sie auch nicht normal, aber dennoch beweglicher). Schaut man sich z.B. nur an, welche Position eine vollbewegliche Wirbelsäule bei niedrigem Sitzen einnimmt, sieht man: versteift geht das nicht. (Sitze ich niedrig, hängt meine Wirbelsäule starr nach hinten - mit einer vollbeweglichen Wirbelsäule würde sie in eine Kyphose gehen, um den Schwerpunkt beim niedrigen Sitzen zu verlagern.) Auch Bewegungen und Körperhaltungen, die schlichtweg ein starkes Abbiegen der Wirbelsäule verlangen, sind nicht machbar. Erschütterungen (mal rennen müssen, oder vor einiger Zeit als Beifahrer im Jeep Offroad fahren) knallen bei mir richtig rein, kein Wunder, da federt ja nichts mehr ab! Vor der OP war das nicht so, jedenfalls nicht ohne Korsett. Mit Korsett konnte ich auch schlecht niedrig sitzen, mich ohne Korsett aber z.B. auf den Fußboden, eine niedrige Treppenstufe setzen oder aufs Bett lümmeln, wie das andere 13-jährige so gemacht haben, ging problemlos. Vor OP und ohne Korsett war es mir selbstverständlich auch möglich, wie andere Teenager irgendwo drunterzukriechen um etwas hervorzuholen (z.B.: etwas fällt unter einen Tisch, Steckdose unterm Schreibtisch erreichen). Sogenannte "Überkopfarbeiten" (= Arme hoch und dann irgendetwas machen) konnte ich vor OP auch besser - schaut man sich an, was dabei passiert, ist klar, warum: nehmen Menschen mit beweglicher Wirbelsäule beide Arme hoch, geht die Wirbelsäule in ein Hohlkreuz, insbesondere, wenn sie sehen wollen, was sie da oben mit den Händen tun.
Es stimmt, dass die Wirbelsäule auch vor OP nicht mehr hundertprozentig beweglich ist; bei Teenagern ist aber zumeist noch eine Beweglichkeit vorhanden, sie sich im Mittel nicht von der Gleichaltriger unterscheidet, keinesfalls vergleichbar mit einer operativen Versteifung.
Bei langstreckiger Versteifung wirkt sich die operative Versteifung fast so stark so aus wie die Bewegungseinschränkung durch das Korsett.
Schaut man sich mal auf Instagram um, findet man viele oprerierte Patienten, die auf sehr hohem Niveau Sport machen, sei es Klettern, Laufen, oder Bodybuilding.
Ob das möglich ist, hängt davon ab, wie viel der Wirbelsäule versteift ist. Wenige Wirbel, da mag manches noch gut funktionieren. Ich könnte davon nichts - ich trauere dem nicht nach, ich freue ich über das was ich kann (siehe oben!), aber das ist nun einmal so. Vergleiche ich mich mit meinem Mann - keinerlei Einschränkungen in der Wirbelsäule, fit, schlank - fällt die Bewegungseinschränkung durch so eine lange Versteifungsstrecke einfach auf. Wenn er läuft (im Sinne von: rennt, joggt), macht seine Wirbelsäule fortwährend eine Rotationsbewegung, er läuft flüssig und "rund", während es bei mir sehr ruckartig aussieht und auch stark anstrengt, obwohl ich problemlos gehen kann (siehe oben: Wanderstrecken von 25 - 40 km!). Wo er noch drübersteigt (Felsen beim Bergwandern, Absperrkette) schaffe ich das nicht, weil man dazu eigentlich nicht nur die Beine hebt, sondern die Lendenwirbelsäule abbiegt. Wo er noch irgendwo druntergreift oder sich auf schmalem Raum hinhockt, schaffe ich das nicht, weil man dazu die Wirbelsäule abbiegen müsste (Klassiker: es fällt einem etwas im Bus herunter). Im Auto vom Beifahrer- auf den Rücksitz greifen oder den Schulterblick machen: geht einfach nicht, dazu wäre eine bewegliche Wirbelsäule nötig. Analoge Bewegungen gehen auch nicht beim Sport. Ich seh's, wenn ich Frisbee spiele (nicht Wettkampf, nur zum Spaß): Die anderen drehen und kippen agil die Wirbelsäule, ich mache die Fangbewegungen viel steifer.
Zudem hängt es ein Stück weit davon ab, was man sich schmerztechnisch zumutet. Es gibt auch hier User, die zugegeben haben, schmerztechnisch ganz an die Grenze zu gehen und notfalls Schmerzmittel zu nehmen. Muss jeder für sich entscheiden - ich mache das nicht. Mit Schmerzmitteln könnte ich vielleicht Dinge, die knapp nicht gehen, z.B. Kartfahren, mich dann in den niedrigen Sitz des Karts runterzwängen und dank Medikamenten die Schmerzen vom Sitzen und von den Erschütterungen nicht zu spüren. Mit Schmerzmitteln könnte ich evl. auch schwereres Wandergepäck tragen und auf einer Campingmatte übernachten. Ich mache das nicht, weil ich Schmerzmittel als Notfallmedikament ansehe und mich nicht von ihnen täuschen lassen will.
Mir sind auch hier aus dem Forum Leute bekannt, die vor ungefähr so vielen Jahren operiert wurden wie ich. Sie haben nun Probleme, und gaben großteils an, die Versteifung jahre- bis jahrzehntelang nicht berücksichtigt zu haben. Ein eher ungeeigneter Beruf (z.B. Pflege, Handwerk), sportlich querbeet alles mitmachen hat zu ihrem Leben gehört, bis dann gar nichts mehr ging. Ich habe mir hingegen einen auch körperlich passenden Beruf gesucht, und ich sage im Zweifelsfall mal "nein" (z.B. werde ich dieses Jahr erneut nicht zum Sommerfest-Fußballspiel meines Arbeitgebers antreten, bin als einzige bei einem als Skiwochenende geplanten Betriebsausflug spazieren statt skifahren gegangen, und Arbeitgeber/Kollegen wissen auch warum), habe auch als Teenager nie simuliert völlig gesund zu sein (das gibt es: Teenager, die selbst schmerzhafte Aktionen mitmachen, nur, um sich nicht evl. vor Freunden und potenziellem Partner/Partnerin zu "blamieren") obwohl ich, siehe oben, insgesamt viel mache und bestimmt kein Stubenhocker bin.

Viele Grüße
Raven
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