Nach 20 Jahren wieder im Forum - was bis dahin passiert ist
Verfasst: Fr, 10.02.2023 - 11:27
Hallo liebes Forum,
vor ca. 20 Jahren war ich hier schon einmal angemeldet – mittlerweile bin ich 34 Jahre alt und lese hier mal wieder rein.
Meine Geschichte zusammengefasst: mit 13 Jahren sehe ich meinen Schatten an der Hauswand und denke – na nu, warum sieht das da oben so rund aus?! Ich drehe mich auf die andere Seite – nichts.
Danach wurde ich bei meiner Kinderärztin vorstellig und die ist aus allen Wolken gefallen und hat mich direkt an die Uniklinik überwiesen. Man muss dazu sagen, ich war bis zu diesem Zeitpunkt regelmäßig beim Orthopäden, da ich eine Fußfehlstellung hatte und auch Einlagen trug. Dieser hat NIE etwas zu meinem Rücken gesagt! In der Uniklinik dann der große Schock: 45 Grad (glaube ich) und bitte sofort OP. Für ein Korsett sei es zu spät. Durch das Forum bin ich dann erst darauf gekommen, das mit dem Korsett mehr zu verfolgen, und das bei einer solchen Verkrümmung sehr wohl das Korsett noch eine Möglichkeit wäre. Dazu kommt auch, dass ich seit der Sache mit dem Orthopäden das Vertrauen in Ärzte und Ärztinnen nahezu verloren habe, das ist leider bis heute so. Jedenfalls haben mir meine Eltern die Wahl gelassen und ich habe mich gegen die OP entschieden – eine Tatsache, die ich bis heute nicht bereue!
Ich habe dann vier Jahre lang 23 Stunden Korsett getragen und war zweimal in Bad Salzungen zu Kur. Danach habe ich Krankengymnastik nach Katharina Schroth gemacht, davon hatte mir bis zur Kur auch noch nie jemand was erzählt. Irgendwann liefen die Rezepte aus und ich galt offiziell als „geheilt“ – großer Quatsch natürlich, wie wir alle wissen. Ich habe dann selbstständig alleine Zuhause weiter geübt, aber leider schlief das irgendwann ein. Ich fing später an, ins Fitnessstudio zu gehen. Spaß gemacht hat mir das nicht wirklich, aber ich mochte, wie sich mein Körper veränderte und auch der Gedanke an die Skoliose ist natürlich allgegenwärtig. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber ich denke jeden Tag daran – wie ich mich hinsetze, wie ich am besten liege, wie es sinnvoll wäre den Arm aufs Bett zu legen – solche Sachen eben.
Jetzt mache ich seit 2019 einen Vollkontaktsport im Team (seitdem auch kein Fitnessstudio mehr, da der Teamsport sehr zeitintensiv ist und wir auch in der ersten Bundesliga spielen) – ob das so gut ist mit meinem Rücken? Ich sage, es ist besser als gar keine Bewegung. Dazu muss ich sagen das ich kurz vor meinem Realschulabschluss von einem Amtsarzt eingeschätzt wurde und ein Schreiben erhielt, was ich bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz beilegen sollte – hätte ich das gemacht, wüsste ich nicht, ob mich jemals irgendjemand eingestellt hätte, so schlimm lasen sich die Dinge die ich darf bzw. nicht darf. Irgendwie hat das auch was mit mir gemacht – der Orthopäde der es nie erkannt hat, die Uniklinik die direkt operieren wollte, der Amtsarzt der mich am liebsten in eine Behindertenwerkstatt gesteckt hätte (übertrieben gesagt) – verdammt, ich lebe jetzt einfach mein Leben wie ich will, denn offenbar ist ja ALLES schädlich für mich! Die vier Jahre Korsett waren auch irgendwie traumatisch für mich, das ist von 13 bis ca. 17 Jahren natürlich der ätzendste Zeitraum für sowas. Danach habe ich irgendwie diese „Lieber kurz und gut als lang und schlecht“-Einstellung für mich entwickelt, da mich keine Rückenschmerzen o.Ä geplagt haben und ich bis heute einfach nur genieße, kein Korstett mehr tragen zu müssen und einfach nur demütig bin.
Oft habe ich den Gedanken, mich mal wieder in der Uniklinik vorzustellen und mich röntgen zu lassen. Aber wozu? Ich weiß doch, was sie sagen werden. Tatsächlich denke ich aktuell wieder vermehrt über meinen Rücken nach, da mich ab und an Schmerzen im Lendenwirbelbereich piesaken. Natürlich hat heutzutage jeder Mensch mal Rückenschmerzen, jedoch ich treibe mindesten sechs Stunden Sport die Woche und bin auch sonst sehr aktiv – aber wir sitzen ja alle wie Shrimps vorm PC oder auf der Couch und mit Mitte 30 soll es ja sowieso angeblich losegehen mit solchen Gebrechen
– das sind so die Gedanken die mich umtreiben: Ist das jetzt normal? Ist es die Skoliose? Solltest du dir Sorgen machen? Ihr kennt das vielleicht.
Nach wie vor plane ich nicht, mich operieren zu lassen. Ich freue mich für jede Person, die diesen Schritt gegangen ist und seitdem an Lebensqualität gewonnen hat und happy ist, aber ich sehe mich einfach nicht mit versteifter Wirbelsäule. Die Frage ist – kann das gut gehen bis ins hohe Alter? Ich glaube, diese Gedanken haben mich dazu bewegt, hier mal wieder reinzuschauen
Gerne würde ich mal wieder eine Kur machen, jedoch bin ich skeptisch, ob das einer erwachsenen „geheilten/austherapierten“ Person noch bezahlt wird – auch beruflich ist das natürlich nicht mehr so einfach wie für ein Schulkind in den Ferien.
Soviel zu mir, danke an alle, die bis hierher gelesen haben und ich bin auf eure Gedanken dazu gespannt!
vor ca. 20 Jahren war ich hier schon einmal angemeldet – mittlerweile bin ich 34 Jahre alt und lese hier mal wieder rein.
Meine Geschichte zusammengefasst: mit 13 Jahren sehe ich meinen Schatten an der Hauswand und denke – na nu, warum sieht das da oben so rund aus?! Ich drehe mich auf die andere Seite – nichts.
Danach wurde ich bei meiner Kinderärztin vorstellig und die ist aus allen Wolken gefallen und hat mich direkt an die Uniklinik überwiesen. Man muss dazu sagen, ich war bis zu diesem Zeitpunkt regelmäßig beim Orthopäden, da ich eine Fußfehlstellung hatte und auch Einlagen trug. Dieser hat NIE etwas zu meinem Rücken gesagt! In der Uniklinik dann der große Schock: 45 Grad (glaube ich) und bitte sofort OP. Für ein Korsett sei es zu spät. Durch das Forum bin ich dann erst darauf gekommen, das mit dem Korsett mehr zu verfolgen, und das bei einer solchen Verkrümmung sehr wohl das Korsett noch eine Möglichkeit wäre. Dazu kommt auch, dass ich seit der Sache mit dem Orthopäden das Vertrauen in Ärzte und Ärztinnen nahezu verloren habe, das ist leider bis heute so. Jedenfalls haben mir meine Eltern die Wahl gelassen und ich habe mich gegen die OP entschieden – eine Tatsache, die ich bis heute nicht bereue!
Ich habe dann vier Jahre lang 23 Stunden Korsett getragen und war zweimal in Bad Salzungen zu Kur. Danach habe ich Krankengymnastik nach Katharina Schroth gemacht, davon hatte mir bis zur Kur auch noch nie jemand was erzählt. Irgendwann liefen die Rezepte aus und ich galt offiziell als „geheilt“ – großer Quatsch natürlich, wie wir alle wissen. Ich habe dann selbstständig alleine Zuhause weiter geübt, aber leider schlief das irgendwann ein. Ich fing später an, ins Fitnessstudio zu gehen. Spaß gemacht hat mir das nicht wirklich, aber ich mochte, wie sich mein Körper veränderte und auch der Gedanke an die Skoliose ist natürlich allgegenwärtig. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber ich denke jeden Tag daran – wie ich mich hinsetze, wie ich am besten liege, wie es sinnvoll wäre den Arm aufs Bett zu legen – solche Sachen eben.
Jetzt mache ich seit 2019 einen Vollkontaktsport im Team (seitdem auch kein Fitnessstudio mehr, da der Teamsport sehr zeitintensiv ist und wir auch in der ersten Bundesliga spielen) – ob das so gut ist mit meinem Rücken? Ich sage, es ist besser als gar keine Bewegung. Dazu muss ich sagen das ich kurz vor meinem Realschulabschluss von einem Amtsarzt eingeschätzt wurde und ein Schreiben erhielt, was ich bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz beilegen sollte – hätte ich das gemacht, wüsste ich nicht, ob mich jemals irgendjemand eingestellt hätte, so schlimm lasen sich die Dinge die ich darf bzw. nicht darf. Irgendwie hat das auch was mit mir gemacht – der Orthopäde der es nie erkannt hat, die Uniklinik die direkt operieren wollte, der Amtsarzt der mich am liebsten in eine Behindertenwerkstatt gesteckt hätte (übertrieben gesagt) – verdammt, ich lebe jetzt einfach mein Leben wie ich will, denn offenbar ist ja ALLES schädlich für mich! Die vier Jahre Korsett waren auch irgendwie traumatisch für mich, das ist von 13 bis ca. 17 Jahren natürlich der ätzendste Zeitraum für sowas. Danach habe ich irgendwie diese „Lieber kurz und gut als lang und schlecht“-Einstellung für mich entwickelt, da mich keine Rückenschmerzen o.Ä geplagt haben und ich bis heute einfach nur genieße, kein Korstett mehr tragen zu müssen und einfach nur demütig bin.
Oft habe ich den Gedanken, mich mal wieder in der Uniklinik vorzustellen und mich röntgen zu lassen. Aber wozu? Ich weiß doch, was sie sagen werden. Tatsächlich denke ich aktuell wieder vermehrt über meinen Rücken nach, da mich ab und an Schmerzen im Lendenwirbelbereich piesaken. Natürlich hat heutzutage jeder Mensch mal Rückenschmerzen, jedoch ich treibe mindesten sechs Stunden Sport die Woche und bin auch sonst sehr aktiv – aber wir sitzen ja alle wie Shrimps vorm PC oder auf der Couch und mit Mitte 30 soll es ja sowieso angeblich losegehen mit solchen Gebrechen
Nach wie vor plane ich nicht, mich operieren zu lassen. Ich freue mich für jede Person, die diesen Schritt gegangen ist und seitdem an Lebensqualität gewonnen hat und happy ist, aber ich sehe mich einfach nicht mit versteifter Wirbelsäule. Die Frage ist – kann das gut gehen bis ins hohe Alter? Ich glaube, diese Gedanken haben mich dazu bewegt, hier mal wieder reinzuschauen
Gerne würde ich mal wieder eine Kur machen, jedoch bin ich skeptisch, ob das einer erwachsenen „geheilten/austherapierten“ Person noch bezahlt wird – auch beruflich ist das natürlich nicht mehr so einfach wie für ein Schulkind in den Ferien.
Soviel zu mir, danke an alle, die bis hierher gelesen haben und ich bin auf eure Gedanken dazu gespannt!