Hallo Jana,
bei mir liegt eine Versteifung bis L5 vor (Th3-L5).
Janakeks hat geschrieben:Laienhaft gefragt: Läuft man da wie ein Roboter durch die Gegend? Welche Einschränkungen hat man? Ist z.B. Radfahren noch möglich?
Erstere Befürchtung hatte ich auch. Und am Anfang verhielt sich das auch so. Das Resultat nach Genesung: Ich bewege mich sicherlich etwas vorsichtiger und in bestimmten Situationen nicht ganz so "flott" wie Gleichaltrige (meine OP war mit 13 Jahren, bin jetzt gerade 30 geworden). Keinesfalls würde ich meine Bewegungen aber als "roboterhaft" bezeichnen. Es ist vielmehr so, dass mir viele Leute, die sich mit Versteifungen nicht auskennen, nicht glauben, dass ich eine solche habe, weil sie mich dafür als "zu beweglich" empfinden.
Zum Radfahren kann ich nichts sagen, da ich es aus anderen Gründen nicht durchführen kann (habe nicht durch die Skoliose und auch nicht durch die OP bedingte Koordinationsstörungen). Jedoch weiß ich von genauso versteiften Skoliosepatienten, dass sie fahrradfahren. Sie achten auf eine entsprechende Sattel- und Lenkereinstellung.
Meine Haupt-Einschränkungen durch die LWS-Versteifung sind:
- Sitzen: Am Boden sitzen geht nicht sinnvoll. D.h.: Ich kann mich kurz auf den Boden setzen, wenn unbedingt nötig (um z.B. etwas aus einem unteren Schrankfach zu holen). Das schaffe ich aber nur in bequemen Schuhen und mit lockerer Hose (Jogginghose), sonst kippe ich dabei nach hinten und komme auch kaum mehr hoch. Garantiert nicht würde ich mich z.B. bei einem Ausflug auf den Boden setzen, um Pause zu machen, oder am Boden sitzend ein Brettspiel spielen. Sitzen auf weichen, niedrigen und geschwungenen Sitzmöbeln bereitet mir zudem Schmerzen und sieht auch merkwürdig aus. Sessel, Sitzsäcke, Bodensitzkissen etc. sind gar nichts für mich, Flugzeug- und Autositze sind problematisch. Ich achte darauf, möglichst gerade, feststehende Sitzgelegenheiten zu verwenden, und beim Autofahren ca. alle Stunde eine Pause einzulegen.
- Schuhe binden, Zehennägel schneiden: Das schaffe ich selber, aber nicht in jeder Situation. Während die meisten Leute (ohne Versteifung) sich z.B. bei Besuch flott im Flur die Schuhe aus- und wieder anziehen, muss ich mich dazu auf einen Stuhl setzen und das Bein hochnehmen. Zehennägel schneide ich, indem ich das jeweilige Bein hochstelle. Beides bedeutete einiges an Übung.
- Jegliche Art von Zwangshaltungen ist für mich sehr problematisch. Beruflich komme ich mit einem Büroarbeitsplatz, bei dem ich nach Belieben aufstehen kann und auch mal rausgehen kann (gut möglich, da kein Kundenkontakt), gut zurecht. Ganz schwierig sind für mich jedoch Tätigkeiten, bei denen ich zwingend bis auf die Pausenzeiten am Platz bleiben müsste oder auch Tätigkeiten gebückt, in Hocke etc. nötig sind. (Ich kenne beides, da ich in einem technischen Beruf tätig bin; die Entscheidung gegen Labor- und Werkstattarbeit war eindeutig.)
Ansonsten natürlich gewisse allgemeine Einschränkungen durch die Versteifung: Nicht ganz so "wendig" sein und sich eher "älter" bewegen, sich "gesünder" verhalten müssen (ich achte sicherlich mehr auf wenig tragen, vernünftiges Schuhwerk etc., als die meisten Gleichaltrigen).
Meinen Alltag erledige ich alleine. Klar ist es nett, bei bestimmten Dingen Hilfe zu haben (weil sie alleine mühsamer sind und länger dauern), finde es gut dass mein Partner hilfsbereit ist, aber ich habe auch schon ganz alleine gelebt, ohne dass Eltern, Freunde etc. mitgeholfen hätten. Ich gehe wandern (30-km-Tagestouren im Gelände), fahre in Urlaub, mache Tagesausflüge, und ich bin in Vollzeit (plus Überstunden) berufstätig. Mir ist aber auch bewusst, dass es nicht jedem damit so gut geht.
Man hat da ja nur noch eine Bandscheibe. Verschleißt diese nicht schneller? Und dann?
Das kann in der Tat passieren; bei mir ist das jedoch (noch) nicht der Fall.
Viele Grüße
Raven