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Mal wieder - Kiefer & Wirbelsäule....
Verfasst: Di, 17.08.2010 - 21:37
von Antje
Hallo an alle!
ich habe schon seehhhhr lange nicht mehr geschrieben - aber jetzt brauche ich mal wieder Euren Rat.
Ich habe Skoliose (LWS28°, BWS26°), Starke Kyphose und Lordose. Als Teenager Korsett, anschließend ca. 10 Jahre lang massive Kopfschmerzen (!) und immer schlimmer werdende Rückenschmerzen. 2007 dann der Weg zu Dr. Hoffmann, anschließend Reha in Bad Salzungen und immer schön Gymnastik zu Hause.
Was soll ich sagen? Ein Wunder geschah - mir geht es seit der Reha 1000mal besser und die Schroth Übungen sind einfach wunderbar, selbst wenn ich sie nicht täglich mache.
Leider ist während der Reha ein weiteres Problem deutlich geworden: Meine Wirbelsäule scheint sehr stark mit dem Kiefer wechselzuwirken. Nach zwei Wochen Schroth konnte ich den Mund fast nicht mehr zumachen, was mit ein bisschen manueller Therapie dann aber wieder ging. Aber der Kiefer hat nach der Reha immer mehr Probleme bereitet - Ohrenschmerzen, Druck im Ohr, Knacken des Kiefergelenkes und leider auch immer mehr Verspannungen, die meine Kopfschmerzen wieder schlimmer werden lassen.
Ich habe in der Zwischenzeit vieles ausprobiert - Kiefergelenksgymnastik, Beißschiene, verschiedene Zahnärzte. Es scheint so, als ob der einzige Weg zu einer möglichen Entlastung eine Schiene sein wird, die meinen Biss korrigiert (es ist ein deutlicher Tiefbiss festgestellt worden und Dysbalancen zwischen linkem und rechtem Kiefer). Bei der Schiene handelt es sich auch um einen Bionator, wenn ich das richtig verstanden habe.
Jetzt bin ich mir extrem unsicher: ich bin mir recht sicher, dass ich einen guten Zahnarzt gefunden habe, der sich gut um meinen Kiefer kümmern wird. Er hat auch einen Physiotherapeuten in der Praxis, der sich physiotherapeutisch um mich kümmern wird. Ich habe jedoch sehr große Angst davor, dass sich die Behandlung des Kiefers negativ auf den Rücken (Skoliose etc) auswirken könnte.
Hat jemand von Euch solche negativen Erfahrungen gesammelt? Ist es zwingend erforderlich, dass ich in der Zeit, in der der Kiefer behandelt wird, regelmäßig zum Orthopäden gehe? Ich bin dabei auch am Überlegen, ob ich dafür jedes mal zu Dr. Hoffmann reisen sollte (komme aus Großraum Hannover) oder ob es reichen würde, regelmäßig eine 3D Vermessung durchführen zu lassen. Dafür gibt es doch schon mehrere Orthopäden in Hannover. Oder brauche ich mir solche Gedanken nicht zu machen und kann sorglos einfach den Kiefer korrigieren lassen?
Ich danke Euch ganz herzlich für Eure Unterstützung! Ich bin wirklich dankbar, dass es dieses Forum gibt, denn Ihr habt mir schon so viel geholfen!!!
Verfasst: Di, 17.08.2010 - 21:42
von Silas
Eine kieferorthopädische Behandlung sollte sich nicht verschlechternd auf Deinen Rücken auswirken.
Verfasst: Mi, 18.08.2010 - 20:38
von Klaus
antje hat geschrieben:Oder brauche ich mir solche Gedanken nicht zu machen und kann sorglos einfach den Kiefer korrigieren lassen?
Na ja, es ist schon so, dass Fehlstellungen des Kiefers sich nach unten hin auf die Skoliose auswirken können.
Beim Symposium 2007 in Bad Salzungen hatte eine entsprechende Zahnärztin dazu einen Vortrag gehalten, wo wohl von etwa 70% Erfolgsquote bezüglich Skoliose die Rede war. Dies wurde allerdings von dem damaligen Chefarzt der Klinik Dr. Steffan nach unten auf höchstens 60 % korrigiert.
Wie dem auch sei, eine Korrektur im Kiefergelenk kann sich nach unten positiv fortsetzen. Spannend ist, wie sich die Korrektur von unten (Schroth) nach oben fortsetzt, wenn man beides gleichzeitig korrigiert.
Dass da auf jeden Fall bei Dir ein Zusammenhang ist, zeigt ja die Auswirkung auf Dein Kieferngelenk.
Rein theoretisch müsste das insgesamt gut klappen, weil man ja die gesamte Wirbelsäule inc. Kopf therapiert, wenn auch mit verschiedenen Methoden.
Möglicherweise müsste man die HWS mal genau betrachten, wenn es da Veränderungen gibt (Hyperlordose?), muss man mit Schroth auch da ansetzen. Kenne allerdings keine Übungen.
Wenn man das nötige Geld hat, sind 3D Aufnahmen zum Vergleich durchaus eine Möglichkeit. Allerdings mit hoher Fehlerquote, weil die temporäre Haltung eine grosse Rolle spielt.
Ist dann wohl eher eine Digital-Röntgenaufnahme in zeitlich grossem Abstand und wahrscheinlich in erster Linie das eigene Gefühl, was sagt, ob man insgesamt richtig liegt.
Sind jetzt nur Gedanken dazu und keine eigenen Erfahrungen.
Gruss
Klaus
Verfasst: Do, 19.08.2010 - 13:12
von minimine
Hallo Antje,
eigentlich sollte es durch Schroth nicht zu einer Verschiebung der Probleme kommen.

Wechselwirkungen zwischen Wirbelsäule und Kiefer sind aber bekannt, und zwar in beide Richtungen.
Ich war letztes Jahr auf dem Skoliose-Tag des Bundesverbandes und dort war das ein Thema. Dr. Hoffmann und ein Kieferorthopäde (Dr. Lang), mit dem er zusammenarbeitet hielten darüber einen Vortrag. Dr. Hoffmann ging dabei auf das Problem von unten nach oben, Dr. Lang von oben nach unten ein.
Ich denke schon, dass du dich deshalb nochmal bei Dr. Hoffmann vorstellen solltest, vielleicht kann er dir ja auch andere Kieferorthopäden nennen, die auf diese Art der Behandlung spezialisiert sind. Auf die Frage nach anderen Kieferorthopäden nannte Dr. Lang auf jeden Fall noch einige und ich meine, es war auch einer in Hannover dabei. Ist aber auch schon fast ein Jahr her und ich erinnere mich nicht mehr an alles.
Du kannst dich auch mal an den Bundesverband wenden, ich glaube es gibt Aufzeichnungen über die Vorträge.
LG
Minimine
Verfasst: Do, 19.08.2010 - 13:31
von Klaus
Oder Dr. Lang direkt anrufen
Kieferorthopäde, Leonberg
Anschrift und Kontakt
Praxis Dr. G. Lang jr.
Herr Dr. med.dent. Günter Lang jr.
Kieferorthopäde
Brennerstr. 1
71229 Leonberg
Telefon:+49 (0)7152 72929
minimine, gab es denn Angaben über Erfolgsquoten oder Besonderheiten?
Gruss
Klaus
Re: Mal wieder - Kiefer & Wirbelsäule....
Verfasst: Do, 19.08.2010 - 13:52
von CH-heftig
Diese Artikel, Kiefergelenk und Wirbelsäule finde ich Interesant.
http://www.drdapprich.de/pdf/kiefergelenk.pdf
http://www.strukturellekoerpertherapie. ... gelenk.pdf
http://www.private-zahnklinik.com/funkt ... achen.html
ich habe mal Deinen ersten noch nicht ganz vollständigen Doppelpost gelöscht. Gruss Klaus
Verfasst: Do, 19.08.2010 - 14:50
von minimine
minimine, gab es denn Angaben über Erfolgsquoten oder Besonderheiten?
Wenn Erfolgsquoten genannt wurden, dann weiß ich die jetzt nicht mehr. Vielleicht weiß Thomas noch genaueres, der war auch da.
Besonderheiten gab es schon jede Menge. Zum einen können Probleme des Kiefers Wirbelsäulenprobleme und auch Skoliosen auslösen, zum anderen gibt es aber auch Zahn-Unebenheiten, z.B. zu hohe Füllungen, und Kieferfehlstellungen an sich, die Kieferprobleme auslösen können.
Soweit ich mich erinnere meinte Dr. Lang, dass nicht viele Kieferorthopäden diese
ganzheitliche Behandlung durchführen.
Auf was bezieht sich denn deine oben genannte Erfolgsquote? Auf die Begradigung der Skoliose, auf die Behebung der Kieferprobleme oder auf die Behebung von Rückenschmerzen??
Ich hatte vor einigen Jahren auch öfter Kiefergelenksschmerzen. Hab dann eine Aufbissschiene für Nachts bekommen, konnte damit aber nur selten schlafen. Mein Zahnarzt war oder ist der Meinung, dass es sowas wie einen Zusammenhang zwischen Kiefer und Wirbelsäule nicht gibt, meine Probleme kämen vom Zähneknirschen. Seit ich das Korsett habe (immerhin schon fast 4 Jahre!!) hatte ich kein einziges Mal mehr Kieferprobleme.

Ob das nun Zufall ist oder mit der Korrektur der Skoliose in Verbindung steht, weiß ich nicht, ich glaube aber schon, dass da ein Zusammenhang ist.
LG
Minimine
Verfasst: Do, 19.08.2010 - 16:33
von Silas
Bei Kieferproblemen sollte auch keinesfalls die psychische Komponente außer Acht gelassen werden.
Stress, Belastungssituationen, Veränderungen (positiv + negativ), uvm. sind sehr häufig Gründe für Kieferbeschwerden.
Entspannungstechniken und psychotherapeutische Maßnahmen könnten hilfreich sein, zumal Du ja schon einige Therapieversuche bei Zahnärzten hinter Dir hast.
Probier doch abends vor dem Schlafengehen mit einer CD progressive Musekelentspannung, achte tagsüber darauf, die Kiefermuskulatur nicht zu verkrampfen und den Tagesablauf möglichst belastungsfrei zu gestalten.
Damit kannst Du nichts falsch machen und vielleicht hilft das schon, Deine Probleme zu lindern.
Verfasst: Fr, 20.08.2010 - 10:11
von Klaus
minimine hat geschrieben:Auf was bezieht sich denn deine oben genannte Erfolgsquote? Auf die Begradigung der Skoliose, auf die Behebung der Kieferprobleme oder auf die Behebung von Rückenschmerzen??
Also die Zahnärztin Frau Dr. Fitzner hat die 70% Erfolgsquote auf die Verbesserung der Skoliose bezogen, was ja dann sofort den Widerspruch von Dr. Steffan mit höchstens 60% hervor rief. Hörte sich in dem Rahmen so an, als ob er nicht unhöflich sein wollte und diese Quote eigentlich noch geringer einschätzte.
Von der Verminderung von Rückenschmerzen in % war nicht direkt die Rede. Aber es wäre natürlich aus Patientensicht das primäre, was man als Erfolg spürt.
Gruss
Klaus
Verfasst: Fr, 20.08.2010 - 10:29
von minimine
Also die Zahnärztin Frau Dr. Fitzner hat die 70% Erfolgsquote auf die Verbesserung der Skoliose bezogen
Soweit ich mich erinnere hat er schon auch Vorher-Nachher-Bilder gezeigt, auf denen dann die Skoliose oder auch skoliotische Fehlhaltung nicht mehr zu sehen war.
Aber das kann man ja jetzt hier mit Antje´s Fall nicht vergleichen. Es geht ja nicht darum, mit der Behandlung die Skoliose zu verringern, sondern darum, die Kieferprobleme zu beheben, die durch die Behandlung erst entstanden sind.
LG
Minimine
Verfasst: Fr, 20.08.2010 - 10:51
von Klaus
minimine hat geschrieben:Soweit ich mich erinnere hat er schon auch Vorher-Nachher-Bilder gezeigt, auf denen dann die Skoliose oder auch skoliotische Fehlhaltung nicht mehr zu sehen war.
Bei einer skoliotischen Fehlhaltung könnte ich mir
so etwas eher vorstellen, als bei einer wirklichen Skoliose.
Aber das kann man ja jetzt hier mit Antje´s Fall nicht vergleichen
Richtig, aber ich musste erst mal grübeln, ob nicht durch 2 unterschiedliche Behandlungsarten an unterschiedlichen Stellen sich etwas negatives ergeben könnte.
Für mich erscheint das Ganze irgendwie logisch. Die Behandlung der Skoliose hat den problemlosen Ausgleich im oberen Bereich nicht geschafft. Deswegen muss im Kieferbereich nachgeholfen werden.
Bleibt noch die Frage nach der Situation im HWS Bereich, eine evtl. Fehlstellung müsste dort auch angegangen werden, sofern sich das nicht durch das Gesamtkonzept verbessert.
Gruss
Klaus
Verfasst: Fr, 20.08.2010 - 14:37
von Antje
Hallo an alle,
vielen Dank erstmal für Eure Kommentare. Entscheiden muss ich natürlich selbst, aber immerhin hab ich jetzt auch ein paar Meinungen.
Eine Frage beschäftigt mich dennoch immer noch: Die Erfolgsaussichten einer Kieferbehandlung scheinen doch ganz gut zu sein - natürlich auch abhängig vom Arzt. Gibt es denn in irgendeiner Form negative Berichte / Erfahrungen? Ich hätte jetzt nicht so viel Angst davor, den Kiefer behandeln zu lassen und am Ende festzustellen, dass ich doch noch was anderes brauche. Aber ich habe schon Angst davor, mir dadurch vielleicht andere/neue/weitere Probleme mit dem Rücken einzuhandeln. Wie groß ist das Risiko einer Verschlechterung, wenn ich den Kiefer behandeln lasse?
Anmerkung dazu: Mein Zahnarzt schaut sich schon den ganzen Körper an. Das war das erste was er gemacht hat - incl. ein paar Gymnastik-Übungen, bei denen er meinen Kiefer begutachtet hat. Ich musste sogar ein halbe Stunde spazieren gehen mit einer Schiene im Mund und anschließend hat er mich wieder begutachtet. So ganz schlecht sind seine Ansätze also wohl nicht...
Und zum Thema Stress: Ja, das ist ein wichtiger Faktor. Ich habe dieser Probleme wegen z.B. meine Dissertation abgebrochen (bin noch nicht ganz durch, weil die Professoren erst noch einsehen müssen, dass dies meine Entscheidung ist: für meine Gesundheit, gegen meine Doktorarbeit). Leider schaffe ich es nicht, mich so sehr "runterzufahren", dass der Kiefer keine Probleme macht. Die Situation wird durch Stressminimierung besser, aber immer noch nicht akzeptabel.
Soviel von mir zur Zeit. Bin gespannt, ob die Diskussion noch weiter geht. Ich werde jedenfalls berichten. Am Wochenende werde ich erstmal in Ruhe überlegen, wie ich weiter verfahre...
Verfasst: So, 22.08.2010 - 13:49
von Klaus
antje hat geschrieben:Wie groß ist das Risiko einer Verschlechterung, wenn ich den Kiefer behandeln lasse?
Ich glaube, wir sind uns einig darüber, dass die
Einschätzung einer Behandlung positiv ist.
Selbst wenn temporär andere Beschwerden auftreten würden, kann das nach der Logik des Zusammenhanges der gesamten Wirbelsäule incl. Kiefergelenk mit der dazu gehörigen zu verändernden Struktur von Muskeln, Bänder und Sehnen durchaus eine
temporäre Begleiterscheinung sein.
Eine Verschlechterung im Sinne einer Skoliose Verstärkung kann ich mir nicht vorstellen, insbesondere deswegen, weil Du ja dort mit Schroth entgegenwirkst. Das würde ich auf jeden Fall weitermachen.
Gruss
Klaus