Seite 1 von 1

61. J., Skoliose lumbal 70, th 86

Verfasst: Di, 06.05.2008 - 01:29
von ida
Meine Mutetr ist 61 Jahre alt und hat eine schwere Skoliose seit sie 15 ist. Auf dem letzten Roentgen hat sie 70 lumbal, 86 thorakal.

Gibt es im Forum Leute, die im aehnlichen Alter sind und aehnliche Skoliose haben? Meine Mama kann mit Internet leider nicht so viel anfangen, wuerde sich aber freuen, etwas von Euch zu hoeren. Oder kennt jemand Leute in aehnlichen Situation?

Wir waren heute bei Dr. Hoffmann. Eigentlich hat meine Mutter es schon aufgegeben, zu Orthopaeden zu gehen (die haben sich wirklich absolut idiotisch angestellt mit ihr, will darueber gar nicht schreiben). Er war nett und ruhig, hat uns aber doch sehr durcheinander gebracht. Er hat gemeint, das Beste fuer meine Mutter waere eine OP. Sonst kann die WS irgendwann zusammenbrechen. Die Skoliose hatte in den letzten 4 Jahren 4 bzw. 6 Grad Progredienz, das ist schon verdammt viel. Meine Mutter war im Schock und hat geweint. Nachdem ich mir hier und im Skoliose-OP-Forum die Berichte gelesen habe, kann ich seine OP-Empfehlung ueberhaupt nicht nachvollziehen. Wenn schon junge und kraeftige Menschen Komplikationen haben... Meine Mutter hat heute Abend gemeint, dass sie lieber an einer gebrochenen WS sterben wuerde als an einer OP.

Ausserdem wird sie einen Antrag fuer Bad Salzungen stellen. Ich hoffe bloss, dass die Krankenkasse das bezahlt. Sie war ja schon lange nicht beim Arzt wegen Skoliose gewesen, und die KG, die sie mal bekommen hat, half auch nicht (war ja auch nicht nach Schroth). Und ihre Schmerzen hat sie bisher stoisch ohne Medikamente ertragen, auch wenn sie stundenlang (auch nachts) turnen musste, damit die Schmerzen zumindest so nachlassen, dass sie sich hinlegen und einschlafen kann. Also, ich bin gespannt, was die Krankenkasse zu ihrem Antrag sagt.

Danach waren wir bei Rahmouni. Er hat (natuerlich?) von einer OP abgeraten, und hat gemeint, er koennte meiner Mutter einen leichten, weich gepolsterten Korsett anfertigen. Naja, nachdem ich hier die Korsett-Berichte gelesen habe, weiss nicht, ob meine Mama sowas ertragen wuerde. Aber vielleicht gelingt es dadurch, die Progredienz aufzuhalten. Wiederum, auch hier waere ich fuer ein Erfahrungsbericht sehr dankbar.

Viele Gruesse!

Verfasst: Di, 06.05.2008 - 09:42
von Toni
Ich kann Deine Mutter sehr gut verstehen, wenn sie vor einer so großen und schweren OP zurückschreckt!
Grundsätzlich bin ich nach wie vor der Überzeugung, daß ZUERST die Möglichkeiten konservativer Orthopädie ausgeschöpft werden sollten.
Also SCHROTH-Reha und im Fall Deiner Mutter: ein entlastendes, sanftes und nicht heftig korrigierendes Stützkorsett.
Ich hatte mal ein sehr interessantes und für mich informatives Gespräch mit einer 75-jährigen Seniorin mit sehr hochgradiger Extremskoliose, die bis auf die Kurzatmigkeit völlig schmerzfrei war dank entlastendem Stützkorsett.

viewtopic.php?p=49685#49685

Sie trug aber kein starres Plastik-Stützkorsett sondern eine Art orthopädisches Schnürmieder. Eher was in der Richtung:
http://www.figesta.de/html/index.php

Deine Mutter sollte auch eventuell zuerst ein Schroth-Reha in Bad Salzungen machen und sich von Dr. Steffan ein pneumatisches Entlastungs-Korsett verschreiben lassen. Bereits eine geringe Streckung der LWS hat oft schon verblüffende Schmerzreduzierungswirkung.

Wo hat Deine Mutter die stärksten Schmerzen?
In der LWS-Krümmung oder in der BWS?

Wie ist die Taille geformt? Berühren sich Beckenkamm und untere Rippen schon?
Gruß Toni

Verfasst: Di, 06.05.2008 - 12:27
von re:
Erstens: Messwerte haben, je nach Rö.aufnahme und Untersucher, eine Streuung von 5° nach unten oder nach oben - das muss heißt nicht unbedingt heißen, dass sich die Wirbelsäule verändert hat.

Zweitens: "Zusammenbrechen der Wirbelsäule" ist sehr unscharf ausgedrückt. So etwas ist bei Skoliose allein eigentlich nicht zu erwarten.
Vorstellbar wäre, dass in diesem Alter eine Osteoporose einzelner Wirbelkörper da ist, so dass die Wirbelkörper zusammensintern. Das ist aber eher nicht durch die Skoliose selbst bedingt, sondern kommt auch bei vorher "geraden" Menschen - besonders Frauen - vor.

Man müsste sich überlegen, was genau erreicht werden soll, und sich noch einmal genauer über ein differenziertes Behandlungskonzept informieren.

Verfasst: Di, 06.05.2008 - 13:48
von Toni
Hallo re.
Das ist vollkommen richtig!
5° + oder - Messfehlertoleranz ist absolut normal bei der COBB-vermessung von Skoliose-Röntgenbildern. Das kommt auch auf die Tagesform an und wie man gerade den rechten oder den linken Fuß mehr belastet hat als "geschossen" worden ist usw.....
Es kommt dabei sicher nicht auf die paar Grad an.
Klar ist in diesem Alter ( ich hab es da auch nicht mehr allzu weit hin....) schon sehr auf eine gute Osteoporose-Prophylaxe zu achten!
Osteoporose-bedingte Wirbelkörpereinbrüche kommen auch bei ansonsten völlig unauffälligen "Normalwirblern" zu Genüge vor. Das ist absolut keine Spezialität gekrümmter Wirbelsäulen!
Daran stirbt man auch nicht und wird auch nicht gleich im Rollstuhl landen, aber es ist sehr sehr schmerzhaft und äußerst unangenehm!
Daher muss auf optimale Versorgung mit den bestmöglichen Medikamenten gegen Osteoporose rechtzeitig großer Wert gelegt werden. Diese Medikamente zahlen die KK erst wenn die Osteoporose manifestiert ist! Das bedeutet, daß man sich diese Medikamente bei ersten Anzeichen einer Osteoporose unbedingt auf Privatrezept verschreiben und selbst bezahlen muss. Wenn man einen oder mehrere zusammengebrochene Wirbelkörper hat, kommen diese guten Medikamente zu spät!
Ich hoffe doch, daß Deine Mutter eine Osteoporose-Messung machen lassen hat?

Das Ziel einer Therapie ist klar: primär Schmerzfreiheit!!!
Wenn eine verbesserung des Allgemeinzustandes, der Beweglichkeit und Belastbarkeit dazu kommt, um so besser!
Gruß Toni

Verfasst: Di, 06.05.2008 - 15:03
von ida
Lieber Toni, dein Bespiel mit der 75-jaehriger Dame (und die im gleichen Thread vorkommende Geschichte ueber eine 85-jaehrige Dame in Bad Salzungen) habe ich sofort meiner Mutter erzaehlt und konnte sie wirklich gut aufbauen. Danke!

Ihre Schmerzen sind in LWS und im Bein, oben hat sie (fast) keine Schmerzen, aber Atemnot.

Das mit Messfehlern werde ich meiner Mutter auch sagen. Allerdings sind in den letzten 3 Jahren auch die Schmerzen viel schlimmer geworden, insoweit hat sich dort wohl doch schon etwas in die falsche Richtung bewegt...

re, so hat Dr. Hoffmann es ausformuliert: die WS wuerde abbrechen, oder zusammenberechen, oder noch 'was mit "brechen". Ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich fand es sehr unsanft von ihm!

Interessant fand ich auch, dass er gemeint hat, meine Mutter koennte einen "kleinen Korsett" (zitiere!) fuer LWS bekommen. Eh, und was ist mit BWS,?!, dachte ich mir. Dann waren wir bei Rahmouni, und er hat gemeint, es gibt keine "kleinen" Korsetts, denn alles am Ruecken haengt miteinander zusammen. Und tatsaechlich, als wir nach Hause gekommen waren, habe ich meine Mutter im Bereich BWS massiert -- und die Schmerzen im Bein und LWS haben nachgelassen! Ein Punkt fuer Herrn Rahmouni. ;)

Toni und re, ihr habt Recht, ich werde meine Mutter unbedingt zur Osteoporose-Untersuchung schicken. Ich habe im Forum auch einen sehr informativen Thread zu Osteoporose entdeckt:

viewtopic.php?t=1442

Dann warten wir also erstmal, ob (und nach wie vielen Absagen) meine Mutter nach Bad Salzungen kommt. In der Zwischenzeit versucht sie es ambulant. Ich habe in Bad Sobernheim angerufen und 4 Tel.-Nummern von Schroth-Therapeuten aus Trier bekommen. Ist jemand aus Trier vielleicht in diesem Forum?

Verfasst: Mi, 07.05.2008 - 14:26
von schneeflocke
Hallo Ida,

ich bin 63, habe Skoliose, Krümmungswinkel nach Cobb 80° thorakal/47° lumbal. Außerdem Osteoporose, ausgelöst wahrscheinlich nach jahrelanger Einnahme von Cortison (brauche das wegen Asthma). Bekomme von meinem Orthopäden Medikamente dafür, alle zwei Jahre erfolgt eine Knochendichtemessung, diese kostet 40 Euro. Habe aber bei meiner Krankenkasse nachgefragt wegen Kostenübernahme, mir wurde die Hälfte erstattet.

Ich war schon viermal in Sobernheim, gefällt mir immer wieder sehr gut. Zu Hause habe ich eine Sprossenwand usw. Regelmäßiges Turnen nach Schroth ist äußerst wichtig. Außerdem gehe ich Schwimmen und mache Nordic Walking. Ich muß sagen, mir gehts gut, bis auf die Kurzatmigkeit. Aber ich mache alles etwas langsamer. Mein Orthopäde sagt mir immer wieder: immer in Bewegung bleiben.......

Ich war auch bei Dr. Hoffmann, mir wurde auch eine OP vorgeschlagen, werde diese aber nicht machen lassen. Es muß auch ohne OP gehen.

Das wollte ich bloß dazu sagen.

Grüße aus dem Allgäu
Karin

Verfasst: Mi, 07.05.2008 - 23:40
von ida
Hallo Schneeflocke,

es ist sehr schoen, von dir zu hoeren.

Ich fuehle mich wie eine Bruecke zur "Aussenwelt" fuer meine Mutter. ;)

Meine Mutter bewegt sich auch sehr viel. Kuerzlich war sie mit meinem Vater in Prag, wo sie eine Woche lang die ganzen Tage zu Fuss unterwegs waren, oft sogar ohne Mittagsessen. Und sieh da, sie hatte gar keine Schmerzen!

Wegen Kurzatmigkeit schlaeft meine Mutter schon seit Jahren auf einem Brett, denn auf einer Matraze (egal wie hart) kriegt sie keine Luft. Fuer Reisen hat man ihr aufklappbares Brett gemacht.

Vielleicht waere Nordic Walking auch 'was fuer sie...

Wie oft gehtst du nach Bad Sobernheim? Wann warst du zum ersten Mal dort? Wurden die Kosten uebernommen?

Viele Gruesse
Ida

Verfasst: Do, 08.05.2008 - 18:24
von schneeflocke
Hallo Ida,

ich war 1998 das erste Mal in Sobernheim, dann immer alle zwei Jahre. Das letzte Mal 2005. Als ich noch berufstätig war, hat das der Rentenversicherungsträger bezahlt, jetzt bin ich in Rente, nun bezahlt die Krankenkasse. 2007 war ich wegen dem Asthma in Reha. 2009 werde ich wieder nach Sobernheim fahren, habe schon die Zusage von der Krankenkasse. Ich muß dazu sagen, daß sich mein Orthopäde auch immer dafür einsetzt.

Ich hoffe, daß es Deiner Mutter bald wieder besser geht. Wenn Ihr einen Antrag stellt wegen einer Reha, dann bitte gleich auf dem Antrag vermerken, daß Deine Mutter nach Bad Salzungen möchte, wenn eine Ablehnung kommt, dann Widerspruch einlegen.

Viele Grüße
Karin

Verfasst: Fr, 09.05.2008 - 10:17
von Klaus
Schneeflocke hat geschrieben:Als ich noch berufstätig war, hat das der Rentenversicherungsträger bezahlt, jetzt bin ich in Rente, nun bezahlt die Krankenkasse.
Bezahlt das die Krankenkasse tatsächlich ohne weiteres?
Oder sind es in erster Linie die doch sehr massiven Probleme?

Hintergrund:
Bei Rentnern sind laut Dr. Steffan in Bad Salzungen die Chancen in der Regel nicht sehr hoch, eine REHA genehmigt zu bekommen.

Gruss
Klaus

Verfasst: Fr, 09.05.2008 - 13:47
von schneeflocke
Hallo Klaus,

ich habe 2005 (da war ich schon in Rente) Antrag auf Reha in Sobi gestellt, da kam eine Absage. Mein Orthopäde hat Widerspruch eingelegt, dann kam die Zusage. Dieses Jahr habe ich dann bei meiner Krankenkasse nachgefragt, wann ich wieder eine Reha bekomme. Als Antwort kam: Sie hatten ja 2007 eine Anschlußheilbehandlung wegen Asthma, dieses Jahr gehts leider nicht, aber 2009. Also ich denke, daß ich jetzt nur noch alle vier Jahre die Chance habe, nach Sobi zu fahren.
Ich weiß ja nicht ob das eine Rolle spielt, ich habe einen SB-Ausweis mit 50 %.
Meine Aussage "nun bezahlt die Krankenkasse" war so gemeint: wenn man in Rente ist und eine Reha beantragen möchte, ist dafür die Krankenkasse zuständig und nicht der Rentenversicherungsträger.

Gruß Karin :D

Verfasst: Sa, 10.05.2008 - 11:20
von Klaus
Hallo Karin,

danke für die INFO.
Meine Aussage "nun bezahlt die Krankenkasse" war so gemeint: wenn man in Rente ist und eine Reha beantragen möchte, ist dafür die Krankenkasse zuständig und nicht der Rentenversicherungsträger.
Das war schon klar.
Nur war es in der Vergangenheit so, dass die Krankenkassen sich bei der Bewilligung der REHA auf das Wort "können" berufen haben, sie mussten nämlich nicht! Nach Änderung des Gesetzes ist zwar ausdrücklich die REHA bei Rentnern als Leistung der Krankenkasse hervorgehoben, aber ich weiß nicht, ob dort die Pflicht zur Genehmigung irgendwie erwähnt ist, natürlich nur, wenn die Indikation stimmt.

Und laut Dr. Steffan ist auch nach dieser Änderung angeblich keine generelle Verbesserung eingetreten. Man kann sich auch denken, dass die Wiederherstellung der Arbeitskraft bei Rentnern keine Rolle mehr spielt und die Erhaltung der Lebensqualität, zu der die KK tatsächlich verpflichtet ist, kann man natürlich verschieden interpretieren. :)

Gruss
Klaus