Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

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ima
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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von ima » So, 08.05.2011 - 00:46

Schönen guten Tag!

Ich bin neu - also ein "hi!" in die Runde!
Ich habe mich spontan angemeldet, weil ich diese Diskussion wirklich interessant fand - denn die Frage hat mir noch niemand gestellt, im Grunde genommen fragt außer Ärzten auch nie irgendjemand irgendetwas zu dem Thema, und die fragen auch eher andere Dinge. Schon merkwürdig, denn obwohl meine Stahlimplantate und ich dieses Jahr happy anniversary feiern, erscheint mir das immer noch als eine ziemlich große Geschichte - was erklären dürfte, warum ich mich samstagsabends irgendwie auf diese Seite verirrt habe.

Im Gegensatz zur Verfasserin dieses Threads habe ich die Linie OP schon überquert, und auch wenn es sicher schöner wäre, sich mit diesem Thema nie beschäftigen zu müssen, bin ich froh sagen zu können, ich habe so etwas durchgestanden (rückblickend war die OP-Zeit in der Klinik einer meiner besten Sommer, so schräg das klingen mag). Das hilft etwa bei irgendwelchen fiesen Sachen, die der Zahnarzt mit einem anstellen will, und wenn ich vor einer Situation wirklich Schiss habe, muntere ich mich auf: Hey, ich habe ein Rückgrat aus Stahl! Letzten Endes läuft bei mir auch alles auf die OP hinaus, weniger auf die Skoliose an sich, denn ob operiert werden würde oder nicht, stand eigentlich nie wirklich zur Debatte, die Empfehlungen waren eindeutig und ich war bereit die Pille zu schlucken.

Die Zeit nach der OP: ein halbes Jahr Korsett tragen in der Oberstufe - super Timing, und ja, ich ärgere mich über die Fotos in meiner Abizeitung, da sieht man meine kleine Tonne, und ich sitze auch da, als hätt ich was verschluckt. Ich nehme mir das Recht zu dieser kleinen Eitelkeit. Die Reaktionen der Mitschüler waren gespalten, ein Mädel war ganz fürsorglich und hat prinzipiell meine Taschen getragen, ein anderes hat einen Aufstand gemacht, als ich die Vanilleeisfamilienpackung nicht aus der Tiefkühltruhe des Supermarkts holen wollte (gut, die max. 2 kg tragen-Grenze war eine Sache - aber die sollte mal versuchen, mit Korsett im unteren Drittel einer Tiefkühltruhe rumzufischen!). Unterm Strich war ich mit der Krankengeschichte schon einer von den Freaks der Stufe, aber einer von den langweiligen, und ich kam klar.

Völlig am Ende war ich, als die Rechnungen der Klinik eintrudelten - nicht mal wegen der Zahlen am rechten Seitenrand, sondern wegen der minutiösen Aufstellung dessen, was da mit mir angestellt worden ist. Ich hätt mir am liebsten den ganzen Mist rausgerissen! Und paradoxerweise wollte ich es später noch genauer wissen. Bei Gelegenheit besorgte ich mir den OP-Bericht, saß mit dem Pschyrembel daneben (fragte mich, ob die entnommene Rippe wieder eingesetzt worden ist, das steht da nämlich nicht - falls das hier jemand weiß ;-)), hin und wieder suche ich die Aufsatzdatenbank der Unibibliothek nach Lesestoff ab. Das kommt und geht.

Ich habe mich öfter gefragt, ob eine psychologische Begleitung da vielleicht ganz gut gewesen wäre. Da ist man sechs Wochen lang mehrere Stunden Fahrt von Zuhause entfernt, ich war da gerade 18 geworden (und durfte Papiere selbst unterschreiben, das war praktisch). Dann wirst du einmal halb aufgeschnitten, es wird (ziemlich brachial) was rausgeräumt, es wird was reingeräumt, ach ja, zwischendurch wecken die dich auf, nicht darüber nachdenken, auf der Intensiv liegt man so hilflos da, wie man zuletzt in den Windeln gelegen hat, dann muss man neu laufen lernen, was echt mal Schmerzen sind, bei dem Punkt hatte ich ziemliche Schwierigkeiten. Kein Spaziergang. Ich habe festgestellt, mir ist das wichtig, mich gelegentlich wieder mit der OP auseinanderzusetzen - akzeptiert, also ja. Aber es spielt trotzdem immer mal wieder eine Rolle.

Wirklich eingeschränkt fühle ich mich nicht. Gelegentlich tut mal was weh, sicher - aber ich weiß nicht mehr, ob´s vorher groß anders war. Ich bin mir sicher, in Sandalen kam ich früher wesentlich galanter rein, aber wenn´s weiter nichts ist. Natürlich stell ich mir die Frage, was später einmal sein und werden wird. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, war nicht eben einfach, und sollte mal etwas mit meinem Rücken sein, wird mir die dank Ausschlussklausel nicht viel helfen - was dann? Auch das Thema Schwangerschaft (ganz zu schweigen von allem danach) spukt irgendwo im Kopf herum, nach Ansicht meines Orthopäden nicht die allerbeste Idee, also wird daraus etwas, was nicht einfach geschehen, sondern überlegt und geplant werden sollte, wie schön, noch eine Entscheidung. Die Narben sind ok, wie sie sind - landläufig schön ist etwas anderes, aber ich habe gelernt sie dafür zu mögen was sie sind, nämlich ein Zeichen etwas Besonderes überstanden zu haben, und wenn mir ein Bikini gefällt, nur her damit. Das Gefühl ist noch nicht wieder an allen Hautpartien zurück und wird es wohl auch nie sein, das ist allerdings der Punkt, der mich schon traurig macht. Seltsam.

Es gibt aber auch lustige Dinge. Vergangenes Jahr habe ich bei der Kontrolle in Wildungen ein Mädchen wiedergetroffen, das damals das Zimmer mit mir geteilt hat. Wir haben geradezu in alten Erinnerungen geschwelgt - wobei schwelgen wohl das falsche Wort ist, wir haben Tränen gelacht. Unglaublich, was mit ein paar Jahren Zeitabstand plötzlich saukomisch werden kann. Der Rest des Wartezimmers war weniger amused, fürchte ich.
In meiner Rehasportgymnastikgruppe sind ein paar ältere Herrschaften, die gerne versuchen, sich mit ihren Leiden zu übertrumpfen. Neulich war gerade eine kaputte Schulter und ein Bandscheibenvorfall dabei, zwei Bandscheibenvorfälle auszustechen. Ein älterer Herr lächelte schelmisch und gab dann erwartungsfroh zum Besten, er habe eine 4 cm Schraube in sich sitzen. Ich hab darauf gesagt, ich habe eine, pff, 20 cm Stahlstange plus Schrauben und damit meines Erachtens die Runde gewonnen - damit war die Unterhaltung beendet, komisch, keinen Humor diese Leute....

Puh. Ganz schön lang geworden. Wie auch immer, ich erwarte hierauf keine Antworten - vielleicht aber kommt ja jemandem etwas davon bekannt vor, das wäre schön zu wissen.
Also, macht es gut da draußen! Wie es euch auch gehen mag, ich denke, ihr habt ein Recht auf jede mögliche Empfindung, die diese Krankheit in euch auslösen mag.

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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von wompi1979 » Do, 12.05.2011 - 00:24

Hallo ima,
ima hat geschrieben:Wie auch immer, ich erwarte hierauf keine Antworten - vielleicht aber kommt ja jemandem etwas davon bekannt vor, das wäre schön zu wissen.
Auch wenns offtopic ist, aber hierauf muss ich einfach antworten. Sorry, minimiene :verlegen:

Ich wurde 1979 auch in der WWK operiert. Gleiche Versteifungsstrecke wie Du und auch nach VDS von Dr. Zielke operiert. Und mir kommen Deine Erzählungen sehr bekannt vor :) . Missen möchte ich die Zeit in der WWK auf gar keinen Fall. War es trotzt schwerer OP doch eine tolle Zeit.

Liebe Grüße, Uschi :halloatall:

giraffe1
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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von giraffe1 » Di, 17.05.2011 - 22:04

Hi ich bin wiedre in einer Phase wo ich meine Skoliose hasse. Ich habe mich mit mit 13 Jahren geweigert ein Korsett zu tragen. ich weiß, dass war sehr dumm von mir, hätte ich nur damals schon dieses Forum gekannt. Damals hatte ich 26Grad, nun nach zwei Schwangerschaften sind es 50 Grad. Dr. Hoffmann sprach von einer OP. ich bin verunsichert was ich tun soll. Ich m´warte nun auf meine Korsett Genehmigung, mache das erste Mal KG nach Schroth. Meine alte Physiotherapeutin hielt Schroth KG für veraltet. Ein Orthopäde rät mir zu einer Schuherhöhung von 2cm, ein anderer hält das für zuviel.
Mich macht die Optik fertig:
ich habe einen leichten Morbus Scheuermann, also so bißchen Buckel, meine Taille ist total schief, auf der einen Seite totalk gerade auf der anderen eine Falte rein. Furchtbar.
Ich hasse meine Skoliose, ich hasse mich oft deswegen. Ich sehe nur die geraden Rücken und schönen symmetrishcne Taillen der anderen Leute. Jetzt wird es wärmer, die Leute tragen enge Tops und Bikinis. Ich würde nie einen BIkini tragen. Ich denke nun schon über Ausreden nach, warum ich nicht mit schwimmen gehen möchte. Ich habe eine Familie, Freunden, einen Freund aber ich würde niemals mit jemanden so über meien Skoliose reden.
Dazu kommen die Schmerzen. Manchmal ahbe ich tagelang keine Beschwerden, dann will ich mich nach 10 min rumlaufen schon wieder hinsetzen und nicht mehr bewgeen weil es so weh tut. Ich habe Angst vor der Zukunft. Eine Arzthelferin hat mir vor ca. einem Jahr gesagt, dass ich in zehn Jahren ein Dauerschmerzpatient sien werde. Wie soll ads nur werden, ich bin gerade mal 26Jahre alt.
Aber es hilft mir sehr und baut mich schon auf hier in diesem Forum zu lesen.
Grüße Linnea
Dazu kommen die Schmerzen.

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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von ima » Mi, 18.05.2011 - 20:09

Hallo Linnea,

den kritischen Blick in den Spiegel kenne ich auch noch gut. Was die Skoliose anbelangt, da haben wir Pech gehabt, keine Frage. Ich denke, sei ruhig zornig oder traurig darüber, tu dir auch mal leid - aber tu dir nicht selbst weh. Dein Packen ist auch so schon groß genug. Ich wünsch dir alles Gute!

PS: Und ja, es ist verdammt schwer einen guten Orthopäden aufzutreiben, was ist da bloß los?!

Hannes207
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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von Hannes207 » Mi, 13.05.2020 - 01:06

Hi, ich schreib zum Thema Skoliose akzeptieren einen Blog.

Vielleicht hilft dir das weiter :)

gelöscht - Klaus

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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von Klaus » Mi, 13.05.2020 - 14:19

Hallo Hannes207,

mal abgesehen davon, dass im Thread seit 9 Jahren nicht mehr gepostet wird:
Dein verlinkter Blog führt zu einem Ratgeberverlag, das ist hier unerlaubte Werbung. Ich habe den Link deshalb entfernt.
In Deinem Blog hast Du zu Deiner Skoliose geschrieben:
Ich bin mit einer Skoliose im Lendenwirbelbereich auf die Welt gekommen. Ich hatte mit zwei und sechs jeweils Skoliose OPs und habe seither sehr selten Rückenprobleme gehabt..........Aber dann kamen nach dem Abi schwierige Zeiten und ich weiß nicht warum aber irgendwann dachte ich, was denken nur die Leute von mir, wenn sie mich auf der Straße sehen. In meinem Blog geht es vielmehr um Akzeptanz der Krankheit als um die Korrektur. Klar, ich gehe ins Fitness einerseits um meinen Rücken zu stärken aber in erster Linie um gut auszusehen und weil es Spaß macht. Ich fahre Skateboard und spiele beim Unisport Fußball, Sport ist einfach gesund aber davon geht meine Skoliose nicht weg. Was aber bleibt sind negative Gedanken darüber, wenn du nicht lernst sie zu akzeptieren.
Da es hier im Forum eher um mögliche Behandlungen geht, als um die Bewältigung von psychischen Problemen (online ein sehr schwieriges Thema!), möchte ich fragen, ob bei Dir tatsächlich alle Behandlungsoptionen ausgeschöpft wurden. Wenn OP's erfolgreich im Kindesalter stattgefunden haben, muss es ja danach weitere physische Veränderungen gegeben haben, die Dich dann gestört haben.

Gruß
Klaus

Hannes207
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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von Hannes207 » Do, 14.05.2020 - 13:48

Hallo Klaus,

es geht ja offensichtlich auch um Akzeptanz. Und ich glaube, dass online psychische Bewältigung genauso stattfindet.
Dafür sprechen ja gerade solche Ratgeber. Die Andersartigkeit durch Skoliose führte bei mir zu Problemen, daher habe ich auf diesen Anti Schüchternheitstrainer vom Palverlag verlinkt, weil der auch mir geholfen hat.

Wenn du meinst, das löschen zu müssen, dann tu das. Aber ich glaube nicht, dass sich bei diesem Ratgeber Profit und echte Hilfe ausschließen, vor allem, weil mir ein Buch von einer Psychologin empfohlen wurde.

Um auf deine Frage zurückzukommen, kann ich dir sagen, dass ich mit 6 das letzte Mal operiert wurde. Seitdem ging ich ab und zu zur KG.

Und ich glaube einfach, dass man versuchen sollte soweit es geht die Skoliose auszugleichen aber man wird die Skoliose immer haben, auch wenn operiert wurde oder man mit gezieltem Training dagegen ankämpft.

Und das gilt es zu akzeptieren.

Viele Grüße

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Re: Könnt ihr eure Skoliose akzeptieren?

Beitrag von Klaus » Do, 14.05.2020 - 15:43

Hallo Hannes,
Und ich glaube einfach, dass man versuchen sollte soweit es geht die Skoliose auszugleichen aber man wird die Skoliose immer haben, auch wenn operiert wurde oder man mit gezieltem Training dagegen ankämpft.

Und das gilt es zu akzeptieren.
So ist es. Und Dir geht es offensichtlich darum, dass man das wegen eines mangelnden Selbstwertgefühls nicht immer kann und psychische Unterstützung z. Bsp. über das online Angebot eines Verlages annehmen kann.

Ich halte dagegen, in diesem Forum geht es in erster Linie um eine optimale (bevorzugt konservative) Behandlung, insbesondere auch bei Erwachsenen. Das Ziel ist immer eine Verbesserung der Lebensqualität, was individuell natürlich sehr unterschiedlich ist. Die meisten Erwachsenen sind froh, wenn die Beschwerden minimiert oder beseitigt werden können. Ein Teil stört sich nur an der Optik, was aber oft auch verbessert werden kann.
Es ist dabei nicht zu unterschätzen, was das mit dem Selbstwertgefühl macht, wenn man mit vielen Betroffenen online Kontakt hat. Dazu kommt der persönliche Kontakt während einer stationären REHA, was sehr oft in Anspruch genommen wird.
Selbsthilfegruppen können mit persönlichen Gesprächen sicherlich noch mehr helfen, sofern sie vorort vorhanden sind.

Insofern gibt es hier nur ganz wenige, die psychische Probleme in den Vordergrund stellen. In der Vergangenheit auch Leute, die mit sachlichen Argumenten nicht zu erreichen waren und leider auch Leute, die ihren Suizid ankündigten. Da muss man sich in einem Online Forum klar abgrenzen.

Gruß
Klaus

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